Luana – Kapitel 29

Der weiße Schnee, der von der Sonne beschienen wurde, brannte in Luanas Augen. Sie krallte sich an Ragnar fest, der ihr dabei half, sich durch den Schnee zu bewegen. Dieser wurde gefühlt immer tiefer, was es nicht gerade leicht machte. Die Kutschen waren mit Zaubern belegt, sodass sie nicht versanken, nur leider zählte das nicht für alle Mitreisenden.
Nicht nur Luana, sondern auch viele andere steckten bis zu den Knöchel im Schnee und hatten Mühe, vorwärtszukommen.
Um sie herum war alles weiß und niemand schien so wirklich zu wissen, wo sie entlang mussten. Niemand, bis auf Sienna.
Es war eigenartig, dass sich die ganzen Leute ihr einfach anvertrauten, doch bisher hatte Luana noch niemanden gehört, der meckert. Was vielleicht auch daran lag, dass jeder einen Wärmezauber auf seinen Kleidern trug. Diesen hatte sogar Amon gewirkt, damit er auch lange genug hielt.
Luana begriff, dass nicht zwingend die Kälte und der Schnee das Problem war. Es war mehr die Tatsache, dass man nicht genau sagen konnte, wo man entlanglief. Es gab keine Anhaltspunkte, wo sie waren oder woran sie sich orientieren konnten. Es war einfach nur eine große, weite Fläche.
Niemand würde wieder zurückfinden. Zumindest kannte Luana keine Methode, um sich in so einer Gegend zu orientieren.
Sie machte sich ein wenig Sorgen, ob sie vielleicht direkt in ihren Tod lief.
Die Nahrung würde für einige Zeit reichen, doch war es genug?
Luana kamen die ersten Zweifel, doch Ragnar, der sanft ihre Hand streichelte, beruhigte sie sehr. Er schien keinerlei Zweifel zu hegen. Etwas, was Luana gar nicht verstand. Immerhin kannte er Sienna noch weniger. Oder wusste er etwas, was sie nicht wusste?
Luana spürte, dass sich der Untergrund ein wenig veränderte. Er wurde unter dem Schnee unebenen, was dafür sorgte, dass sie noch mehr stolperte.
Es frustrierte sie, doch sie kämpfte sich mit den anderen vorwärts.
„Hier, ein warmer Kakao“, bot eine junge Frau an, die Luana aus der Küche kannte. Soweit sie sich erinnerte, war ihr Name Kara. Sie war schlank und hatte tiefschwarzes Haar, womit sie sehr elegant und wunderschön wirkte.
Luana lächelte dankbar und nahm die kleine Stärkung an. Auch Ragnar bekam eine Tasse, dann zog Kara weiter. Sie war für die Verpflegung zuständig und wusste, wie sie die Leute mit solchen Kleinigkeiten motivieren konnte.




Zudem mussten sie bald an ihrem Ziel ankommen. Sienna hatte gesagt, sie würden vor Sonnenuntergang da sein. Nur wusste Luana nicht, wo genau das Ziel lag. War es vielleicht sogar unterirdisch?
In der Ferne kam etwas in Sicht, das Luana versuchte zu erkennen.
„Ein Gebirge“, murmelte Ragnar, der scheinbar bessere Augen hatte, als sie.
„Ich wusste gar nicht, dass es hier Gebirge gibt“, bemerkte Luana überrascht, bevor sie einen Schluck Kakao nahm. Sie liebte dieses Getränk, weil es so schön süß war.
„Wenn ich das richtig sehe, ist das wohl unser Ziel“, bemerkte Ragnar. Er wirkte irgendwie sehr ruhig. Als könnten sie einfach wieder umkehren, wenn das hier nichts wurde. Luana wusste allerdings, dass dem nicht so war.
Zögerlich musterte sie das Gebirge und dann Ragnar. „Glaubst du, dass wir dort sicher sind?“, fragte sie zögerlich.
„Zumindest wird uns dort nicht so schnell jemand finden. Wenn man nicht weiß wo man lang muss, sollte man Probleme haben, das Gebirge zu finden“, bemerkte er, wobei er skeptisch auf das Steinmassiv blickte.
„Was glaubst du, wieso Sienna uns direkt hierherführen konnte?“, fragte sie leise. Wenn Sienna das konnte, konnten es vielleicht noch andere.
„Könnte damit zusammenhängen, dass sie eine Itari ist“, bemerkte Ragnar unschlüssig.
Das klang logisch. Luana kannte sich im Grunde mit den anderen Rassen überhaupt nicht aus. Sie wusste nicht, was diese besonders machten.
„Eine Höhle wäre gar nicht schlecht“, hörte Luana ihn murmeln, war sich aber selbst nicht sicher, ob eine Höhle wirklich das war, was sie brauchten.
Sie kamen dem Gebirge immer näher, bis sie plötzlich anhielten.
„Was ist los?“, wollte Luana wissen, die von ihrer Position aus nicht so viel sehen konnte. Sie lief mit Ragnar recht weit hinten, damit sie aufpassen konnten. Jetzt war das jedoch unpraktisch.
„Ich weiß nicht“, murmelte Ragnar, der sich streckte, um etwas zu sehen.
Luana wollte ihn bitten, sie hochzuheben, als ein leichtes Beben durch den Boden ging.
„Bei allen Göttern“, hauchte Ragnar plötzlich, was Luana alarmierte. Sie sprang in die Luft, doch das musste sie gar nicht, um etwas zu sehen. Von vorn, dort wo die ersten ihrer Gruppe laufen mussten, erhob sich etwas Braunes aus dem Boden.




Luanas Mund wurde trocken, während sie versuchte zu verstehen, was es war. Sah sie richtig? War das ein Baum?
Der braune Stamm streckte sich dem Himmel entgegen und faltete dort seine Äste aus, als wäre er gerade aus einem langen Schlaf erwacht. Die Äste und Zweige erstrecken sich über die Köpfe der Anwesenden, die alle mit offenen Mündern und erstaunt nach oben starrten.
Luana konnte sich von dem Anblick nicht losreißen. Es war faszinierend zu sehen, wie die Spitzen der Zweige in sekundenschnelle Blätter ausbildeten und kurz darauf ein prächtiger Baum seine Äste schützend über ihnen ausbreitete.
Es herrschte Stille. Luana selbst wusste nicht, was sie davon halten sollte. Es erinnerte sie an den Tag im Garten. Als Sienna Amon ihre Magie demonstriert hatte. Aber war es ihr wirklich möglich, selbst in einer solchen unwirklichen Umgebung einen Baum wachsen zu lassen?
Sofort wurde Luana klar, was das für Möglichkeiten bedeuten würde. Es war, als würde ihr ein Stein vom Herzen fallen. Sie würden auf alle Fälle genügend Nahrung und Baumaterialien haben. Zudem einen gewissen Schutz. Vielleicht würden die Bäume auch für eine höhere Temperatur sorgen. Oder konnte man das auf eine andere Art lösen?
Luana grübelte noch, als sich über ihnen eine Art Kuppel bildete. Es erinnerte sie an die bei Amon, was sie hätte beunruhigen sollen. Allerdings war es ein Schutz, den sie gut gebrauchen konnten.
Luana spürte zudem, dass es wärmer wurde. Nur ganz wenig, aber spürbar.
Sienna und Amon schienen ihre Gaben zu kombinieren, was Luana ein Lächeln auf die Lippen zauberte. Beide waren wunderbar.

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