Mirja-Kapitel 15

~unknown~
Ich spürte den Drang in mir. Das Knurren, das mich aufforderte, es zu Ende zu bringen.
Mein Blick fokussierte Arvid, der in den Trümmern stand und ungeduldig wartete.
Er spürte die Gefahr nicht, sah das Offensichtliche nicht.
Eine Tatsache, die mich nur noch mehr anheizte.
Er hätte es besser wissen müssen, doch er hatte es nicht.
Langsam schlich ich um ihn herum. Nicht, weil ich eine Öffnung suchte. Er bot davon genug. Ich wollte sehen, wie sich meine Beute in der Ungewissheit suhlte. Wie er ungeduldiger und frustrierter wurde.
»Brauchst du noch lange?«, rief er zu einer Stelle hinter einer Wand.
In mir stieg ein leises Lachen auf. Wüsste er, was kam, wäre er nicht so unbeschwert.
Langsam trat ich hinter ihm hervor.
Sofort wirbelte er herum und stieß ein Knurren aus, als er mich entdeckte.
»Bist du verrückt? Was, wenn dich jemand so sieht?«, fragte er entrüstet.
Ich ließ meine krallenbewehrte Hand nur in einer gelangweilten Geste über den Stein schleifen.
Arvid verzog den Mund. Das Geräusch störte ihn, das wusste ich.
»Du hast es schon wieder versucht«, säuselte ich mit tiefer, knurrender Stimme. »Ich hatte dich gewarnt. Es ist noch nicht Zeit.«
Arvid machte eine wegwerfende Handbewegung, als würde er die Gefahr, in der er schwebte, nicht sehen.
Wie naiv.
»Sie ist eine Gefahr, die nicht länger leben darf«, sagte er überzeugt.
Seine Worte waren nicht ganz falsch, doch er hatte es nicht zu entscheiden.
»Es ist zu früh«, erinnerte ich ihn. »Noch sind wir nicht an der Grenze. Das ist nicht der Plan.«
Ich fuhr mit meinen Klauen über den Stein, während ich ihn langsam umrundete.
Es erfreute mich sehr zu sehen, wie er immer mehr den Mund verzog und frustrierter wurde.
»Hinter der Grenze wird es gefährlich. Die Kontrolle über sie wird schwinden.«
Er verstand es nicht. Wollte es nicht verstehen.
Es war sinnlos.
Ohne auch nur einmal darüber nachzudenken, ließ ich mein inneres Raubtier frei.
Ich stürzte mich auf ihn, zerfetzte seine Kleidung und starrte dann überrascht auf die Stelle, an der er gestanden hatte.
Er war ausgewichen?
Damit hatte ich nicht gerechnet, doch es ließ mich lachen. Die Jagd war mein Leben. Mein ganzes Sein. Er machte es sich nicht leichter.




Wäre er doch nur stehengeblieben, dann hätte ich ihm einen schnellen Tot gewährt.
»Was soll das?«, knurrte er durch zusammengebissene Zähne und hielt sich seine Wunde mit einer Hand. In der anderen hatte er eine kleine Axt.
Ich schnaubte leise.
Es gab keinen Grund, ihm zu antworten.
Also stürzte ich mich erneut vor. Schneller, stärker. Stark genug, um sein Schwert aus seiner Hand zu reißen.
Arvid knurrte, schwieg aber, um niemanden auf uns aufmerksam zu machen.
Ich grinste, als er plötzlich seine Hand zu einer Wolfsklaue formte.
Das Fell war ungewöhnlich schwarz und ölig. »Sicher, dass du das willst?«, fragte ich trällernd. Wenn er kämpfen wollte, sollte er.
Ich ließ zu, dass er auf mich zustürzte. Dass seine Klauen mich trafen, doch sie hinterließen keine Schmerzen. Stattdessen gab er mir eine Öffnung.
Meine Klauen legten sich um sein Fleisch. Ich riss und etwas knackte, wurde zerfetzt und Arvids Schrei hallte durch die Luft.
Arvid hielt viel von sich, doch er war nichts im Vergleich zu mir.
Ein kurzer Schrei verließ seine Lippen, doch ich erstickte ihn, indem ich einfach seine Kehle zerfetzte.
Das war zu einfach, aber jetzt herrschte wenigstens Ruhe.
Ein Geräusch ließ mich herumwirbeln.
»Du schon wieder«, knurrte ich, als ich den Zuschauer entdeckte. »Du störst.« Dieses Mal nicht. »Und dann schleichst du auch noch um sie herum wie ein Wachhund. Wie ärgerlich. Aber vielleicht auch praktisch«, murmelte ich vor mich hin, bevor ich meine Klauen durch das weiche Fleisch fahren ließ.
Blut floss, während meine Beute zwischen den Ruinen hindurch floh.
Keine Gefahr mehr. Meine Aufgabe war getan.

Wie gut gefällt dir dieses Buch?

Klicke auf einen Stern zum bewerten.

Durchschnitt 5 / 5. Anzahl: 1

Bisher keine Bewertungen

Kommentare