Epilog – Wenn der Nebel sich hebt
Der Nebel hob sich langsam. Die Heide lag still im frühen Winterlicht – grau und weit. Der alte Druidenkreis zeichnete sich nur schemenhaft gegen den Himmel ab. Die Steine standen noch immer dort, unverrückt und unscheinbar für jene, die nicht wussten, wie man richtig sah.
Eine junge Frau betrat den Steinkreis. Ihr Haar war dunkel, ihr Blick ruhig. Sie trug einen Mantel aus grober Wolle. In ihren Händen hielt sie eine Schale mit Glut. Sie kniete am Schwellenstein nieder, der nicht mehr schwarz war. Er war durchzogen von feinen, hellen Linien, die aussahen wie Atemzüge im Gestein. Die Frau legte getrockneten Beifuß ins Feuer. Rauch stieg auf. Für einen Moment schien dieser Formen anzunehmen – Spiralen, Knoten, Wege offenbarten sich.
„Die Zeit ist offen“, sagte sie leise.
Ihre Stimme trug keine Furcht. Im Rauch flackerten Bilder auf, kaum mehr als Erinnerungen. Eine Grenzgängerin, die sich weigerte, zu zerbrechen. Ein Hüter, der lernte loszulassen. Eine Liebe, die keine Mauern errichtete, stattdessen Übergänge schuf.
Die Frau lächelte. Sie hatte diese Geschichten gehört, seit sie ein Kind war. Von den Alten. Von den stillen Orten. Von einer, die den Mut gehabt hatte, den Gesetzen zu widersprechen, ohne die Welt zu zerstören. Sie wurde heute anders genannt, nicht mehr Rebellin, nicht Seherin… man nannte sie Weltenwandlerin.
Der Wind frischte auf. Der Kreis antwortete mit Einverständnis. Die Raunächte begannen, jedoch nicht als Wiederholung, sie zeigten sich als Erinnerung daran, dass Wandel möglich war.
Am Rand des Waldes bewegte sich etwas. Ein Mann trat aus dem Schatten der Bäume und bliebt dort stehen. Sein Blick ruhte auf dem Kreis und der Hüterin. In seinen Augen lagen Zeit und etwas Unvergängliches. Die Frau hob den Blick, als hätte sie ihn gespürt. Für einen Herzschlag begegneten sich ihre Augen.
Der Nebel zog weiter, hin zu anderen Orten, anderen Schwellen. Mit sich trug er eine Geschichte, die niemals endete. Sie lebte weiter – in Atemzügen, in Träumen, in jenen Nächten, in denen die Welt still genug war, um zuzuhören. Die Raunächte dauerten an. Und irgendwo zwischen Licht und Schatten, zwischen Vergangenheit und Zukunft, lebte eine Liebe als Legende fort.
E N D E


























































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