Kapitel 26 – Gib mich nicht auf
Kapitel 26 – Gib mich nicht auf
Aurelie
„Möchtest … du nicht doch rauskommen?“, versuchte es Dareen versöhnlich aber erfolglos. Und das würde auch so bleiben, denn ich hatte nicht vor, dieses Badezimmer jemals wieder zu verlassen.
„Nein!“, entgegnete ich nur stur und tunkte meinen Finger erneut in das Honigglas. Mittlerweile war es nur noch zur Hälfte voll. Und das bedeutete wohl oder übel, dass mir der Honig eigentlich schon wieder hinten rauskommen müsste, denn das Glas war riesig.
Ich hörte Darleen seufzen. „Ich kann es dir ja noch nicht einmal übel nehmen.“
Ich schniefte. „Nein! Kannst du nicht!“ Versank ich soeben in Selbstmitleid? Eventuell. Aber wenn diese hohle Nuss von einem Verbundenen das konnte, konnte ich das schon lange!
Wieder steckte ich meinen Finger ins Glas und lutschte in ab. Ich hätte schreien können. Jetzt schmeckte auch noch der Honig nach Salz! Die Frustration über den Geschmack meiner Tränen im Honig ließ mich erzürnen! Doch noch immer saß ich da im Bad und regte mich nicht. Als allerdings das Glas in meinen Händen zu schmelzen begann, wurde mir klar, dass ich etwas brauchte, um meine Wut loszuwerden. Und den … ganzen Schmerz. Er wollte uns nicht. Weder mich noch sein Kind. Und es brachte mich um den Verstand.
Vorsichtig stellte ich das Honigglas neben mir ab, raffte mich hoch und schloss auf. Vor dem Badezimmer saß Darleen am Boden und hatte selbst Tränen in den Augen.
„Besser, ich helfe dir nicht auf“, sprach ich nüchtern und deutete beiläufig auf das verformte Honigglas im Bad. „Hast du eine Leibwache?“
„Eh …“ Darleen stand langsam auf. „Ja schon … aber, die Sonne geht gerade auf, ich glaube nicht, dass er … wieso brauchst du meine …?“
„Er soll augenblicklich zu deinem Trainingsplatz kommen. Und ein zweites Schwert mitbringen.“
„Aber Naya…“
„Cyrus wird warten oder fahren. Mir ist es gleichgültig. Nein, eigentlich würde ich es vorziehen, er fährt allein. Das ist es immerhin, was er will.“ Allein sein. Was ich wollte, interessierte ihn nicht. Ich wandte mich von ihr ab und ging in Richtung Tür ihrer Gemächer.
„Aber du bist…!“
Mit ausgefahrenen Fängen fuhr ich herum. „Darleen, jetzt hohl augenblicklich deine beste Wache und schick sie mir auf diesen verdammten Platz! Anderenfalls kann ich für rein gar nichts mehr garantieren!“, zischte ich wütend und war mir sicher, meine Augen glühten dabei.
Darleen seufzte ergeben und nickte schwach. „Holzschwerter sind in Ordnung?“ Sie rappelte sich auf und ging in Richtung Tür. „In zehn Minuten? Passt dir das?“
„Nein, ich will kämpfen, nicht spielen! Stahl!“ Und nur vielleicht gab ich mich gerade einem gewissen Selbstzerstörungstrieb hin, der mir aber wohl den Verstand rettete.
Darleen verschwand, den Mund zu einer dünnen Linie zusammengekniffen. Währenddessen ging ich zu ihrem Schrank hin und bediente mich an ein paar wirklich schönen Lederhosen und einer etwas ausladenderen Bluse, da ich mehr Oberweite als sie vorzuweisen hatte. Diese band ich mir ab. Das war beim Kämpfen deutlich angenehmer.
„Naya?“, fragte es vorsichtig.
„Aurillia?“, entgegnete ich barsch, schluckte und seufzte leise. „Verzeih. Ich bin gerade keine gute Gesellschaft. Was willst du?“
„Ich … naja, ich weiß, du fährst gleich und Emili will mit dir kommen, aber ich …“
„Aber du nicht. Das ist in Ordnung, wirklich. Alles gut.“ Meine Worte waren kalt und ohne Gefühl, während ich innerlich barst. Sogar Aurillia …
„Darleen hat mir einen Lehrer fürs Lesen und Schreiben besorgt. Und ich habe eine Lehre zum Goldschmied begonnen, weißt du …“
Gerade noch hatte ich mir die Bluse über den Kopf gestülpt, hielt jetzt aber halb angezogen inne. Sie hatte bitte was? „Ich wusste nicht, dass du dich für Schmuck interessierst“, stellte ich fest. Und auch wenn ich versuchte, Gefühl in meine Stimme zu bringen, oder auch nur Interesse zu heucheln – sie blieb kalt und unberührt. Ungeduldig zog ich das Oberteil zurecht und band mir einen Gürtel darum.
„Ja, naja … ich dachte mir, vielleicht holt ihr mich auf dem Rückweg ab und ich könnte die Lehre bei dir fortsetzen? Oder aber ich … bleibe hier?“
Ich schluckte schwer. „Ja. Wie immer du willst, Aurillia.“ Meine zitternden Hände hinter meinem Rücken versteckend ging ich an ihr vorbei, hinaus aus dem Zimmer, hinaus aus dem Schloss. Das Trainingsgelände musste hinter dem Schloss sein, denn bei der Anfahrt hatte ich es nicht gesehen. Kurzerhand ließ ich mich von einem Diener hinbringen.
Ein großgewachsener Mann stand dort, mit zwei Schwertern in einer Hand. Darleen war nahe bei ihm und sprach auf ihn ein. Er überragte sie um fast zwei Köpfe. Seine roten Haare trug er offen über den Schultern und reichten ihm bis zu den Schulterblättern. Ein dichter Vollbart reichte ihm bis zum Brustbein. Er hatte etwas Wildes, Animalisches.
Erst jetzt fiel mir auf, wie erbärmlich ich eigentlich aussehen musste. Ich hatte nicht geschlafen, der lockere Zopf von letzter Nacht hing schlaff und ausgefranst über meiner Schulter und mein Gesicht, so vermutete ich stark, glich einer angeschwollenen Tomate.
„Morgen“, grüßte ich den Mann reichlich unbeeindruckt von seinem barbarischen Aussehen. „Ich bin Naya.“ Fordernd streckte ich die Hand nach einem der Schwerter aus.
Der Mann reichte mir eines. „Alof. Ich wurde darauf hingewiesen, dass ich Euch unter keinen Umständen verletzen darf. Sollen wir auf Holzschwerter wechseln?“ Er deutete auf die beiden metallenen, abgestumpften Klingen in seiner Hand. „Auch mit diesen kann es zu Prellungen kommen.“
Ich knurrte ungehalten in Darleens Richtung, sprach aber zu Alof: „Nein, kein Holz. Es ist außerdem nicht schlimm, wenn ich mich verletze. Vampire sind bekannterweise recht robust.“ Ohne weiter zu trödeln, lief ich in die Mitte des Kampffeldes, um Abstand zu Darleen zu gewinnen. Kreisend bewegte ich meine Schultern, Handgelenke und zum Schluss die Ellbogen. Das musste als Aufwärmen genügen. „Kommt Ihr, Alof?“ Am besten, bevor auch noch das Metall in meinen Händen zu schmelzen anfing.
Der Mann kam auf mich zu und ließ dabei das Schwert in seiner Hand eindrucksvoll kreisen. „Ihr seid zwar meine Königin, aber ich erhalte meine Befehle von der Fürstin.“ Er stellte sich vor mir auf und hob die Klinge. „Wollen wir?“
Ich setzte ein gekünsteltes Lächeln auf und schnellte vor. Mit einer Finte auf links begann ich den Kampf. Dann ließ ich mein Schwert von oben auf ihn niedersausen, was von ihm sofort pariert und abgelenkt wurde.
Es dauerte nicht lange und ich verfiel in meinen Rhythmus. Angreifen, abblocken, ausweichen, von vorn. Die Lehreinheiten von Targes waren mir ins Blut übergegangen, denn ich führte sie aus, als hätte ich mein ganzes Leben noch nichts anderes getan. Schritt vor, halbe Drehung, Stich, parieren. Treten, Sprung nach hinten, gebückt angreifen, das Schwert als verlängerten Arm nutzen, ihm eins auswischen. Von letzterem träumte ich noch. Der Mann hatte sich seinen Posten an Darleens Seite verdient.
Das Schwert war mir zu schwer. Nur war es mir gleich. Alles war gleichgültig, Hauptsache ich begann nicht wieder zu denken. Hauptsache, die Worte meines verfluchten Gemahls blieben mir aus dem Kopf!
„Ahhh!“ Meine Schläge wurden aggressiver, während Tränen mein Sichtfeld zu trüben begannen. Schließlich empfand es Alof als angebracht, diesen Kampf zu beenden, denn er brachte mich mit einem schnellen Fußfeger zu Boden und hielt mir die stumpfe Klinge an den Hals.
„Ihr habt überraschend gut gekämpft, Majestät. Unerwartet … für eine Schwangere.“ Er reichte mir die Hand, um mir aufzuhelfen. „Geht es Euch gut?“
„Danke.“ Des Anstands wegen ließ ich mir aufhelfen. Dann wischte ich mir die Tränen aus den Augen und forderte: „Nochmal.“
„Naya …“ Darleen kam auf uns zu und knetete nervös ihre Hände. „Cyrus will los. Er wartet bestimmt schon seit einer halben Stunde in der Kutsche.“
„Wir Männer warten unser halbes Leben auf Frauen“, entgegnete Alof grinsend. „Also ich bin bereit für eine zweite Runde. Aber Majestät sollte sich erst eine Pause gönnen.“
„Cyrus kann warten. Noch besser wäre es, er geht.“ Ich wandte mich wieder Alof zu. „Eine Pause ist nicht vonnöten. Besser, du machst Platz, Darleen.“
Darleen seufzte leise und wich wieder ein paar Schritte zurück. „Gut. Aber nur ein kurzer Kampf!“
Alof hob sein Schwert und nickte mir zu. Wieder griff ich an. Zwar waren meine Arme bereits müde vom vorherigen Kampf, doch ich ließ es mir nicht ansehen. Meine Miene blieb hart und unbewegt, während auch Alof konzentriert blieb und den Kampf, mich ehrend, nicht auf die leichte Schulter nahm. Unsere Klingen kreuzten sich immer wieder, das Metall klirrte hart und laut aufeinander. Mit jedem Schlag bebte mein Arm mehr. Die Vibration brannte sich bereits in meine Schultern.
Mit Genugtuung sah ich, dass auch Alof der Schweiß von der Stirn lief. Er teilte zwar keine groben, schweren Hiebe aus, aber sie waren trotzdem von höchster Perfektion. Und die Wucht genügte, um mir jedes Mal fast die Waffe aus der Hand zu schlagen. Auch für ihn wurde es anstrengend.
Wie aus dem Nichts tauchte ein Schatten auf und warf sich auf Alof. In einem verschwommenen Schemen erkannte ich die schwarzen, halblangen Haare von Cyrus, seine schlichte und doch schöne Kleidung.
Die beiden Männer rollten sich über den Boden, bis Cyrus grunzend auf Alofs Brustkorb saß. „Was fällt dir ein?!“ Wutschnaubend holte er zum Schlag aus und malträtierte damit Alofs rechte Wange. Den nächsten Schlag konnte der Leibwächter abwehren und teilte seinerseits nun aus, mitten in Cyrus‘ rechte Seite. Dieser keuchte auf, was Alof nutzte, um sich auf Cyrus zu rollen. Mit voller Wucht schlug er Cyrus gegen die Schläfe.
„Aufhören!“, schrie Darleen. „Alof, hört auf!“
„Och, nein. Lass ihn doch, Darleen. Alof hat absolut recht damit, ihn zu schlagen“, warf ich ein und näherte mich dem Geschehen. „Immerhin hat er angefangen.“ Tief in mir wimmerte ein Teil meines Seins kläglich und sehnte sich danach, meinem Verbundenen beizustehen. Ich unterdrückte den Impuls und wischte ihn weg, wie eine nervige Fliege. Ein Stich, direkt in mein Herz, war die Folge. Aber ich ließ mir den Schmerz nicht ansehen.
Die beiden Männer schlugen aufeinander ein, bis Cyrus es schaffte, seine Zähne in Alofs Oberarm zu graben.
„Cyrus! Nein!“ Darleen kreischte auf und rannte auf Cyrus zu. „Stopp! Du bringst ihn noch um!“
Tatsächlich ließ Cyrus von Alof ab. Blut tropfte von seinen weit ausgefahrenen Fangzähnen. In seinem Gesicht waren mehrere kleine aufgeplatzte Wunden zu sehen. Die Unterlippe, das rechte Auge, die Wange, sogar die Nase blutete. Aber auch Alof sah nicht besser aus. Er atmete schwer und griff sich an den Arm.
„Scheiße!“, fluchte ich, ging auf die beiden zu und stieß Cyrus von Alof weg. Seine Verletzungen schmerzten mich, aber die hatte er sich selbst zuzuschreiben! Im Gegenteil zu Alof. Schnell kniete ich mich neben ihn. „Verdammt!“, rief ich aus, hatte dann aber eine Idee. Hastig presste ich meine Lippen auf die zwei offenen, kleinen Wunden, die Cyrus Fänge in der Haut des Leibwächters hinterlassen hatten, und begann zu saugen. Mir konnte Cyrus‘ Gift immerhin nichts anhaben.
Alof ächzte leise. Seine Augen fielen flatternd zu. Sein röchelnder Atem jedoch flachte ab, bis er ruhig und gleichmäßig ging.
Darleen nahm ein kleines Messer, schnitt sich in das Handgelenk und ließ ihr Blut in seinen Mund laufen. „Er wird schon wieder, Naya.“
Nach mehreren Schlucken ließ ich von dem Oberarm des verletzten Kämpfers ab. „Tut mir leid“, murmelte ich leise und fühlte mich schuldig. Schuldig wegen eines Mannes, dem ich nichts bedeutete!
Langsam und kontrolliert drehte ich mich um. Cyrus stand ein Stück weiter weg und beobachtete mich – die Miene unergründlich. Er sah absolut scheiße aus. Aber das hatte er selbst zu verantworten. Zielgerichtet ging ich auf ihn zu. „Was, bei den vier Göttern, fällt dir eigentlich ein?!“, fauchte ich, die Fänge wütend ausgefahren. „He? Hätte das ein Akt des Beschützens sein sollen, Cyrus? Hm? Weil ich dir so viel bedeute? Oder vielleicht das hier?“ Meine Hand legte sich auf meinem Bauch und krallte sich hinein, während ich nur immer wütender wurde. „Du willst mich nicht, schon vergessen?!“, schrie ich ihm entgegen. „Du willst uns nicht! Deine Worte waren mehr als deutlich, als du dich sowohl von mir als auch meinem Kind losgesagt hast! Also hör auf, dich so aufzuspielen, als läge dir etwas an uns!“ Ich war wütend, rasend und unkontrolliert.
Erst jetzt bemerkte ich seinen gehetzten Blick. Um uns herum wütete ein unbändiger Kreis aus Flammen, heiß wie die Sonne. Aber ich war noch nicht fertig, und meine aus dem Ruder laufenden Kräfte hätten mich gerade nicht weniger interessieren können.
„Na los! Geh!“, keifte ich. „Such, was uns trennen kann und dann verschwinde aus unserem Leben! Flieh, wie der verdammte Feigling, der du bist, wenn du bereit bist, Mutter und Kind zurückzulassen!“ Ich atmete schwer. Schnell baute ich die Mauer in meinem Innern, die vorher noch so gut mein Innerstes geschützt und eingesperrt hatte, wieder auf. Meine Worte hatten mich selbst so sehr getroffen, dass ich sie niedergerissen hatte. Ich wollte nicht, dass er ging, verdammt! Aber ganz offensichtlich hatte er kein Interesse, bei mir zu sein. Oder bei dem Kind, das ich unter meinem Herzen trug. Ich wandte mich von ihm ab. Das Feuer tobte um uns herum. Sanft streichelte ich mir über meinen flachen Bauch, stellte mir vor, was daraus werden würde. „Verschwinde doch, wenn es das ist, was du willst“, murmelte ich leise.
Hinter mir knurrte es. „Du verstehst es nicht, Aurelie! Was soll ich denn verdammt noch mal tun? Soll ich mich vor dir in den Dreck werfen und um Verzeihung bitten?“ Er ging auf mich zu, schenkte dem Flammenmeer um uns herum keinen einzigen Blick. „Ich hatte vor, dich zu beschützen! Stattdessen suche ich gezielt deine Schwachstellen und nutze sie gegen dich!“ Er kam mir noch näher. „Du hast Angst vor mir! Denkst du, ich wüsste das nicht?“ Jetzt stand er direkt vor mir und presste die Lippen zu einem dünnen Strich zusammen. „Du hast in meiner Abwesenheit das Land als Kind regiert und dabei bessere Arbeit geleistet, als ich es je könnte. Und nun willst du die ganze Verantwortung wieder abgeben? Warum? So bist du nicht, Aurelie! Du bist stark. Stärker als du glaubst. Diese Machtdemonstration hier beweist es. Du bist stärker als ich es je sein könnte.“
Ich schluckte schmerzhaft. „Nein. Wieso denkst du sowas?“ Ich wollte doch gar nicht mehr ohne ihn! „Wieso denkst du, ich hätte Angst vor dir? Weil ich lieber kämpfe, als vor Wut und Schmerz über deine ablehnenden Worte das ganze Schloss abzufackeln?“ Plötzlich fühlte ich mich wieder wie ein kleines Kind. Ich wollte im Arm gehalten werden, getröstet werden und die Versicherung bekommen, dass schon alles gut würde. „Und du musst dich nicht vor mir in den Dreck werfen. Aber eine Entschuldigung wäre nicht ganz fehl am Platz.“ Wenn man mich fragte. Aber das sah er schließlich signifikant anders.
„Natürlich hast du Angst! Deswegen bist du nicht mehr aus deiner Kutsche gekommen!“ Leiser fügte er hinzu: „Du weißt es schon seit der Nacht in dieser großen Scheune, als ich dir in den Wald gefolgt bin.“ Cyrus senkte den Blick und streckte die Hand nach meinem Bauch aus. Aber auf halber Strecke verharrte seine Hand. „Ich hörte es in jener Nacht und glaubte, in der Nähe sei ein Nagetier. Du bist weggegangen. Und hast Irina alles besorgen lassen. Weil du Angst vor mir hast.“
Ich schniefte, griff zitternd nach seiner Hand und legte sie mir auf den Bauch. Für einen Moment hielt ich den Atem an, sah auf unsere Hände hinab und genoss seine Berührung. Auch wenn ich sie herbeigeführt hatte. Mich überkam eine erleichternde Ruhe. Gleichzeitig begann das Feuer um uns herum, sich aufzulösen. Leise gestand ich: „Nicht vor dir. Nur vor deiner Reaktion.“ Langsam blickte ich auf, nur um mich von seinen blau-grauen Augen nach so langer Zeit wieder einmal gefangen nehmen zu lassen. „Und ich hatte es an diesem Tag selbst erst gerade erfahren, Cyrus. Also ja, Angst hatte ich ganz sicher.“
„Du bist auch die Tage darauf nicht zu mir gekommen. Warum? Weil jemand anderes der Vater sein könnte? Nein, du hast das gestern nicht in Erwägung gezogen. Also warum hattest du Angst?“ Sein Blick ruhte noch immer auf meinem Bauch. Nun aber sah er langsam auf, bis seine Augen die meinen trafen. „Ich sage dir, warum. Weil ich von Anfang an jede noch so kleine Schwäche von dir ausgenutzt habe, um dich emotional zu erpressen und zu bedrohen. Ich kann dir also noch so oft versichern, dass ich es nie wieder tun werde. Dein Vertrauen in mich ist verwirkt. Ich habe es restlos zerstört.“
„Vertrauen baut man auf, C…“ Plötzlich fühlte ich mich wie erschlagen. „Bitte gib mich nicht auf“, hauchte ich noch benebelt, als plötzlich alles anfing, sich zu drehen und schließlich von Schwärze verschluckt wurde. Ich spürte noch, wie ich taumelte, wie er seine Hand von meinem Bauch zog und mich auffing. Mein Kopf schmiegte sich an seine warme Brust.






















































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