Kapitel 2
Livia spürte die Anspannung sofort.
Womöglich nicht aus Angst.
Auch nicht als Panik.
Eher wie ein feines Ziehen zwischen den Schulterblättern — dieses instinktive Gefühl, beobachtet zu werden, das sie sich mühsam abtrainiert hatte und das doch nie ganz verschwand.
Kael Ardent sah sie an.
Nicht offen.
Nicht unhöflich.
Aber zu intensiv, als würde er mehr wahrnehmen, als sie preisgab.
Sie zwang sich, ruhig zu bleiben. Professionell. Genau dafür war sie hier. Zahlen, Strukturen, Verträge. Keine Emotionen. Keine persönlichen Schwächen.
Und ganz sicher keine Nähe.
Während sie sprach, bemerkte sie Kleinigkeiten: wie sein Blick ihr folgte, wenn sie sich bewegte. Wie er sich kaum rührte, als würde er sich bewusst beherrschen. Etwas an seiner Präsenz war… schwer. Dicht. Fast körperlich.
Und dann dieser Blick, der einen Schauer von Erregung mit sich brachte. Erregung Die gerade hier mehr als unangebracht war. Und dennoch fühlte sie wie sich unter seinem erhitzten Blick die Röte in die Wangen schlich und Ihr Höschen feucht wurde. Genau in diesem Moment atmete er tief durch die Nase ein und sie hätte schwören können das sein Blick noch erhitzter wurde und seine Augen schwarz.
Sie musste sich beherrschen, also schon sie diese Gefühle beiseite.
Ihre Erregung verdrängte sie. Das war alles mehr als unprofessionell.
Sie hatte gelernt, vorsichtig zu sein.
Zu vorsichtig, sagten manche.
Sie nannten es übertrieben.
Doch sie nannte es Überleben.
Ihr Ex hatte auch so angefangen.
Aufmerksam. Intensiv. Interessiert.
Er hatte ihr das Gefühl gegeben, besonders zu sein — bis aus Aufmerksamkeit Kontrolle wurde. Aus Interesse Besitz. Aus Nähe ein Käfig.
Er hatte ihre Nachrichten gelesen. Gewusst, wo sie war. Wer mit ihr sprach. Hatte vor ihrer Wohnung gewartet, nachdem sie gegangen war. Immer mit diesem Lächeln, das sagte: Du gehörst mir noch.
Es hatte lange gedauert, bis sie sich befreien konnte. Jobwechsel. Stadtwechsel. Neue Nummer. Neue Regeln. Sie war regelrecht in einer Nacht und Nebelaktion aus der Wohnung verschwunden. Aus Ihrer gemeinsamen Wohnung. Sie hatte keine Freunde mehr gehabt. Dafür hatte er gesorgt. Niemanden den sie zurücklassen konnte.
Und aus dieser Geschichte war sie gewachsen. Jetzt galt es:
Keine Männer, die zu intensiv sind.
Keine Nähe, die sich zu schnell richtig anfühlt.
Und Kael Ardent?
Er fühlte sich gefährlich richtig an.
Das war das Problem.
Als das Meeting endete, schloss sie ihren Laptop und stand auf, ohne zu zögern. Abstand war wichtig. Bewegung auch.
„Gute Präsentation“, sagte einer seiner Mitarbeiter zu ihr.
„Danke.“
Sie wollte gehen.
„Frau Hart.“
Kaels Stimme.
Tief. Ruhig. Zu nah.
Sie drehte sich um. Sein Blick traf sie wieder — und diesmal war da etwas, das sie nicht ignorieren konnte. Kein Begehren, das sie benennen konnte. Kein Verlangen, das sie greifen konnte.
Eher ein Zug.
Ein unerklärliches Ziehen, als würde etwas an ihr zerren, ohne sie zu berühren.
„Ja?“, fragte sie sachlich.
„Bleiben Sie noch kurz.“
Keine Bitte.
Aber auch kein Befehl.
Sie zögerte einen Moment zu lang. Dann nickte sie.
Als die Tür sich hinter den anderen schloss, war der Raum plötzlich zu still. Kael trat nicht näher — und doch hatte sie das Gefühl, dass die Distanz geschrumpft war.
„Sie sind sehr gut vorbereitet“, sagte er.
„Das ist mein Job.“
„Sie lassen sich nicht leicht aus der Ruhe bringen.“
Sie zuckte mit den Schultern. „Ich habe Übung.“
Er musterte sie. Prüfend. Intensiv.
„Das glaube ich.“
Etwas in seinem Blick ließ ihren Nacken prickeln. Nicht unangenehm. Aber wachsam machend.
Zu viel, warnte sie sich.
„Wenn das alles ist…“, begann sie.„Noch nicht“, sagte er ruhig.Ihr Puls beschleunigte sich unwillkürlich — und sie ärgerte sich darüber.
„Ich arbeite nicht gern mit Überraschungen“, fuhr er fort.
Sie hielt seinem Blick stand. „Dann werden wir uns gut verstehen.“
Ein flüchtiges Lächeln huschte über sein Gesicht — dunkel, gefährlich.
„Das hoffe ich.“
Nein, dachte sie.
Das fürchte ich.
Als sie den Raum verließ, spürte sie seinen Blick noch auf sich. Wie eine Hand im Rücken. Nicht berührend. Aber lenkend.
Und sie wusste eines ganz sicher:
Sie durfte sich nicht auf Kael Ardent einlassen.
Nicht, solange sie nicht verstand, warum ihr Körper auf ihn reagierte —
und warum ein Teil von ihr trotzdem instinktiv auf Abstand blieb.
























































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