Prolog (16 Jahre bis 18)
16 Jahre alt:
„Fiona! Fiona!“ schallt es durch das Rudelhaus. Paul stürmt die Treppe hoch zu Fionas ihrem Zimmer. Die Tür reißt er förmlich auf. Fiona, die durch die Kopfhörer nichts von seinem Rufen gehört hatte, erschreckt sich merklich. „Was ist denn in dich gefahren?“ fragt Fiona ihn.
„Es ist endlich passiert. Ich konnte mich ganz bewusst alleine wandeln. Mein Wolf hat sich auch endlich mit Namen vorgestellt, er heißt Dust. Ist das nicht toll? Endlich gehöre ich ganz offiziell dazu und bin weder in der einen Gruppe, noch in der anderen. Jetzt gehöre ich wirklich zu den Werwölfen. Ich habe in den nächsten Wochen dann immer nach der Schule Unterricht, um besser mit meinem Wolf zu reden und alles mögliche. Ich freue mich so.“ rattert Paul aufgeregt herunter.
Fiona lächelt zaghaft. „Das ist toll Paul, ich freue mich für dich.“ Paul nickt wild und spricht dann „Ich muss jetzt wieder los. Mom hat mir noch Aufgaben aufgebrummt, für unser nächtliches Treffen mit den Sternschnuppen. Frage mich nicht, wie sie es herausgefunden hat. Aber ich wollte es dir als erstes erzählen.“
Dann verabschiedet sich Paul und rennt wieder hinaus. Fiona schaut ihm noch lange nach. Jetzt gehört Paul wirklich zu den Werwölfen. Er wird mit 18 seine Mate finden können, denkt sich Fiona traurig. In diesen Augenblicken wünscht sie sich, dass sie auch einen inneren Wolf hätte und dieses Band zwischen Mates spüren könnte.
Fiona glaubt nicht daran, dass sie die Mate von Paul ist. Auch wenn die Erwachsenen es vor ihnen Beiden geheim zu halten versuchen, hatte sie ein Gespräch ihrer Eltern belauscht, indem es darum ging, dass alle glauben, dass sie Mates sind.
Ja, seit ein paar Jahren hat es angefangen, dass sie Paul mit anderen Augen sieht. Genauer gesagt, als er sie geküsst hatte, damit sie auch zu der Gruppe der geküssten Mädchen gehört. Wie albern sie damals war, deswegen traurig zu sein. Doch dieser Kuss, der ist ihr gestochen scharf in Erinnerungen geblieben.
Aber seitdem hat Paul nichts in dieser Richtung mehr getan. Für Paul ist Fiona seine beste Freundin, mit der er zusammen aufgewachsen ist. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Wie wird es jetzt wohl sein, wo er seinen inneren Wolf nun die ganze Zeit über spürt und sogar miteinander reden können?
17 Jahre alt:
Enttäuscht wendet Fiona ihren Blick von der Gruppe ab. Paul legt seinen Arm um die Wölfin aus einem anderen Rudel und flirtete mit ihr. Das muss sich Fiona nicht anschauen. Seit Pauls Wolf vor einem Jahr gänzlich erwacht ist, wurde die Zeit, die sie zusammem verbrachten wesentlich kürzer. Für Fiona war gerade die anfangs Zeit sehr schwer. Denn in den Pausen verbrachte sie die Zeit meistens mit Paul, seinen Freunden und Hanna. Hanna ist neben Paul die einzige Freundin, die Fiona hat.
Denn obwohl sie die anerkannte Tochter vom Alpha ist, ist sie immernoch nur ein Mensch. Die Wölfe im Rudel akzeptieren sie und sind freundlich zu ihr, doch gingen gerade die Jüngeren ihr aus dem Weg. Wenn Paul die anderen nicht immer wieder zum spielen animiert hätte, hätte sie kaum Kontakt zum Rudel. So hat sie lockere Bekannte unter den Jugendlichen. Aber wirklich befreundet sein, wollte nur Hanna von ihnen.
Diese legt auch verstehend ihre Hand auf Fionas Arm. „Vielleicht haben die Älteren Recht und er muss sich jetzt ausprobieren?“ versucht Hanna Fiona zu trösten. „Aber wie bescheuert ist das denn? Ich bekomme doch alles mit, wie er sich jetzt benimmt. Sollte ich wirklich seine Mate sein, wäre ich dann doch nur noch mehr abgeneigt.“ spricht Fiona abgeneigt.
„Meine Mutter meinte, dass das Mate-Band stärker war, als der Wolf noch nicht erwacht war. Jetzt könnte er es weniger spüren, weil er es bewusst noch nicht spüren kann und darf. Vorher war sein Wolf noch wie in einem Wach-Koma. Er bekam alles mit, doch argieren konnte er nur bei seiner Mate oder dem Alpha beziehungsweise der Luna.“ versucht Hanna die Worte ihrer Mutter, welche die Heilerin des Rudels ist zu wiederholen.
Skeptisch schaut Fiona zu Hanna. Diese zuckt mit den Schultern „Meine Mutter konnte es besser erklären.“
Vor dem 18. Geburtstag von Paul:
„Meine Mutter hat mir übrigens geraten, dass wir uns von Paul fernhalten sollen, bis zu seinem Geburtstag.“ spricht Hanna besorgt schauend auf die blauen Flecke an Fionas Armen.
Schnellt zieht Fiona ihre Ärmel über die Arme. „Das war ein Versehen. Mein Vater hat auch gesagt, dass ich mich lieber fern halten soll von Paul, solange sein Wolf so durchdreht. Es hätte wohl etwas mit seinem Geburtstag zu tun. Aber wirklich genau weiß es keiner. Vater hat sogar auch Heiler aus anderen Rudeln angefragt, aber keiner wusste so genau, warum Paul so anders ist und die anderen ansteckt, je näher deren Geburtstage kommen.“ versucht Fiona Paul in Schutz zu nehmen.
„Fiona, er hat dich verletzt! Wenn das dein Vater wüsste, würde Paul die Zeit bis zu seinem Geburtstag in einer Zelle verbringen. Ihr kennt euch schon ewig und doch hat er dich verletzt. Hast du dich eigentlich mal im Spiegel angeschaut? Du bist seit Wochen total blass. Und seit ein paar Tagen sind die Augenringe dazugekommen. Du siehst ehrlich gesagt nicht gut aus.“ spricht Hanna besorgt.
Doch Fiona winkt ab „Das ist nur der Druck, den alle an mich haben. Jeder im Rudel denkt, ich bin die Mate von Paul. Am schlimmsten sind die Ältesten, die mir schon Aufgaben von der Beta-Mate geben.“ „Ich verstehe auch nicht, wie deine Eltern da nichts unternehmen.“ spricht Hanna aufgeregt.
„Sie tun so viel, aber da kommt selbst das Alphapaar nicht mehr nach. Du hättest mal meine Mutter sehen sollen, wie sie einem der Ältesten sprichwörtlich die Ohren langgezogen hat, als sie von den Aufgaben erfahren hat.“ versucht Fiona die Sorgen von Hanna zu beschwichtigen.
Denn insgeheim macht sich Fiona mehr als nur große Sorgen. Paul hatte ihr vor ein paar Tagen so viel Angst eingejagt, dass sie um ihr Leben fürchtete. Dabei kennt sie doch Paul schon ihr Leben lang. Er würde ihr gegenüber nie etwas tun. Aber seinen Wolf kennt sie nicht wirklich und der war es, der ihr die Angst eingejagt hatte.
Ihr hätte nicht gesagt werden müssen, dass sie sich von Paul im Moment fern halten soll, denn das macht Fiona schon von ganz allein. Erst Recht, um die ganzen Gerüchte über ihre Seelenverbindung mit Paul zu verringern. Auch wenn es nicht mehr wirklich klappt.
Denn Hanna hat Recht. Ihr geht es seit einigen Wochen nicht mehr gut. Und wenn Fiona ehrlich zu sich selber wäre, würde sie sich eingestehen, dass es ihr schon länger als paar Wochen schlecht geht.
Der Druck von allen anderen aus dem Rudel, aber auch der Druck, den sich Fiona selber macht, machen ihr schon seit einigen Monaten Probleme. Sie mag Paul, sehr sogar und vielleicht auch ein bisschen zu sehr. Aber das letzte Jahr ist für Fiona schwer zu verstehen. Wie konnte aus ihrem besten Freund ein aggressiver Wolf werden, der sie scheinbar nicht mehr zu kennen schien.
Nach der Schule schleppte sich Fiona aus dem Schulgebäude. Hanna hatte heute an dem Tag früher Schluss, wodurch sie nicht gemeinsam nach Hause gehen konnten. Der Heimweg verlief bis kurz nach der Haltestelle, wo Fiona aussteigen musste, um dann zu Fuß weiter zur Siedlung gehen ereignislos.
Doch auf dem Feldweg zur Siedlung traf sie auf Paul und seine Freunde, welche sich lachend gegenseitig schubsten. Als Fiona die Gruppe entdeckte stoppte sie. Denn die Gruppe bestand aus jungen Wölfen, die alle in den kommenden Wochen 18 werden. Dies bedeutet das sie alle gerade am durchdrehen sind, da sie bald alle ihre Mates finden können und volljährige Wölfe werden. Warum das bei Paul schon seit einem Jahr ist und immer schlimmer wird, weiß keiner so richtig.
Bevor sich Fiona dazu entscheiden konnte, in die Büsche abzutauchen, wurde sie entdeckt. „Na schaut mal einer an, wer uns da entgegen kommt?“ ruft einer der Jungen. Alle halten in ihrem Tun plötzlich inne und schauen zu ihr.
Wie Raubtiere, die sie ja schließlich auch sind, gehen sie auf Fiona zu. „Ich verstehe nicht, wie ein Mensch in die Alpha-Familie aufgenommen werden kann.“ spricht einer der Jungs, doch ist seine Stimme dunkler und kratziger. Der Wolf spricht also gerade und übt sehr viel Einfluss auf die menschliche Zeite aus.
Fiona macht einen kaum merklichen Schritt rückwärts, doch bleibt dies natürlich nicht unbemerkt. Höhnisch ruft der Nächste „Ha, schaut mal, sie hat Angst vor uns.“ „Fine, sollen wir dir mal zeigen, wovor du wirklich Angst haben solltest?“ fragt tatsächlich Paul und nutzt den Spitznamen, den er immer als Kind genutzt hatte, als er Fiona noch nicht aussprechen konnte.
„Nein, schon gut. Ich will einfach nur nach Hause.“ spricht Fiona mit leicht zitternder Stimme. „Oh Paul, die Idee von deinem Wolf finde ich super. Lass es uns machen.“ spricht der Junge, der Fiona als erstes bemerkt hatte.
Unheil ahnend geht Fiona noch einen Schritt zurück. Sie sprechen sich über den Mind-Link ab, denkt sich Fiona. Die Härchen auf ihren Armen stellen sich auf und Fionas Instinkt schreit ihr förmlich zu, dass sie hier verschwinden muss. Noch bevor die Gruppe irgendwas tut, wirft Fiona ihren Rucksack hin und läuft in den Wald hinein. Die erschrockenen Rufe der Jungen hört sie am Rande, dafür aber deren Schritte laut und deutlich. Fieberhaft versucht sich Fiona an alles zu erinnern, wie sie sich am besten verstecken kann.
Um ihren Geruch loszubekommen, läuft sie auf den kleinen Fluss zu. Zu ihrer eigenen Überraschung, schafft sie es zum Fluss. In diesen springt sie hinein und läuft aufwärst. Sie wagt es nicht einen Blick zurückzuwerfen. An einer guten Stelle klettert sie wieder hinaus und wälzt sich im Schlamm. Hoffend dass es ausreicht, läuft sie weiter als sie ein Heulen hört.
Zum Glück kommt Fiona dann ein Dachsbau in Erinnerung, der groß genug für sie sein müsste und in der Nähe ist. Ein weiteres Heulen ertönt, welches sich viel zu nah anhört, wodurch Fiona stolpert. Doch sie kann sich gerade noch halten.
Den letzten Meter rutscht Fiona zum Dachsbau, mit der Hoffnung dann auch gleich reinzukommen. Ihre Hoffnung geht auch in Erfüllung, auch wenn sie viel Erde ins Gesicht bekommt. Als sie zum liegen kommt, versucht sie sich zu drehen, sodass sie mit dem Gesicht nach unten gerichtet ist. Zwar bleibt Fiona einen erschreckenden Moment mit ihrem Arm stecken, doch kann sie sich mit einem schmerzhaften Ruck befreien.
Schwer Luftholend versucht Fiona sich zu beruhigen. Als sie dann die Geräusche von Pfoten hört, hält sie sich zusätzlich die Hand vorm Mund. Die Pfotengeräusche kommen vorm Dachsbau zum stehen. Knurren ist zu hören, was Fiona das Blut in den Adern gefrieren lässt. Es klingt ganz und gar nicht freundlich.
Als sich die Wölfe wieder entfernen, wagt es Fiona, nach ihrer Hosentasche zu tasten. Zum Glück bestand ihr Vater darauf, dass sie den Melder immer bei sich trug und nicht in ihrer Tasche oder Jacke. Als sie schließlich den Melder findet, drückt sie ohne zu Zögern drauf.
Sobald sie das tut, geht beim Alpha der Alarm los. Alarmiert schaut er auf seinen Computer nach dem Standort und sprintet dann aus dem Rudelhaus hinaus. Sobald er draußen ist, verwandelt er sich. Seine Luna steht erschrocken vor ihm. Kurz erzählt er ihr über den Mind-Link, dass der Melder von Fiona los ging. Sofort besteht Luna Jade darauf, mit ihm zu gehen. Wissend, dass er bei der Entschlossenheit seiner Frau nichts sagen kann, beugt er sich schnell hinab, sodass sie auf seinen Rücken klettern kann. Sobald sie sicher auf seinem Rücken sitzt, läuft er los.
Es dauert nicht lange und er kommt auf einer Lichtung an, von wo das Signal kam. „Fiona?“ ruft Jade besorgt und steigt von Alpha Mathias ab. „Fiona?“ ruft sie erneut. Daraufhin hört Mathias ein Schluchzen. Dem Geräusch folgend, kommt er zum Rand der Lichtung. Dort schnüffelt er mit der Nase auf dem Boden und versucht seine Tochter zu finden. Doch findet er keine Spur.
Jade kommt zu ihm und ruft erneut nach ihrer Tochter. Ein leises und zögerndes „Mom?“ kommt von einigen Metern neben ihnen. Sofort folgt der Alpha der Stimme und findet unter einem Busch den Eingang zu einem Dachsbau. Die frischen Rutschspuren zeigen ihm, dass Fiona wohl in dem Bau ist. Jade kniet sich vor den Eingang und streckt ihre Arme in diesen.
Fiona ergreift diese zitternd und lässt sich von ihrer Mutter hinausziehen. Schluchzend fällt sie ihrer Mutter um den Hals. Besorgt schaut die Luna zum Alpha. „Krümel, was ist passiert?“ Der Spitzname aus der Kindheit von Fiona beruhigt sie. Doch bevor Fiona etwas sagen kann, brechen die Jungs in Wolfgestalt durch die Büsche.
Sofort sucht Fiona hinter ihrer Mutter Schutz. Dies lässt den Alpha sich vor den Jünglingen aufbauen. Er brüllt sie im Mind-Link an und auch hört man ein Knurren und Bellen von ihm. Dann treibt er die Jünglinge zum Trainingsplatz, wo er sie Runden laufen lässt. Genauer was er mit ihnen macht, überlegt er sich, sobald er weiß, was genau passiert ist.
Währenddessen versucht Jade ihre Tochter wieder zu beruhigen. „Mom, ich kann das nicht mehr!“ Verwundert hält Jade darin inne, Fiona über den Kopf zu streicheln. „Wie meinst du das Krümel?“ „Der Druck, die Blicke, das Geflüster hinter meinem Rücken, aber vor allem Paul. Er hat sich so im letzten Jahr verändert. Er ist nicht mehr der, den ich kenne. Ich habe Angst vor ihm.“
Die Worte ihrer Tochter ernstnehmend fragt Jade „Und was hast du dir vorgestellt?“ Fiona schaut ihre Mutter erstaunt an „Du sagst nichts von wegen, warte ab, sobald er dich als deine Mate erkennt, wird er wieder der Paul von früher?“ Jade schüttelt ihren Kopf und streicht Fiona über ihren Kopf „Nein. Du bist meine Tochter. Auch wenn ich das Rudel als Luna an erster Stelle stellen sollte, bis du meine Tochter, die kein Werwolf ist. Und das hat für mich einen viel höheren Stellenwert, gerade wo es dir nicht gut geht im Rudel.“
Mit Tränen in den Augen schaut Fiona zu ihrer Mutter „Danke Mom.“ „Also, was willst du tun?“ fragt Jade ihre Tochter erneut. Zögernd spricht Fiona „Bevor wirklich etwas passiert, möchte ich gehen. Ich würde gerne, wie mein leiblicher Vater zum Militär. Ich will lernen, mich selbst zu verteidigen und weniger Angst zu haben.“




















































Ich würde Fiona jetzt am liebsten auch einfach in den Arm nehmen und sanft drücken.. 🤍
Mein negatives Gefühl Paul gegenüber hat sich jetzt noch mehr verfestigt. Ich hoffe zwar wirklich dass das alles nur an seinem Wolf und der Abgewöhnung liegt, aber irgendwie glaube ich dass da noch mehr hinter steckt… mal schaun :/
😊