Noshiko-Kapitel 7
Ich erwachte aus meinem traumlosen Schlaf und stöhnte leise. Mein ganzer Körper schmerzte und ich fühlte mich unglaublich erschöpft und müde.
Wie spät war es? Es war noch dunkel. Das war ungewöhnlich. Normalerweise öffnete Eris die Vorhänge, damit wir nicht zu spät zum Unterricht kamen. Es musste also noch dunkel draußen sein.
Ein leises Lachen erklang, was mich wacher machte. Daher spürte ich auch, dass Finger über meinen nackten Rücken fuhren. „Du kannst noch schlafen“, flüsterte Yuri sanft. „Es ist Wochenende. Wir müssen nicht aufstehen.“
Ich drehte mich ein Stück, bevor ich mich an Yuri kuschelte.
Allerdings war ich nun schon einmal wach und konnte so leicht nicht wieder einschlafen. Daher konzentrierte ich mich auf andere Dinge. Unter anderem bemerkte ich, dass ich noch nackt war und etwas an meiner Brust leicht rieb.
Ich öffnete meine Augen und blickte an mir herab. „Die sind ja immer noch da“, bemerkte ich murmelnd, was Yuri rau lachen ließ.
„Die bleiben dran, damit ich weiß, wo du bist“, bemerkte er belustigt.
„Was heißt das?“, wollte ich wissen und setzte mich etwas auf. Schon allein die Tatsache, dass ich noch immer dieses leichte Reiben spürte, ließ meine Brüste fest werden und meinen Körper schaudern.
„Was ich gesagt habe: Damit ich weiß, wo du bist“, wiederholte Yuri, der sich langsam aufsetzte. Hatte er überhaupt geschlafen? „Du musst deine Medikamente nehmen, du hast sie gestern Abend schon nicht genommen“, bemerkte er, wobei er mich mit seinen fuchsbraunen Augen musterte.
Ich seufzte leise und wusste, dass ich traurig dreinblickte. Ich wollte nicht, doch es war nötig. Schon jetzt war es zu gefährlich. Es war dumm gewesen, sie gestern nicht zu nehmen. Das hätte schwerwiegende Folgen haben können.
Murrend erhob ich mich langsam aus dem Bett. Dabei war ich mir bewusst, dass Yuri mich genau ansah.
Ich ging zum Nachttisch, wo meine Tablettendose lag, und öffnete sie. Es waren noch zehn Stück drin, was hieß, ich musste spätestens nächstes Wochenende mit meiner Großmutter sprechen. „Ich muss am Freitag nach Hause“, bemerkte ich, bevor ich zwei der Tabletten nahm. Dann griff ich zum Glas. Dabei bemerkte ich auf meinem Handy, das eigentlich immer auf dem Nachttisch lag, dass Satoru angerufen hatte.
Ich würde ihn später zurückrufen müssen.
„Warum?“, wollte Yuri wissen, der sich ebenfalls erhob und plötzlich hinter mir stand, von wo er mich umarmte und meinen Nacken küsste.
Ich erschauderte leicht, spürte aber bereits, dass die Tabletten wirkten. „Meine Tabletten werden alle“, murmelte ich, bevor ich mich an Yuri lehnte. Es war so angenehm, dass ich am liebsten die ganzen Zeit so stehen würde.
„Verstehe. Wann kommst du wieder?“, wollte er wissen, während er einen Arm um meinen Bauch legte und mich an sich zog. So fest, dass ich leise keuchen musste. Ich mochte das sehr.
„Ich weiß nicht. Ich denke spätestens Sonntagabend“, murmelte ich. Solange alles gut ging, gab es für mich keinen Grund, warum ich bei Großmutter bleiben sollte. „Ich rufe dich an“, bot ich an, bevor ich mich leicht drehte und ihm einen Kuss auf das Kinn gab.
„Gut. Zieh dich jetzt an“, wies er an, bevor er mich losließ.
Ich legte den Kopf schief und musterte ihn. „Was hast du vor?“, wollte ich wissen, da ich neugierig war. Schon lange war dieses Gefühl nicht mehr so intensiv gewesen, dass ich nachgefragt hätte. Ich hoffte sehr, dass die Medikamente bald halfen.
Yuri schmunzelte. „Du fragst nach? Das kenne ich von dir gar nicht“, bemerkte er, wobei seine Augen funkelten.
„Das wird bald vorbei sein“, sagte ich nüchtern. Immerhin würden die Tabletten bald wieder wirken.
Ich bewegte mich auf den Kleiderschrank zu, in dem meine Sachen hingen, als ein stechender Schmerz in meinem Kopf dafür sorgte, dass kurz meine Sicht verschwamm. Ich keuchte und hielt mich am Schreibtisch fest, bevor ich gegen den Schmerz anatmete.
Ein Flüstern drang an meinen Geist, das mich sofort nervös machte. Zudem spürte ich die Magie in mir, die ungewöhnlich drängend war.
„Was machst du?“, fragte Yuri, der plötzlich zu mir sprang und mich an sich zog. So musste ich aufsehen und bemerkte, dass alles, was irgendwie lose herumlag, in der Luft schwebte.
Ein erneutes Keuchen verließ meine Lippen. „Es tut mir leid“, brachte ich heiser hervor. Das hatte ich nicht gewollt.
„Ist das der Grund, warum du die Medikamente nimmst?“, fragte Yuri, der angespannt klang.
„Nicht nur“, murmelte ich und versuchte, die Kontrolle über meine Magie zurückzuerlangen. Ich schaffte es sogar und so konnte ich die Gegenstände alle wieder absetzen. Dafür bekam ich heftig Kopfschmerzen.
Yuri zog mich noch fester an sich, bevor er meinen Kopf streichelte. Es hatte etwas unglaublich Sanftes und Beruhigendes, sodass es mir die Tränen in die Augen trieb. „Deine Magie ist durchgedreht, oder?“, fragte er mitleidig, was mich nicken ließ.
„Ja. Ich bin nur knapp mit dem Leben davongekommen“, antwortete ich mit belegter Stimme. Dabei wurde ich in meine Vergangenheit zurückgeschleudert.
Da war Blut. So viel Blut und ich mittendrin. „Das ist deine Schuld“, sagte eine männliche Stimme. „Du hast sie getötet. Nur wegen dir mussten sie sterben“, klagte er mich an.
Ich hatte das Gefühl wieder in meinem jüngeren Ich zu sein und alles nochmal zu erleben. In mir flüsterte eine Stimme, dass ich ihn töten sollte. Ich sollte ihm nicht glauben und ihn töten.
Panisch krallte ich mich an Yuri fest, während ich versuchte, mich aus dieser Erinnerung zu kämpfen.
Er streichelte mich, doch ich nahm es kaum wahr. So lange nicht, bis ich spürte, wie Blitze durch meinen Körper jagten. Es ließ mich keuchen und für einen Moment riss ich panisch die Augen auf, bis mir bewusstwurde, dass es von der Kette an meinem Bein kam.
Es riss mich in die Gegenwart zurück und ich blinzelte.
„Hier bleiben“, wies Yuri mich an. Ich brauchte einen Moment, um zu verstehen, dass er es geistig, nicht körperlich meinte.
Mein Atem ging schwer und ich hing mehr in Yuris Armen, als ich allein stand.
Dieser hob mich hoch und brachte mich zum Bett, wo er mich absetzte. Dann musterte er mich, küsste meine Stirn und ging zum Schrank. Dort zog er ein Kleid für mich hervor, das er mir brachte. „Wir gehen in die Stadt“, entschied er. „Glaubst du, du schaffst das?“
Ich nickte zögerlich. Ein Ausflug in die Stadt würde mich hoffentlich ablenken, bis die Tabletten wirkten. „Ich nehme die Tabletten mit“, sagte ich noch immer mit belegter Stimme. Wenn es nicht besser wurde, musste ich noch eine nehmen.
Yuri nickte und legte das Kleid neben mich aufs Bett. „Zieh dich an“, wies er mich an, was ich auch befolgte. Dann holte er mir sogar noch einen Mantel. Diesen kannte ich nicht, weshalb ich mich wunderte.
„Woher hast du meine Größe?“, fragte ich, denn irgendwie musste er diese Sachen anfertigen lassen haben. „Und wieso machst du das?“, wollte ich wissen. Bisher hatte ich es hingenommen, doch im Moment wollte ich mich ablenken.
„Ich habe mir einige deiner Kleider aus dem Koffer geliehen. Ich war der Meinung, dass diese zu kühl für die Jahreszeiten sind. Du sollst dich nicht erkälten“, erklärte er, während er sich selbst anzog.
Ich wurde sogar ein bisschen rot. Er sorgte sich offenbar um mich, was mir das Herz wärmte. Es war sehr schön, dass jemand wollte, dass es mir gut ging.
„Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass du dich nicht selbst um dich sorgen kannst“, bemerkte Yuri, der angezogen zu mir zurückkehrte. „Wahrscheinlich wärst du ohne Hilfe schon tot“, sagte er nüchtern.
Ich wusste nicht genau, ob er damit recht hatte, trotzdem nickte ich. Im Grunde war ich wirklich nicht sonderlich darauf bedacht, dafür zu sorgen, dass ich am Leben blieb.
„Komm jetzt“, sagte er auffordernd und zog mich hoch, bevor er mir den Mantel umlegte und mich zur Tür hinausschob. „Ich möchte frühstücken.“













































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