Noshiko-Kapitel 22
Meine Gedanken kreisten noch immer darum, was Sada gesagt hatte. Würde sie wirklich mit mir herausfinden, was hier los war? Irgendwie war es zu schön, um das zu glauben.
„Für deinen ersten Versuch ein Bild auf Leinwand zu bringen“, begann Yuri, der recht zögerlich klang, während er das Bild musterte, das ich gemalt hatte.
„Es ist schrecklich, das weiß ich selbst“, meinte ich belustigt. Ich war beim Malen auch überhaupt nicht bei der Sache gewesen. Dabei hatte Sada ihr Bestes gegeben, um es mir zu erklären. Es sah nicht aus wie eine Kinderkritzelei, doch wie ein wirkliches Gemälde auch nicht. Malen war einfach nicht meins, wie es schien.
„Schrecklich nicht, aber ich erkenne nicht, was es sein soll“, gab Yuri unumwunden zu. Sollte ich ihm jetzt sagen, dass ich mir eigentlich nicht einmal was dabei gedacht hatte?
„Im Grunde soll es nichts Spezielles darstellen“, sagte ich ausweichend. Es war vielleicht besser, wenn ich ihn einfach selbst etwas hineininterpretieren ließ.
„Das ist beruhigend“, meinte er, was mich leise lachen ließ.
„Du musst dir wirklich nicht so viel Mühe geben, interessiert zu klingen. Ich weiß ja, dass Kunst dich eigentlich nicht interessiert“, versicherte ich schief grinsend.
Yuri schnaubte. „Es interessiert mich, weil es von dir ist“, sagte er entschieden. „Vielleicht bin ich kein Kunst-Fan, aber da du es gemacht hast, sollte es auch eine gewisse Anerkennung bekommen.“
Mein verblüffter Blick brachte ihn dazu, zu lächeln. Dass er mich damit komplett überraschte, war mir wohl anzusehen.
Yuri trat einen Schritt auf mich zu und legte mir eine Hand an die Wange. „Ich frage mich, was du bisher für Beziehungen hattest, dass du so überrascht darüber bist.“
„Ich glaube nicht, dass man das Beziehungen nennen kann“, murmelte ich. Es war nicht so, dass ich noch Jungfrau gewesen wäre, als ich Yuri kennengelernt hatte, doch meine Erfahrung mit längeren Beziehungen war nicht gerade sehr groß. Meine längste hatte ein halbes Jahr gehalten.
Yuri streichelte meine Wange und gab mir dann einen Kuss auf die Stirn. „Ich muss wohl doch schon zeitiger gehen“, meinte er plötzlich betrübt, was mich überrascht die Stirn runzeln ließ.
„Wie meinst du das?“, fragte ich, da ich ihm nicht ganz folgen konnte.
„Ich muss morgen früh nach Hause. Es gibt einige Dinge zu erklären. Aber ich sollte in wenigen Tagen wieder zurück sein“, erklärte er mir, bevor er mich in den Arm zog und Richtung Bett führte.
„Wenige Tage?“, wollte ich wissen, da es mich durchaus interessierte, wie lange er weg sein würde. Es wäre immerhin die perfekte Zeit, um meinen Plan mit Sada umzusetzen. Obwohl, ein Plan war es eigentlich noch gar nicht.
„Drei vielleicht vier“, antwortete mir Yuri mit einem entschuldigendem Lächeln.
„Das ist wirklich nicht lange“, sagte ich und war recht froh darüber. Ich würde zwar nicht viel Zeit haben, um mit Sada zu spionieren, doch ich wusste, dass ich ihn vermissen würde, wenn er zu lange wegblieb.
Yuri wirkte irgendwie erleichtert. „Ich möchte dich ungern allein lassen“, sagte er und zog mich noch fester an sich. „Aber mitnehmen geht auch nicht“, murmelte er.
„Ist deine Familie so unangenehm?“, fragte ich neckend. Ich wusste nicht, warum er mich nicht mitnehmen wollte oder konnte.
Yuri lachte. „Ich geh nicht zu meiner Familie. Zudem denke ich nicht, dass du dich am Hof einer anderen Königin wohlfühlen würdest“, behauptete er. Ich unterdrückte ein Grinsen. Wenn er wüsste. Ob ich seine Eltern vielleicht sogar kannte? Wahrscheinlich vom Sehen, aber Großmutter hatte immer darauf geachtet, dass ich nicht so viel Kontakt mit anderen am Hof hatte. Wohl, um mich zu schützen. Sicherlich war ihr Hof einer potentiell fremden Königin genauso misstrauisch gegenüber.
An sich war ich noch keine Gefahr. Ich war nicht erwacht und würde es wohl auch nicht. Hoffte ich zumindest.
„Ich würde deine Familie schon ganz gern kennenlernen“, bemerkte ich lächelnd. Er schob mich ein Stück von sich, um mich anzusehen.
„Ich deine auch“, bemerkte er.
„Sie ist tot“, antwortete ich, wobei ich versuchte sachlich und nüchtern zu bleiben. „Ich habe sie umgebracht.“
„Darüber macht man keine Scherze“, fuhr er mich unerwartet an.
„Es ist keiner. Es war ein magischer Unfall“, erklärte ich, während ich versuchte, mich von der Sache zu distanzieren. Er verdiente die Wahrheit
Yuri blickte mich für einen Moment fragend an, bevor es schien, als hätte er verstanden. „Als deine Magie deinen Körper übernommen hat?“, fragte er, wobei er sehr sanft klang.
Ich nickte zaghaft. In seiner Stimme war keine Verachtung und auch kein Vorwurf zu hören.
Langsam zog er mich wieder an sich. „Deshalb wachst du nachts manchmal panisch auf“, stellte er fest, während er mich wieder an sich zog. Ich vergrub mein Gesicht sofort an seiner Brust. Es war mir sogar ein wenig peinlich, dass er das bemerkt hatte. Dabei hatte ich immer gehofft, ihn damit nicht zu wecken.
Yuri begann, meinen Rücken zu streicheln, womit er mich seltsamerweise sehr beruhigte. Es fühlte sich so gut an, dass ich meine Augen schloss und einfach nur genoss. Sein Duft sorgte dafür, dass meine Gedanken nicht zu sehr zu dem Moment zurückgingen. Ich war damals noch so jung gewesen, dass ich nicht einmal mehr wusste, ob ich nicht vielleicht Dinge hinzugedichtet oder sogar übertrieben hatte.
„Wenn du darüber sprechen möchtest, bin ich für dich da“, flüsterte er, drängte mich aber nicht.
„Im Moment nicht“, antwortete ich ebenfalls flüsternd, da ich es einfach nur genießen wollte.
Yuri hob mich plötzlich hoch und ging mit mir zum Sessel. „Lass uns einen Film schauen“, schlug er vor, obwohl er wusste, dass ich nicht so gerne Filme sah.
Ich gab ein leises, widerwilliges Grummeln von mir, doch er ließ sich davon nicht beirren. Er schaltete den Fernseher an und stellte einen Film ein, den ich kannte und mochte. Das ließ mich leise lachen. Er kannte mich sehr gut.
Langsam entspannte ich mich in seinen Armen und genoss den Film, der mich gut genug ablenkte, um nicht weiter in die Erinnerungen gezogen zu werden.
„Wenn ich weg bin, mach bitte keinen Unsinn. Ich will nicht, dass ich dich wieder aus irgendwelchen Problemen ziehen muss“, mahnte mich Yuri plötzlich, was dafür sorgte, dass ich mich irgendwie schuldig fühlte. Genau das hatte ich eigentlich vor.
„Ich habe vollstes Vertrauen, dass du mich retten wirst, sollte etwas passieren“, sagte ich neckend, um dem Ganzen ein wenig den ernst zu nehmen.
Yuri schnaubte. „Du bist sehr vertrauensselig. Pass auf, dass dir das nicht auf die Füße fällt“, bat er und küsste meinen Kopf.
Ich lachte, weil es mir guttat, mich so mit ihm zu necken. Er war wirklich ein sehr beschützender Typ, das gefiel mir gut. Es war etwas, das man nicht sofort sah, wenn man ihn nicht kannte. Wenn ich mich an unser erstes Treffen erinnerte, dann war das hier komplett gegensätzlich.
Wenn er etwas wollte, nahm er es sich und scheinbar wollte er mich beschützen.
Yuri fuhr mir durch die Haare. „Bist du schon müde?“, fragte er an mein Ohr, was dafür sorgte, dass ein Schauer über meinen Rücken lief. Als er dann auch noch über mein Ohrläppchen leckte, spürte ich, wie es in meinem Bauch kribbelte. Als wäre mir nicht klar, was er wollte.
„Nein“, hauchte ich heiser.
Das ließ ihn grinsen, bevor er den Fernseher ausstellte, mich hochhob und in Richtung Bett trug. Dort legte er mich sanft hin und beugte sich sofort über mich. Er küsste meinen Hals zuerst sanft, was dafür sorgte, dass mir warm wurde. Dann saugte er an meiner Haut und biss sogar hinein. Blitze wanderten durch meinen Körper und zwischen meinen Beinen begann es zu pulsieren. Wie war es möglich, dass er mich mit so wenigen Liebkosungen schon so beeinflusste?
Ein leises Stöhnen verließ meine Lippen, bevor ich mich seinen Berührungen hingab. Es würde für einige Zeit das letzte Mal sein und ich vermisste ihn schon jetzt.

































































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