Das erwachen des Fluches

Der Kuss brennt nach. Wie Feuer und Eis zugleich.
Ich spüre, wie sich etwas in mir regt, tief in meinem Inneren, dort, wo mein Herz schlägt und meine Magie ruht. Ein Kribbeln, zuerst zart, dann stärker, wie elektrische Wellen, die meine Adern entlanglaufen. Ich öffne die Augen.
Ich sehe Danny tief in die Augen, und ich brauche nichts zu sagen. Er erkennt das Verlangen, das darin brennt. Wir gehen zurück zu Danny, und dort fragt er mich, ob ich ihm etwas sagen will.
‚Ich weiß nicht‘, beginne ich, meine Stimme kaum mehr als ein Flüstern, ‚aber irgendwie kann ich die Finger nicht von dir lassen. Ich will es nicht und kann es nicht kontrollieren. Ist das schlimm?‘
Danny nimmt meine Hand und drückt sie sanft. ‚Ich mag dich, Jemea. Also will ich für dich da sein. Und ich finde es auch gut, wenn du mich willst.‘
Er beugt sich vor, und unsere Lippen treffen sich in einem zärtlichen Kuss, der schnell an Intensität gewinnt. Wir ziehen uns aus, die Kleider fallen achtlos zu Boden. Ich fühle mich wie ein wildes Tier, getrieben von einem unstillbaren Hunger. Wir haben wieder Sex, aber es reicht mir nicht.
Ich weiß durch den Tyrannen, dass man mit Magie Dinge tun kann, die nicht möglich sind. Ich wollte zuerst nicht darauf zurückgreifen, aber die Erregung ist überwältigend das ich sie nicht kontrollieren kann. Ich frage Danny nach seiner Fantasie, ob er irgendwelche Fetische hat.
Meine Stimme klingt dreckig, und ich weiß es auch. Aber in diesem Moment ist es mir egal. Er schaut er mir tief in die Augen und sagt flüsternd: ‚Ein Dreier wäre gut.‘ Ich frage ihn, ob es ihm gleich wäre, wenn ich ihn für den Dreier verdoppeln würde. Wir hätten beide etwas davon. Ich sei dazu fähig. Dannys Augen glänzen vor Neugier. ‚Wenn du das kannst…‘, haucht er, seine Stimme rau vor Verlangen. Ich schließe die Augen, konzentriere mich und spüre die Macht in mir aufsteigen. Ein Kribbeln durchfährt meinen Körper, und vor mir steht plötzlich ein zweiter Danny, identisch mit dem ersten. Wir tun es!
Den ganzen Tag lang. Wir vergessen sogar Martina. Es ist wie eine Sucht, ich will nichts anderes tun, als mich diesem ungezügelten Vergnügen hinzugeben. Jeder Kuss, jede Berührung, jede Ekstase ist intensiver, wilder als alles, was ich zuvor erlebt habe. Der Scham war da noch nicht zu spüren.
Die beiden Dannys scheinen meine Gedanken zu lesen, meine Wünsche zu erfüllen, bevor ich sie überhaupt aussprechen kann. Es ist, als ob die Magie nicht nur ihre Körper verdoppelt hat, sondern auch unsere Verbindung verstärkt, uns in einen Strudel der Sinnlichkeit zieht, aus dem es kein Entkommen gibt.
Die Stunden verschwimmen zu einem einzigen, rauschhaften Moment. Die Welt außerhalb dieses Zimmers existiert nicht mehr. Es gibt nur uns, die Magie und das unstillbare Verlangen. Doch tief in meinem Inneren spüre ich ein leises Unbehagen, eine Ahnung, dass dieser Zustand nicht von Dauer sein kann, dass die Magie ihren Preis fordern wird. Aber im Moment ist mir das egal. Ich will nur genießen, mich verlieren in der Ekstase, die Danny und seine magische Kopie mir schenken.
Für einen Moment sehe ich es.
Mein Spiegelbild in Dannys Pupillen – aber es bin nicht nur ich…Etwas anderes blitzt darin auf: ein Schimmer, wie silbriges Wasser, das sich in Bewegung windet. Es ist wunderschön … und furchterregend.
„Jemea?“
Seine Stimme klingt fern, wie durch Glas.
Ich will antworten, doch mein Atem geht stoßweise. Ich höre wieder das Rauschen – das Meer, das keins ist. Ein Flüstern in meinem Kopf, süß und betörend:
„Du willst mehr, als du denkst. Lass nicht los.“
Plötzlich pulsiert die Luft um mich. Ein Tropfen Wasser fällt aus dem Nichts und trifft auf Dannys Hand. Dann noch einer. Und noch einer. Es riecht nach Regen, obwohl der Himmel wolkenlos ist und wir im Zimmer sind.
„Was… passiert hier?“ flüstert Danny.
Ich spüre, wie mein Körper aufleuchtet, meine Haut schimmert, als würde sie das Licht brechen wie Wasser. Ich will schreien, doch kein Laut kommt über meine Lippen.
„Jemea, hörst du mich?“
Sein Blick ist voller Sorge, doch ich sehe kaum noch sein Gesicht. Nur Formen. Farben.
Alles verschwimmt. Das Flüstern in mir wird lauter, rhythmischer, wie ein uralter Gesang.
„Erwecke, was schläft. Lass die Tiefe sprechen.“
Ich greife mir an die Brust, als würde etwas dort herausbrechen wollen. Ein gleißender Schmerz schießt durch mich. Meine rosa Augen spiegeln das Blau des Ozeans – kalt, tief, endlos.
Dann, plötzlich, Stille. Ich atme wieder.
Mein Körper zittert, aber die Magie zieht sich zurück, als wäre nichts geschehen. Danny legt sich neben mir, sein Klon verschwindet und er war völlig fassungslos.
„Was war das?“ fragt er leise.
Ich schüttele den Kopf.
„Ich… weiß es nicht.“
Doch in mir weiß ich es sehr wohl.
Amarena!
Etwas in mir wurde geweckt. Etwas, das schon immer da war – und nur darauf gewartet hat, dass jemand mein Herz öffnet. Ich blicke zu Danny.
Er streicht mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht, sein Blick voller Zuneigung und Angst zugleich.
„Ich bleibe bei dir“, sagt er.
Aber seine Stimme klingt weit weg, so, als wüsste er selbst nicht, ob er das wirklich kann.
Ich zwinge mich zu einem Lächeln.
„Ich hoffe, du tust es.“
Doch innerlich weiß ich: Er darf mir nicht folgen.
Denn der Ozean in mir hat begonnen, zu flüstern. Und irgendwann – wird er mich holen.
Ich sagte das ich nachhause muss. Danny half mir mich anzuziehen und brachte mich zum Portal.
Er gab mir einen sanften Kuss auf die Lippen ohne mir zu nahe zu treten.
Da ich Berührungsempfindlich bin.
Als ich an diesem Abend durch das Portal in meinem Zimmer trete, ist alles still. Zu still.
Selbst das magische Summen der Runen im Flur ist verschwunden. Nur mein Atem hallt in der Leere wider. Ich lehne mich gegen die Tür, lasse den Kopf nach hinten sinken und schließe die Augen. Die Bilder von heute – Danny, der Kuss, das Licht, das Wasser – alles rauscht wieder vor mir auf. Ich zittere. Etwas hat sich verändert.
Ich fühle es, ich weiß es!
Langsam gehe ich ins Bad.
Ich will nur duschen, den Tag abwaschen, die Wärme des Wassers spüren. Aber als ich das Licht einschalte, flackert es. Einmal. Zweimal.
Dann bleibt es an – doch das Spiegelbild, das mich ansieht, ist nicht mehr meines.
Ich sehe mich – und doch nicht.
Meine Haut schimmert wie Glas, fein, fast durchsichtig. Unter der Oberfläche bewegen sich Linien, als flösse Wasser in meinen Adern.
Ich berühre meinen Hals – und zucke zurück.
Kleine, silbrigblaue Schuppen glitzern dort, wo sonst nur Haut war.
„Nein…“ flüstere ich. „Nein, das ist nicht echt.“
Ich wische mit der Hand darüber – sie bleiben. Unaufdringlich, aber da. Wie ein Brandmal.
Wie ein Zeichen. Das Wasser in der Dusche beginnt zu laufen, ohne dass ich es berührt habe.
Es fällt lautlos in die Wanne, sammelt sich, als würde es auf etwas warten. Ich höre wieder diese Stimme – süß, vertraut, eindringlich:
„Du kannst es nicht mehr verstecken. Die Meeresgöttin weiß, wem du gehörst, was du schuldest und das Meer wird es sich holen.“
Ich taumele zurück, halte mir die Ohren zu, aber die Worte sind längst in mir. Sie hallen im Inneren wider, vermischen sich mit meinen eigenen Gedanken. Ich sehe Dannys Gesicht – seine Wärme, seine Unschuld – und spüre plötzlich Angst. Nicht um mich, sondern um ihn. Ich weiß nicht, was geschehen würde, wenn er mich jetzt berührt. Wenn er mich sehen würde so.
Ein Tropfen Wasser fällt auf meine Hand.
Dann noch einer. Doch es regnet nicht.
Das Wasser kommt aus der Luft – als würde die Feuchtigkeit selbst zu mir finden.
„Amarena…“ flüstere ich.
Kaum spreche ich den Namen, erzittert der Raum.
Ein Schatten huscht über die Wände, kaum sichtbar, aber spürbar wie ein Atem im Nacken. Ein kalter Wind streift meine Haut.
Ich drehe mich um – und sehe für den Bruchteil einer Sekunde eine Gestalt im Spiegel.
Langes, silbernes Haar. Augen wie tiefes, glühendes Meerblau. Dann ist sie verschwunden. Sie war anders als Amarena. Ich starre mein Spiegelbild an, unfähig zu blinzeln. Ein letzter Tropfen rinnt mir über die Wange – salzig, kalt.
Träne oder Meerwasser? Ich weiß es nicht.
Dann, leise, wie aus weiter Ferne:
„Widersetz dich – und ertrinke!
Das Wasser siegt. Nur das Flüstern bleibt.“
Ich sinke auf die Knie und presse die Hände auf den kalten Fliesenboden. Ein schwaches Licht flackert an meinem Schlüsselbein – ein Zeichen, ein Siegel, das in die Haut eingebrannt ist.
Rund, schimmernd, wie eine Perle im Fleisch.
Ich spüre, wie es pulsiert – im selben Rhythmus wie mein Herz. Es war schon immer da aber ich hatte es bis heute nie gemerkt.
„Was hast du mit mir gemacht?“ hauche ich.
Doch keine Antwort kommt. Nur Stille. Und das ferne Echo von Wellen, die ich nie hören dürfte.









































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