Kapitel 20
Das Schicksal ist eine miese Bitch. Diesmal für Milan. Nichtsahnend schließt der Geisterjäger auf und stolziert mit einem freundlichen Lächeln hinein. Mit einen wutverzerrtem Gesicht dreht sich Skyla um und nun darf Milan ihren Todesblick ernten.
Der junge Geisterjäger hält abrupt inne und schenkt dem Bild nur kurz Beachtung. Schnell saugt er sich eine Ausrede aus seinen Fingern: „Oh, ihr habt euch schon kennen gelernt. Entschuldigt mich, aber ich glaube, ich habe etwas vergessen.“
Milan will sich tatsächlich verdrücken. Nicht mit ihr. Skyla greift nach ihm und reißt den Feigling hinein. Mit gebleckten Zähnen dreht sie sich kurz zu Justin, bevor sie wieder seinen Partner anstiert. Allein, als sie Milan Namen ausspricht, muss der Kerl schlucken.
Verzweifelt wendet er sich an die Fee. „Mia, ein Portal wäre nett.“
„Du lässt mich nicht mit diesem Kerl allein, Milan!“, warnt Skyla ihn.
„Aber Justin ist viel länger im Geschäft, als ich es bin. Er kann dir alles viel besser erklären.“
Er kann! Aber Justin will ja anscheinend nicht. Nicht solang Skyla ihm entgegen kommt.
Wie aufs Stichwort nervt die Bohnenstange sie aus dem Hintergrund: „Das Frühstück, Zicke.“
Justin trommelt genervt mit seinen Fingern an einem Türrahmen. Ein Geräusch, das ihren Puls weiter in die Höhe treibt.
„Ich filetiere dich gleich!“, brummt Skyla warnend.
Mia lacht daraufhin lauthals. „Was für eine Bomben-Stimmung.“
„Hast du nichts zu tun, Fee? Schon mal einen Blick in den Garten geworfen?“, kommt Skyla ihr nun so.
„Wie unverschämt! Argh! Ich werde dich in einen ekligen Frosch verwandeln!“
Was Besseres fiel ihr sicherlich nicht auf die Schnelle ein! Es wirkt von Skyla geklaut, denn erst kürzlich ärgerte sie Milan damit.
„Wie sprichst du mit Mia, Zicke?“, setzt sich Justin für die doofe Fee ein.
Als wäre gerade die ganze Welt gegen Skyla. Welche Gottheit muss sie nur verärgert haben, um mit diesen Leuten bestraft zu werden?
„Okay, wir kommen jetzt erst mal alle runter.“ Milan schiebt seinen Körper ins Schussfeld und lässt den Blick umherschweifen, bis er an Skyla verharrt. „Möchtest du ein Glas Wasser, Skyla?“
Es mag wie eine nette Geste klingen, doch sie weiß es besser. „Du willst doch nur, dass ich die Küche betrete und für euch Frühstück mache.“
Flehend schlägt Milan die Hände aufeinander und neigt den Kopf. „Ich bitte dich, Skyla. Keiner von uns kann hier kochen und ich bin es satt, jeden Tag diese viel zu süßen Cornflakes zu essen.“
Genervt atmet Skyla aus und überdenkt das Ganze noch einmal. „Wenigstens hast du Anstand!“
Zögerlich begibt sich Skyla zur Küche, wo ihr die Arbeitstasche zu Boden gleitet. Grund dafür wäre zu einem die winzig kleine Räumlichkeit, die mehr an eine Besenkammer erinnert. Statt einem Herd helfen zwei Kochplatten aus und dann wäre da noch ein kleines Waschbecken. Damit ist die Arbeitsplatte auch schon voll ausgelastet. Auf der Fensterbank findet sie die zuckerhaltige Pampe, womit sich die beiden ernähren. Frühstücksflocken in sämtlichen Farben und Geschmäckern und Dosenfutter. Vorhanden sind nur zwei offene Unterschränke, wo sich eine beachtliche Ausstattung von Putzmittel und Zubehör stapelt. Darunter entdeckt Skyla das abgezählte Geschirr, das für nur einen weiteren Gast ausreicht. Ein kleiner Minikühlschrank findet notgedrungen neben dem Mülleimer Platz.
Auch wenn die Ausstattung mager ist, glänzt dieser Raum ebenfalls vor Reinlichkeit und zerschlägt somit die Theorie einer Säuberungsaktion aufgrund einer Leiche. Einer der beiden scheint ein Putzjunkie zu sein und Skyla wird das Gefühl nicht los, dass es sich dabei um Justin handelt. Denn im Gegensatz zu Milan wirkt er streng, kompromisslos und kontrollsüchtig. Eigenschaften, die für einen Sauberkeitswahn eher sprechen, als Milans chaotisches und lockeres Dasein. Oder Mia steckt dahinter. Etwas, was Skyla bezweifelt, wenn sie sich an den Garten zurückerinnert.
„Die Geisterjagd ist nicht gerade lukrativ oder?“
Skyla scheint den Nagel auf den Kopf zu treffen, denn Milan kratzt sich verlegen und meint mit einem Lächeln davon abzulenken.
„Milan, meine Zeit ist begrenzt“, erinnert sie ihn streng.
Sie schreckt in dem Moment zusammen, als ein großer Schatten wie einer Gewitterfront über sie herzieht. Ein ehrfürchtiger Blick zurück zeigt, dass Justin plötzlich hinter ihr steht.
„Dieser Bär hat ein Auge auf dich geworfen, Mädchen. Er fleht um Gnade und möchte dir nützlich sein“, berichtet Milans Mitbewohner ihr misstrauisch.
„Rücke mir nicht so auf die Pelle!“, verlangt Skyla stattdessen von ihm.
Sie drängt sich an ihm vorbei und stampft aus der Küche. Gleichzeitig muss sie sich fragen, ob er sie testet, denn Skyla hat ihre Bedenken, ein Bündnis mit dem Bären einzugehen. Denn genau so klingt es für sie. Aber das wäre doch Wahnsinn, schließlich hat sie mit eigenen Augen gesehen, wozu der Bär in der Lage war.
Milan sieht verärgert zu seinen Kumpel. „Toll, wie du die Sache angehst, Justin!“
Diese Stimmung! Dieser Wahnsinn! Skyla fühlt sich nicht länger bereit, sich damit auseinanderzusetzen.
„Es war dumm von mir, hierher zu kommen“, ärgert sich Skyla lautstark.
Sie will sich ihre Tasche schnappen und von diesem Ort verduften. Nicht mit der gemeinen Fee, die ihren Rucksack vor ihrer Nase wegschnappt. Skyla befolgt Lukas‘ Ratschlag und gönnt sich einen tiefen Atemzug, um nicht gleich die Beherrschung zu verlieren. Mia ist flink wie ein Flummi. Ab und zu sogar zu schnell für ihr Auge. Es ist früh und Wochenende. Auf der Arbeit wartet genug Stress auf sie. Aus der Ferne hört sie ihr Bett rufen. Sich unter die Bettdecke zu verkriechen und einfach alles zu vergessen klingt verlockender denn je. Ein Blick hinauf und sie entdeckt Justin an der Haustür. Er muss sich an ihr vorbeigeschlichen haben und macht einen auf Türsteher.
Mia und Justin – ein Dreamteam! An dieser Stelle fragt sich Skyla, warum die Fee nicht eher bei dieser fiesen Brillenschlange rumhängt. Die Chemie stimmt einfach. Anders als bei Milan.
Der nervige Ton, der aus Justins Kehle dringt bereitet Skyla schon vom ersten Wort Ohrenschmerzen, sodass es ihr schwerfällt, ihm zuzuhören. „Sei dir Gewiss, dass all die Präsenzen, die du siehst, auch dich registrieren. Statt dich zu ignorieren, fordert dein Dasein jene Wesen zum Spielen auf. In den meisten Fällen endet es für eine Partei tödlich, selten gelingt die Flucht. Dein Umfeld leidet dabei mit dir. Und um Unschuldige nicht in Gefahr zu verwickeln, solltest du lernen, dich gegen das Böse zu wappnen.“
In einem vernünftigen Gespräch wäre Skyla bereit, über so etwas zu reden, aber ihre Stimmung ist dermaßen im Keller, dass sie lieber vor den Problemen weglaufen mag, statt sich mit den Geisterprofis zu unterhalten.
Als die Fee mit ihrer Tasche vor ihrer Nase wedelt, bläst Skyla ihre Wangen auf. Das kleine Insekt ist nicht nur frech, sondern auch provozierend. Der Blick der Fee ist göttlich, als sie schnell genug zugreift und sich ihren Besitz wiederholt. Von der kurzen Euphorie gepackt, schnippt Skyla Mia fort.
Nun blickt sie eisig zu Justin auf. „Ich mag zu bezweifeln, dass ihr mir helfen könnt!“
„Es mag nicht immer leicht sein, aber du darfst kein großes Aufsehen erregen, sobald du einen Geist oder Dämon siehst, Skyla“, mischt sich Milan ein.
Er klingt vorsichtig, dabei ist der leise Vorwurf unüberhörbar.
„Unmöglich! Dieses Kind stolpert auf die Kulisse und veranstaltet dabei immer nur Krach“, ärgert Justin sie.
„Daher werden wir ihr helfen und sie auf eine Konfrontation vorbereiten“, betont Milan ruhig.
Doch sein Mitbewohner schnaubt und betrachtet Skyla skeptisch, woraufhin sie ihre Lippen zu einem schmalen Strich presst.
„Stur und temperamentvoll – eine schwierige Kombination. Ist das meine Zeit überhaupt wert? Erkenntlich will sie sich auch nicht zeigen“, stichelt Justin sie.
„Ich habe genug gehört!“, nuschelt Skyla erbost in ihren imaginären Bart.
Milan gibt jedoch nicht auf und versucht, bei ihr durchzudringen: „Sie werden dich nicht immer meiden. Für die Geister und Dämonen bist du ein Festmahl.“
Skyla verharrt nur deshalb, weil sie diesen Punkt bereits befürchtet hat. Zu viele Begegnungen mit dem Paranormalen haben sich angehäuft, sodass der Zufall längst ausgeschlossen wurde.
Der Gedanke an weitere Konfrontationen lässt ihren Körper erzittern. Noch einmal solch einen Alptraum wie in der Tiefgarage mag sie nicht durchleben, aber Milan blickt, als sei dies das Schicksal, was sie erwarten wird. Skyla schluckt und weigert sich noch weiter, diese Zukunft zu akzeptieren. Daher platzt der Frust im nächsten Augenblick einfach aus ihr heraus.
„Aber warum? Ich verstehe das nicht! Vorher hatte ich doch auch keinen Kontakt zu solchen Wesen?“
Milan lächelt milde, als könne er ihren Frust verstehen. Anders als der Dreckskerl neben ihm, der sichtlich genervt von ihrer Lautstärke zu scheint. Als plage Justin eine Migräneattacke, entfernt er sich ein Stück von der Geräuschquelle und massiert sich dabei die Schläfen. Von ihm erwartet Skyla keine Antworten, daher fixiert sie Milan auch an. Dieser reimt sich jedoch noch die Antworten zu Recht. Auf Skyla wirkt er ein Stück überfordert. Unprofessionell wie beim Beschatten.
„Weißt du, das ist schwer zu sagen. Die Gründe sind oft vielfältig. In den meisten Fällen beginnt der Spuk mit dem Erwachen deiner Gabe. Aber für gewöhnlich erwacht eine Hexe mit ihrem dreizehnten Geburtstag. Du wärst somit ein Spätzünder. Vielleicht schützte dich aber auch bislang deine positive Energie und mit den Jahren nahm diese ab. Vielleicht gab es einen Wandel in deinem Leben. Eine dunkle Zeit, die dein natürliches Schutzschild beschädigte, bevor es zerbrach.“
Milan klingt wahrlich unsicher. Er spekuliert wild und wirft Justin immer wieder hilfesuchende Blicke zu, als hoffe er auf ein wenig Unterstützung, aber sein Kumpel lässt ihn hängen und verharrt im Hintergrund. Skyla hingegen fühlt sich weniger schlauer als vorher. Auch wenn ihr Kopf auf Anhieb eins ihrer dunkelsten Kapitel aufruft. Eins, was sie bewusst verdrängt, da sie sonst einen solchen Tiefschlag erleben würde, dass sie sich freiwillig für heute bei der Arbeit abmelden müsste. Ablenkung muss her! Schnell! Bevor die bösen Erinnerungen aufkeimen und sie schwach und angreifbar wird.
„Was für ein Schutzschild, Milan?“
Der Angesprochene schnippt freudig und lächelt stolz. „Eine gute Frage. Ob solch ein Schutzschild existiert oder nicht wissen wir nicht. Aber wir arbeiten damit, für unser Verständnis zum Ursprung des Paranormalen. Für uns ist es eine Sichtblockade, die uns die Wahrheit vorenthält. Ein Schutz. Unwissenheit ist ein Segen oder?“
Ein zögerliche Nicken ihrerseits und sie hinterfragt nun: „Und du vermutest weiterhin, ich sei eine Hexe?“
„Ich bin überzeugt!“
Milan klingt sich sicher, aber nun schaltet sich Justin ein. Er brummt miesgelaunt, als teile er diese Sicht nicht.
„Sagen wir es mal so, es ist nicht ausgeschlossen! Nur stehen die Chancen sehr gering, dass es sich bei dir um einen Spätzünder handelt. Es gibt nur eine Hand voll Hexen, deren Macht sich erst viele Jahre nach dem dreizehnten Lebensjahr zeigte.“
Das abenteuerlustige Herz, das sich nach einer Fantasygeschichte sehnt, würde für gewöhnlich nun höher schlagen. Aber das alles klingt nicht stimmig. Skyla hat ihre Bedenken. Dinge, die sie unbedingt ansprechen muss.
„Aber woher sollte ich solch eine Hexenkraft beziehen? In meiner Familie ist mir keine Hexe bekannt.“
Ein Fakt, der Milans Überzeugung ins Schwanken bringt. Der Geisterjäger kratzt sich nachdenklich am Kinn und grübelt angestrengt. „Tja, gute Frage. Vielleicht verheimlicht dir die Familie die Wahrheit.“
Erneut schaltet sich Justin ein. Mit einem tadelnden Blick an Milan. „Es können ganze Generationen übersprungen werden. Das passiert öfter, als gedacht. Besonders auffällig durch die Heirat mit Unbegabten. Menschen, die von unseren Problemen nicht betroffen sind und im trügerischen Schein leben.“
Skyla nickt, denn auch wenn ihre Eltern sich auffällig kindisch verhalten wie der Rest der Welt wirken sie normal. Hätten sie die Gabe der Magie und könnten Paranormales sehen würden sie sich bestimmt anders verhalten.
Statt Justins Tadel zu registrieren strahlt Milan glücklich, vielleicht, weil das Gespräch an Feindlichkeit verloren hat. Kaum erfassen seine mysteriösen Augen sie, startet er einen Versuch, sie zu ermutigen.
„Aber hey, dafür sind wir hier. Ob Hexe oder nicht, wir finden heraus, was dich besonders macht.“
Die Wie-Frage liegt ihr bereits auf der Zunge, da räuspert Justin sich. Ihr Kopf schwenkt rüber zu ihm und allein wie der Dreckskerl sie anstiert, lässt sie die Zähne blecken. In seinem Blick findet sie wenig Mitgefühl. Sicherlich betrachtet er sie als sein persönliches Laster. Sein Problem, das es schnell zu beheben geht. Seine Wortwahl mit der Bühne und dem Ärger, den sie verursacht, geriet nicht in Vergessenheit. Was zeigt, er steht nicht hinter ihrem Verhalten und ihren Taten.
„Ich zeige dir, wie du dich zu wehren weißt. Im Kampf gegen das Übernatürliche darf dein Körper nicht versagen, deine Sinne müssen geschärft werden. Du brauchst Ausdauer und gute Reflexe. Nicht immer triffst du nur auf immaterielle Entitäten, der Nahkampf ist oft unvermeidlich. Für den Kampf gegen das Übernatürliche brauchst du einen Schutzgeist oder einen Dämon, den du an dich bindest. Deine Persönlichkeit hat bei der Wahl großen Einfluss. Die Suche könnte sich als kompliziert erweisen, da dein Temperament im Weg steht und du mit großer Sicherheit die Mehrheit an magischen Geschöpfen abschreckst. Hexen und Hexer schmieden hauptsächlich mit Katzen ein Seelenband, aber nicht alle. Da kein Vierbeiner an deiner Seite verweilt, mag ich stark bezweifeln, dass sich dies auch ändern wird. Ich kenne nicht viele Leute, die sich für einen Dämon entscheiden, aber dir traue ich das zu. Dennoch rate ich dir, versuch es erst mit einer Fee, auch wenn ich die Erfolgschance dazu sehr gering einschätze. Dich erwartet bei mir ein Überlebenstraining, Kampfsport, theoretische Einführung in die Welt der Magie und Parapsychologie. Nebenbei analysieren wir deine Fähigkeiten und befassen uns im Anschluss mit deinen Möglichkeiten“, spricht Justin über die Sache, als wäre sie bereits beschlossen.
Unheilvoll beginnt Skyla zu lachen. Dieser Kontrollzwang steht ihnen im Weg. Auch der ausgeklügelte Lehrplan weist viele Lücken auf. In ihrer wenigen Freizeit wird sie Justins Anforderungen niemals gerecht. Sein Plan klingt nach Aufopferung. Ob die Ausbildung, die Berufsschule oder Zeit mit Familie oder Freunden, irgendein Punkt wird definitiv darunter leiden, wenn nicht sogar alle drei Aspekte. Justin macht nicht den Eindruck, als hätte sie ein Mitsprachrecht. Er will ihr seine Lösung aufbrummen, ungeachtet, was sie davon denkt. Anders als Milan wirkt er zwar kompetenter, aber sein Charakter ist mies. Mit so etwas weigert sie sich zu arbeiten. Die Problematik ist nun bekannt. Der erste Lösungssatz ausgesprochen. Vielleicht lassen sich andere Leute finden, die ihr helfen können, oder sie erledigt die Dinge auf eigener Faust, so wie bislang auch. Geister hin oder her, am Ende muss sie wahrscheinlich allein damit fertig werden. Sicherlich werden eigene Recherchen sie in Sackkassen führen, aber in der heutigen Zeit stehen ihr viel mehr Möglichkeiten zu. Wissen, versteckt in irgendwelchen Ecken des Internets, zwischen all den vielen falschen Informationen.
Justin sprach von Schutzgeistern. Von Dämonen und Feen. Das klingt schon ein wenig aufregend und lässt ihr Entdeckerherz höher schlagen. Liebliche Gefährten. Nicht so ein Biest wie Mia, sicherlich lässt sich dazu auch etwas finden. Wie eine Reihe Tricks im Kampf gegen das Paranormale. Aber lieber folgen eine Reihe vieler gescheiterter Versuche, um sich an das Problem mit dem Paranormalen heranzutasten, als einen Stinkstiefel wie Justin zu ertragen. Ihr Abgang soll stilvoll sein, daher setzt sie zum Lächeln an und hebt zum Winken die Hand.
„Kein Interesse und jetzt entschuldigt mich bitte, denn die Arbeit wartet auf mich.“
Eine Drehung und mit entschlossenen Hauptes will sie jenen kalten Ort verlassen. Die Freiheit ist zum Greifen nah, aber Justin gönnt ihr ihren Abgang nicht und blockiert die Tür. Er ist schnell und leise. Seine Miene noch immer eisern und einschüchternd. Frustriert schnappt Skyla nach Luft. Noch mögen ihr keine Handschellen angelegt sein und doch fühlt sie sich bereits wie eine Gefangene. Die freundliche Art scheint erneut nicht zu funktionieren. Nicht bei Justin. Nur täuscht er sich in Skyla, wenn er glaubt, sie wird brav nachgeben und nach seiner Pfeife tanzen.
Mia nutzt die Chance und entwendet Skyla erneut die Tasche, woraufhin sie sich genervt zu Milan dreht, der sie besorgt betrachtet.
„Findest du das hier richtig?“
Skyla steckt viel Hoffnung in ihre Frage, denn von all den Bewohnern dieses Spukhauses hat Milan wenigstens etwas wie Herzenswärme. Doch ihre Erwartung verblasst allmählich, denn er kriegt die Zähne nicht auseinander und senkt entschuldigend den Kopf. Justin hingegen nimmt sich die Freiheit und hebt grob ihr Kinn an. Er erzwingt den Blickkontakt, doch Skyla ist keine Puppe, die alles mit sich machen lässt. Als sie seine Hand von ihr schlägt, betrachtet er sie mit einem breiten, aber interessierten Grinsen.
„Was sollte das denn?“, bringt Skyla zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.
„Ich habe nach magischen Spuren gesucht“, behauptet dieser schreckliche Kerl.
Aber sie glaubt ihm kein Wort.
„Justin mag zwar etwas unhöflich sein, aber wir meinen es nur gut mit dir“, redet Milan weiter auf sie ein.
Leise wie eine Maus. Es klingt, als schäme er sich für das Verhalten seiner Mitbewohner. Skyla will es für ihn hoffen. Denn Justin und Mia sprengen das Maß an Toleranz. Solch unsympathische Genossen sind ihr bislang nicht über den Weg gelaufen. Dabei gab es bereits viele Gespräche mit unverschämten Kunden. Auch der eine oder andere Mitschüler schaffte es, dass Skyla auf großen Abstand blieb. Aber all das ist im Vergleich zu diesem Szenario ein Witz.
„Ich habe meine Ausbildung bis zur Hälfte hinter mir und ich werde diese auch nicht einfach hinschmeißen! Wenn ihr euch mit den Geistern kloppen wollt, dann bitte!“
„Dummes Kind“, nervt Justin sie und schüttelt enttäuscht seinen Kopf. „Erkennst du denn nicht, dass du mit dieser Entscheidung jeden gefährdest, der dir nahe steht. Musst du den ersten Angehörigen auf dem Gewissen haben, bevor die Realität dich wachrüttelt?“
„Das ist vielleicht etwas viel. Geben wir ihr Zeit, darüber nachzudenken“, schlägt Milan vor.
Justin scheint dies gar nicht gern zu hören. „Du willst sie laufen lassen? Damit ihretwegen Leute sterben?“
Aber Milan gibt nicht auf und zuckt lässig mit den Schultern. „Eine Woche Bedenkzeit sollte doch angemessen sein.“
Sein Mitbewohner brummt wie ein miesgelaunter Bär, der sich nur ungern darauf einlassen mag.
„Das Frühstück, Mädchen“, gibt Justin nicht nach und bringt ihre Zornesader zum Anschwellen.
Wäre er doch nur ein Gast Zum Kräutergarten, dann hätte sie ihn höchstpersönlich vor die Tür gesetzt und ihm ewiges Hausverbot erteilt. Aber hier sind die Spielregeln anders. Denn es ist das Reich der Geisterjäger. Somit ihre Hausordnung und ihr Privileg, zu entscheiden, wer kommen darf und besser gehen sollte. Und doch kennt Skyla ihre Rechte. Sollte sie nicht in wenigen Minuten ihre Freiheit erlangen, dann wird sie schreien. So laut, dass die Nachbarn glauben werden, man murkse sie ab.
„Mein Name ist Skyla!“
„Das Frühstück, Skyla“, verbessert sich Justin augenrollend.
„Entschuldige, die Arbeit ruft! Also her mit meiner Tasche!“
Genervt sucht sie nach der kleinen Fee. Milan entreißt dieser ihren Rucksack und reicht diesen an den Besitzer weiter.
„Ich begleite dich.“
Vielleicht ein liebgemeinter Versuch der Versöhnung, aber es könnte auch um reine Manipulation handeln. Milan ist sich seinem unverschämten Charme bewusst. Doch Skyla mag nicht besänftigt werden. Sie will den Zorn auf alle Anwesenden bewahren und sich vor Augen halten, in was für eine Situation Milan sie hineinziehen will. Die Sorge, er könne sie auf irgendeiner Art besänftigen, besteht. Skyla kann es schließlich nicht leugnen, aber ausgerechnet Milan fällt in ihr Beuteschema. Sie hat eine Schwäche für so Kerle wie ihn. Aber dieser Kerl ist niemand, der sich großartig behaupten kann. Ein Feigling und doch überwiegt sein Charme. Eine herzzerbrechende Kombination, die sie besser meiden sollte.
„Ich verzichte!“
Eilig muss Skyla fort. Aber noch steht ihr das größte Problem im Weg. Daher funkelt sie den Torwächter warnend an. Justin lässt sich auf ein Blickduell ein und fast knickt sie bei ihm ein. Diesem Pokerface wäre sie auf langer Sicht nicht gewachsen. Ihr hart trainiertes Selbstbewusstsein würde wohl oder übel zusammenbrechen. Zu ihrem Glück tritt er rechtzeitig zur Seite. Wenn auch widerwillig. Kaum ist der Weg frei, verlässt sie eilig das Haus und atmet den frischen Duft ihrer Freiheit ein. Zu ihrem Pech hat sie einen Verfolger. Einen lästigen Kaugummi, den sie erneut nicht loswird.






































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