Noshiko-Kapitel 15
Am Morgen, als ich erwachte, war es ungewöhnlich hell.
Mein Kopf lag auf Yuris Brust, der meinen Rücken streichelte. Als ich aufsah, bemerkte ich, dass er mich nicht ansah, sondern zum Fenster blickte. Ich folgte seinem Blick und bemerkte, dass es draußen schneite.
Ein leichtes Lächeln legte sich auf meine Lippen. „Es schneit“, bemerkte ich, bevor ich mich räusperte, weil meine Stimme rau und belegt klang.
Yuri gab einen murmelnden Laut von sich. „Was hast du gestern beim Lagerhaus gemacht?“, fragte er aus dem Nichts heraus, was mich überraschte.
Woher wusste er, dass ich dort gewesen war? „Kean war seltsam und ich bin vor ihm weggerannt“, sagte ich, denn darum war ich immerhin erst dorthin gerannt.
„Belästigt Kean dich?“, fragte er, wobei er klang, als wäre er geistig eigentlich wo anders.
„Ich weiß nicht genau“, gestand ich. „Ich hatte plötzlich große Angst.“ Dass in meinem Kopf wieder diese Stimme gewesen war, verschwieg ich.
Yuri wandte seinen Blick nun zu mir und legte beide Arme um mich. „Halt dich bitte von ihm fern. Er ist gefährlich“, bemerkte er, was mich schnauben ließ.
„Das sagt man auch über dich“, sagte ich fast schon spitz.
„Das leugne ich auch nicht“, erwiderte er ernst, bevor er sich auf meine Hüfte setzte, was mir ein Keuchen entlockte. „Kean ist aber Frauen gegenüber nicht so zuvorkommend wie ich.“
Ich schnaubte leise. „Zuvorkommend?“, neckte ich, nahm seine Worte aber ernst. „Ich halte mich von ihm fern, sofern ich es kann“, versprach ich.
Yuri lächelte. „Ich mag es, wenn du nicht auf deinen Tabletten bist. Allerdings mag ich es auch, wenn du willenlos bist“, sagte er sehr zufrieden.
„Ich soll die Tabletten nur noch bei Bedarf nehmen“, murmelte ich. Es war vielleicht gut, wenn er das wusste. Immerhin würde ich daher recht häufig so sein wie jetzt. Solange Yuri mich auf diese Art ablenkte, war das in Ordnung, doch sobald ich allein war und meinen Gedanken nachhängen konnte, würde es schwer werden.
„Warum nimmst du sie überhaupt?“, wollte er wissen.
Ich versteifte mich und wandte meinen Blick um. „Psychische Probleme“, murmelte ich, da es nicht ganz gelogen war. Im Grunde hatten die Tabletten mehrere Wirkungen. Unter anderem unterdrückten sie meine Magie, damit sie nicht unkontrolliert ausbracht und das taten sie, indem sie meine Gefühle unterdrückten. Das wiederum sorgte dafür, dass die Stimmen in meinem Kopf nicht mehr mit mir sprach.
Ich bemerkte Yuris Blick, der direkt auf mich gerichtet war.
„Psychische Probleme“, wiederholte er nachdenklich. „Welcher Art?“, bohrte er nach und schien nicht gewillt, von dieser Frage abzulassen.
Ich seufzte leise. „Ist das wirklich so wichtig?“, wollte ich wissen, bevor ich sogar versuchte, mich zu erheben. Er ließ es nicht zu und stemmte seine Hände neben meinen Kopf aufs Bett.
„Ja. Immerhin will ich wissen, was auf mich zukommen kann“, sagte er ernst, während er mich weiter anstarrte. „Kein magisch begabtes Wesen ist ganz klar im Kopf“, fügte er hinzu, was bei mir dafür sorgte, dass ich verwirrt zurückblickte.
„Wie meinst du das?“, fragte ich zögerlich, da ich ihm nicht folgen konnte.
„Magische Wesen haben eine Art … dunkle Seite“, versuchte er zu erklären, doch ich hörte ihm an, dass er nach den richtigen Worten rang. „Blut und Gewalt gehören irgendwie zum Alltag. Das Recht des Stärkeren ist vielen in Fleisch und Blut übergegangen. Wenn keine Königin in der Nähe ist, die beschwichtigend eingreift, kommt es recht leicht zu Blutvergießen“, begann er zu erzählen, blieb aber weiterhin in der Position und starrte mir in die Augen. „Normale Menschen würden uns wohl als psychisch instabil bezeichnen.“
Seine letzten Worten machten mir klar, was er meinte. „Nein, es sind keine normalen Menschen, von denen ich die Tabletten habe“, sagte ich schnell, da ich davon ausging, dass er irgendwie erwartete, dass ich diese von Menschen verschrieben bekommen hatte, die mit meiner magischen Seite nicht klarkamen. Es war zwar auch nicht ganz falsch, aber eben auch nicht richtig. „Ich bekomme sie, damit meine Magie … kontrollierbar bleibt.“
Ich sah, wie Yuri die Stirn runzelte. „Kontrollierbar. Kannst du das nicht selbst?“, wollte er wissen.
Nervös wich ich seinem Blick aus. „Bei mentaler Belastung, bricht sie unkontrolliert aus“, brachte ich mühsam hervor, denn diese Worte sorgten für Erinnerungen, denen ich mich nicht stellen wollte. Zudem müsste er sich doch noch daran erinnern können. Es war schon einmal geschehen.
Vor meinem inneren Auge tauchte das Blutbad auf, in dem meine Eltern gelegen hatten. Ich mittendrin und komplett voller Blut.
Mein Atem wurde schneller, während ein leises Flüstern in meinem Kopf begann, das versuchte, mich davon zu überzeugen, dass ich nach der Macht greifen sollte. Dass sie meine war und es keinen Grund gab, sich zu fürchten.
„Hey“, rief Yuri plötzlich, packte mich am Kinn und zog mein Gesicht zu sich, bevor er mich küsste.
Dieser Kuss riss mich aus meinen Erinnerungen zurück ins Hier und Jetzt. Mein Herz klopfte noch immer heftig, doch nicht mehr wegen der Erinnerungen.
Als sich Yuri von mir löste, blickte er mir tief in die Augen. „Hier bleiben“, wies er mich an.
Überraschend gelang es ihm wirklich, mich wieder zurückzuholen.
Es polterte und krachte, was mich so weit aufschreckte, dass ich realisierte, dass schon wieder die halbe Einrichtung geschwebt war. Ich biss mir frustriert auf die Lippen.
„Du bist viel stärker als man es erwartet, aber auch unkontrolliert“, bemerkte er und wirkte, als würde er über etwas nachdenken. „Vielleicht sollten wir ein paar Übungsstunden einführen, damit du deine überschüssige Kraft loswirst, statt sie mit Medikamenten zu unterdrücken.“
Ich blickte von dem Regal, das nun bücherlos war zu Yuri. „Wie meinst du das?“, fragte ich zögerlich. Irgendwie hatte ich erwartet, dass er wegen der Einrichtung böse wäre.
Yuri grinste mich an. „Ich kenne Übungen für den Körper und auch für die Magie, die dich so weit erschöpfen, dass du auch ohne Medikamente völlig willenlos wirst“, neckte er, was dafür sorgte, dass ich meine Lippen verzog.
„Manchmal bist du richtig sadistisch“, tadelte ich ihn, was ihn nur dazu animierte an dem Seil zu ziehen, das noch immer um meinen Körper geschlungen war.
Es rieb über meine Haut und erregte mich in wenigen Sekunden aufs Neue, sodass ich keuchen musste. „Unfair“, jammerte ich, bevor ich meine Hände an seine Brust legte, um auch ihn zu reizen. Dafür zog er erneut, womit er das Seil stärker zwischen meinen Beinen rief. Dabei machte er einen tadelnden Laut.
Allerdings zog ich meine Hände nicht zurück, sondern beugte mich vor und küsste seine Brust. „Sehr ungezogen heute“, knurrte er rau, was mich leise gegen seine Brust lachen ließ. Es gefiel ihm, das hörte ich sehr deutlich.
„Hast du Lust auf eine weitere Runde?“, fragte ich neckend, denn ich konnte einfach nicht genug von ihm bekommen.
Sein Blick sprach Bände und er verwickelte mich erneut in einen innigen Kuss.




































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