04. Unverhoffte Begegnung

Das Grün entlang der Bahnstrecke zieht sich langsam zurück. Die Dichte der Häuser nimmt wieder zu, ein neuer Ort entsteht. „Nächster Halt Blankenese“, ertönt es aus den Lautsprechern. Von rechts sieht man ein einzelnes Gleis heranlaufen, das sich mit unserer Strecke zu einem breiten Schienenstrang vereinigt. Der Zug rumpelt über ein Geflecht aus Weichen, schließlich fahren wir in eine Station ein, die der Bahnhof einer Kleinstadt sein könnte. Es gibt mehrere Bahnsteige, die von jagdgrün gestrichenen, hölzernen Baldachins geschützt werden. Weiter hinten spannt sich eine gläserne Fußgängerbrücke über die Gleise, die zu einem stattlichen, wenn auch renovierungsbedürftigen Bahnhofsgebäude führt.

Die meisten Fahrgäste steigen aus, plötzlich ist es sehr still. Sonnenschein fällt auf die leeren Sitzbänke. Durch die offenen Fensterklappen hört man Fetzen eines Gesprächs, das auf dem anderen Bahnsteig geführt wird. Seltsam losgelöst irrlichtern die Stimmen durch die drückende Mittagsluft.

Auf der Rückbank des Wagens sitzt noch immer diese blonde Frau, die in Altona zu uns umgestiegen ist. Eigentlich ist nichts besonderes an ihr. Sie dürfte ungefähr in meinem Alter sein, ist weder auffallend attraktiv noch ungewöhnlich gekleidet. Aber wieso muss ich andauernd hinsehen? Liegt es am hellblonden Haar, das in der Sonne leuchtet? Oder ist es eher wegen des großen, schwarzen Hundes, der zu ihren Füßen ausgestreckt liegt und von weitem an einen flauschigen Bettvorleger erinnert?

Die Frau dreht sich zum Fenster, schaut hinaus. Im Halbprofil bekommt ihr Gesicht einen Zug ins Melancholische, die Augen wirken auf einmal traurig. Dieser Eindruck ist es, der mich gefangen nimmt. Ich kenne diesen Gesichtsausdruck, diese großen, traurigen Augen…

Sabine – ist sie es? Kann das sein? Ich wage kaum, es zu glauben.

Ich überwinde meine Scheu, sehe genauer hin. Falls sie es wirklich ist, hat sie sich sehr verändert. Sie ist um einiges voller geworden. Um die Augen und Mundwinkel zeichnen sich deutliche Faltenmuster ab. Schließlich ihre Wangen – früher waren sie glatt und frisch, jetzt wirken sie aufgeschwemmt und gerötet, wie bei jemandem, der gern zu tief ins Glas schaut. Mit der Sabine meiner Erinnerung hat die alternde Frau dort hinten nicht viel gemein.



Aber die Augen, sie sind dieselben geblieben, sie haben allem Verfall getrotzt.

Es ist Sabine, jetzt bin ich mir sicher. In meinem Kopf arbeitet plötzlich alles durcheinander. Unglaublich, dass wir uns hier begegnen, in dieser Stadt, diesem Zug! Ich muss sie ansprechen, muss die Gelegenheit unbedingt nutzen. Welche Möglichkeiten sich durch diesen unwahrscheinlichen Zufall eröffnen! Wie viele abgerissene Fäden, die ich vielleicht wieder aufnehmen könnte…

Es ist nicht zu fassen!

***

Der Zug hat die Richtung gewechselt, ich fahre jetzt rückwärts. Erneut rumpeln wir über das Weichengeflecht. Es geht in eine langgezogene Kurve, wir gewinnen wir an Fahrt. Blankenese schnurrt in sich zusammen und verschwindet.

Am Ende des Wagens sitzt nach wie vor diese fremde, vertraute Frau. Ich habe Sabine noch immer nicht angesprochen. Soll ich es wirklich tun? Würde sie sich überhaupt an mich erinnern? Es ist alles so lange her…

Nichts deutet darauf hin, dass sie meine Gegenwart bemerkt. Sie schaut beharrlich aus dem Fenster, mit ihrem typischen, melancholischen Gesichtsausdruck, den traurigen Augen. Diese Augen – selbst aus der Entfernung kann ich ihre blaugraue Farbe erkennen. Wie sehr sie denen ihrer Schwester ähneln, Katja…

Endlich gebe ich meinen inneren Widerstand auf. Katja – sie war es, an die ich sofort denken musste, als ich Sabine erkannte. Auf einmal stehen längst verblasste Bilder wieder in aller Deutlichkeit vor mir: der historische Saal voller festlich gekleideter Menschen, die prachtvollen Kronleuchter, unter denen Katja mit sich selbst tanzt, traumversunken, ganz der Musik hingegeben…

Der große Abschiedsball, am Ende des Studiums. Danach liefen die Kommilitonen in Windeseile auseinander… nichts ist geblieben aus dieser Zeit, rein gar nichts, auch keine Erinnerungen. Wenigstens dachte ich das bis eben. Aber plötzlich scheint es, als habe sich alles gestern zugetragen und nicht vor zehn Jahren.

Wo Katja jetzt wohl sein mag? Ob ihre Träume sich erfüllt haben? Ob ihr Leben sich so entwickelt hat, wie sie es sich damals wünschte? Da vorn sitzt die Person, die mir alle Fragen beantworten könnte. Ich muss nur hingehen und sie ansprechen. Das Leben kann so einfach sein.



Vor den Fenstern des Zuges wachsen jetzt Hochhäuser wie riesige Steinfinger aus dem Boden. Eine Betonwüste breitet sich ringsumher aus, eine Plattenbausiedlung. Plötzlich ist die Stadt wieder da. Man hatte nach den üppigen Stadtgärten vor Blankenese schon nicht mehr daran gedacht. Wir fahren in die nächste Station ein, wieder verlässt ein Schwung Fahrgäste den Zug. Einsteigen tut niemand. Offenbar wohnen hier keine Leute, die Ausflüge ins Grüne unternehmen.

Das Leben mag einfach sein. Aber es ist auch ernüchternd, wie man an der rapide gealterten Sabine sehen kann. Was, wenn Katja sich ebenso sehr zum Nachteil verändert hat? Will ich mir meine Erinnerungen zerstören lassen durch eine möglicherweise graue, trostlose Realität?

Außerdem: Ist es klug, die alten Geschichten wieder aufwärmen, nach allem, was damals passiert ist? Sollte man die Vergangenheit nicht besser ruhen lassen?

Die Siedlung endet, das Grün fängt wieder an. Aber nun sind es keine Parklandschaften mehr, sondern die ersten Felder und Koppeln, die an uns vorüberziehen. Neben den Schienen verläuft ein Weg, auf dem viele Radfahrer unterwegs sind. Wir passieren eine hölzerne Scheune, vor der man Kinder in Reitkleidung auf Pferden sieht. Wieder fahren wir in einen Bahnhof ein. „Sülldorf“ heißt er. Bis Wedel dürfte es jetzt nicht mehr weit sein.

Nun kommt Leben in das schwarze Bündel zu Sabines Füßen. Der Hund springt auf, zieht Sabine an der Leine hinter sich her in Richtung Tür. Dann sind die beiden verschwunden.

Das war’s. Chance vertan. Ich wollte es ja so.

Außer mir ist niemand mehr im Wagen. Still tröpfeln die Minuten dahin. Warum fahren wir nicht weiter? Dann fällt mir ein, dass seit Blankenese die Strecke eingleisig ist. Vielleicht müssen wir einen entgegenkommenden Zug durchlassen.

Ich blicke zur Tür. Noch steht sie offen, noch kann ich hinaus….

Gegenüber fährt nun tatsächlich ein Zug ein. Kaum hat er gehalten, ertönt bei uns das Signal zum Schließen der Türen. Im letzten Augenblick springe ich auf und laufe zum Ausgang. Die Türflügel gleiten bereits nach innen, aber ich kann noch hindurchschlüpfen. Draußen trifft mich gleißendes Sonnenlicht. Die Luft ist erfüllt vom Lärm der abfahrenden Züge, dem Kreischen der Räder, dem Rumpeln der Wagen.



Dann ist es wieder still. Der Bahnsteig liegt leer und verwaist da. In der aufsteigenden Hitze zittert die Luft. Irgendwo dudelt ein Radio vor sich hin. Es riecht nach frischem Heu und ganz schwach nach Rauch.

Ich blicke über den Bahnsteig, erkenne an seinem Ende ein kleines Stationsgebäude. Gerade öffnen sich dort die Schranken, die Traube der Wartenden beginnt sich aufzulösen. Als ich das Gebäude erreiche, ist niemand mehr da. Hastig durchquere ich eine enge, dämmrige Passage, komme auf eine dicht befahrene Straße. Ich blicke mich suchend um und entdecke Sabine auf der anderen Seite. Sie geht mit ihrem Hund gerade an einem Eiscafé vorüber, vor dem sich eine Warteschlange gebildet hat. Die beiden verschwinden um eine Hausecke.

Endlich springt die Fußgängerampel auf Grün. Ich laufe über die Straße, vorbei an dem Café, achte nicht auf die verwunderten Blicke der Wartenden, haste um die Ecke.

Da ist sie. Nur ein kurzes Stück vor mir geht sie durch eine schmale Vorortstrasse, neben sich den den Hund an der Leine. Erleichtert atme ich aus. Jetzt werde ich sie nicht mehr verlieren.

Die beiden biegen nach links ab, steuern auf einen kleinen, unbenutzten Parklatz zu. Dahinter beginnt dichter Wald. Sabine beugt sich hinab und lässt den Hund von der Leine. Sofort rennt er los und verschwindet zwischen den Bäumen. Sie geht langsam hinterher. Bald ist auch sie nicht mehr zu sehen.

Ich warte noch einige Sekunden und erreiche dann selbst den Parkplatz. Seitlich des Pfades, der in den Wald führt, registriere ich an einem Baum ein kleines, mit weißer Farbe aufgemaltes Kreuz.

Bislang hätte ich nicht sagen können, was ich hier eigentlich treibe. Ich war nur darauf bedacht, Sabine nicht aus den Augen zu verlieren. Als ich aber dieses Kreuz sehe, formt sich in meinem Kopf verschwommen eine Idee…

Im Wald ist es herbstlich kühl und feucht. Mächtige Laubbäume wechseln sich mit hochgewachsenen Fichten ab. Der Boden ist mit einer Schicht aus Tannennadeln und Blättern bedeckt, die unter jedem meiner Schritte nachfedert. Vereinzelt hört man das Zwitschern von Vögeln, ansonsten ist es still.

Ich entdecke ein neues, weißes Kreuz an einem der Stämme. Wie ein Zeichen, eine Spur. Natürlich, es ist die Markierung eines Wanderweges! Bereits früher, auf meinen Expeditionen in den Elm oder Harz, sind mir solche Wegweiser aufgefallen. Sie symbolisierten für mich immer die vorgezeichneten, festgelegten Routen. Gerade die wollte ich verlassen und mich ins Dunkel des Waldes hineinwagen, wo niemand einem den Weg vorgab, wo man auf sich selbst gestellt war, seine Angst vor dem Unbekannten überwinden musste.



Aber heute wird es anders sein. Mein bislang nur schemenhafter Einfall hat sich konkretisiert. Ich bin ein Spaziergänger, ein Wanderer, der das schöne Herbstwetter nutzt und diesen Weg erkundet. Mehr nicht.

Weiter geht es, jetzt durch jungen, lichten Birkenwald. Die schlanken, weißen Stämme werden von der schräg einfallenden Herbstsonne beleuchtet. Am Boden liegt erstes Laub. Bald taucht ein gutes Stück vor mir wieder die Gestalt einer Frau auf. Der große, schwarze Hund an ihrer Seite hält von Zeit zu Zeit inne, reckt den Kopf in die Höhe, schnüffelt kurz und läuft dann weiter.

***

Wann habe ich Sabine und Katja zum ersten Mal getroffen? Ich weiß nur noch, dass es ziemlich bald nach Studienbeginn gewesen sein muss.

Oder vielmehr: nach meinem Studienortwechsel. Zunächst hatte ich mich ja, nach Abitur und Zivildienst, zu Hause an der Technischen Universität eingeschrieben. Für Diplominformatik – aus Mangel an besseren Ideen.

Ich hatte in dieser Zeit einfach kein Interesse an all den Veränderungen, die anstanden, den Lebensentscheidungen, die gefällt werden mussten. Zukunftsplanung und Berufswahl – diese Dinge nervten, ich wollte mich nicht damit befassen. Auch den überfälligen Auszug von zu Hause schob ich vor mir her. Meinen Zivildienst absolvierte ich bei der örtlichen Arbeiterwohlfahrt, wo ich Essen auf Rädern ausfuhr. In dieser Situation bedeutete eine Einschreibung an der heimatlichen TU größtmögliche Kontinuität.

Aber ich sollte schnell merken, dass ich einer Illusion aufgesessen war. Von Beginn an hatte ich das Gefühl, in der Anonymität der Massen-Uni, wie es die TU nun mal war, regelrecht zu verschwinden. In den Vorlesungen saß man mit 200 Leuten und mehr, auch die Übungsgruppen waren hoffnungslos überlaufen. Kontakt zum Lehrpersonal gab es so gut wie keinen. Endlos irrte ich durch die riesigen Betongebäude, schleppte mich von Lehrveranstaltung zu Lehrveranstaltung, und hatte doch keine Hoffnung, je irgendwo anzukommen, weder räumlich noch in Sachen Studienziel. Mit jedem Tag wuchs das Gefühl der Resignation. So konnte es nicht weitergehen. Ich musste mich nach Alternativen umsehen.

In dieser Zeit suchten die Hochschulen der neuen Bundesländer gerade händeringend nach Studenten, auch im Westen. Sie hofierten einen geradezu mit ihren Infoständen, den bunten Broschüren auf Mensa-Tischen und an Schwarzen Brettern. Sogar Zeitungsanzeigen schalteten sie. Gleichzeitig waren die West-Hochschulen froh über jeden Schulabgänger, der sich nicht bei ihnen einschrieb. Was gab es da noch zu zögern und zu zaudern?



Aber war nicht allein schon der Gedanke, in den Osten zu gehen, absurd, komplett verrückt? Wer wollte da schon hin, nach allem, was man hörte über die Provinzialität der dortigen Menschen, ihren Hass auf alles Fremde und über Horden von Nazis, denen die Straße überlassen war? „Wilder Osten“ – diese Bezeichnung schien mir passend. Würde man dort überhaupt mit heiler Haut wieder rauskommen?

Ich beschloss, mir selbst ein Bild zu machen. Fuhr nach Leipzig, Dresden und in einige kleinere Städte mit Hochschulen. Es gab wirklich überall das berüchtigte Grau. Die Bausubstanz zeigte Stadien des Verfalls, die ich bis dahin nur aus Filmen über die Kriegs- und Nachkriegszeit kannte. Und häufig sah ich Gruppen kahlgeschorener Gestalten in Bomberjacke und Springerstiefeln auf öffentlichen Plätzen herumsitzen, in Fußgängerzonen, auf Bahnhöfen. Es schien alles so schlimm zu sein wie anfangs befürchtet.

Hätte es nicht zugleich diese aberwitzige Bautätigkeit gegeben. Es wurde renoviert, restauriert, ausgebessert, neu errichtet was das Zeug hielt. Der Osten schien sich vorgenommen zu haben, der bessere Westen zu werden. Eine derartige Dynamik hatte ich noch nicht erlebt in meiner fest gefügten, erstarrten, müde gewordenen Welt.

Wessis schienen an den Hochschulen der neuen Länder Mangelware zu sein, trotz der massiven Werbekampagnen. Mir lief kein einziger über den Weg. Im Gegenteil: Fast alle Studenten kamen aus der näheren Umgebung. Und so hörte ich auf meiner zweiwöchigen Rundreise fast ausschließlich sächsische und thüringische Idiome. Am Schluss hatte ich mich daran gewöhnt – ein kleines Wunder, wenn man bedachte, wie schauderhaft alle Ost-Dialekte vorher für mich geklungen hatten.

Jetzt fand ich es gemütlich, es passte zu den Menschen. Man kam leicht mit ihnen in Kontakt, in den Hochschulen, den Geschäften, beim Zugfahren. Ihre Gutmütigkeit, die manchmal ein bisschen naiv wirkte, war mir ungemein sympathisch. Nirgends erlebte ich Hochnäsigkeit oder Arroganz. Ich fühlte mich, als sei ich vierzig Jahre oder mehr in die Vergangenheit zurückversetzt worden.

Was mich am Osten regelrecht begeisterte, waren die Studienbedingungen. Sie „gut“ zu nennen wäre eine glatte Untertreibung gewesen. Bezeichnend war eine Szene, die ich in Jena erlebt hatte. Ich wollte mir dort die Vorlesung „Einführung in die Informatik“ anschauen. Vorlesungen, so kannte ich es von zu Hause, waren in der Regel Massenveranstaltungen. Niemand merkte es, wenn man sich dazusetzte, niemand fragte nach.



Ich fand den Weg problemlos, öffnete die Tür – und betrat einen Raum von der Größe eines Klassenzimmers, in dem eine Handvoll Menschen zusammensaß. Alle schauten mich an, offenbar in der Annahme, ich hätte mich verirrt. Stammelnd trug ich mein Anliegen vor und wurde prompt eingeladen, mich dazuzusetzen.

Es handelte sich tatsächlich um die fragliche Vorlesung. Wo an der heimatlichen TU Heerscharen von Studis den größten Hörsaal füllten und zum Teil auf Treppen und Fensterbänken saßen, fanden sich hier ganze sechs Leute – der Dozent eingeschlossen. Letzterer war sich auch nicht zu schade, mit den Studis die kürzlich geschriebene Klausur zu besprechen und die Aufgaben persönlich zu erläutern.

Und so wie hier schien es überall zu sein. Lehrveranstaltungen von – vorsichtig gesprochen – übersichtlicher Größe, modernste Ausstattungen und neueste Technik in den Seminarräumen und Hörsälen, frisch renovierte oder gleich ganz neu errichtete Gebäude. Oft sah man keinen Menschen auf den Fluren, es herrschte gespenstische Stille. Nur zum Ende der Lehrveranstaltungen öffneten sich überall die Türen, und meist kleinere Gruppen von Studenten traten aus den Räumen. Das Ganze erinnerte eher an Schule als an Uni.

Bald gab ich meine letzten Vorbehalte auf und beschloss, in den Osten zu gehen. Vielleicht konnte ich hier doch noch etwas aus meinem Leben machen. Nach Hause zurückgekehrt, verschickte ich sofort Bewerbungen an fast alle Hochschulen, die ich mir angeschaut hatte. Ich hatte mir in den Immatrikulationsbüros die nötigen Formulare gleich mitgenommen, sodass ich nun keine Zeit mehr verlor.

Ob Leipzig, Dresden oder Chemnitz – ich bekam überall nur Zusagen. Meine Wahl fiel schließlich auf Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule in Mittenwerda, einem sächsischen Provinznest. Den entscheidenden Ausschlag gab das Beratungsgespräch, das ich dort mit Professor Spengler geführt hatte.

Er besetzte den Lehrstuhl „Mathematik für Informatiker“. Als ich in sein Büro trat, brütete er gerade über irgendeinem Problem. Ein vor ihm liegendes Blatt Papier war mit Formeln und Figuren bedeckt. Sein Haar war zerzaust, in der Rechten hielt er eine fast abgebrannte Zigarette. Seine kauzige, humorvolle Art war mir auf Anhieb sympathisch. Ich hatte das unbestimmte Gefühl, als würde sich durch ihn in meinem Leben einiges ändern.



Auch eine Unterkunft fand ich rasch, im Studentenwohnheim am Schwanenpark. Dort kostete das Zimmer lächerliche 100 D-Mark monatlich.

Ich packte zwei Reisetaschen, setzte mich in mein Auto und zog um.

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