Kapitel 4

Panik erfüllt die Räumlichkeit. Überall herrscht das reinste Chaos. Die Menschenmassen stürmen zu den Ausgängen. Es wird gedrängelt, geschubst und geschimpft. Doch Skyla verarbeitet noch immer die letzten Sekunden. Der Verlust von Naomi lässt sich nur schwer verarbeiten.

Woher wusste der Schütze, wo sie sich befanden?

Sollte Naomis Zauber ihnen nicht einen Vorteil verschaffen?

Mit Naomis Tod erwacht auch die Pflegerin. Jenny schüttelt sich aus der Starre und ihre Augen weiten sich vor Verwirrung, als sie realisiert, wo sie sich plötzlich findet.

„Was? Wie …Was ist passiert?“

„Justin! Pass auf!“, hört Skyla Milan noch brüllen.

Es fällt der nächste Schuss, zum Pech des Schützen taucht Justin rechtzeitig hinter dem Krankenbett unter. Er blieb nicht am Fleck stehen und wechselte die Position. Gemeinsam mit Naomi, die er hochachtungsvoll in seinen Armen trägt.

„Verzeih mir, Naomi. Aber nun geht es aufs Ganze. Ich laufe nicht mehr weg!“, flüstert er der Hexe ins Ohr.

Milan handelt und schiebt Skyla, so schnell es geht, von den Fenstern fern.

„Hey! Stopp!“

Es ist die Pflegerin Jenny, die ihn aufhalten möchte, doch in die Leere greift.

 

„Denk an deine Ausbildung Milan! Setze alles ein! Selbst Boru! Beschützen wir Skyla mit unserem Leben!“, tönt es nah von Justin.

Ein genauer Blick verrät den Moment der Schwäche. Milan zittert und wirkt völlig aufgeschmissen.

„Du darfst nicht sterben, Justin! Ich kann keinen Krankenwagen fahren!“

„Das ist deine Sorge?“, meldet sich Mia verärgert.

Seine kleine Fee, die sich zu gut versteckt und nur dann zeigt, wenn die Luft rein ist. Aber in ihrer Umgebung befinden sich bestimmt zu viele Augenzeugen, die mit der Erscheinung eines Fabelwesens kaum umgehen könnten.

 

Während ihrer Unterhaltung stürmen noch mehr Menschen an ihnen vorbei. Zu den Ausgängen. Justin tritt nun zögernd an Skylas Bett heran.

„Ich werde Naomi nicht zurücklassen…“, spricht er über seine Bedenken.

„DU MUSST!“, widerspricht Milan mit einem flehenden Ausdruck.

Die bleibende Bleiche in seinem Gesicht lässt Skyla um ihn sorgen.

„Der Hexenrat wird uns das nicht verzeihen!“, brummt Justin und dreht sich um. „Kaida, du musst in ihre Hülle schlüpfen und uns beschützen!“



Das Zischen verrät Justins Drachen und allein in diesem Moment bereut es Skyla am meisten, gelähmt zu sein, denn wann hat sie mal die Möglichkeit, seinen Drachen zu sehen. Milans fassungsloser Blick in der Richtung von Naomis Leiche macht es umso so spanender. Justin ermahnt ihn jedoch und erinnert an das enge Zeitfenster. Daher setzen sich die beiden mit dem Krankenbett in Bewegung.

 

Aus dem Hintergrund folgt Jennys alarmierenden Ruf nach dem Securitydienst. Die ausgebrochene Panik hat jedoch etwas Gutes, denn in dem heillosen Durcheinander haben es die beiden Geisterjäger leichter, unbemerkt zu einem Krankenwagen zu gelangen. Der Anblick des freien Himmels, fühlt sich wie eine Wohltat für Skyla an, auch wenn dieser von dicken Wolken versteckt wird. Wie ein Stückchen wiedergewordene Freiheit. Etwas, das sie die schmerzenden Stellen vergessen lässt, die durch das lange Liegen entstanden sind.

 

Zwar gab Justin den Befehl raus und doch staunt Skyla über Naomis Erscheinung. Die tote Hexe wandelt quicklebendig unter den Lebenden. Von der Wunde am Kopf fehlt jede Spur, als wäre diese mal eben verheilt und nur das getrocknete Blut deutet auf das Einschlagloch hin. Aber auch die Augen haben sich verändern, denn diese leuchten violett und die Pupillen haben sich zu einem Schlitz zusammengezogen. Naomis Hülle verhält sich unruhig. Ihre mysteriösen Augen suchen die Gegend ab und als sie wie eine Katze zu fauchen beginnt, dreht sich Justin mit gezogener Pistole um. Woraufhin Milan genervt die Luft laut ausatmet und mit aller Kraft verhindert, dass das Bett nicht wegrollt, denn der unebene Boden erschwert ihm die Arbeit.

„Justin! Geh jetzt nicht!“, platzt der Frust aus ihm.

„Der Schütze wandelt auf den Dächern und hat uns ausfindig gemacht. Kaida kümmert sich darum, aber wir müssen vorsichtig sein, denn laut ihr gibt es viele Leute, die sich uns nähern.“

Kaum ausgesprochen erfasst Skyla den ersten Ritter. Dieser springt entschlossen von der Überdachung nahe ihnen, die zwei Eingänge verbindet. Der Ritter in schwarzer Robe stürzt mit einer gezückten Machete hinab, als wolle er Justin aus der Luft aufspießen. Doch ein Soldat wie Justin lässt sich zum Glück nicht überwältigen und fängt den springenden Feind sogar ab. Diesen entwaffnet er noch in der Luft und wirft ihn wie einen Sack zu Boden, sodass sich der Ritter überschlägt und brutal auf den Rücken fällt. Der Kerl keucht, doch Zeit fürs Durchatmen bleibt nicht. Von allen Seiten folgen Angriffe von weiteren Ordensmitgliedern.



 

Neben Schlagabtauschen und beim Entwaffnen der Feinde krabbelt aus Justins Rücken eine schwarze Schlange. Ganz langsam und unheilbringend. Als habe der zweite Drache großes Vertrauen in die Kampfkunst der beiden Geisterjäger. Ein glänzender Schlangendrache, der einer ausgewachsenen Boa Konkurrenz macht. Kaum breiten sich die gefächerten Flügel aus, öffnet Justins Schutzgeist das Maul. Im Rachen flackert auffällig warmes Licht und Skyla ahnt, dass dieser Feuer speien wird. Wie gedacht speit das Tier gewaltige Flammen, die ausreichen, um einzelne Feinde bei Bewusstsein zu rösten. Auch Mia kommt zur Unterstützung und kickt sich mit ihrer kleinen Größe, vergleichbar mit einem Tennisball, durch die Meute. Mit ihrem Düsenflug haut sie sämtliche Anhänger um, bis einer  ihrer Feinde einige Kugeln aus der Jackentasche zieht. Nur ein orangefarbener Gürtel zieht sich durch das polierte Metall der unbekannten Bälle. Im Gürtel ruht ein einziger Druckknopf, womit die Aktivierung erfolgt. Denn kaum wird dieser betätigt, beginnt die erste Kugel zur Surren. Ein Wurf und das Ding schwebt mit einem unangenehm metallischen Dröhnen in der Luft. Mia reagiert auf die kleine Erfindung. Ihre leuchtend weißen Flügel versagen und der kleine, weißhaarige Schutzgeist stürzt zu Boden. Die Fee umfasst dort ihren Kopf, hält diesen mit gebleckten Zähnen fest und atmet auffällig schnell. Aus ihrem bunten, aufgeplusterten Kleid weicht goldener Glitzerstaub und wirbelt auf dem Boden auf.

 

Ein schwacher Moment, den sich die Ritter zu Nutze machen. Ehe Milan seine Partnerin erreicht, kassiert einer der Ritter die Fee ein und begibt sich in den Hintergrund, während dieser von drei weiteren Kameraden gedeckt wird. Nicht bereit, Mia ihrem Schicksal zu überlassen wirft Milan ein Messer los und stürzt sich auf den ersten Ritter, der ihm den Weg blockiert. Milans Feinde sind ebenfalls mit der Kampfkunst bewandert. Es kommt selten zum Schlagabtausch und es wirkt zuerst, dass die drei mit Milan mithalten können. Doch nur ein Konzentrationsfehler kostet dem ersten Ritter  direkt die Niederlage. Milan überrascht mit einem flüssig ausgeführten Tornadokick. Es haut den ersten nicht nur einfach um, sondern versetzt ihn in einem Zustand der Bewusstlosigkeit. Der Körper bringt den zweiten Ritter zu Boden, sodass Milan sich unter dem Schlag des dritten hindurch mogelt und Mia zur Hilfe eilt. Zum Glück hat Mias Charakter nicht nur ordentlich Feuer, die Fee kann sich ebenfalls gut wehren. Ihr Temperament dreht mit ihr durch und mit einem kräftigen Biss gelangt sie von allein in die Freiheit. Böse lachend und voll von Überheblichkeit. Eine kurze Freiheit, schließlich wird sie wie ein Insekt in einem Glas eingefangen und trommelt wie wild gegen die Glasscheibe.



 

In Notfällen wie diesen erwacht Boru, Milans Drache. Ebenfalls ein Schlangendrache mit einem schwarzmatten Panzer und goldenen Musterungen. Ein sehr anmutiges, aber altes Tier. Auch wenn der Charakter weniger dafür spricht, denn Boru zeigt sich schnell beleidigt und ist sehr kuschelbedürftig. Trotz hohem Alter bewegt sich der Schlangendrache stürmisch und erwischt direkt zwei Feinde mit seinem Maul, während er um seinen Besitzer herumwirbelt und einen Windsog durch seine Bewegungen erschafft. Im Auge des Sturms fällt es Milan somit leicht, die herumwirbelnden Feinde zu angeln und zu beseitigen. Keiner der beiden Geisterjäger zeigt Gnade. Justins Schüsse sind tödlich und wirken sehr persönlich, als wolle er jeden Einzelnen für Naomis Tod verantwortlich machen. Milan hingegen arbeitet nun mit einer der Macheten, die er einem Ordensmitglied entwendet hat. Sehr spezielle Waffen. Aus einem Material, das Skyla schadet, sobald sie damit in Berührung kommt. Leider sind die Ritter der roten Sonne darauf geschult, selbst mit Drachen fertig zu werden. Zu ihrer Standardausrüstung gehören Maulkörbe und Peitschen. Mit dunklen Säcken fangen sie Boru als Erstes ein. Wie bei einer Schlange. Milans majestätisches Haustier will sich mit Feuer befreien, doch seine Flammen ersticken im Stoff.

 

Obwohl die überwältigende Anzahl ihrer Feinde ihnen ein Nachteil sein sollte, ducken sich Justin und Milan gekonnt unter den fliegenden Fäusten hinweg. Dank des Chaos durch die vielen Angreifer haben es die Scharfschützen schwer. Sowohl Milan als auch Justin nutzen lebende, sowohl auch tote, Ordensmitglieder als Schutzschild gegen die Fernangriffe. Es sieht für den Anfang gut aus, bis sich plötzlich ein spitzer Gegenstand durch Justins Brustkorb bohrt. Eine der Macheten, womit der Orden arbeitet. Und robust genug, um sich durch Knochen und Muskeln zu bohren. Die Klinge reißt sich einem Weg nach draußen. Sicherlich ist der Besitzer dieser Waffe im Klaren, wo ungefähr die Knochen des Brustkorbes liegen oder er hatte einfach nur Glück. Skyla starrt ungläubig. Niemals käme ihr in den Sinn, dass Justin als Nächstes fällt. Von allen Anwesenden hat er am meisten auf dem Kasten. Er wirkte unbesiegbar auf Skyla. Aber vielleicht wollte sie dies glauben, da Milan ebenfalls so viel in die Fähigkeiten seines Mentors setzt. Eine Rebellion ohne Justin klingt nach einem verzweifelten Unterfangen. Aussichtslos für alle anderen.



 

Skyla hält verzweifelt Blickkontakt zu dem Todgeweihten. Sie will schreien und hasst es, untätig zusehen zu dürfen. Justin hätte ihre Hilfe gebrauchen können und vielleicht hätte sie ihn und Naomi retten können. Doch trotz tödlicher Verletzung kämpft Justin um den sicheren Stand. Er blickt furchtlos und hebt den Pistolenarm und verteilt weitere Schüsse, während sein Drache sich auf der Schulter dreht und den hinterhältigen Täter in Flammen badet.

„Ist schon okay so, Skyla. Du musst keine Tränen vergießen. Es war nur eine Frage der Zeit, wann es uns erwischt. Gebe dir niemals die Schuld hieran. Wenn du einen Schuldigen suchst, dann trage ich die größte Teilschuld für unser Scheitern…“

Justin spuckt Blut, röchelt und doch spielt er ihr etwas vor, als sei die Welt heile. Nur kommt sein Körper an seine Grenzen. Das Sprechen fällt ihn unfassbar schwer, dass er freiwillig abbricht.

 

Justin taumelt von Skyla fort, als kenne er die Gefahr, die nun von seinem Drachen ausgeht. Denn dieser sorgt für noch mehr Aufmerksamkeit. Kaum bläht sich das Tier wie ein Luftballon auf, explodiert dieser wie eine Kette aus Silvesterknaller. Der schuppige Kamerad zerberstet nach und nach, als bestände er aus ganz vielen angereihten Knallbonbons. Der Krach beschleunigt Skylas Herzschlag, ebenso wie der nachfolgende Moment, wo Justins Feuer fängt. Zum Glück erlischt schon Sekunden vorher das Licht in seinen Augen. Hoffentlich hat der Geist den Körper bereits verlassen, um von den Schmerzen durch das Feuer verschont zu bleiben. Justin stürzt mit seinem animalischen Freund zu Boden. Dennoch blickt Skyla fassungslos, als sie zu sehen bekommt, wie sich die Flammen an Justins Leib laben und seine fleischige Hülle so verändern, dass sie ihn niemals wiedererkennen würde. Die Hautschichten schmelzen dahin und die Leiche nimmt andere Farbtöne an. Von tiefem Rot über dunkle Violetttöne. Ein wahrer Alptraum. Der widerliche Geruch vom verbrannten Fleisch steigt dem Medium in die Nase.

 

Ein Schockmoment für jene Verbündete und somit Milans Todesurteil.

„JUSTIN!“ Milan hechtet voraus. Völlig erschöpft vom erbitterten Kampf. Er gerät ins Stolpern und stürzt hinab. Die Machete entgleitet ihm. Und obwohl er sich direkt erheben mag, wird er umzingelt. Von einer Vielzahl an Rittern. Es ist Skyla ein Rätsel, woher all die Ordensmitglieder kommen. Die Scharfschützen verdeutlichen Milan die aussichtslose Lage, als ihre Laserpointer sämtliche Schwachstellen ins Visier nehmen. Die Sorge um Milan wächst so rasant, dass Skylas innere Unruhe eine schwache Verbindung zu ihrem Körper aufbaut. Ihr Körper zuckt und schüttelt sich. Klägliche Laute verlassen ihren Mund. Ihre Gabe ist schwach und nicht in der Lage, anderen zu schaden. Skyla ruft all ihre Schutzgeister. Doch diese befinden sich noch immer auf der Jagd  nach Nadines Eltern.



 

Die Krone!

Skylas innere Stimme schreit nach Segone, aber leider zu spät. Der Ritterorden prügelt und tritt auf Milan von allen Seiten ein. Segone mag sich materialisieren, aber nicht schnell genug. Skyla wird Zeugin eines weiteren grausamen Mordes. Totschlag. Skyla schreit ihre innere Welt zusammen, aber kein Laut verlässt ihre Kehle. Das Medium verflucht ihre Unbeweglichkeit und jegliche Fehlversuche, ihre Macht zu bündeln. Alle Versuche, das heraufzubeschwören, was Milan retten könnte, schlagen fehl. Sie kann nur im Stillen trauern. In ihrer Festung der Einsamkeit. Ein Ort, dunkler als all die Tage davor. Ihr Herz krampft fürchterlich und tatsächlich verliert Skyla bitterliche Tränen.

 

Im Tränenschleier beobachtet Skyla, wie Segone das Chaos kurz begutachtet, bis zu dem Moment, als schwarzer Rauch ihre rechte Hand umhüllt. Ihre Finger ertasten ihre Zweihandklinge. Ein Königsschwert. Der Griff verzieht mit Rosen und Krähen. Segone geht kurz in Stellung und zieht den Atem lang durch die Zähne. In den nächsten Sekunden fehlt von der Dämonin sämtliche Spur, dafür werden von allen Seiten die Ritter aufgewirbelt. Sie fliegen in hohen Bogen in die Höhe. Nicht alle in einem Stück. Abgeschnittene Gliedmaßen und leblose Körper geraten in einen Strudel, worin sich Blüten und Blätter von roten Rosen spielerisch fortbewegen.  Damit erhält Skyla volle Aufmerksamkeit vom Feind. Statt Segone zu ermitteln, wird Skyla zur nächsten Zielscheibe. Aber all die Ritter, die sich mit gezuckter Klinge auf Skyla stürzen wollen, werden von lebenden Rosenranken geangelt. Gewaltige Wurzelgeflechte, die sämtliche Feinde von dem Medium fernreißen und aus der Distanz zerquetschen.

 

Stolz und falsche Ideale standen Skyla im Weg. Mit Segone hätte sie viele Leben retten können. Kaum kehrt Ruhe ein, blickt Segone stumm hinab auf Milan. Der Kopf hebt sich zögerlich und das Kopfschütteln lässt Skylas Welt zusammenbrechen. Segone streckt den Kopf in die Höhe und wehrt mehrere Angriffe von den Scharfschützen mit ihrer Schwerttechnik ab. Sie zischt verärgert, als eine Kugel ihr rechtes Schulterblatt trifft und die Wunde zu dampfen beginnt.

„Kaum sind die kleinen Fische beseitigt, rücken ihre Champions an. Aber sollen sie doch kommen. Entschuldigt mich, meine Königin. Ich gehe und kläre die Angelegenheit!“



Kaum ausgesprochen wird Segones Gestalt von den Winden fortgetragen. Zurück bleibt ein Blutbad. Übelkeit wallt in Skyla auf. Ein starkes Zittern sucht sie heim. Den aufrichtigen Weg will Skyla kaum länger folgen, sie will sich mit Freuden der Dunkelheit verschreiben, sofern sie sich erheben kann und ihre Feinde das Fürchten lehrt. Unter all den Tränen verliert ihre Welt Glanz und Farbe. Das Herz schwer von Ballast, das es sich zum Schutz verschließt. Die Lippen formen den Ansatz eines Lächelns. Eins voller Wahnsinn und Aussichtslosigkeit. Die Finger lassen sich immer besser bewegen und erfassen den Bezug der Matratze. Allein das Aufsetzen kostet sie unfassbar viel Mühe. Ihr Körper hat zu stark abgebaut. Ihre dürren Arme mangelt es an Muskelkraft. Auf halbem Wege geben sie nach und Skyla landet wieder auf dem Rücken. Schweißgebadet und ermüdet von dem kleinen Versuch. Die Augen drohen zuzufallen, als sich Schritte nähern. Keine in Eile, sondern welche von Autorität und innere Ruhe. Eine Blondine mittleren Alters mit streng gebundenem Haar und eisblaue Augen wie hart gefrorenes Wasser tritt mit durchgestreckten Rücken direkt an das Krankenbett. Gekleidet in der Robe des Ritterordens und in Gesellschaft weiterer Mitglieder.

 

Der Wunsch, hier und heute mit ihren Freunden zu sterben, scheint sich für Skyla endlich zu erfüllen. Für Skyla spielt es keinerlei Rolle mehr, zu überleben und sich der dunklen Seite zu verschreiben oder an Ort und Stelle zu sterben. Beides wäre ihr recht. Daher fixiert sie gleichgültig das neue Gesicht an, das sie skeptisch mustert.

„Noch irgendwelche letzten Worte an deine Tochter, Kacie?“

Ungläubig hält Skyla Ausschau nach einer Frau, die ihrer Mutter ähneln könnte. Skyla hofft inständig, sie habe sich verhört, doch tatsächlich tritt Kacie heran. Der Stress setzte auch ihrer Mutter zu, denn Kacies Gesicht wurde sichtlich schmaler. Sicherlich liegt es daran, dass Skylas Mutter nichts mehr Vernünftiges zu Tisch bekommt. Kacies besitzt keinerlei Kochkünste und hat das Essen ihrer Tochter immer sehr genossen. Doch schon so lange brach ihr Verhältnis auseinander. Die lustige, aber strenge Mutter kehrte der Familie den Rücken. Das dunkle Haar trägt sie wie immer zu einem strengen Dutt und obwohl Skyla ihre Augenfarbe erhielt, spiegeln sich ganz andere Emotionen dort wieder. Noch immer blickt Kacie voller Verachtung und Kälte.



 

Ebenfalls gehüllt in der Robe des Ordens präsentiert sich ihre Mutter direkt neben der Blondine. Ein wahrer Alptraum! Dabei hofft ein winziger Teil in Skyla, ihre Mutter hat sie zum Trost und zur Unterstützung aufgesucht. Auch wenn Skyla nicht mehr gerettet werden mag, würde ihr dennoch ein Stein vom Herzen fallen, sollte ihre Mutter einen Sinneswandel erhalten, indem sich der Mutterinstinkt meldet.

„Das ist nicht mehr meine Tochter.“

Mit diesen Worten wendet sich Kacie auch schon ab und tritt aus Skylas Sichtfeld. Entsetzten und Schock lässt das Medium ungläubig starren. Der Kopf leer. Sämtliche Gefühle und Gedanken erstochen. Erneut wird sie als Tochter verstoßen. Erneut stößt sie Skyla in einen dunklen Abgrund.

Wie gut gefällt dir dieses Buch?

Klicke auf einen Stern zum bewerten.

Durchschnitt 0 / 5. Anzahl: 0

Bisher keine Bewertungen

Kommentare