Kapitel 15
Das Herz schlägt noch immer bis zum Hals. Mit der Dunkelheit verschmolzen, aber nicht fort, bleibt die gefährliche Präsenz der Vermummten bestehen. Sie hinterließen ein beklemmendes Gefühl. Der bittere Geschmack einer Niederlage. Ein Rückschlag. Furcht und Respekt vor der anwesenden Bedrohung. So immens, dass sich Skylas Körper wie erstarrt ist. Lukas scheint es ähnlich zu ergehen. Obwohl sie bereits auf seinem Schoß sitzt, zieht er sie enger an sich wie ein angsterfülltes Kind sein geliebtes Kuscheltier an sich drückt. Sein Zittern spürbar. Skyla weiß sich nicht anders zu helfen, also streichelt sie ihn zärtlich über den Kopf.
„Alles wird gut.“
Worte, die aus Skylas Munde zwar stammen, aber sie selbst nicht ganz überzeugen, und doch dienen sie dafür, ihren besten Freund Mut zu sprechen.
„Du bist wirklich bewundernswert, Skyla. Du bist so mutig.“
Skylas Mundwinkel zucken verräterisch, denn sie fürchtet sich genauso so sehr, wie er es tut. Wenn nicht noch mehr. Nur mag ihr das Geständnis nicht über die Lippen gehen.
Fast verschluckt von der Dunkelheit und fast vergessen springt Skyla sein Telefon ins Auge. Auch nur wegen eines kurzen Aufleuchtens.
„Dein Handy.“
Sie möchte es ihm aufheben, doch sein Griff um sie wird enger. Lukas lässt nicht zu, dass Skyla von ihm steigt. Seine Haltung ist ganz steif und den Atem hält er auffällig lang an, als habe er etwas zu befürchten. Daher beugt sie sich seinem Willen und lauscht seinem Herzen, das sich tatsächlich in ihrer Anwesenheit beruhigt. Es sind die funkelnden Sterne, die Skyla helfen, auf andere Gedanken zu kommen und deren Anblick ihr Kraft für die Zukunft geben. Sie entfachen ihre Kriegsflamme und erinnern sie daran, wer und was alles auf dem Spiel steht, sollte sie versagen.
Nachdem sich Lukas‘ Nerven beruhigt haben, beschließt er: „Ich bringe dich nach Hause.“
Als könne Skyla dort zur Ruhe kommen. Ihr Freund hat genug durchgemacht. Also schüttelt sie entschlossen den Kopf.
„Du? Siehe dich an, Lukas. Du musst zur Ruhe kommen. Ich schlage vor, ich begleite dich nach Hause und bleibe ein wenig, okay?“
Er schweigt zuerst und wendet den Blick ab. Fast, als wolle er ihr widersprechen. Skyla überlegt sich sogar schon Gegenargumente. Dabei liegt ihm etwas auf den Herzen: „Das klingt schön. Aber ich weiß, du musst morgen auch arbeiten. Würde es dir dennoch etwas ausmachen, bei mir zu übernachten?“
Dieser Angsthase.
Skyla belächelt seine Furcht, schließlich wirkt Lukas noch immer wie ein ängstlicher, kleiner Junge auf sie. Ein Junge mit dem scharfen Verstand eines Erwachsenen. Doch verübeln kann sie es ihm nicht.
„Keine Sorge, ich bleibe die Nacht und passe auf dich auf.“
Lukas nickt zufrieden, woraufhin sein Griff lockerer wird, also steigt Skyla von ihm. Ihre versteiften Glieder danken es ihr. Fast wären sogar ihre Beine eingeschlafen. Also streckt sie sich und hält dabei Ausschau nach Beobachtern. Als sie niemanden finden, hebt Skyla sein Handy auf, aber er zögert für ihren Geschmack viel zu lange, dieses anzunehmen. Ein Gedanke beschäftigt sie dennoch. Aus Sorge um ein weiteres Tonaufnahmegerät tastet sie unter den Autos entlang. Sicherlich nur eine unbegründete übergroße Sorge. Doch ihre Vermutung bestätigt sich. Sie werden noch immer abgehört. Als sich Skyla mit dem Ding erhebt, weiß sie zuerst nichts damit anzufangen. Die Aufnahmen könnten ihr bei der Auswertung der Gefahrenanalyse helfen, doch es könne sich auch um eine Falle handeln. Vielleicht lässt sich das Ding aus der Ferne einschalten oder es ließe sich per GPS verfolgen. Zorn keimt in Skyla. Das Tonaufnahmegerät wird daher gewaltsam zerbrochen und mit einem Wurf weggeschleudert.
„Verflucht! Die belauschen uns immer noch!“
Die Wut nimmt ab, schließlich muss sich Skyla erst mal orientieren. Der Laden hingegen kommt ihr bekannt vor. Wie beklagenswert, dass bei Nacht die Welt einen starken Wandel durchmacht und alles düsterer wirken lässt. Dabei suchen ihre Augen nach Anhaltspunkten.
Lukas scheint zu erkennen, wie aufgeschmissen sie ist, und hilft ihr. Schließlich übernimmt er die Führung.
Aber auch nur, weil ihr bester Freund Skylas Hand festhält und nicht mehr hergibt.
„Wie ist das überhaupt passiert?“, interessiert sie es brennend.
„Ein Kumpel von mir hat mich hierhergebeten und sagte, es sei wichtig. Naja, eigentlich würde ich um solch eine Uhrzeit keinen Fuß vor die Haustür setzen, aber er ist schon länger in einige Probleme verwickelt. Also habe ich mich herausgeschlichen.“ Lukas pausiert und seufzt auffallend. „Als ich dann ankam, verhielt er sich verdächtig. Verdächtiger, als er es ohnehin schon tat. Sein Lächeln war falsch und er war ganz nervös. Als ich ihm gegenüber stand, kamen diese Gestalten dazu. Sie umkreisten uns, versperrten sämtliche Fluchtwege. Der Kerl, den ich vor diesem Moment noch als Freund bezeichnete, reagierte verängstigt, verriet mich an diese Leute und lief eilig davon. Noch bevor ich Fragen stellen konnte, erwischte es mich von allen Seiten.“
Skylas Augen werden schmal. „Wer ist der Kerl, der dich verraten hat?“
„Vergiss es, Skyla. Er ist deine Zeit nicht wert. Für mich ist er gestorben.“
„Du hast ein viel zu gutes Herz, Lukas! Der Kerl hat dich verraten!“
„Ja, wahre Freunde fallen nicht vom Himmel, Skyla. Ich habe so ein Glück mit dir. Ehrlich gesagt habe ich schwarzgesehen. Ich dachte die Leute sind hinter dem Geld meines Vaters her. Ich hätte niemals mit dir gerechnet, aber ich bin so dankbar, dass du hier bist und so froh, dass sie dir nichts getan haben.“
„Freu dich nicht zu früh, Lukas. Ich bin mir sicher, dass ich mit diesen Leuten öfter in Kontakt trete. Besser du bleibst mir in Zukunft fern.“
„Das hättest du so gern! Was wäre ich für ein Freund, wenn ich dir in solchen Zeiten nicht beistehe!“
„Wer steht hier wem gerade bei?“
Skyla lächelt triumphierend, als Lukas keine Antwort darauf weiß.
Ob bei Tag oder bei Nacht, Skyla hat sich in dieser prachtvollen Wohngegend noch nie wohl gefühlt. Um Lukas und Thomas herum wohnen ausgiebig wohlhabenden Leute. Die Grundstücke sind umzäunt, die teuren und prachtvollen Autos symbolisieren den Wohlstand und die Gärten sind frei von Unkraut. Alles ist perfekt gepflanzt, geschnitten und die Häuserfassaden sind oft verglast, sodass die teure Inneneinrichtung einschüchternd auf Skyla wirkt. Lukas‘ Eltern sind bereits ganze zehn Jahre geschieden. Ihr bester Freund lebt bei seinem Vater, der von seiner Frau betrogen wurde. Etwas, wofür Lukas kein Verständnis zeigt und somit nicht viel mit seiner Mutter zu tun haben möchte. Thomas arbeitet ebenfalls im Bankwesen und genießt dort ein hohes Ansehen. Er und Lukas leben in einem großen Haus mit einem schönen Garten. Jeden Sommer planscht Skyla mit ihrem Kindheitsfreund in dem großen Swimmingpool und wird gerne von ihrem Patenonkel zu einem Familienausflug entführt.
Erinnerungen, die ihre Laune erhellen. Da ihr Freund jedoch anhält, zeigt sich, dass sie schon in seinem vertrauten Heim angekommen sind. Die Kluft zwischen Thomas modernisiertem Eigeneheim zu der trostlosen Hütte der Geister ist gewaltig. Zeit für die Gartenpflege haben Bankkaufleute keine, daher wird das Rasengrundstück von Beeten verschont und nur der kleine Zwergapfelbaum von Oma Ulrike thront neben einer kleinen Bank am Eingangsbereich. Thomas hütet das Weihnachtsgeschenk von Oma Ulrike wie einen Schatz und berichtet bei jeder Gelegenheit immer stolz, wie prächtig sich der Baum entwickelt. Gepflegt wird dieser von einer angestellten Gärtnerin, wie die restliche Gartenanlage. Kommt Thomas seinem Sohn zeitlich zuvor, sitzt er gern auf der Bank und wartet sehnsüchtig auf die Rückkehr mit einem Buch in der Hand. Ein Bild, das Skyla öfter zu sehen bekam und das sie in Ehren hält, denn in Momenten wie diesen lächelt ihr Patenonkel aufrichtig.
Ganz leise öffnet Lukas die Haustür und hält diese ihr offen. Skyla kennt es nicht anders und legt wie er die Schuhe im Hausflur ab. Schließlich schleichen die beiden Freunde durch das dunkle, große Haus. Hinauf über eine geschwungene Wendeltreppe zu Lukas‘ Zimmer. Allein für dieses riesige Bücherregal beneidet Skyla ihn. Lukas verbringt wahrlich viel Zeit mit Büchern. Unter den vielen Büchern und Mangas verstecken sich auch die ganzen Filme und Serien. Seine Wände sind mit vielen Fanpostern geschmückt und überall stehen einige Erinnerungsstücke. Trophäen von all der gemeinsamen Zeit ihrer Freundschaft. Dabei handelt es sich nicht nur um Fotos, denn da wäre der Plüschhai, den die beiden sich damals im Aquazoo geholt haben, oder die eine oder andere Konzertkarte. Lukas verwahrt die Erinnerungstücke wie teure Sammlerstücke. Er präsentiert sie stolz und setzt sie höher, damit sie jedem Gast sofort ins Auge fallen. Schon etwas peinlich, schließlich findet sie sich in den unterschiedlichsten Altersgruppen auf den Fotos wieder. Skyla entdeckt sogar die eine oder andere Geburtstagskarte, die sie ihm schenkte.
Geschafft und völlig erschöpft setzt sich Lukas auf das große Boxspringbett hin. Skyla betrachtet ihn voller Sorge. Zögerlich begibt sie sich zu ihm und knipst die Nachttischlampe an, damit sie gleich das große Raumlicht ausmachen kann.
„Kann ich dir irgendetwas Gutes tun?“, fragt sie ihn.
Als seine kastanienbraunen Augen sie fixieren, kehren die vertrauten Gewissensbisse zurück. Die Blessuren in seinem Gesicht bereiten ihr Magenschmerzen. Ihretwegen musste er leiden.
„Wollen wir uns einfach schlafen legen? Ich bin ehrlich gesagt wirklich müde“, schlägt ihr Herzensmensch erschöpft vor.
Vielleicht ist es besser so. Nachher verplappert sie sich und macht die ganze Sache noch schlimmer als ohnehin schon. Skyla nickt ihm zu. „Ich mache das große Licht aus.“
„Soll ich dir ein T-Shirt und eine Schlafanzughose von mir rauslegen?“, bietet Lukas ihr an.
„Schaffst du das überhaupt noch? Dich umzuziehen? Du siehst aus, als würdest du gleich jeden Moment vor Müdigkeit einschlafen“, teilt Skyla ihm ehrlich mit.
Sie kann es ihm nicht verdenken. Das Adrenalin lässt nach und die Knochen werden schwer.
„Nein, so weit ist es noch nicht. Nur suche ich jetzt nicht das Badezimmer auf. Also stört es dich hoffentlich nicht, wenn ich mich jetzt vor dir umziehe.“
Allein der Weg zum großen Lichtschalter wird zu einer Qual. Daher teilt Skyla seine Ansicht.
Ach was soll´s! Ein Bikini ist ja nichts anders.
„Du brauchst mir nichts rauszusuchen. Ich glaube daran, dass du immer noch ein Gentleman bist. Also werde ich mich in Unterwäsche ins Bett legen.“
„Bitte was?“ Lukas reißt überrascht seine Augen auf und beobachtet, wie sie ihr Oberteil über den Kopf hinwegzieht.
Für einen Moment ruht Lukas´ Blick auf ihren schwarzen Busenhalter mit Spitze und Glitzersteinen. Etwas, worauf seine beste Freundin nicht eingehen möchte. Schließlich ist Skyla müde und muss morgen arbeiten. Außerdem ist Kai weitaus schlimmer und dank Lukas Anwesenheit muss sie heute keine sexistischen Kommentare und billige Anmachsprüche von diesem Dämon ertragen. Schließlich schlüpft sie aus ihrer Jeans. So chaotisch wie Skyla ist knüllt sie ihre Sachen zu einem Ball, den sie auf einen Stuhl legt. Ein Lächeln stiehlt sich auf ihre Lippen, als sie an Justins Reaktion denken muss, wo sie ihr Lieblingsshirt in seinem Badezimmer vergessen hat. Ein Ordnungsfreak wie er würde den Ball auseinanderknüllen, die Sachen ordentlich zusammenfalten und ihr eine ordentliche Standpauke halten. Milan ist wahrlich mit ihm bestraft!
Kaum setzt sich Skyla neben ihren besten Freund aufs Bett, kämpft sie mit den Socken.
Da Lukas sich nicht rührt, reißt sie ihn aus den Gedanken: „Hörst du bitte auf, zu starren!“
„Unmöglich.“
Die Antwort könnte glatt von Kai kommen.
„Gerade eben warst du noch so müde und jetzt …“
Sie kann ihren Satz nicht mal zu Ende führen, denn Lukas nimmt ihr Gesicht in seine Hände und überfällt sie mit einem Kuss. Er drückt seine Lippen auf ihre und blickt ihr anschließend in die Augen. Seine Lippen formen ein verschmitztes Lächeln. Ein kurzer Atemzug und er setzt erneut an, diesmal hingegen dringt seine Zunge fordernd in ihren Mund. Sie spürt und schmeckt seinem warmen Atem. Überwältigt vom Überfall lässt sie all das geschehen, bevor ihr Kopf schaltet. Zuerst überlegt Skyla, sich loszureißen, doch immerhin handelt es sich hier um seinen ersten Kuss. Lukas hat zu viel in seinem Leben ertragen müssen und genug Ablehnung gehabt. Daher nimmt sie Rücksicht auf seine Gefühle. Dennoch kann sie die Aktion nicht gutheißen. Aber sie will gnädig mit ihm sein. Von allen verlorenen Seelen ist es gerade Lukas, der eine positive Erfahrung von seinem ersten Kuss haben darf. Daher stellt sie sich vor, es sei Milan, der sie küsst. Das macht es einfacher, die Liebe ihres Kindheitsfreundes zu erwidern. Fast, aber nur fast, fühlt es sich auch an, als befinde sie sich bei dem unverschämten Geisterjäger. Nur ist ihr Herzschlag zu ruhig und das angenehme Kribbeln fehlt ebenfalls. Eine kurze Atempause und im nächsten Augenblick zieht er sie auf seinen Schoß. Etwas, das auch in Ordnung für sie geht.
Für gewöhnlich wiegt Lukas die Chancen mit Bedacht ab und weiß, wo er Grenzen überschreiten würde. Nur heute nicht. Diese Erfahrung weckt Hoffnung in ihm. Eine Drehung und Skyla plumpst auf die weiche Bettmatratze. Sein Blick hat sich verändert und erinnert an ein Raubtier. Das Verlangen hat ihn im Griff. Skyla schluckt schwer und hebt abwehrend die Hände. Ihre Körpersprache blendet er anscheinend aus und verwöhnt sie mit federleichten Küssen, die er ihr auf den Hals drückt. Auf ihre Rufe reagiert Lukas nicht. Zuerst beginnt sie flehend. In der Hoffnung, er erwacht aus seiner Trance und erkennt von selbst, dass er zu weit geht. Aber das tut er nicht und ihr Geduldsfaden ist leider sehr kurz. Lukas bedeutet ihr zu viel, um ihre Freundschaft für so etwas aufs Spiel zu setzen. An dieser Stelle wird es Zeit, ihn zu bremsen und dann müssen Regeln her. Zu dumm, dass sie ihren Kopf selbst ausgetrickst hat und einen dummen Fehler begeht.
„Milan, hör auf!“
Skyla bemüht sich, einen strengen Blick aufzusetzen, aber die Verwechslung bringt nicht nur Lukas aus dem Konzept, sondern auch sie. Erschrocken beobachtet sie, wie er vor Entsetzen Luft schnappt und sich schlagartig erhebt.
Erneut verflucht Skyla ihr Schicksal und möchte sich selbst rügen.
„Verdammt! Lukas, das war so nicht gemeint!“
Sie setzt sich ebenfalls auf und blickt ihm schuldbewusst in die Augen. Ihr Gegenüber blickt gekränkt. Zu Recht. Sein Brustkorb hebt und senkt sich auffällig, als habe er Atemprobleme. Seine Augen glitzern, dass Skyla befürchtet, er bricht gleich in Tränen aus. Seine Stimmung schwankt erneut, denn nun verfinstert sich seine Miene. Seine Lippen presst er zu einem schmalen Strich und der Blick, den er ihr zuwirft, erinnert sie daran, wie er seine leibliche Mutter immer betrachtet. Voller Hass und Zorn. Im nächsten Moment klettert er vom Bett und dreht sich um. Auf der Suche nach Wechselkleidung. Lukas kehrt ihr den Rücken und sie sieht, wie angespannt sein Körper ist.
„Verzeih mir, Lukas! Milan ist noch nicht lange fort und für gewöhnlich verwechsle ich dich nicht!“
„Du musst dich nicht entschuldigen.“
Sein bissiger Ton bereitet ihr jeden Grund zur Sorge. Kaum zieht sich Lukas ein Shirt über, dreht er seinen Kopf zur Seite. Die Kälte in seinem Blick lässt Skyla erschaudern. Lukas zögert und doch dreht er sich um. Mit schmalen Augen macht er einen Schritt auf sie zu.
„Er hat dir ja ganz schön den Kopf verdreht!“
Skyla rauft sich verärgert die Haare und blickt kurz zum großen Glastür, die auf einen kleinen Balkon führt. Für gewöhnlich würde sie das Gespräch aufzusuchen und die Sache aus der Welt schaffen, aber morgen muss sie arbeiten und sie sollte nicht noch später ins Bett. Also kriecht sie unter die Decke. Lukas krabbelt wenig später zu ihr. Er legt sich ans andere Ende des Doppelbetts und nun herrscht diese grauenvolle Stille. Hinzu kommt, dass sie wirklich müde ist, aber aufgrund der Ereignisse nicht schlafen kann. Ihrem besten Freund scheint es ähnlich zu gehen, denn sie hört ihn verstimmt schnaufen. Während Skyla immer noch mit einer Entscheidung kämpft, ihn anzusprechen oder es sein zu lassen, rückt ihr bester Freund ihr schließlich auf die Pelle. Seine Arme legen sich um sie.
„Ich verzeihe dir und ich werde dir sicher immer verzeihen, denn ich kann dir nie lange böse sein. Aber versetze dich doch mal in meine Lage. Wie würdest du dich fühlen, wenn du in meiner Haut stecken würdest? Würdest du anders handeln?“
Skyla fällt ruckartig eine Last vom Herzen, denn das klingt wieder nach Lukas.
„Ich weiß es nicht“, antwortet sie ihm müde und möchte sich gerne erst morgen intensiver mit dieser Thematik auseinandersetzen.
„Dank Milan steckst du in Schwierigkeiten, diese Leute waren gnadenlos. Sie ließen nicht mit sich reden und sind fest davon überzeugt, dass ihr Handeln richtig ist.“
„Milan kann nichts dafür. Er hat nie gewollt, dass es so ausgeht. Diese Leute sind ein Problem.“
„Ich bin ja so neidisch auf ihn! Du verteidigst ihn immer noch. Aber er ist fort und er wird nicht zurückkommen!“, erinnert er sie im giftigen Ton daran.
Worte, die Skyla noch immer zutiefst verletzen. Besonders dann, wenn ein Unwissender glaubt, den Geisterjäger zu kennen. Dabei weiß Lukas gar nichts über Milan.
„Hör auf, Lukas!“
„Nein! Blicke der Wahrheit ins Gesicht!“
Er reißt sie um, sodass sie sich ihre Blicke treffen. Daraufhin werden ihre Augen schmal und ihr Blut beginnt zu kochen.
„Was willst du von mir hören, Lukas? Was soll das alles? Wir müssen morgen früh raus! Also spann mich nicht länger auf die Folter und sprich über deine Gefühle!“, fordert sie ihn genervt auf.
Er betrachtet sie vorwurfsvoll. „Das tue ich! Die ganze Zeit!“
„Mach weiter und ich gehe meinetwegen mitten in der Nacht nach Hause! Ist es das, was du möchtest?“, fragt Skyla ihn genervt.
Die Botschaft sickert durch. Sein Kopf scheint zu begreifen, was er mit der Bissigkeit erreicht. Tatsächlich weicht er ihren Blick aus und er atmet tief durch.
„Nein.“
Sein Zorn klingt verflogen und die Stimme bleibt leise und geschwächt.
„Wir brauchen den Schlaf! Also lass uns jetzt bitte versuchen, noch ein wenig Kraft zu tanken.“
„Meinetwegen.“
Auch wenn Lukas brummig wie ein Bär klingt, bleibt es hierbei und Skyla kann in Ruhe ihre Augen schließen. Es mag etwas dauern und doch fällt die Müdigkeit über sie her.






















































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