Kapitel 18 – Vier Götter, vier Altare

Kapitel 18 – Vier Götter, vier Altare

 

Cyrus

Nayara stierte auf den Boden. Ihre ganze Körperhaltung drückte Unbehagen aus. „Er hat … also, hat mich eventuell … ge…küsst? Weil … also die Männer, die nach uns suchen, und meine Haare und …“

„Und was hast du dabei empfunden?“

„Es war unangenehm“, murmelte sie leise. „Da waren die Männer, die Situation war seltsam und der … Kuss … ganz unverhofft.“

„War er aufdringlich?“ Alles in mir schrie danach, Joe das Gesicht blutig zu schlagen. Andererseits hätte ich an seiner Stelle genau dasselbe getan. Ein verliebtes Pärchen spielen, die Frau vor mir mit meinem Körper abschirmen und mich auf die Umgebung konzentrieren. Simpel und dennoch effektiv. „Hat er dich unsittlich berührt oder sein Glied an deinen Körper gedrückt?“

„Er hat seinen ganzen Körper an meinen gedrückt, da kann man nicht nur von seinen Lenden sprechen …“ Leicht schüttelte sie ihren Kopf. „Seine Hand ist meinen Körper auf und abgefahren, aber eigentlich … nicht wirklich aufdringlich, nein. Ich glaube auch nicht, dass es ein Versuch war, mich zu belästigen. Er hat einfach dafür gesorgt, dass man meinen Körper und mein Gesicht nicht sieht.“

War es so? Oder begehrte er sie? Nun, jeder vernünftige Mann in dieser Unterkunft musste sie begehren, das war mir klar. Aber würde er seine Lust vor seine Pflichterfüllung stellen? Ich drehte mich auf dem Absatz um. „Warte hier! Und du tust nachher, was ich von dir verlange! Kein Zögern, kein Zurückweichen!“ Ich vernahm nur noch ein erschrockenes Einatmen, dann war ich auch schon durch den Vorhang geschlüpft.

Zum Glück musste ich nicht lange suchen. Joe war in der Küche. Allein. „Mitkommen!“, befahl ich schroff.

Der Mann von der Palastwache schluckte hörbar. Er ließ von seinem Humpen Bier ab, stellte ihn auf den Tisch und folgte mir. Ohne auch nur eine Frage zu stellen, oder seine Unschuld zu beteuern. Zweifellos war ihm bekannt, weshalb er mir jetzt durch die Gänge folgte.

Mit schnellen Schritten ging ich zurück, zog den Vorhang von unserem Schlafzimmer ein wenig beiseite und deutete hinein. „Rein da. Und mit dem Rücken an die Wand. Egal welche Wand.“

Wieder vernahm ich ein Schlucken, ehe er wortlos tat, wie geheißen. Nayara stand noch genauso da wie zuvor. Sie hatte sich, wie befohlen, nicht von der Stelle bewegt, nur mit dem Unterschied, dass ich jetzt ihre Erregung riechen konnte. Mir kamen meine harschen Worte von vorhin in den Sinn. Ein eindeutiger, unmissverständlicher Befehl, den sie achtlos und ohne Konsequenzen fürchten zu müssen, hätte ignorieren können. Aber sie stand noch da. Und ganz offensichtlich hatte meine Formulierung sie in einen Zustand der körperlichen Begierde versetzt.



Mein Schwanz wurde hart. Scharf ausatmend riss ich mich zusammen und sah zu Joe, der sich mit dem Rücken an die Wand rechts vom Vorhang gestellt hatte und damit jetzt genau zwischen mir und Nayara stand.

Ich nickte zufrieden. „Handinnenflächen an die Wand und den Kopf schräg legen“, befahl ich dem Mann. Dann trat ich auf Nayara zu, stellte mich hinter sie und küsste ihren Hals. „Du wirst ihn nun beißen, Liebste. Nur ein kleiner Schluck. Sonst ist das Gift zu viel für ihn. Sei vorsichtig und zurückhaltend.“ Wieder küsste ich ihren Hals. „Zubeißen, einen Schluck nehmen und wieder lösen. Erst danach wirst du sein Blut herunterschlucken.“

Wo sie vorher noch leise und verhalten gestöhnt hatte, drehte sie sich jetzt ruckartig zu mir um, den Mund bereit zum Protest geöffnet. Streng sah ich auf sie herunter, woraufhin sie ihren Protest hinunterschluckte und ihren wunderschönen Mund wieder schloss. Ich sah den Kampf in ihren Augen. Sie zögerte. Befehle nahm sie nur entgegen, wenn wir unser Spiel spielten. Und jetzt, in diesem Moment, kämpfte sie, wog ab, wie weit sie das Spiel zu gehen bereit war.

„Nur ein Biss. Ein kleiner Schluck. Als Vampir wird es ihn leicht schwächen, mehr nicht“, versicherte ich ihr und sah zu Joe, der noch immer an der Wand stand. Er beobachtete uns, und in seiner Hose bildete sich eine unübersehbare Beule ab. Auch sein Atem ging ein wenig schneller, während sein Blick auf meiner Verbundenen ruhte. „Siehst du, wie sehr er es will?“, flüsterte ich Nayara leise ins Ohr.

Sie erschauderte und nickte zögerlich. Ganz langsam ging sie auf ihn zu, mitsamt ihrem betörenden Geruch. Ihr Atem ging schwer, als sie ihre Hände an seine Brust legte, kurz zu der Palastwache aufsah und ihr Augenmerk dann ganz seiner Halsschlagader widmete. Sie atmete tief ein, dann aus, legte ihren Kopf in seine Halsbeuge, atmete noch einmal ein und biss dann zu.

Ich trat hinter sie, um im Zweifelsfall eingreifen zu können. Joe stöhnte heftig auf und schloss die Augen. Seine Hände zuckten kurz, aber er drückte sie weiter an die Wand. Auch seine Erregung konnte ich nun deutlich riechen. Ihm war mehr als ein Lusttropfen abgegangen. Mein Blick ruhte auf Nayara. Ich vertraute ihr.



Kaum hatte sie ihre Fänge in ihm versenkt, zog sie sie auch schon wieder heraus, hob den Kopf aus seiner Halsbeuge und schluckte. Ihre Zunge fuhr gierig über ihre Lippen und verursachte dabei ein leises, schmatzendes Geräusch. Noch immer lagen ihre Hände an seiner Brust. Nun hob sie ihren Blick zu Joes Gesicht; die Sorge darin konnte ich förmlich riechen.

Ich trat hinter Nayara und zog sie ein wenig von ihm weg. Zumindest so weit, dass ihre Hände ihn nicht mehr berührten. Erst dann richtete ich meine Aufmerksamkeit auf ihn.

Joe atmete schwer, die Beule in seiner Hose war beachtlich. Sein Blick klebte auf meiner Frau und ich sah die Gier darin. Das Verlangen, sie zu nehmen.

Mit zusammengepressten Zähnen stellte ich mich genau zwischen die beiden und musterte kurz Joes Hals. Dann sah ich ihm in die Augen. „Nähere dich noch einmal der Königin oder zwinge dich ihr auf, Joe, und ich garantiere dir, dass sie mehr als nur einen Schluck von dir nehmen wird. Präge dir ihr Gesicht gut ein, denn ihr Gift ist das Tödlichste unter allen. Sie ist in der Lage, dich innerhalb von Sekunden zu töten. Sie braucht mich nicht, um sich zu retten. Das kann sie sehr gut allein. Also mache sie dir niemals zum Feind. Verstanden?“

„Cyrus …“ Zarte Hände fassten mich an der Schulter. „Er hat es sicher nicht mit dieser Absicht getan.“ Sie drehte mich zu sich um. „Sein Interesse ist garantiert nicht … so, an mir.“

„Oh, Liebes … Sein Schwanz war schon hart, bevor du ihn gebissen hast“, erwiderte ich seufzend. Dann wandte ich mich Joe zu. „Willst du deine Königin ficken, Joe?“

Die Palastwache schluckte schwer. Noch immer stand er so wie befohlen an der Wand, obschon er bereits zu zittern anfing. Seine Knie würden ihn nicht mehr lange tragen – Nays Gift entfaltete seine Wirkung. Jetzt schüttelte er hastig den Kopf. „Nicht doch!“, beteuerte er schwitzend, vermutlich vor Augen habend, wie ich Gilead seiner Annäherungsversuche wegen verprügelte.

Ich sah kurz zu Nayara und ein Gedanke huschte in meinen Kopf. „Willst du dabei zusehen, wie ich sie ficke?“

Nay verlor für einen Moment die Kontrolle über ihren Unterkiefer, während Joe scharf die Luft einsog, aber keinesfalls abgeneigt wirkte. Wobei es ihm aber sichtlich unangenehm war, offen zuzugeben, dass er es wollte. Genauso wie er gelogen hatte, als er verneinte, sich selbst in ihrem warmen Schoß vergraben zu wollen.



Im nächsten Moment flutete der Geruch von Nayaras Lust regelrecht den Raum. Überrascht sah ich zu ihr, die Augenbrauen gehoben. Zwar hatte ich das letzte Mal, als wir das Thema angeschnitten hatten, bereits bemerkt, wie ihr Körper auf die Vorstellung reagierte, doch in ihrem Kopf verband sie es mit Scham. Auch jetzt senkte sie ihn beschämt. Ich konnte mir nur vorstellen, wie unfassbar süß sie mit ihren ganz bestimmt glühend roten Bäckchen aussehen musste.

Ein dumpfes Geräusch lenkte meinen Blick zurück zu Joe, dessen Knie nachgegeben hatten. Und trotzdem war die Beule an seiner Hose nicht zu übersehen. Und das, wo er bereits bei ihrem Biss abgespritzt hatte.

„Und du, Nay? Willst du, dass er dabei zusieht?“ Ich ging auf sie zu und atmete tief den Geruch ihrer Lust ein. Unglaublich, was diese Frau für wollüstige Fantasien hatte. Eine Hand legte ich unter ihr Kinn, um es anzuheben. Die andere Hand drückte ich gegen ihre Schritt.

Erregt wimmerte sie auf. Auch sie hörte ich schlucken, ehe sich ihr Kinn ganz sanft nach unten und wieder nach oben bewegte. „Also nur wenn er will …“, nuschelte sie leise, beschämt ob ihrer eigenen Fantasie.

In kürzester Zeit hatte ich sie entkleidet und streichelte sie dabei. Der schwache Schein der Kerze reichte völlig aus, um ihren Körper zu beleuchten. Die Schwangerschaft stand ihr ausgesprochen gut. Und je mehr ich ihren Körper berührte, desto weniger versuchte sie, sich zu bedecken. Ob ich mir wegen des Zuschauers oder für Nayara mehr Zeit ließ, konnte ich nicht sagen. Immerhin kam sie zwei Mal, bevor ich sie überhaupt penetrierte. Ich genoss die Geräusche unserer verbundenen Körper, ihr Stöhnen und das leise Wimmern von Joe, der sich bestimmt nichts sehnlicher wünschte, als meinen Platz einzunehmen.

Nayara verlor ihre Hemmungen. Unser Akt wurde intensiver, intimer, und dass, obwohl wir einen Zuschauer hatten.

Direkt danach ging Nayara, mit hochrotem Kopf und einem Lächeln auf den Lippen, das sie zu verstecken versuchte, hinaus.

Am späten Abend war Nayara noch immer nicht zurück. Wir hatten zwischenzeitlich gegessen, aber selbst der Geruch hatte sie nicht hervorgelockt.

Hatte ich zu viel von ihr erwartet? Hätte ich vielleicht Gilead zusehen lassen sollen? Schämte sie sich jetzt so sehr, dass sie uns nicht mehr sehen wollte? Mich nicht mehr sehen wollte? Mit einem trockenen Brot zwischen den Zähnen ging ich durch die kleinen Räume unserer seltsamen Behausung. Aber von Nayara fehlte jede Spur. War sie draußen?



Brummend tastete ich mich die dunklen Gänge entlang, und machte mich auf den Weg nach draußen. Plötzlich hielt ich inne. War da ein Licht gewesen? Stirnrunzelnd folgte ich dem Lichtschein, der aus einem der abzweigenden Gänge kam. Plötzlich stand ich in einem hellerleuchteten Flur. Rechts und links hingen Fackeln an der Wand. Die Flammen tanzten im Wind, aber ich spürte keinen Lufthauch.

„Heilige …“, hörte ich es leise weiter hinten im Gang flüstern. Zweifellos Nayaras Stimme. Sie hörte sich an, als hätte sie einen Geist gesehen.

Einen Schritt nach dem anderen trat ich auf die bereits wieder verstummte Quelle des Geräusches zu. Es konnte nichts Schlimmes sein, oder? Sonst hätte sie geschrien. Ja, sicher. Und doch wurden meine Schritte schneller. Die Flammen züngelten an den Wänden und warfen sich energisch bewegende Schatten. Als ich um eine Ecke trat, eröffnete sich vor mir ein großes Tor. Es war keine Tür, nur ein Durchgang, doch er war alles andere als schlicht. In einem anmutigen, runden Bogen, der Stein verziert mit faszinierenden Schnörkeln, hieß er einen in einer anderen Welt willkommen. Ich trat hindurch, die Augen groß. Auch hier brannten überall Fackeln. An den Wänden fanden sich Malereien in verschiedensten Farben, darunter auch Gold, wobei die Farbe bereits abblätterte. Doch war das längst nicht alles. An der hinteren Wand, der, vor der auch Nayara stehengeblieben war, fanden sich in die Wand gehauene Reliefs uralter, längst vergessengegangener Zeit. Der Stein wirkte porös – nie hätte ich gewagt, ihn zu berühren – doch was dargestellt wurde, war klar.

Vier Figuren – Drache, Einhorn, Elfe und Nymphe – nahmen die Wand ein und blickten in erstaunlicher, ich würde fast sagen lebensechter Größe, zu uns hinunter. Ignis-Robur war riesig. Nichts an ihrem Abbild erinnerte an den kleinen, irgendwie niedlichen Drachen, den Nayara vor Monaten noch auf ihren Händen getragen hatte. Auch das Einhorn, Ora-Fides, mein Gott, fing meinen Blick ein. Und fast hatte ich das Gefühl, er fing meinen Blick auf. Wäre es nicht absolut absurd, hätte ich ohne Zögern behauptet, die Steinstatue erwidere meinen Blick.

Ich atmete zittrig ein, trat näher und stolperte. Stirnrunzelnd stieg ich über die mehrere Meter große, unförmige, steinerne Plattform, die meinen Weg zu Nayara und damit zum Relief der Ignis-Robur, behinderte. Einen Blick in den Raum werfend, erkannte ich auch vor den anderen, unfassbar realistischen steinernen Reliefs, solche steinernen Erhöhungen. Doch mit jedem Gott wurde sie kleiner.



Dieses Gebäude … Diese Halle … Ich hatte das Gefühl, die Götter waren hier. Zumal ich wusste, dass sie tatsächlich existierten. Unsere Götter lebten. Und dies hier war ein Heiligtum, den Göttern gewidmet.

Ich trat schräg hinter Nayara. „Ich bin mir nicht sicher, ob die Götter uns helfen oder auslachen wollen.“

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