DBdD-Kapitel 61

Als Zunae die Burg erreichte, atmete sie erleichtert aus. Sie war wirklich froh, wieder zuhause zu sein. Dass sie dieses Klotz an Burg mittlerweile als ihr Zuhause bezeichnete, überraschte sie selbst, doch sie fühlte sich hier wohl. Die dicken Wände und die Männer, die hier lebten, gaben ihr das Gefühl beschützt zu sein. Auch, wenn sie sich vor der Unterhaltung mit Yelir fürchtete.
Sie war länger weggeblieben als geplant und sie war sich sicher, dass Andras gepetzt hatte. Ihm musste aufgefallen sein, dass sie aus dem Haus verschwunden war. Sicherlich hatte er es Yelir gesagt.
Zunae straffte die Schultern und trat ein. Die Wachen nickten ihr nur kurz grüßend zu, was Zunae überraschte und auch verunsicherte. Normalerweise gab es am Haupttor bisher nie Wachen. Warum hatte sich Yelir dazu entschieden? Weil die Banditenangriffe zugenommen hatten?
Eine gut Entscheidung, denn der Harem war nur durch Arcas geschützt und das war vielleicht nicht ausreichend.
Zunae zog sich den Mantel aus, als sie die warme Eingangshalle betrat. Dort hängte sie ihn auf einen Ständer, den Belle oder Jane später sicher leerräumen würden. Es war ihr jedoch zu warm, um den Mantel die ganze Zeit über zu tragen.
Ihr Weg führte sie durch die hallende Halle hinein in die Flure, die sie direkt zu Yelirs Arbeitszimmer bringen würden. Es lag nicht weit von ihrem eigenen entfernt und so würde sie dort als erstes vorbeischauen. Einfach, um zu vermeiden, dass er sie zu sich ordern musste. Das wäre ihr durchaus zu peinlich. Sie wollte das Gespräch schnell hinter sich bringen. Wenn sie ihm erklärte, was ihre Gedanken dabei waren, würde er es sicherlich verstehen. Außerdem war es ihm so gelungen, die Banditenangriffe näher zu untersuchen. Zumindest hatte Chiaki das behauptet.
Als sie schließlich an seinem Arbeitszimmer ankam, klopfte sie leise, bevor sie seine Stimme hörte.
Zunae ahnten nicht, mit was für einer Laune sie sich herumschlagen musste, als sie den Raum betrat.
Yelir saß am Schreibtisch und sah auf. Seine grünen Raubtieraugen fixierten sie, während sich feines Fell über seine Haut ausbreitete. Sie Nägel seiner Finger waren länger als gewöhnlich und ähnelten Krallen. Alles Zeichen dafür, dass er versuchte, seine Wut zu unterdrücken.




Nur die Tatsache, dass sie unverletzt aussah und sogar die Dreistigkeit besaß, ihm ein Lächeln zu schenken, beruhigte ihn etwas.
Zunae nahm die Anspannung, die von Yelir ausging wahr, wusste aber nicht, wie sie darauf reagieren sollte. Er war wütend und das auf eine Art, die Zunae an ihm noch nie gesehen hatte.
»Ich habe gehört, du hast mit Aaron einen Ausflug gemacht«, brachte Yelir knurrend hervor, obwohl er versuchte sich zurückzuhalten. Die Vorstellung, was alles hätte passieren können, ärgerte ihn. Er wollte nicht, dass sie in seinem Reich als Zielscheibe gesehen wurde. Als Herrscher und ihr zukünftiger Mann, war es seine Aufgabe, für ihre Sicherheit zu sorgen und dabei war er gescheiterter. In gewisser Weise war er auch auf sich wütend. Aber besonders darauf, dass Zunae so leichtsinnig gewesen war, den Schutz, den er ihr gewährt hatte, abzulehnen.
»Ich war mit ihm in Ladvaran und habe dort Waren verkauft«, erklärte sie mit ruhiger Stimme, auch wenn ihr ein Schauer über den Rücken wanderte.
Yelir hielt mit dem Tippen seiner Nägel auf das Holz des Schreibtisches inne und funkelte sie an. »Ist das alles?«, fragte er lauernd.
»Ich habe Fürst Ladvarian kennengelernt«, erzählte Zunae, die sich vorgenommen hatte zu tun, als wäre nichts gewesen. Wenn sie es selbst nicht als Problem ansah, dann konnte sie Yelir damit vielleicht beruhigen.
Als dieser jedoch seine Nägel in das Holz des Tisches grub, als wäre dieses Butter, wurde ihr klar, dass sie vielleicht die falsche Strategie gewählt hatte.
»War das alles?«, fragte er angespannt erneut.
Etwas sagte Zunae, dass er genau wusste, was geschehen war, doch sie war nicht gewillt, mehr zu sagen.
»Der Rest ist nicht der Rede wert«, erwiderte sie ruhig, wobei sie seinem Blick nicht auswich.
Yelir knallte seine Hand auf das Holz, das ächzte und knarren. Ein Riss zog sich über seinen Schreibtisch, so fest hatte er zugeschlagen.
In Zunaes Ohren dröhte es leise und sie zuckte zusammen. »Ein Banditenangriff eines solchen Ausmaßes ist nicht der Rede wert?«, fragte er angespannt.
Unruhig schluckte Zunae. »Sie sind alle erledigt und niemand wurde verletzt«, sagte sie, wobei sie kleinlauter klang, als sie wollte. Noch nie hatte sie Yelir so wütend gesehen.




»Und was wäre, wenn nicht?«, fragte er, wobei er immer lauter wurde. »Was, wenn du wieder zusammengeklappt wärst? Glaubst du, es macht mir Spaß, doch jedes Mal halb tot vorzufinden?«
Zunae zuckte und ihre Augen weiteten sich, als ihr klar wurde, warum Yelir wütend war.
Er hatte sich Sorgen gemacht.
Betreten senkte Zunae den Kopf und wandte somit als erstes den Blick ab. Ihr Herz schlug wild in ihrer Brust, denn bisher hatte sich noch niemand solche Sorgen um sie gemacht. In den Südlanden wusste jeder, der mit ihr zu tun hatte, von ihren Visionen und vertraute darauf, dass sie lebend zurückkehrte. Yelir wusste auch davon, doch das schien ihn nicht beruhigen zu können.
»Es tut mir leid«, flüsterte sie betreten. »Ich bin nicht davon ausgegangen, dass du dir wirklich Sorgen machen würdest.«
»Natürlich mache ich mir Sorgen«, fuhr Yelir sie an. »Du wirst die Königin der Nordlande. Was denkst du, wie ich dastehe, wenn ich nicht einmal meine zukünftige Frau beschützen kann.«
Langsam hob Zunae den Kopf und musterte ihn vorsichtig. »Ich wollte die Banditen hervorlocken, damit du diese leichter untersuchen kannst«, gestand sie. Sie hatte ihn nur helfen wollen.
»Und dafür riskierst du dein Leben?«, fragte er wütend über so viel Selbstzerstörungswillen.
Erst wollte Zunae sagen, dass sie das gar nicht hatte, doch da sie ihre Visionen unterdrückt hatte, konnte sie das nicht einmal mit Sicherheit wissen. »Ich bin entbehrlicher als du«, erwiderte sie, denn in den Nordlanden war eine Königin nicht wichtig.
Yelir schlug erneut auf den Schreibtisch, sodass dieser völlig in sich zusammenbrach. Die Dokumente darauf verteilten sich im gesamten Raum. »Das bist du nicht. Die Nordlande brauchen dich. Im Gegensatz zu dir habe ich kein Händchen für Politik oder Wirtschaft. Ich weiß nur wie man Krieg führt. Ohne dich werden die Nordlande untergehen«, rief er aufgebracht.
Stille breitete sich im Raum aus, als Zunae ihn einfach nur mit großen Augen ansah.
Yelir erwiderte den Blick, wobei er rot anlief, bevor er den Blick abwandte und aus dem Raum stürmte.
Was hatte er da nur gesagt?

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