Kapitel 67 – Brodelnde Eifersucht
Kapitel 67 – Brodelnde Eifersucht
Cyrus
Ich machte mir noch ein paar Notizen und streckte mich danach ausführlich. Die Sonne ging bald unter, so beschloss ich, es für heute gut sein zu lassen.
Nachdem ich etwas zu Abend gegessen hatte, ging ich hinunter in den Harem, um mich zu vergnügen. Heute war ich besonders ausdauernd. Kaum war ich gekommen, stand er schon wieder. So kam es, dass ich in dieser Nacht allen drei Frauen meinen Samen schenkte. Aralie wollte mich nicht und ich wollte sie nicht. Und die Jüngste, Lyssa, hatte es bisher auch immer abgelehnt, bei mir zu liegen. Ich zwang sie nicht, gaben mir die anderen drei Frauen doch genau das, was ich wollte.
Erschöpft ging ich zurück in meine Gemächer, wusch mich und kleidete mich für die Nacht an. Allerdings kreisten meine Gedanken unablässig um Aurelie und obwohl ich müde war, fand ich keinen Schlaf. Deswegen stand ich bald schon ruhelos wieder auf, den Blick zur Verbindungstür gerichtet, zu der mich meine Beine trugen. Aurelie war mir so nah und doch so fern. Langsam öffnete ich die Tür, schlich hinein und setzte mich wieder auf den Frisierstuhl neben ihrem Bett.
Aurelie schlief ruhig, ihr Gesicht mir zugewandt, den Atem ruhig und gleichmäßig.
„Was machst du nur mit mir?“, fragte ich leise. Es war wie ein Fluch. Ich stand auf und wollte wieder gehen. Aber genau in dem Moment seufzte sie wohlig. In ihrem Unterbewusstsein genoss sie meine Nähe. Zumindest ein kleiner Teil. Und obwohl ich gerade noch gehen wollte, trugen mich meine Beine wieder hin zu ihrem Bett. Vorsichtig legte ich mich zu ihr und rutschte nah an sie heran. Durch das zusätzliche Gewicht im Bett drehte sich ihr Körper wie von selbst zu mir um, sodass ich mich auf den Rücken legte und sie auf meiner Brust zum Liegen kam.
Ihr Körper duftete nach Rosenwasser. Dabei nahm sie sonst nur leicht parfümierte Seife. Ihr eigener Geruch war ohnehin besser als jedes Parfüm. Mit geschlossenen Augen drückte ich meine Nase näher an Ihren Hals und atmete tief ein. Ganz kurz glaubte ich, einen anderen Geruch wahrzunehmen, jedoch verflog er wieder.
Die schlafende Schönheit schmiegte sich näher an mich heran. Aus Reflex legte ich eine Hand an ihren Oberschenkel, der auf meinem Bauch zum Liegen gekommen war.
„Das reicht“, flüsterte sie leise. „Ich kann heute nicht mehr.“
Ich hob meinen Kopf und runzelte die Stirn. Wieder war da dieser fremde Geruch gewesen. Und er kam direkt aus ihrem Mund. Der Geruch einer anderen Person. Eines Mannes! Vorsichtig drehte ich uns um, dann beugte ich meinen Kopf zu ihr hinunter und berührte mit meiner Nasenspitze die Ihrige. Die Hand an ihrem Oberschenkel bewegte ich nur ein ganz kleines Stück weiter nach oben.
„Ich fühle mich noch ganz wund, lass das …“, murmelte sie unverständlich, wölbte sich mit ihrer Hüfte jedoch meiner Berührung entgegen.
Eine unglaubliche Wut stieg in mir auf, sodass meine Fänge zornig herausschossen. Nichtsdestotrotz bewegte ich mich nicht. Ich wartete, Nasenspitze an Nasenspitze. Ihre Augen flatterten, langsam wurde sie wach. Ja, komm zur Besinnung, dachte ich. Komm zur Besinnung und merke, dass du dich verraten hast, elendes, verdorbenes, lügendes Weib!
So langsam. Ein Blinzeln. Noch eins. Ihre Stirn krauste sich verwirrt, als sie mich erkannte. „Cyrus?“, brachte sie träge über die Lippen, als sei es ein Traum. Ein weiteres Blinzeln und sie wurde sich meiner Anwesenheit richtig bewusst. Mit einem Räuspern klärte sie ihre Kehle. „Mein König? Was macht Ihr in meinem Bett?“, wollte sie mit rauer, unsicherer Stimme wissen, wobei sie zur Seite schielte – wohl um sicherzugehen, sich wirklich in ihren Gemächern zu befinden.
Ich knurrte. „Wem hast du dich hingegeben?“ Ich richtete meinen Oberkörper halb auf und beugte mich drohend über sie. Mit jedem Wort, das über ihre Lippen kam, roch ich den fremden Mann. Sie hatten sich geküsst! Und mehr! Viel mehr, wie ihre Worte verraten hatten!
„W…was? Wie kommt Ihr auf diese wahnwitzige Idee?“
„Du bist noch ganz wund, ja?“ Meine Hand glitt an ihrem Oberschenkel höher, um zu sehen, ob ich seine Reste noch ertasten könnte. Auch, wenn ich aktuell nichts roch. Es war bestimmt noch in ihr!
„Was?“, fragte sie entsetzt. „Majestät, nehmt bitte die Hände von mir!“ Ihre Beine kniffen zusammen, doch das hielt mich nicht auf.
„Mit. Wem. Hast. Du. Geschlafen?!“ Meine Hand schob ich immer höher. Mit meinem Körper rollte mich fast komplett auf sie, um sie mit meinem Gewicht auf das Bett zu pressen.
„Niemandem! Ich schwöre es! Ich schwöre es, ich habe keinen Beischlaf gehalten!“, beteuerte sie bitterlich.
Ich stoppte mit meiner Hand und zog die Oberlippe hoch. „Was dann?“ Mir fiel mein Stehvermögen bei den Frauen im Harem wieder. Konnte es sein, dass das zu dem Zeitpunkt gewesen war, als sie selbst bei einem Mann gelegen hatte?
„Z…zu…nge“, wimmerte sie stockend und drehte den Kopf beiseite, um mir nicht in die Augen oder auf die Fangzähne blicken zu müssen.
Ich ließ mit der Hand von ihr ab. „Wer?“
Sie presste die Augen zusammen und schüttelte heftig den Kopf. „Sag ich nicht! Sonst ist er nachher tot, das hat er nicht verdient!“
Damit hatte sie vermutlich sogar recht. Ich legte meine Hände rechts und links neben ihrem Kopf ab und stemmte mich ein Stück hoch. „Der Punkt geht an dich. Aber ich kann nicht riskieren, dass sich das wiederholt. Das nächste Mal wird sein jämmerlicher Schwanz in dir stecken!“
„Der ist ganz und gar nicht jämmerlich!“, entgegnete sie energisch.
Ich knurrte. „Das war das Dümmste, was du sagen konntest!“ In einer schnellen Bewegung sprang ich aus dem Bett, packte Aurelie und warf sie über meine Schulter.
„Lass mich runter!“ Sie wütete auf meinem Rücken, genauso wie das letzte Mal, als ich sie so getragen hatte. Das war damals auf dem Weg in den Kerker gewesen. Oder als ich sie das erste Mal in den Harem gebracht hatte?
Als Antwort gab ich ihr einen festen Klaps auf den Hintern. Ich verließ mit Aurelie über meiner Schulter ihre Gemächer. Mit schnellen Schritten ging ich über den Flur, direkt zur Geheimtür, durch diese hindurch und die Treppe zum Harem hinunter.
„Nein!“, schrie sie laut. Kurz schien sie ruhig zu werden. Ich kam unten an der Treppe an, keinen Moment später spürte ich einen kurz schmerzhaften, dann lustbringenden Schmerz im Rücken.
Ich ging auf ein Knie runter und stöhnte auf. Dennoch presste ich ihren Körper weiter an mich.
Schwer atmend, löste sie ihre Fänge wieder aus meinem Rücken. „Ich geh da nicht mehr hin! Ich will nicht! Und ich habe deine Regeln befolgt!“, schrie sie mit flehendem Unterton in der Stimme. „Ich habe nicht mit ihm geschlafen, so glaub mir doch!“
„Das nächste Mal wird es dir nicht reichen, dich lecken zu lassen!“, knurrte ich. „Du wirst ihn dich ficken lassen!“
„Nein! Nicht! Das werde ich nicht! Ich … ich bin nur … er gibt mir Halt! Und Nähe! Und beruhigt mich! Er hält mich aufrecht, wenn du mich wieder umstößt! Nimm mir das nicht weg! Bitte, Cyrus, nimm mir das nicht wieder weg!“ Mittlerweile weinte sie.
„Ich bin dein Ehegatte! Wir sind miteinander verbunden, Aurelie! Ich bin dein Halt, meine Nähe muss dich beruhigen!“ Brodelnde Eifersucht wallte in mir auf. Ich stand wieder auf und öffnete die verschlossene Tür. „Du wirst ihn nie wieder sehen!“
„Du bist grausam!“, brüllte sie. „Du hast auch andere! Wieso darf ich dann nicht?! Ich würde es ja noch verstehen, wenn es nur darum ginge, mich zu schwängern, aber mir ist nicht einmal die bloße Nähe zu einem anderen gestattet? Und wie stellst du dir vor, könntest du mir jemals eine Stütze sein?“ Sie hatte sich mit den Händen auf meinem unteren Rücken abgestützt. „Du drohst mir! Nimmst mich! Machst mich gefügig, mit allem, was dir einfällt! Ehe du aufhörst, mich täglich zu vergewaltigen, braucht es eine Kräuterhexe, die dir meinen Tod verspricht, anstatt dass du einmal auf mich hören oder auf mich achten würdest! Mit jedem deiner Worte verletzt du mich und das absichtlich! Und jetzt sag mir, wie willst du mir…!“
Mittlerweile war ich bei den Kissen in der Mitte des Raumes angekommen. Ich unterbrach ihren Wortfluss, indem ich sie mit dem Hinterteil voran auf die Kissen warf. „Genug!“, herrschte ich, woraufhin sie zusammenzuckte.
„Du bleibst hier, Aurelie! Wenn Du brav bist, kannst du hin und wieder hier raus.“ Ich näherte mich ihr. „Ich werde dich nicht anfassen, es sei denn, du bettelst darum.“ Mit einer schnellen Bewegung ergriff ich ihr Kinn und kam ihr noch näher. „Ich nehme dich mit zu Ratssitzungen, öffentlichen Auftritten, Bällen … was immer du willst. Aber um das Recht zu bekommen, hier heraus zu dürfen, wirst du regelmäßig essen. Verstanden?“
„Und wenn nicht?“, spuckte sie mir entgegen. „Dann sterbe ich und du kannst dir deine ätzenden, öffentlichen Auftritte sonst wohin schieben!“
„Ja, dann setze ich mich auf den Balkon und sehe dabei zu, wie der Stern auf die Erde fällt.“ Ich ließ sie los und stand auf. „Bleib so trotzig und ich lasse dich die nächsten Jahrhunderte hier unten!“
Sehr zu meiner Überraschung kam nichts mehr. Keine zürnende Erwiderung, kein Geschrei und kein Gejammer. Erst als ich dabei war, die Tür wieder zu verschließen, hörte ich ein leises: „Dann soll es so sein.“
„Ja“, sprach ich leise zur geschlossenen Tür, bevor ich mich umdrehte und ging. „Dann soll es so sein.“


































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