Kapitel 21 – Geflügel oder Braten?

Kapitel 21 – Geflügel oder Braten?

 

Aurelie

Cyrus war so stur! Da wandte er Magie an, befreite Irina und kippte um! Und wenn ich ihm helfen wollte …

Ich kletterte in die hintere Kutsche und ließ mich gegenüber Irina fallen. Amaro würde sich um Cyrus kümmern. Besser, er tat es, sonst bekäme er es mit mir zu tun! „Da passt man auf ihn auf, und er denkt sofort, ich wäre bindungsblind!“ Ich verdrehte meine Augen und spielte unruhig mit meinen Nägeln herum. Irina saß mir einfach gegenüber. Sie wusste, ich würde reden, sobald ich dazu bereit war. Und ihre Geduld machte sich nicht viel später bezahlt.

„Er will dem Blutschwur entsagen!“, warf ich in den Raum. Meiner Stimme war deutlich anzuhören, wie sehr mich sein Wunsch verletzte. Nein, es war noch nicht einmal mehr nur ein Wunsch! Es war bereits ein Vorhaben! Wir saßen in der Kutsche, auf dem Weg nach Werweißwohin und das, weil er sich von mir trennen wollte! Weil er mich nicht wollte!

Tränen stiegen mir in die Augen und Schnodder verstopfte meine Nase, sodass ich sie geräuschvoll hochzog. „Er will mich nicht mehr!“ Die ganze Zeit in der Kutsche hatte ich Stillschweigen bewahrt, meine Gefühle unterdrückt und die Wahrheit verleumdet. Er stellte mich vor vollendete Tatsachen, und dass er Irina die Freiheit geschenkt hatte, war zwar nett, aber das machte es nicht besser. Erst verließ mich Gilead, jetzt Cyrus, am Ende ging wahrscheinlich auch Irina und ließ mich allein. An die Berater, die nur seinetwegen im Sitzungssaal saßen und für uns arbeiteten, wollte ich gar nicht denken. Das ganze Reich auf Dauer allein zu führen, würde mich früher oder später zerreißen. Denn ich hatte keine Grigoroi, keine Vertrauten, denen ich Aufgaben delegieren konnte. Zumindest kein halbes Bataillon davon.

„Aber du kannst einen anderen Mann finden. Einen Besseren! Einer, der dir nicht weh tut und dich nicht vergewaltigt! Naya, du bist frei, wenn er das macht!“ Irina beugte sich zu mir vor und ergriff meine Hände.

„Aber …“, setzte ich verzweifelt an, wusste aber doch nicht, was sagen. Hatte er etwa recht? War ich der Bindung so sehr verfallen, dass ich in seiner Nähe keinen Deut mehr auf mich selbst achtete? Irinas Worte hallten in meinem Kopf wieder. Vergewaltigt. Ja, mehrfach sogar. Und hatte ich ihm verziehen?



Bei dieser Frage blieb ich stecken. Hatte ich ihm etwa verziehen? Wann? Wie? Niemals! Oder vielleicht … einfach jetzt noch nicht. Ich vermutete, ich wäre bereit gewesen, ihm zu verzeihen. Hätte er einfach meinen Wunsch respektiert. Hätte er mir einfach den Gefallen zugestanden, sich zu entschuldigen. Oder auch nur Einsicht zu zeigen. Aber ob es die Bitte war, seinen Samen nicht in mich zu spritzen, oder den Wunsch mir Irina zurückzugeben: Er hatte nie auf mich gehört.

„Und wen?“ Traurig sah ich auf. Ich hatte mich wohl wirklich irgendwie in der Bindung verloren. Ich wusste nicht, ob ich früher, als wir noch nicht verbunden gewesen waren, bei seinem Zusammenbruch vorhin bei ihm geblieben wäre. Hätte ich seinen Kopf auf meine Brust gebettet? Von den Grigoroi Proviant gefordert, damit er aß?

Im Gegensatz … bekam ich nichts zurück. Schlagartig wurde mir bewusst, wie gleichgültig ich ihm eigentlich sein musste. Zwar hatte er gefragt, ob ich selbst etwas zu mir genommen hatte, aber es hatte ihn nicht weiter interessiert. Genauso gut hätte das eines der Ratsmitglieder fragen können, dem ich zu abgemagert ausgesehen hätte.

Ich senkte den Blick auf meine Hände. „Gilead …“ Ich brachte seinen Namen nur schmerzhaft über die Lippen. „Er hat seine einstige Verlobte wiedergefunden. Er liebt sie mit Herz und Seele.“ Eine Träne tropfte mir in den Ausschnitt, woraufhin ich schnell nach dem Schultertuch griff und sie mir wegwischte. Mit meinem Liebsten hätte ich mir vorstellen können, zu regieren. Aber alleine? Oder sollte ich Kretos fragen? Der Gedanke war absurd. Ich mochte ihn ja noch nicht einmal. Aber er wusste zumindest, wie man regierte.

„Du wirst andere Männer kennenlernen, Naya. Bei Gilead sollte es nicht sein, aber das heißt nicht, dass es keine anderen Männer gibt, die dein Herz im Sturm erobern können.“ Irina setzte sich neben mich und nahm mich in den Arm. „Bisher warst du nur auf einem Ball. Warte ab, bis du erst aktiv an der Gesellschaft teilnimmst.“

„Für so was habe ich doch gar keine Zeit, Irina. Wenn ich alleine herrschen muss, wie soll ich da überhaupt noch Zeit zum Schlafen finden? Und außerdem will … ich ihn nicht …“ Scharf stieß ich die Luft aus. Nein, ich wollte Cyrus nicht loswerden. Denn irgendwie mochte ich ihn. Was absolut sinnfrei war, denn er erwiderte diese Gefühle kein Stück und hatte sie ganz bestimmt auch nicht verdient. „Bestimmt ist es nur die Bindung“, murmelte ich in einem kläglichen Versuch, mich selbst davon zu überzeugen. „Sobald sie getrennt ist, werde ich anders darüber denken.“



„Du hast fähige Minister um dich herum. Die werden dir doch sicher einen guten Haufen an Arbeit abnehmen können.“ Aufmunternd strich sie mir über meine Schulter. „Es wird alles besser, wenn er weg ist.“

 

Ich musste weg gedämmert sein, denn aufwachen tat ich sehr … ungewohnt. Irina, auf deren Schulter ich offenbar gelegen war, hatte sich komplett versteift, meinen Namen geflüstert und da war ich. Wach. Durch das Fenster konnte ich erkennen, dass die Sonne bereits ein ganzes Stück weitergewandert war. Nicht mehr lang und die Abenddämmerung würde einsetzen.

„Irina?“, fragte ich verschlafen und gähnte ausgiebig. „Entschuldige, war ich zu schwer?“ Vielleicht hatte ich ihr die Schulter irgendwie abgeklemmt? Ging das bei Grigoroi überhaupt?

„Nein, aber …hörst du das auch?“, flüsterte sie leise. „Es kommt von … dir.“

„Wie bitte?“ Was meinte sie? Von mir? Ich horchte. Sofort drang das vergleichsweise laute Geräusch der Räder auf dem Weg unter uns an mein Ohr. Aber das konnte sie eigentlich nicht meinen. Draußen zwitscherten fröhlich die Vögel und auf dem Kutschbock unterhielten sich leise zwei Grigoroi. Hatte ich ein Glöckchen an mir? Wollte sie mich auf den Arm nehmen?

„Halte mal die Luft an, Naya. Lausche. Und dann sag mir, was du alles hörst.“

„Ähm, in … Ordnung? Also ich höre …“ Ich schloss die Augen und versuchte mich zu konzentrieren. Tatsächlich brachte man jungen Vampiren normalerweise bei, wie sie sich auf Geräusche und Gerüche fokussieren konnten … genauso wie auch das schnelle Rennen. Aber mir hatte das nie jemand gezeigt. „Vogelgezwitscher, den Wind in den Bäumen, das Rattern der Räder. Ich höre ein leises Quietschen, ich nehme an, die Kutsche müsste einmal wieder geölt werden … Äh, dann noch die Grigoroi, die leise reden.“ Ich hielt den Atem an und versuchte, mich zu konzentrieren. Was hörte ich noch? Vor allem etwas, was Irina dazu brachte, mich zu wecken? „Da ist nichts Ungewöhnliches, Irina“, stellte ich irritiert fest. Natürlich war da das Geräusch meines Blutes, wie es durch meine Adern pumpte, und auch unsere beiden Herzen, die …

Stirnrunzelnd presste ich mein Ohr gegen ihre Brust. Doch da war nichts. Ihr Herz schlug nicht, so wie es seit ihrer Verwandlung war. Verwirrt hörte ich noch einmal hin. Doch ich hatte mich nicht verhört.



Ehe ich den Gedanken weiterführen konnte, hielten wir an. Verwirrt öffnete ich die Tür und sprang aus der Kutsche. Mein leichtes, aber etwas wärmeres Reisekleid umspielte sachte meine Beine. Einen Blick in die Runde und ich erkannte ein großes Haus vor uns. Eine Gaststätte, wie es aussah.

Cyrus‘ Grigoroi waren bereits dabei, die Pferde loszubinden, was einiges an Lärm verursachte. Stirnrunzelnd ging ich auf den eingebildeten Idioten zu. Meine Anwesenheit war ihm sichtlich unwillkommen, aber da musste er jetzt durch, denn ich blieb sicher nicht brav in der Kutsche hocken. Ich hörte noch, wie Irina mir nachrief, wieder in die Kutsche zu kommen, aber ich hatte gerade anderes im Kopf. Wie zum Beispiel, dass er nicht noch auf die Idee kam, uns zusammen in ein Zimmer zu stecken!

Cyrus ging vor, öffnete mir die Tür und ließ mich die Gaststätte betreten. Meine Ohren bluteten bei dem Krach, der hier veranstaltet wurde. Aber auch meine Nase wurde mit dem nur zu verhassten Geruch von Alkohol gequält. Mehrere Menschen saßen im Raum verteilt, lachten, tranken, sangen und grölten. In einer Ecke entdeckte ich zwei, die sich prügelten. Zweifelsfrei floss der Alkohol in Strömen.

Mein Gemahl bahnte sich einen Weg zum Tresen, wohin ich ihm mühsam folgte. „Zwei Zimmer bitte“, hörte ich ihn über den Lärm hinweg schreien. „Und meine Pferde müssen untergebracht werden.“ Und die Grigoroi?, fragte ich mich, sagte aber nichts dazu.

Die hässliche Alte, und anders konnte man sie wirklich nicht beschreiben, grinste meinen Mann an. „Wir haben nur noch ein Zimmer. Aber du kannst gerne bei mir schlafen, Hübscher.“

Mein erster Reflex war es, ihr die Fänge zu zeigen, zu fauchen und mein Revier zu verteidigen. Aber dann fiel mir wieder ein, dass ich ihm egal war. Also sollte er es mir auch sein. Ich war kurz davor zu antworten, dass sie ihn gerne haben konnte, aber aufpassen solle, weil er gerne zubiss, da fragte Cyrus plötzlich: „Was wird hier gefeiert?“

„Oh, einer der Unglücklichen heiratet morgen!“, erwiderte die Alte.

Cyrus‘ Gesicht verzog sich angespannt. „Danke. Dann verzichten wir“, rief er und wandte sich schon in Richtung Tür.

Ich selbst war bereits einen Schritt in Richtung Ausgang gegangen, da drängte sich mir plötzlich ein Mann in den Weg. Sein Gesicht war rot angelaufen, er trug einen langen, bereits teilweise ergrauten Bart, der vor verschüttetem Bier nur so tropfte, und seine Augen waren klein und funkelten in einem Glanz, den ich nur allzu gut kannte. Mir selbst hatte diese Emotion die letzten Monate das Leben deutlich schwerer gemacht. Aber eigentlich war ich auch so noch nie ein großer Befürworter der Wollust gewesen. Sie führte am Ende doch nur zu Schmerz.



„He! So eine Schönheit habe ich noch nie gesehen!“, rief der Mann und griff sich auf einmal mit einer Hand an die Hose. „Wie viel? Wir können ja zusammenlegen, meine Jungs und ich. Dann hast du die beste Nacht deines Lebens!“

Vor lauter Entsetzen blieb ich auf der Stelle stehen. Sprach er etwa von mir? Aber mit … Ich blickte hinter mich. Mit Cyrus?! Er wollte Cyrus für mich bezahlen? Und so wie ich ihn kannte, so wie er immer wieder bewies, wie wenig ich ihm bedeutete, würde der vermutlich sogar noch auf den Handel eingehen! Immerhin waren die Staatskassen gerade nicht bei bester Gesundheit.

„Fass meine Frau nicht an!“, fauchte es plötzlich hinter mir. Schnell ruckte mein Blick wieder zu meinem Gemahl. Er hatte seine Fänge zu voller Länge ausgefahren und war gerade dabei, auf den Mann zuzustürmen.

Ich schluckte. Auf eine Prügelei konnte ich verzichten. Wieso machte er das überhaupt? Wieso stand er jetzt … jetzt plötzlich für mich ein, als wäre ich ihm wichtig? Als wäre ich mehr als nur seine Ausstellpuppe, die er benutzen konnte, wenn er wollte, sowohl was Arbeit, Befriedigung als auch öffentliche Anlässe betraf?!

Cyrus hatte den Mann am Hals gepackt und rauschte mit ihm durch die Menge. Stolpernd ging ich zur Seite, rutschte auf dem nassen, versifften Boden aus und fiel hart. Mein Steißbein beschwerte sich augenblicklich, aber etwas anderes wurde mir in diesem Moment bewusst, und das mit einer Intensität, die mich erstarren ließ. Die Welt war unwichtig geworden, das Lachen der Umstehenden hörte ich nur aus weiter Ferne. Da waren zwei Herzschläge in der Kutsche gewesen. Und Irina hatte keinen.

Verzweifelt versuchte ich, mich aufzurichten. Noch einmal rutschte ich beinahe aus, schaffte es aber gerade noch, mich zu fangen und stolperte raus. Raus, ich musste hier weg! Eine Hand hatte ich mir auf den Mund gepresst, den ich vor Verzweiflung, Fassungslosigkeit und Angst nicht mehr schließen konnte – die andere lag fest auf meinem Bauch.

Ich hatte keine Ahnung, wie ich damit umgehen sollte. Die ganze Welt schien mir verlangsamt, als ich aus dem Gasthaus flüchtete und auf die Kutsche zurannte, vor der Irina stand und sich gerade noch mit einem der anderen Grigoroi unterhielt. Als ich tränenüberströmt auf sie zugerannt kam, in die Kutsche kletterte und die Tür zuziehen wollte, folgte sie mir augenblicklich.



„Naya, was ist pa… Uah, du stinkst nach Bier!“ Sofort hielt sie sich eine Hand vor die Nase, rutschte aber trotzdem näher. „Was ist los?“, gab sie gepresst von sich.

„Ich … ich bin …“ Mein Atem wurde immer schneller, doch irgendwie kam keine Luft in meine Lungen. „I…ich…!“ Wild fuchtelte ich mit den Händen, während mir heiße Tränen die Wangen hinunterliefen und meine Lunge langsam aber sicher zu brennen begann.

„Naya, beruhige dich.“ Sie nahm mich in den Arm und hielt mich fest.

In dem Moment klopfte es von außen gegen die Tür der Kutsche. „Majestät? Wir wollen noch ein Stück weiterfahren. Es gibt in der Nähe eine Scheune, in der wir übernachten werden.“

Stinan. Ein weiterer Grigoroi, den ich kaum kannte.

Ich klammerte mich stärker an Irina, welche es als Zeichen nahm, für mich zu antworten. „Ist in Ordnung, wir sind bereit“, rief sie nach draußen und wandte sich wieder ganz mir zu. Ihre Arme streichelten mit angenehmem Druck über meinen Rücken und ließen mein Schluchzen nach einer sehr langen Zeit langsam abflauen. Luft füllte meine Lungen und ich konnte wieder atmen. Aber ironischerweise hatte ich mich in meinem ganzen Leben noch nie leerer gefühlt.

Die Kutsche setzte sich in Bewegung und Irina ließ sich, mit mir auf dem Schoß, auf eine der Bänke nieder. Als meine Tränen weniger wurden, setzte das Hicksen ein. Immer wieder. Ich hatte keinen Einfluss darauf. Ich hickste schamlos Irinas Brust an und vergoss dennoch weitere Tränen, die ihren Busen nässten.

„Es ist Ordnung, Naya.“ Immer wieder strich sie über meinen Rücken. Nach einer kurzen Strecke stoppten wir wieder. Es waren keine Pferde angespannt worden, also mussten die Grigoroi die Kutsche gezogen haben.

Wieder klopfte es gegen die Tür. „Majestät? Wir werden ein Lagerfeuer außerhalb der Scheune machen. Der König wird einen Hahn über dem Feuer braten.“

„Ich bleibe hier drin. Ich … fühle mich nicht so gut. Irina wird mir das Essen bringen, danke.“

Die Schritte entfernten sich, Stimmen ertönten. Zwischendurch wieherten die Pferde. Und nach einer Weile roch ich gebratenes Fleisch.

„Ich schaue mal, was der Vogel macht. Oder soll ich noch etwas bleiben?“

Ich schluckte hart. „Nein, geh ruhig. Nur, kannst du gucken, dass niemand reinkommt? Ich will nicht, dass sie … jemand …“ Ich war immerhin selbst gerade noch dabei, überhaupt zu begreifen, was hier vorging.



„Ja, natürlich. Ich bin gleich wieder da.“ Irina küsste meine Stirn und ging. Doch wie versprochen, blieb sie nicht lange weg. Mit unzähligen Decken beladen, kehrte sie zurück und breitete diese auf dem Boden der Kutsche aus. „Der König selbst hat vorgeschlagen, dass du in der Kutsche schläfst. Er hat mir Decken und Kissen gegeben, damit du es halbwegs bequem hast.“

Ich nickte stumm und half apathisch ins Nirgendwo starrend dabei mit, die Decken auf dem Boden auszubreiten. Irgendwann hörte ich aber einfach auf. „Irina, was mache ich jetzt?“ Schon wieder erstickte ich fast an meinen Tränen. Immer wieder kamen sie hoch und wollten nicht wegbleiben. Meine Hände legten sich auf meinen Bauch und krampften. Ich schüttelte den Kopf. „Das kann ich doch nicht!“, dachte ich heiser. „Das geht doch gar nicht!“ Und abgesehen davon, dass allein die Existenz dieses … Dings in mir gar nicht möglich sein sollte, wäre ich auch noch alleinerziehende Mutter und Königin. Das war zu viel!

„Vielleicht … vielleicht ist es zu früh. Und du verlierst es in wenigen Tagen wieder. Mach dich bitte nicht verrückt. Du bist doch noch zu jung …“ Sie schluckte schwer und nahm mich wieder in den Arm.

„Wann soll das überhaupt passiert sein?“, krächzte ich an ihre Brust. „Ich meine, ich habe vielleicht zwei oder drei Mal mit ihm … freiwillig … und ich glaube sonst, wenn es schon am Anfang passiert wäre, dann wäre es sicher gestorben, weil ich so abgemagert war …“ Verflucht! „Ich muss essen! Was ist, wenn es stirbt, weil ich so wenig esse?“ Mein Atem wurde schneller. „Und was, wenn es stirbt, wenn er sich von mir trennt? Oder wenn es, wenn es groß ist, lieber zu seinem Vater will? Oh, Götter, wer ist das überhaupt?!“

Sachte streichelte Irina meine Hand und lehnte ihre Stirn gegen meine. „Aber Naya … bitte mach dich nicht verrückt. Bei Menschen kommt eine Fehlgeburt sehr oft vor. Vielleicht ist es bei Vampiren auch so und du behältst es nicht lange.“

Ich wusste nicht, was ich dazu sagen sollte. Wahrscheinlich hatte sie recht. Außerdem war ich doch noch viel zu jung für ein Kind. Jetzt schon … Mutter zu werden, das konnte ich mir nicht in meinen kühnsten Träumen vorstellen. „Ja. Vermutlich hast du recht“, nuschelte ich leise, während ich mit meinen Fingern zärtlich über meinen Bauch streichelte. „Es wird sicher bald schon wieder weg sein.“ Und mich allein zurücklassen, so wie es auch jeder andere tat.



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