Kapitel 41
Eine schallende Ohrfeige lässt Skyla erwachen. Als habe sich die erhobene Hand in die linke Wange eingebrannt. Dahinter steckte nicht nur Kraft, sondern auch pure Boshaftigkeit. Ein Blick in die himmelblauen Augen und Skyla seufzt erschöpft. Wie eine heiße Kartoffel lässt Naomi sie fallen. Der Untergrund ist weich. Der Körper gewärmt von einer dicken Decke. Im Hintergrund surrt ein Heißstrahler und die vielen Fotos an der Wand verraten Milans Zimmer. Benommen schaut Skyla umher und macht niemanden anderen aus. Was bedeutet, sie ist allein mit der giftigen Hexe. Naomi beugt sich zu ihr hinab und drückt ihre Krallen in Skylas Gesicht.
„Sei dankbar, überlebt zu haben. Ich kann dich hier nicht töten, aber ich bringe dich zum Schweigen!“
Skyla lächelt bitter, woraufhin die Hexe ihre Stirn runzelt. Gegen Naomis Hexensprüche mag Skyla wenig Widerstand leisten können und doch wird sie es nicht einfach hinnehmen. Den Mordversuch kann nicht einfach unter den Tisch gekehrt werden. Dalika hat bereits die ersten Zweifel gesät. Irgendwann erblickt die Wahrheit das Tageslicht und dann kann sich Naomi in Acht nehmen. Die Hexe zögert das Unvermeidliche nur unnötig hinaus und macht es umso schlimmer.
Beim Versuch, zu sprechen, folgt noch immer nur ein Krächzen. Es entlockt Naomi ein wölfisches Grinsen.
„Wie gesagt, du wirst schweigen. Ich war nicht untätig. Deine Stimme gehört nun mir.“
Skyla blinzelt erschrocken. Sie hat mit einem Todesschwur gerechnet, aber nicht mit Diebstahl. Hoffentlich hat sie sich verhört, denn es klingt, als sei Skyla ab den heutigen Tag für immer stumm. Das taube Gefühl ihrer Zunge wird ihr erst jetzt bewusst. Ein widerlich bitterer Belag liegt auf ihren Geschmacksnerven und je länger sich Skyla darauf konzentriert, umso mehr nimmt sie die Bewegungen um ihre Zunge war. Es erinnert an eine Schlange. Sehr langsam windet sich die Schlinge in ihrem Mund.
„Ein Art Fesselzauber unter ungewöhnlichen Bedingungen.“
Naomi zieht aus dem Nichts eine hochwertige Phiole mit vergoldeten Musterungen und einem kitschigen Kristallherz in der Farbe ihrer violetten Blitzmagie. Die Hexe dreht den Verschluss auf und rückt mit dem gläsernen Gefäß heran.
Die Schlinge um Skylas Zunge wird fester. Schmerzhaft und brutal, als wolle der Zauber das Gewebe zerdrücken. Der Geschmack von Eisen breitet sich im ganzen Mundraum aus. Skyla windet sich nur kurz, denn einige Sekunden später beginnt die Phiole zu leuchten. In diesem Moment bleibt Skyla die Luft weg. Der Sauerstoff wird knapp und entweicht ihr. Der Sog ist gewaltig und reißt Skylas Oberkörper hinauf. Es fühlt sich an, als befinde sich etwas in ihr drinnen und reißt an ihrem Geist herum. Die Verbindung zwischen Körper und Seele ist so spürbar wie noch nie zuvor. Vergleichen würde Skyla diese Harmonie mit dem letzten Weihnachtfest bei ihrer Oma. Ein Ort voller Konflikte, aber auch voller Liebe und Geborgenheit. Es ist warm und fühlt sich nach purem Glück an. Draußen stürmt es, aber innen ist es sicher. Nun aber wird ein Fenster gewaltsam geöffnet. Die Wärme entweicht und die Kälte eingeladen. Die eisigen Winde verwüsten das Zuhause und beschädigen die Fassade samt Einrichtung. Skyla hat keine Kontrolle. Das Gefühl in ihren Beine und Armen geht verloren. Der Atem bleibt ihr weg und das Gefühl zu ersticken drückt sich in den Vordergrund. Sie würgt und keucht. Die Hände tasten nach dem Hals und die Panik meldet sich langsam aber sicher. Hinzu kommt das beängstigende Engegefühl im Brustkorb. Das Herz protestiert heftig und zieht sich schmerzhaft unter dem Sauerstoffmangel zusammen.
Unfähig, sich zu wehren, leidet Skyla und verliert das Zeitgefühl. Sie sehnt sich nach Erlösung. Ihr Körper und Geist drohen unter den Strapazen zu zerbrechen. Nach einer gefühlten Ewigkeit endet es schlagartig. Skyla keucht und hustet. Ihre Lungen füllen sich mit Sauerstoff. Der Hals schmerzt fürchterlich. Zwei Hände legen sich in ihre und umfassen sie ganz fest. Die bernsteinfarbenen Augen von Caja fixieren Skyla.
„Alles ist gut. Ich habe etwas für dich.“
Sie löst eine Hand und greift an ihre Taille, wo an dem prachtvollen Kleid ein Gürtel verschmolzen ist. Die Hexe löst Kais niedliche Teddybärengestalt und drückt Skyla das Stofftier in die Arme. Kai scheint nicht bei Bewusstsein zu sein und doch gibt er ihr ein Gefühl von Sicherheit. Skyla drückt ihn fest an die Brust und staunt, als ihr ein Wort des Dankes über die Lippen geht. Ihre Stimme ist nicht länger fort. Tränen der Dankbarkeit kullern über ihre Wange und nun wird Cajas Blick ganz sanft. Die Hexe nimmt auf den Stuhl Platz, wo Naomi zuletzt saß.
Ein Blick zur Seite und Skyla findet die weißhaarige Hexe kniend auf dem Boden. Sie hält ihre feuerrote Wange umfasst und blickt furchterfüllt hinauf zu Justin, der sie an den Haaren packte. Sein Blick gefüllt voller Kälte und Zorn. Statt zu Maulen, bevorzugt er die Stille. Eine Taktik, die Wirkung zeigt, denn Naomi entweichen ebenfalls die Tränen und viele Ansätze aus dem Mund, um sich zu erklären. Doch immer bricht sie aufs Neue ab, als wird ihr jedes Mal bewusst, welchen Schwachsinn sie von sich geben will. Justin scheint ihr Gejammer satt zu sein und reißt sie hoch. Er entführt sie brutal an den Haaren aus dem Zimmer und schlägt hinter sich die Tür zu. Caja schenkt dem Schauspiel keine Aufmerksamkeit. Sie bleibt fokussiert auf Skyla und wirkt gefasster, denn je. Obwohl sie doch im engen Kontakt zu Naomi stehen zu scheint.
„Erzähl mir doch bitte von deiner Reise und lass bitte kein Detail weg. Nimm dir die Zeit, die du dafür brauchst, aber lass mich bitte hören, was du alles durchmachen musstest.“
Cajas Wissensdurst mag verständlich sein, aber Skyla fühlt sich noch nicht bereit dafür und drückt Kai noch fest an sich. Wie ein Kind, das Monster unter ihrem Bett sah. Die Tür öffnet sich und ihr entweicht ein Seufzen, als Milan mit zwei dampfenden Tassen hereinkommt. Der Geisterjäger blickt verständnislos hinüber.
„Oh gut, du bist wach, Skyla. Sag mal, Caja, was ist denn hier eigentlich los? Was hat Naomi angestellt, dass Justin so wütend ist.“
Caja seufzt genervt. „Du bist wahrlich nicht der Hellste, Milan.“
Er schnalzt genervt mit der Zunge und tritt heran. „Ich habe andere Qualitäten, Caja!“
„Arrogant sein ist eine davon?“
Die Hexe weiß, wie sie Milan provoziert. Er bleckt die Zähne und zählt laut bis zehn, als wolle er nicht unüberlegt sprechen. Aber Caja winkt mit der Hand, als wolle sie ihn vertreiben.
„Du störst!“
Milans Plan scheint aufzugehen. Er blendet die Hexe aus und drückt Skyla eine Tasse in die Hand.
„Ich hoffe, der Kaffee ist nach deinem Geschmack, Süße.“
„Danke.“ Sie rutscht und klopft auf die freie Bettseite. „Setze dich doch bitte zu mir.“
Mit einem Lächeln geht er ihrem Wunsch nach und Skyla lehnt sich dankbar an ihm. Ein Bild, das Caja angewidert betrachtet, aber schweigt. Die Augenringe sind Indiz genug, dass Milan sich krampfhaft wach hält. Er setzt seine Kaffeetasse an und blickt Caja genervt dabei an, während er einen kräftigen Schluck zu sich nimmt. Die Hexe atmet erschöpft aus und nimmt Skyla ins Visier.
„Ich bin hier, um zu verstehen, was vorgefallen ist. Daher bitte ich dich erneut, rede offen und ehrlich.“
„Wirst du mir auch glauben?“ Skyla schluckt schwer. „Ich bin mir da nicht so sicher.“
Caja zerknirscht den Stoff ihres Rockes zwischen ihren Händen. Mit ihren aufgeblasenen Wangen macht sie einen trotzigen Eindruck.
„Naomi wollte etwas vor uns allen verschweigen. So viel ist sicher. Ich hasse Geheimnisse und möchte die Wahrheit erkennen. Die Formel, die sie anwandte, war dunkel und bösartig. Etwas, was sie gern für Feinde benutzt. Sag, Skyla, bist du ein Feind?“
Milan senkt mit gerunzelter Stirn seine Tasse und blickt zwischen den beiden Mädels hin und her. Aber Skyla geht auf sein Verhalten genauso wenig ein wie Caja und rückt mit der Wahrheit raus: „Naomi betrachtet mich als Bedrohung. Etwas, das beseitigt werden muss.“
Caja legt den Kopf schief. „Das klingt, als wolle dich Naomi tot sehen.“
„Ganz Recht! Ihr Mordversuch ist aber gescheitert, dank meines Nang Tani.“
„Was sagst du da?“ Milan blinzelt erschrocken. „Moment! Naomi sagte, sie wolle mich ablösen und wache über dich! Hat sie versucht, dich umzubringen?“
„Nein, das gerade eben war ein Versuch, meine Stimme zu klauen, um den gescheiterten Mordversuch zu vertuschen“, antwortet Skyla so gefasst wie möglich.
Dennoch zittert ihre Stimme. Der Zorn auf das Weißhaar ist nicht verebbt und allein der Gedanke an den Kampf gegen Naomi macht es umso schwerer, nicht gleich vor Wut auszurasten.
Milan erhebt sich schlagartig und stellt die Tasse ab.
„Mehr brauch ich nicht hören. Dieser Teufel kann sich auf etwas gefasst machen!“
Er bleckt die Zähne, aber nun hebt Caja die Hand und sein eisiger Blick schnellt hinab.
„Nur ein Narr lässt sich von den Gefühlen leiten! Setzen und zuhören! Skyla hat mit ihrer Geschichte nicht mal angefangen. Ich will alles hören und dann sind wir es Naomi schuldig, sie anzuhören. Erst danach können wir ein Urteil bilden. Außerdem erreichst du Naomi jetzt nicht. Justin will allein mit ihr sein. Keine Störungen!“
„Damit kommt Naomi nicht davon!“, brummt Milan, woraufhin Caja die Augen rollt.
„Typisch Milan! Ein Testosteron gesteuerter Idiot!“
Provozierend blickt er das Mädchen an. „Willst du auch Ärger mit mir, Hexe? Ich lege mich auch gern mit euch im Dreierpack an!“
Cajas Augenbraue zuckt verdächtig. Mit einem zum Strich verzogenen Mund blickt sie warnend auf.
„Tu mir einen Gefallen und beruhig dich!“
„Sie hat Recht, Milan.“
Skyla handelt und greift nach seiner Hand. Ihre Berührung zeigt Wirkung, er setzt sich weitaus entspannter zu ihr. Als er sich zu ihr dreht, rechnet sie nicht mit einem Kuss auf dem Scheitel.
„Ich verspreche dir, dass Naomi nicht davon kommen wird. Sie wird zur Rechenschaft gezogen.“
„Naomi ist mächtig und eine wertvolle Verbündete!“, betont Caja streng.
Milan belächelt dies spöttisch. „Und du glaubst, ich traue dem Weißen Teufel noch nach der Aktion? Schon schlimm genug, dass sie mich mehrfach überlisten konnte!“
„Justin klärt die Angelegenheit“, wispert die kleine Hexe ruhiger, als habe sie ganz viel Hoffnung in den ältesten Geisterjäger.
„Justin? Der hält doch eh mehr zu euch Hexen!“, behauptet sein Partner.
„Milan! Bitte!“ Es ist Mia, die herangeflogen kommt und so besorgt blickt, wie sie auch klingt. Sie landet auf seiner Schulter und hält Augenkontakt zu ihm. „Bitte lass gut sein.“
„Aber nur, weil du mich darum bittest.“
Kaum spricht er zu Ende, gönnt er sich den nächsten Schluck Kaffee. Skyla tut es ihm gleich und bereut es im nächsten Moment. Das Gebräu mag aussehen und riechen wie Kaffee, aber schmecken tut es wie warmes Abwasser. Sie schüttelt sich und stellt die Brühe weit weg von sich.
Cajas Geduld endet, als sie sich vorbeugt. „Skyla, ein letzter Versuch. Erzähl mir, was passierte oder ich schenke dir kein Gehör mehr in diesem Prozess.“
Das ist ein Versprechen. Skyla sieht es der Hexe an und überlegt nicht lange, denn auch wenn Caja eine Freundin von Naomi ist, bietet sich hier die einmalige Chance, angehört zu werden und das macht Caja auch. Ohne Unterbrechungen. Sie gibt Skyla alle Zeit der Welt, sich zu klären und Milan hilft sogar bei der Schilderung der Ereignisse. Ihm fallen noch kleine Details ein, die Skyla sonst vergessen hätte. Bis zu dem Moment, wo sie ihn rausgekickt hat, zeigt er sich als eine große Hilfe und dann liegt es an Skyla, nichts zu vergessen. Nach der Erzählung bleibt es verdächtig still und im Kopf ruft sie sich noch einmal alles auf. Skyla ist ganz zufrieden mit ihrer Sicht, nur bereitet Cajas prüfender Blick Sorge, der einem strengen Richter gleicht und Skyla ganz nervös macht. Während Milan genüsslich den Kaffee vor sich hin schlürft, als sei die Welt heile.
„Ich habe einige Fragen zu dem Vorfall und zu deinen Umständen, Skyla“, spricht Caja das aus, womit Skyla rechnete.
Das Medium nickt gespannt. „Fahre fort.“
„Lass mich das bitte richtig verstehen, um die Situation besser einzuschätzen. Du hast Naomi also versucht vom Kampf abzuraten?“
„Hab ich. Mehrfach. Zuerst wollte ich auch gar nicht zurückschlagen, aber ich war wütend. Es betraf nicht nur mich, sondern auch meine Schutzgeister. Naomi spielte mit ihnen und zögerte nicht, ihnen zu schaden. Dalika wäre fast gestorben!“
„Dalika“, wiederholt Caja nachdenklich, „sie ist in deinen Diensten, aber noch nicht einsatzbereit und doch wacht sie über dich. Traust du ihr?“
„Dalika hat sich bewiesen. Sie hat mich beschützt und wäre für mich gestorben, obwohl ich ihr die Erlaubnis gab, sich zu lösen. Ich wollte den Nang Tani nicht mit in den Tod reißen, aber sie sah es als ihre Pflicht, mit mir unterzugehen. Ich mag bezweifeln, dass sie den Ausgang dieses Kampfes kannte. Denn sie widersetzte sich meinem Befehl, Kai zu heilen, erst musste sie sichergehen, dass Segone keine Gefahr mehr sei. Aber rein aus Interesse, was ist aus der Dämonenkönigin geworden? Ist sie fort?“
Caja schüttelt den Kopf. „Ein strategischer Rückzug, als sie ihre Chancen ausrechnete. Segone kehrt wieder, das ist sicher. Dämonen erdulden keine Niederlage. Sie kommen und rächen sich. Stärker denn je. Das nächste Mal wird entscheiden, wer überleben darf.“
„Segone sieht mich noch immer als ihre Nachfolgerin. Sie ist fest überzeugt, aber sie irrt sich in mir!“
„Das hoffe ich. Justin glaubt an dich und ich will es ihm gleich tun.“
„Also glaubst du mir?“
Aber Caja schüttelt bittend den Kopf. „Noch habe ich Fragen an dich und Naomis Sicht fehlt mir ebenfalls. Ich habe noch nicht das Recht, die Situation einzuschätzen.“
Skyla ist unfassbar dankbar für diese Einstellung. Caja scheint eine Hexe zu sein, die kein Chaos mag und ihrem Gefühl vertraut.
„Deine anderen Fragen“, erinnert sich Skyla, „stell sie mir.“
Die Hexe winkt sie an sich heran und Skyla beugt sich vor. Als solle Milan ausgeschlossen werden, hält Caja eine Hand an den Mund. Eine Lärmschutzmauer für die Frage, die folgt.
„Erkennst du deine Macht nun an?“
Erwartungsvoll schaut Caja sie an, aber Skyla blinzelt verwirrt.
„Meine Macht?“
Caja nickt. Ihr Blick ist eine Mischung aus Grimmigkeit und Neugier. Skyla seufzt und richtet sich auf. Ihre Augen bleiben bei Milan hängen, der diese Unterhaltung mit Skepsis verfolgt.
„Du sagtest zu mir, meine Macht sichere unser Überleben. Du hältst sie noch immer für wertvoll oder?“
Der Geisterjäger stößt die Luft augenrollend aus. „Süße. Komm schon, du hast es doch gesehen. Es ist eine Gabe und kein Fluch. So wie mein Charme.“
„Du bist definitiv keine Hilfe!“, brummt Caja.
„Ich habe dich gewaltsam aus Kais Welt befördert“, hält Skyla ihm vor Augen.
Aber Milan zuckt gleichgültig mit den Schultern. „Ja und? Du hast mir doch nur einen Gefallen getan und mich aus der Hölle befördert.“
Eine Lüge! Seine Fassungslosigkeit sprach damals für ihn. Es war keine Dankbarkeit, sondern ein Schrecken. Milan spricht nicht wahr und das macht sie wütend.
„Verdammt, Milan! Halte mich nicht für dumm! Sei doch mal ehrlich zu mir! Es ist okay, wütend zu sein.“
„Ich war nicht wütend.“
Caja räuspert auffallend, woraufhin Milans Augen schmal werden.
„Hey! Vielleicht mag ich am Anfang beleidigt gewesen zu sein, aber ich weiß doch, dass Skyla es nur gut gemeint hat.“
„Irrtum!“ Skyla lacht bitter. „Ich hatte keine Kontrolle über meine Macht. Es hätte dir sonst etwas passieren können.“
„Eben nicht! Dein Herz könnte mich nie verletzten! Nie!“
Es klingt zu schön, aber die Realität ist deutlich grausamer. „Sei dir da nicht so sicher, Milan. Meine Macht ist gefährlich. Hör auf mich, zu verteidigen. Aus deinem Munde klingt der Moment edel und ehrenhaft, aber in Wirklichkeit sollte ich mich für diesen Kontrollverlust schämen.“
„Milan kann nicht anders. Es ist seine Art, dich zu schützen. Um zu verhindern, dass dich die Dunkelheit packt. Der Verlust einer Klientin sitzt tief. Sie war ebenfalls ein Medium wie du. Nur jünger.“
„SCHLUSS!“ Milan erhebt sich zornig. „KEIN WORT DARÜBER!“
Geschlagen hebt Caja ihre Hände. „Wie du willst. Ich finde, ich habe genug gehört. Besser, ich lasse euch allein.“
„Ja verschwinde, Caja!“, stimmt Milan biestig zu.
„Aber deine Fragen“, meldet sich Skyla.
„Wurden bereits beantwortet“, versichert Caja und erhebt sich.
Ohne zu zögern, tritt sie aus dem Zimmer.
Bevor, Skyla mit ihren Gedanken abdriften kann, kniet sich Milan vor ihr auf Augenhöhe. Ganz behutsam hält er ihre Hände fest und übt leichten Druck aus. Ein Blick in seine wunderschönen Augen zeigt ihr, ihm liegt viel auf der Seele. Anhand seiner Reaktion und den vergangenen Gesprächen geht es sicherlich um das kleine Mädchen, das ebenfalls ein Medium war.
„Verzeih mir, Skyla, dass ich nicht da war, als du mich gebraucht hast. Dass Naomi ein Teufel ist, wusste ich, aber ich hätte ihr keinen Mordversuch an unseren Kameraden zugetraut. Aber kommen wir auf dich zurück und ich möchte, dass du mir nun gut zu hörst. Denn immer wenn du selbst an dir zweifelst und dich in den Schatten stellst, krampft mein Herz fürchterlich. Du bist, wer du bist und du kannst es nicht ändern. Ich flehe dich an, akzeptiere deine Gabe und lerne, deine Macht zu kontrollieren. Nutze sie für andere. Zum Schutz. Du hast einem Dämon widerstanden, obwohl Segone dir unfassbare Macht geben konnte, aber du hast getrotzt. Weil du ein gutes Herz hast. Das erfordert Mut und Beherrschung. Ja, deine Macht will sich selbständig machen, aber überwiegend hast du die Kontrolle und damit können wir arbeiten. Gemeinsam. Naomi ist hier, um dir zu helfen und das wird sie auch, wenn Justin mit ihr fertig ist. Ansonsten knöpfe ich mir das Biest vor oder wir finden woanders Hilfe. Okay?“
Sie nickt und blinzelt gegen die warmen Tränen an.
„Danke, Milan.“
Schnell fangen seine warmen Hände ihr Gesicht ein und zuerst haucht er ihr einen Kuss auf die Stirn. Wenige Sekunden später berühren sich ihre Lippen und Skyla schmeckt seinen heißen Atem. Als wolle er ihr zeigen, wie schön das Leben ist, entfacht er ein Feuerwerk in ihr wie kein anderer. Bei jeder Berührung verschmelzen ihre Seelen miteinander und es fühlt sich an, als gehören sie schon immer zusammen. Sie ist zuhause. An einen Ort fern von ihrer Geburtsstätte. Bei zwei Männern, die erst kürzlich in ihr Leben gepoltert sind, aber ihr Herz im Sturm erobert haben. Justin hat sie bereits im Kampf gegen Segone überzeugt. Er wurde zu ihrem Helden. Zu einem Krieger, bei dem sie aufsieht. Er inspiriert sie. Ähnlich, so wie David den Kochlöffel zum Glühen bringen kann und aus einfachen Zutaten eine Geschmacksexplosion erzeugt. Eigentlich wollte Skyla einmal so wie David werden, aber als Köchin ist sie nicht stark genug, das zu schützen, was der Ritterorden ihr nehmen will. Und der Tag kann noch so düster verlaufen sein, in Milans Armen ist alles vergessen. Seine Anwesenheit bringt ihr Herz höher zu schlagen. Er mag ab und zu ein Idiot sein und seine Vorgeschichte als Herzensbrecher widert sie an, aber in Wirklichkeit ist er ein verdammt guter Kerl, den sie nie mehr missen mag.

























































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