Kapitel 50 – Ein verboten gutaussehender König in meinem Bett
Kapitel 50 – Ein verboten gutaussehender König in meinem Bett
Aurelie
Ein regelmäßiges Pochen, welches direkt an meinem Ohr zu sein schien, führte mich sanft aus meinem Schlaf. Mein Kopf lag auf der Seite, mein Ohr und meine Hände auf etwas Warmem, Weichem. Lächelnd schmiegte ich mich näher an die Wärmequelle und strich dabei sachte mit meinen Fingern über die Oberfläche. Weich, warm, ein wenig haarig. Erschrocken riss ich die Augen auf, regte mich sonst aber nicht. Und tatsächlich war das Erste, was ich sah, Haut. Eine Brust mit feinen, dunklen Härchen, die sich sachte kräuselten. Und meine Finger glitten noch immer in liebkosenden Bewegungen darüber! Schnell stellte ich die Bewegung ein. Aber ich traute mich kaum, den Kopf zu heben. Ich hörte einen schweren, ruhigen Atem und spürte, wie er meinen Scheitel leicht kitzelte. Indessen den Atem anhaltend versuchte ich mich möglichst unbemerkt aufzusetzen, wobei ich mich aber an seinem Oberkörper hätte abstützen müssen. Und das hätte diesen Mann …, meinen Mann garantiert aufgeweckt! Also blieb ich so wie ich war und überlegte, wie ich dieser Situation entkommen konnte. Ohne dass er das hier jemals herausfand.
Nach einer Weile des Grübelns schnaufte ich angestrengt aus, darauf bedacht, die Luft nur langsam auszustoßen, um ihn nicht zu wecken. Immerhin hatte dieser Mann ein Vampirgehör! Und damit nicht genug, lag ich halb auf ihm! Unfähig ihn dabei nicht noch mehr zu berühren, hob ich meine Hände von seiner Brust und versuchte sie irgendwo abzustellen, wo ich mich abstützen könnte, ihn aber nicht aufwecken würde. Durch mein eingeschränktes Blickfeld traf ich zuerst auf seinen Unterarm, danach auf seine Hand. Immer wieder horchte ich, beinahe schon panisch, auf seinen Herzschlag, seine Atmung, alles war darauf hindeuten könnte, dass ich seinen Schlaf gestört hatte. Als ich schließlich eine Stelle gefunden hatte und mich langsam hochdrückte, vernahm ich ein Glucksen. Panisch hob ich den Blick … und begegnete direkt seinem. Seinen Augen, die vor Amüsement funkelten und mir einmal mehr erfolgreich den Atem raubten.
„Hast du gut geschlafen?“, fragte er und lächelte dabei. Er legte eine Hand an meinen Hinterkopf, drückte mich wieder zurück an seine Brust und küsste meine Stirn.
Ich schluckte trocken, aber aus meinem Mund kam kein Sterbenswörtchen. Ich konnte ihn nur anstarren, ungläubig. War er etwa die ganze Zeit wach gewesen? Und hatte mitangesehen … wie ich mich zum Affen gemacht und versucht hatte, ihn nicht zu wecken? Götter! Ich hatte ihm über die Brust gestreichelt! Mein Blick huschte nach unten zu der nackten Haut seines äußerst … muskulösen Oberkörpers. Und erneut schluckte ich schwer, die Augen weit geöffnet und noch immer auf seine Brust fokussiert. Beim Gedanken daran, wie bequem er gewesen war, schoss mir Hitze ins Gesicht.
„Nicken funktioniert anders. Da geht der ganze Kopf nach unten, nicht nur die Augen.“
„Ach so?“, krächzte ich.
Er richtete sich halb auf, wodurch seine Muskeln noch mehr zur Geltung kamen. Einen Arm winkelte er an, stützte sich darauf ab und grinste breit. Die andere Hand legte er sanft unter mein Kinn und hob meinen Kopf dadurch an. „Sabberst du da gerade?“
Ich starrte ihn an. Direkt in diese blau-grauen Augen. Es dauerte einen Moment, oder vielleicht auch zwei, bis ich begriff, was er gesagt hatte. Noch mehr Blut schoss mir in meine Wangen und ließen sie glühen. Schneller als ich denken konnte, wischte ich mir mit der Hand über den Mund und mit der anderen zur Sicherheit gleich noch nach. Aber nein, da war kein Sabber. Nichts Nasses. Und auf seiner Brust konnte ich den Göttern sei Dank auch keinen Sabber erkennen!
„Wenn du ein Haar als Andenken ausrupfen willst, muss ich dir auf die Finger hauen“, merkte er amüsiert an.
„Waaas…?“ Nur mit Mühe konnte ich meinen Blick erneut von seiner Brust losreißen. Auf die ich nur geguckt hatte, um mich zu vergewissern, dass da kein Sabber war!
Das ehrliche und absolut amüsierte Schmunzeln auf seinem Gesicht umschmeichelte und wärmte sanft mein Inneres. Aber gleichzeitig ließ es Unsicherheit in mir aufsteigen. Unwohlsein. Er amüsierte sich über mich. Dabei sollte ich eigentlich an seiner Seite stehen. Doch er betrachtete mich irgendwie wie … ein Schoßhündchen.
„Wenn du noch mal streicheln willst, dann tu es jetzt. Anderenfalls stehe ich gleich auf.“
Wieder wanderten meine Augen nach unten. Seit wann war er so … nett? Waren das Stimmungsschwankungen? Trug er ein Kind? War das überhaupt möglich? Meine Hand zuckte vor. Ich wollte … gerne darüber streichen. Und es gehörte sich absolut gar nicht. Andererseits … waren wir vermählt. Zögerlich blickte ich ihm noch einmal ins Gesicht. Doch seiner Miene konnte ich nicht entnehmen, ob er das wirklich wollte, oder ob er sich nur einen Scherz mit mir erlaubte. Kurzerhand rückte ich etwas von ihm ab. Beinahe sah er enttäuscht aus. Dann aber legte ich mich einfach wieder hin, bettete meinen Kopf wieder auf seine Brust und zog meine Beine an meinen Oberkörper. Meinen Kopf drehte ich leicht hin und her, schmiegte mich an seine Brust und machte es mir bequem. Mit meinen Händen fuhr ich bewundernd über seine sich im dämmrigen Licht abhebenden Bauchmuskeln. Ich seufzte leise. Zufrieden. Irgendwie fühlte ich mich in diesem Moment … geborgen.
Sanft kam seine Hand auf meinem Rücken zum Liegen, ehe er leise zu sprechen begann: „Du darfst häufiger deinen Instinkten nachgeben, anstatt einfach nur zu tun, was andere von dir erwarten. Noch hast du jedes Recht dazu und dir kann niemand einen Vorwurf machen.“ Während er sprach, vibrierte seine Brust angenehm unter mir.
„Kannst du mir etwas erzählen?“, bat ich leise, nur mit dem Hintergrundgedanken daran, wie schön es sich anfühlte, wenn seine Brust währenddessen vibrierte. Wie es sich wohl anfühlen würde, wenn er richtig lachte? Losgelöst? Glücklich? War er dazu überhaupt fähig?
„Solange du keine peinliche Geschichte hören willst, wie sie Darleen am liebsten zum Besten gibt.“ Er schwieg einen Moment und ich glaubte schon, er würde mir doch nichts erzählen. Vielleicht wollte er keine privaten Geschichten erzählen. Dabei könnte er von mir aus sogar über das Wetter reden. Schließlich aber atmete er ein und erzählte langsam: „Als ich klein war, war ich fasziniert von Tieren. Ganz egal, wie viele Beine sie hatten. Besonders fliegende Tiere faszinierten mich. Vögel mochte ich am liebsten, aber auch Bienen, Hummeln und natürlich Schmetterlinge.“ Er machte eine kurze Pause. Zeitgleich legte er eine Hand an meine Schulter und streichelte diese sanft. „Einmal da fand ich eine Biene in einem Wassereimer. Sofort musste ich sie retten und legte sie auf meine Hand. Ich hielt sie in die Sonne, fand aber, ihre Flügel trockneten nicht schnell genug. Und sie sah so hübsch aus. Also habe ich sie gestreichelt. Immer wieder … bis sie mich gestochen hat.“
Ich kicherte leise. „Das war aber absehbar“, flüsterte ich mit einem Lächeln auf den Lippen und knuffte ihn in den Bauch. Ich stellte mir vor, wie eine kleinere Version meines Gemahls mit einer Biene in der Hand wild herumhüpfte, gepeinigt vom Schmerz eines Stichs. Bei dieser Vorstellung kicherte ich noch einmal. Allein die Vorstellung meines Gemahls als Kind … ohne die ganzen Muskeln? Klein? Vielleicht mit völlig verwuschelten Haaren, anstelle der stets anständig zurückgebundenen Frisur?
„Was habt Ihr am liebsten getan, was Euch verboten war?“ Hatte er vielleicht gerne gestickt, wie ich die Schwertkunst liebte? Eine Beschäftigung, für die ich schlichtweg in einen falschen Körper hineingeboren worden war.
Der König überlegte leise brummend. „Meine Eltern erlaubten mir tatsächlich sehr viel. Ich konnte mich stets frei ausprobieren und meinen Neigungen nachgehen. Ich habe Klavierunterricht bekommen, wie jedes wohlerzogene Vampirkind. Ich aber habe es interesassanter gefunden, das Instrument auseinanderzunehmen.
„Und habt Ihr Ärger bekommen? Wurdet ihr bestraft?“ Unmittelbar dachte ich an meine eigenen Bestrafungen in den letzten Jahren. Dabei war es nicht immer so gewesen.
„Ja, ich musste mithelfen, den Flügel wieder zusammenzubauen. Aber eigentlich war das keine Strafe.“
Eine kurze Weile schwiegen wir. Meine Gedanken waren träge und ruhig, jedoch friedvoll und nicht so ungestüm und von Angst besessen, wie ich es gewohnt war. Gedankenverloren zeichnete ich eine kleine Figure auf seinen Bauch. „Was ist das?“
„Hm?“ Unmerklich hob sich sein Kopf. „Ah … Eine alte Narbe. Vor zweihundert Jahren war das Fürstentum des Ostens mit dem Goldenen Reich im Krieg, wegen der Sklavenaufstände. Auch, wenn das Goldene Reich bis heute abstreitet, dass dies ein Krieg war.“
„Zweihundert Jahre …“ Das war doppelt so lang her, wie ich alt. „Das muss schrecklich gewesen sein. Kriege, Schlachten, Kämpfen … naja, Letzteres stelle ich mir eigentlich eher spannend vor“, dachte ich laut. „Aber das meinte ich eigentlich nicht“, sagte ich kichernd.
„Was meintest du dann?“ Wieder hob sich sein Oberkörper leicht, sodass die Konturen seiner Bauchmuskeln deutlich hervortraten.
„Nicht gucken!“, schimpfte ich. „Du musst herausfinden, was ich male!“
Und so spielten wir für eine Weile. Ich konnte ihm ansehen, wie lächerlich diese Aktivität für ihn war. Ich konnte es in seinen Augen sehen und in seiner Stimme hören. Gleichzeitig nahm ich aber auch wahr, wie sehr es ihn erheiterte. Es war etwas Simples. Es gab keine komplizierten Regeln. Keine Vorschriften, wie man sich zu verhalten hatte und an und für sich auch kein Richtig oder Falsch. Es war einfach ein Spiel. Und ich konnte das erste Mal überhaupt sagen, dass ich die Zeit mit meinem mir aufgezwungenen Gemahl wirklich genoss, ohne einen einzigen Zweifel, Hintergrundgedanken, ohne auch nur ein Quäntchen Angst. Doch, wie sollte es auch anders sein, hielt unser Glück nicht ewig. Denn immerhin waren wir, was ich mir erlaubt hatte, für einen Moment zu vergessen, König und Königin dieses Landes.
An der Tür zum Gang klopfte es laut, ehe Aurillia ungebeten die Tür öffnete und eintrat. Sofort schreckte ich hoch, sodass mir dabei schon halb schummerig wurde. Mein Gemahl legte sachte seine Hand auf meinen Rücken und gab mir so ein wenig Stabilität. Aurillias Augen waren fest auf den Schoss meines Gemahls fixiert. „Gut“, presste sie nur hervor und kam auf mich zu, um mich zu umarmen.
Cyrus seufzte und richtete sich auf. Sein Blick war in Richtung Tür gerichtet, während er sich die kurze Schlafhose richtete. „Ich gehe an die Arbeit. Heute wird Carina das erste Mal vorbeikommen. Sie wird dich lehren, dich als Königin richtig zu verhalten. Gewissermaßen deine Anstandsdame. Kleide dich bis dahin anständig.“ Kurz hielt er inne, ehe er sich umdrehte und sein Blick eindringlich meinem begegnete. „Das heißt heute keine Hosen und keine Hemden“, stellte er klar, ehe er auch schon den Raum verließ und mich mit einer augenverdrehenden Aurillia zurückließ.
„Na endlich“, murmelte diese, ehe sie mich aus dem Bett zog. „Hat er dir weh getan?“, wollte sie sofort besorgt wissen. „Hat er sich dir aufgedrängt? Dich angefasst? Dich gezwungen…“
Ich unterbrach sie unwirsch: „Aurillia! Stopp! Er hat nichts dergleichen getan.“
Beruhigt atmete sie tief ein und aus. „Gut. Emili macht gerade dein Bad fertig. Hoheit.“ Gespielt ernst, machte sie einen furchtbar schiefen Knicks, der mich prompt zum Lachen brachte. „He! Lachst du mich etwa aus?!“ Schnell schüttelte ich den Kopf, musste mir aber mittlerweile den Bauch halten vor Lachen. „Mhm, alles klar. Majestätchen. So, raus aus dem Bett!“
Angekleidet und frisiert saß ich eine Stunde darauf in meinem ganz eigenen Salon. Das hieß, eigentlich saß ich nicht, sondern nahm alles minutiös unter die Lupe. Natürlich hatten mir Emili und Aurillia meine Gemächer schon die Nacht zuvor gezeigt, doch nach der Rettungsaktion Leeanders war ich mehr als erschöpft gewesen. Somit hatten sie mich eigentlich nur noch kurz zu einem Bad gezwungen, da sie mich nicht mit Spinnweben im Haar ins Bett lassen wollten. Danach war ich in die weichen Daunen gefallen und hatte geschlafen. Nun, bis … ich aufgewacht war und ein verboten gutaussehender König mit mir das Bett geteilt hatte. Wie auch immer, der in mein Bett gekommen war …



































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