Ascardia-Kapitel 40

~Ascardia~
Ich erwachte mit einem Lächeln auf den Lippen und dem Duft von Cayden in der Nase. Es beruhigte mich ungemein. War er die Nacht wieder hier gewesen oder hatte ich geträumt?
Was auch immer es war, ich fühlte mich ausgeruht und gut.
Langsam setzte ich mich auf, um mich zu strecken. Es war eine so natürliche Bewegung, dass ich mittendrin innehielt.
Moment. Gestern konnte ich meinen Arm nicht bewegen und mich auch nicht aufsetzen, doch jetzt ging es wieder.
Ein überraschter, aber auch erfreuter Laut verließ meine Lippen und ich versuchte, meine Beine aus dem Bett zu schwingen, scheiterte aber. Noch immer spürte ich lediglich ein Kribbeln, aber keine Reaktion auf meinen mentalen Befehle.
Einen Moment packte mich Trauer, doch ich verdrängte sie. Meinem Arm ging es besser. Ich musste nur geduldiger sein, dann würde es sicher besser werden!
Dieser Gedanke ließ meine Laune steigen. Es würde vielleicht gar nicht mehr lange dauern und dann konnte ich wieder laufen. Hoffentlich ging es Cayden dann auch wieder so gut, dass er mit mir tanzen konnte.
Nein. Ich sollte ihn nicht so fordern. Er hatte viel zu tun. Ob ich ihm irgendwie helfen konnte?
In meinem jetzigen Zustand vermutlich sowieso nicht. Aber mir ging es gut genug, dass ich Issabella bitten konnte, mit dem Unterricht weiter zu machen. Lesen und Schreiben konnte ich auch im Bett lernen. Außerdem wollte sie mir die Geschichte der Fae erzählen.
Ungeduldig wartete ich, bis die Sonne aufgegangen war.
Kaum drängten ihre ersten Sonnenstrahlen durch die Vorhänge, öffnete sich die Tür und Issabella kam leise herein.
Als sie mich bemerkte, blickte sie überrascht auf. »Ihr seid wach«, stellte sie fest und lächelte dann. Irgendwie erleichtert. »Wie geht es Euch? Habt Ihr Hunger?«, fragte sie vorsichtig.
Ich nickte und rieb mir den Bauch. »Sehr«, sagte ich mit einem Lächeln. Was sie wohl heute für mich gemacht hatte?
Issabella stieß erleichtert die Luft aus, als hätte sie sich Sorgen gemacht.
»Das ist gut. Hunger ist ein gutes Zeichen«, murmelte sie zu sich. »Ich bring es Euch sofort.«
Schnell verließ sie mein Zimmer wieder, was mich die Luft ausstoßen ließ. Ich wollte nicht allein sein, doch es nützte wohl alles nichts.




Um mich für das Essen fertig zu machen, zog ich mich etwas zurück und lehnte mich schließlich an das Kopfende des Bettes. Die Decke über meine Beine gezogen, die ganz kalt waren.
Ich wollte Issabella fragen, wie es Cayden ging, doch das war vermutlich keine gute Idee. Konnte sie mir vielleicht Ayden bringen oder war er beschäftigt? Sicherlich würde er bald kommen, um nach mir zu sehen. Bis dahin musste ich geduldig sein.
Issabella kehrte wenig später mit einem voll beladenen Speisewagen zurück.
Ich konnte diesen nur ungläubig ansehen. »Wer soll das denn alles essen?«, fragte ich, denn er war so vollgestopft, dass ich Sorgen hatte, dass das Essen fiel.
»Ihr«, lachte Issabella, während ich den Mund verzog. »Auf was habt Ihr Lust?«
Überfordert ließ ich meinen Blick über die Auswahl wandern. Ich konnte gar nicht genau sagen, auf was ich Lust hatte.
»Vielleicht … Obst?«, fragte ich, denn das war gesund.
»Sehr gut«, rief Issabella, als freue sie sich über meine Antwort. Ich konnte ihr jedoch nicht ganz folgen.
Sie kramte zwischen den Speisen und holte schließlich eine Obstschale hervor.
Mit einem Lächeln auf den Lippen half sie mir dabei, das Obst zu essen, bevor sie mich sogar dazu brachte, noch einen Fleischspieß zu essen.
Ich genoss es, aber gleichzeitig war es auch langweilig, die ganze Zeit im Bett zu sitzen. Obwohl ich es nicht konnte, wollte ich mich bewegen. So unfähig zu sein, war wirklich schrecklich.
Außerdem glaubte ich, dass ich langsam anfing zu stinken. Ein Bad wäre gut.
»Glaubst du … ich komme irgendwie ins Bad?«, fragte ich.
Früher hätte ich mir nie Gedanken darüber gemacht, ob ich vielleicht unangenehm roch. Es gab nur mich und die harsche Landschaft. Aber hier war es wichtig, dass ich niemanden mit meinem Geruch störte.
Issabella rieb sich den Nacken. »Ich bin nicht sicher, ob ich Euch ins Bad helfen kann. Vielleicht könnte Fürst Ayden …« Ihr war anzuhören, dass sie nicht genau wusste, ob sie Ayden dafür holen sollte. Mir ging es ähnlich.
»Nein. Stören wir sie nicht«, entschied ich.
Allerdings wurde mir diese Entscheidung abgenommen, als Ayden die Tür öffnete.
Ich wollte schon fragen, was los war, da schob einen seltsamen Stuhl mit Rollen in den Raum. »Was ist das?«, fragte ich als Begrüßung und drehte mich ein Stück.




Ayden hielt inne und musterte mich. »Geht es deinem Arm besser?«, fragte er erleichtert.
Ich nickte, musterte aber weiter den Stuhl.
Ayden bemerkte das und blickte dann hinab. »Der ist für dich. Damit du dich leichter bewegen kannst«, sagte er nachdenklich und kratzte sich dann das Kinn. »Wenn du ihn denn noch brauchst.«
»Oh. Ja, meine Beine sind noch immer nicht ganz zu gebrauchen, aber ich bin zuversichtlich.« Weil mein Arm über Nacht geheilt war, hatte ich wirklich Hoffnung, die man in meinem Lächeln sah.
Ayden erwiderte es vorsichtig, bevor er mir den Stuhl ans Bett schob. »Damit solltest du bis dahin zumindest beweglicher sein.«
»Danke«, sagte ich strahlend. Es war wundervoll, wie sehr sich auch Ayden um mich kümmerte. Trotz meiner Lage fühlte ich mich wohl und geliebt. Das war das Wichtigste.

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