Ascardia-Kapitel 44

~Cayden~
Wärme nahm mich ein und hüllte mich in einen Mantel aus Erleichterung, Entspannung und Ruhe.
Mein Körper fühlte sich schwer an, doch langsam kamen meine Sinne wieder.
Zuerst roch ich etwas Bekanntes. Der leichte Geruch, als würde man Dufthölzer verbrennen. Dann kam eine Wärme, die nicht von der Umgebung herrührte. Eher, als würde sich etwas an mich schmiegen.
Etwas Weiches, Sanftes.
Ich schlug meine Augen auf, um meinen Verdacht zu bestätigen.
Kupferfarbenes Haar kitzelte an meiner Wange, während sanfter Atem meinen Hals streifte.
Obwohl die Haarfarbe zu dunkel war, erkannte ich die Person doch sofort als Ascardia wieder.
Sofort huschte mein Blick umher. Das war mein Zimmer.
Wie war ich hierhergekommen? Saß ich nicht am Arbeitstisch?
Wie kam Ascardia hierher? Hatte ich Ayden nicht gesagt, dass es gefährlich war, wenn sie bei mir war?
Ich betrachtete ihre schlafende Gestalt. Ihr sanfter Atem, ihr stetig schlagendes Herz und ihre kleine Gestalt.
Vorsichtig strich ich ihr ein Haar aus dem Gesicht, um es zu mustern. Sie war nicht mehr blass. Ihre Haut hatte einen gesunden Ton angenommen, was mich unweigerlich lächeln ließ.
War das vielleicht ein Traum? Bei unserem letzten Kontakt hatte sie wesentlich erschöpfter ausgesehen. Jetzt hingegen sah sie sogar gesund aus.
Aber was war mit ihren Haaren los?
Ich nahm eine Strähne und betrachtete sie mir genauer. Kein Gold mehr. Eher ein schönes Bronze. Es stand ihr gut und die Seidigkeit ihrer Haare war ein gutes Zeichen.
Ihre Nähe war so zärtlich, dass ich mich wohl fühlte, während sie auf meiner Brust lag. Dabei mied ich die Nähe von Frauen normalerweise. Aber ihre unaufdringliche Art, machte es mir leicht. Es war nicht einfach nur so, dass ich sie in meiner Nähe duldete, wie es bei Issabella war. Nein. Ich mochte ihre Nähe.
Diese Erkenntnis erschütterte mich, denn ich hatte mir geschworen, niemals den gleichen Fehler zu begehen wie mein Vater.
Vorsichtig nahm ich ihre Strähne und führte sie mit an die Lippen. Der Duft, der so typisch für sie war, stieg mir in die Nase und ich schloss meine Augen. Würde sie meine Nähe überleben oder würde ich sie verlieren, wie ich meine Mütter verloren hatte?
Gedankenverloren strich ich mit meinen Fingern über Ascardias Wange. Sie war warm und seidig weich. Ein schönes Gefühl unter meinen Fingern.




Bevor ich es selbst richtig registrierte, streichelte ich ihre Wange weiter und schloss kurz meine Augen.
Es fühlte sich so gut an, dass ich gar nicht aufstehen wollte, obwohl ich nicht mehr müde war.
Hatte ich das Schattenlicht überlebt? Nach dem Schwächeanfall hätte ich damit gerechnet, nie wieder aufzuwachen. Aber selbst wenn ich tot war, war das Gefühl es definitiv wert.
Hatte ich mich vielleicht nach dieser Art der Nähe gesehnt, ohne es selbst zu wissen und die Götter hatten mir diesen Wunsch erfüllt?
Plötzlich veränderte sich Ascardias Atem und sie bewegte sich leicht.
Ihre Lider zuckten und ihre Wangen bewegten sich leicht, als sie ihren Mund verzog.
Dann schlug sie langsam, müde die Augen auf und blickte mich direkt an. Der rote Ring um ihre Iris glühte einen Moment, bis sie blinzelte und wieder ihre gewohnten, goldenen Augen hatte.
»Tut mir leid, habe ich dich geweckt?«, fragte ich, denn ich wollte sie auf keinen Fall ohne ihre Erlaubnis anfassen, auch wenn sie an mich geschmiegt war. Darum zog ich meine Hand zurück. Doch Ascardia griff danach und schmiegte ihre Wange dann dagegen.
»Cayden«, hauchte sie, bevor ihre nächsten Worte in ein Schluchzen übergingen und ihre Tränen über ihre Wangen flossen wie Ströme.
»Nicht weinen«, sagte ich, wobei meine Stimme unnatürlich rau klang.
Wie lange hatte ich geschlafen?
Ascardia schluchzte und rieb sich an meiner Hand, als würde sie sichergehen wollen, dass ich wirklich da war.
Vorsichtig umfing ich ihr Gesicht mit meinen Händen, bevor ich sanft ihre Tränen von ihren Wangen küsste.
Ascardia erstarrte unter meinen Berührungen und ihre Tränen ließen nach.
Im ersten Moment glaubte ich, dass sie sich entziehen würde, doch dann schloss sie ihre Augen und stieß in einem genießerischen Ton den Atem aus, während sie sich an mich lehnte.
»Warum weinst du?«, fragte ich, während ich mich langsam mit ihr zusammen aufsetzte.
»Ich hatte solche Angst«, flüsterte sie, während sie sich näher an mich schmiegte, als würde sie meine Nähe genauso genoss wie ich ihre.
»Was hat dir Angst gemacht?«, fragte ich, denn ihre Tränen berührten etwas in mir.
»Du«, jammerte sie. »Ich hatte Angst, dass du nie wieder aufwachst«, schluchzte sie und schlang ihre Arme um mich.




Es erleichterte mich, dass sie sich offensichtlich wieder normal bewegen konnte. Meine Entscheidung, mich von ihr fernzuhalten, war also richtig gewesen. Aber warum war sie dann hier?
»Genug von mir. Wie geht es dir?«, fragte ich, denn ich hatte Mühe, ihr zu widerstehen. Am liebsten hätte ich ihr Gesicht weiter geküsst, doch ich wollte nicht, dass sie das Gefühl hatte, ich würde sie drängen. Darum strich ich lediglich sanft über ihren Rücken.
»Mit jedem Tag, den Ayden mich zu dir gebracht hat, ging es mir besser«, murmelte sie gegen meinen Hals, während sie mich mit überraschender Stärke an sich drückte.
Ayden hatte sie hergebracht? Jeden Tag?
Was hatte das zu bedeuten? Hatte er sich meinen Befehlen widersetzt?

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