Kapitel 15

Kael kam auch am nächsten Tag nicht zurück.

Die Information erreichte Livia am frühen Vormittag. Sie wurde beiläufig weitergegeben, als wäre sie eine Randnotiz.

Der Vorstandsvorsitzende sei weiterhin verhindert, Termine würden verschoben, Entscheidungen vertagt. Es kam ihr so vor als ob das öfters passierte. Seine anderen höheren Angestellten und seine Schwester waren ebenfalls nicht da.

Für die Fusion bedeutete das Stillstand.

Für Livia bedeutete es etwas anderes.

Sie saß an ihrem Schreibtisch, die Hände ruhig auf der Tastatur, der Blick auf Zahlen gerichtet, die sich nicht verändern wollten. Alles war vorbereitet, alles lag bereit – und nichts bewegte sich, weil dieser Mistkerl Kael nicht da war. Er war Dreh und Angelpunktpunkt gewesen, das Zentrum, um das sich alles organisiert hatte. Ohne ihn fehlte nicht nur Autorität, sondern auch die Richtung die bestimmt werden muss un die Fusion abzuschließen.

Nach einer Stunde wusste sie, dass sie so nicht weiterarbeiten konnte.

Sie nahm sich einen freien Tag. Livia erklärte das nicht. Aber sie brauchte ein Pause um sich zu sammeln. Keiner fragte nach. Das war auch gut so. Sie hätte nicht gewusst, was sie hätte sagen sollen, wenn man sie fragte wo sie hin wolle.

Als sie das Gebäude verließ, fiel ihr auf, wie angespannt sie gewesen war. Die Luft draußen fühlte sich leichter an, auch wenn der Knoten in ihrer Brust blieb. Aber dennoch fühlte sie sich in der herbstlichen Brise gleich freier. Sie fröstelte. Ihren Mantel zog sie enger um sich. Sie musste nur diese Kälte los werden die sie von innen heraus an ihr nagte.

Eine Kollegin aus ihrem Team, Sarah, ein quirliges kleines Ding kam schon am ersten Tag auf sie zu und fragte ganz offen ob sie die Tage ihres Aufenthaltes vielleicht etwas mit ihr unternehmenwollte. „Wenn du mal raus musst“, hatte sie gesagt. Livia schrieb ihr eine kurze Nachricht. Die Antwort kam sofort auf die Sekunde als sie die Nachricht abschickte.

Sie trafen sich in einem kleinen Café, abseits der Geschäftsstraßen. Helle Fenster, die für eine Lichtdurchflutete Atmosphäre sorgten, machte das ganze Cafe noch freundlicher. Die Pflanzen die überall hübsch angeordnet waren sorgten für ein freundliches Auftreten. Leise, stilvolle Musik erklang aus einigen Lautsprechern. Es war einer dieser Orte, an denen Gespräche automatisch langsamer wurden.



Sarah war warmherzig, offen, jemand, der Fragen stellte, ohne zu persönliche zu werden.

Sie sprachen zunächst über Belangloses – über das Hotel, in dem sie nächtigte, wie dort der Service war und ob sie eine Empfehlung abgeben würde. Dann unterhielten sie sich über die Stadt, ob sie hier leben würde. Und bei dieser Frage überlegte sie. Darüber hatte sie nicht nachgedacht. Doch warum kam ihr plötzlich Kael in den Sinn. Sie würde doch niemals wegen Ihm hierherziehen wollen, oder?

Sie kannten sich doch kaum. Vielleicht hatte er irgendwo eine Frau versteckt von der noch niemand wusste. Jetzt kam dieser verdammte Herzschmerz wieder. Sie richtete ihre Konzentration wieder auf Ihr Gesprächspartner.

Die Gespräche mit Ihr wurden persönlicher.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich nochmal neu anfange“, sagte Sarah und rührte gedankenverloren in ihrem Kaffee. „Aber irgendwann merkst du, dass Festhalten mehr Energie kostet als Loslassen.“

Livia hörte aufmerksam zu. Sie war gut darin, zuzuhören.

„War es schwer?“, fragte sie.

Sarah zuckte mit den Schultern. „Schwerer, zu bleiben. Weggehen war irgendwann… logisch für mich. Aber auch irgendwie einfach“

Sie projizierte dies auf die Situation zwischen Ihr und Kael. Wenn er die bat, würde sie dann bei ihm bleiben und nochmal neuanfangen? Aber was wenn es nicht zwischen Ihnen klappte.

Ihr Satz blieb dennoch in Livs Gedanken hängen.

 

Sie sprachen weiterhin über Karrieren, die nicht geradlinig verliefen. Über Entscheidungen, die aus Notwendigkeit getroffen worden waren, nicht aus Leidenschaft. Über das Gefühl, sich selbst neu zu erfinden, ohne genau zu wissen, wer man sein wollte.

„Und du?“, fragte Sarah irgendwann. „Du wirkst, als hättest du schon einiges hinter dir.“

Livia lächelte leicht. „Vielleicht.“

Sie ließ es dabei bewenden. Sie wollte nicht so sehr ins Detail gehen.

Am frühen Nachmittag schloss sich eine weitere Kollegin an, Emma, jemand mit einem trockenen Humor und einer Vorliebe für ehrliche Gespräche. Sie redeten über Musik, über Bücher, über Serien, die man nur aus Gewohnheit weitergeschaut hatte.

Livia lachte. Mehr als sie erwartet hatte.

Für Stunden war Kael nicht präsent. Kein Gedanken an ihn und kein inneres Ziehen das seine Abwesenheit bekundete. Es fühlte sich fast normal an.



Am späten Nachmittag schlugen sie vor, noch etwas trinken zu gehen. Nicht sofort nach Hause. Den Tag nicht abrupt enden zu lassen.

Livia zögerte kurz – und sagte dann zu.

Die Bar lag in einem Viertel, das lebendiger war, jünger aber auch nicht zu jung. Genau ihr Alter eben. Und mit knapp 25 konnte sie sich noch draußen sehen lassen.

Gedämpftes Licht, Musik, die vibrierte und laut dröhnte drangen aus der Bar in die sie sich hineinbewegte.. Stimmen, Gelächter, Bewegung. Alles war da und dies war genau das, was sie jetzt auch brauchte.

Sie tranken erst langsam. Gespräche flossen und wurden privater. Jemand erzählte eine absurde Geschichte aus einem früheren Job, jemand anderes von einer peinlichen Verabredung. Livia hörte zu und war ein Teil davon, ließ sich treiben. Und sie liebte alles davon.

Ein Drink wurde zu zweien.

Zwei zu dreien. Immer mehr Floss und immer mehr wirde Ihnen spendiert. Sie wusste nicht wann sie das letzte mal so viel Spaß gehabt hatte.

Die Anspannung in ihr löste sich. Ihre Bewegungen wurden freier. Ihr Lachen kam leichter.

Als die Musik wechselte und jemand vorschlug zu tanzen, stand Livia auf, ohne lange nachzudenken.

Die Tanzfläche war voll und lebendig. Ihr Körper bewegte sich dicht an dicht, an ihrer Kollegin. Dann umfassten Hönde sie von hinten, Livia ließ sich darauf ein. Bewegte sich zur Musik, schloss für einen Moment die Augen.

Sie dachte nicht an Kael.

Oder zumindest versuchte sie es.

Der Alkohol machte es leichter. Die Gedanken wurden unschärfer, weniger scharfkantig. Sie lachte, drehte sich, ließ sich von der Energie tragen. Sie tanzte nun Rücken an Bauch mit ihren Tanzpartner. Die Hände des unbekannten begannen nun etwas weiter runter zu rutschen. Ab da an fand sie das ganze nicht mehr so prickelnd und versuchte die Hände unauffällig wegzuschieben. Aber er ließ nicht so leicht locker. Unbehagen überflutete sie und kurz bevor sie dem Kerl die Meinung sagen konnte änderte sich die gesamte Atmosphäre in der Bar.

Es war ein Gefühl als ob sie beobachtet werden würde und eine greifbare Wut durchdrang jede ihrer Poren. Sie merkte wie sich die Wut auf meinen Tanzpartner richtete. Lov sah sich um und dann entdeckte sie ihn. Am Eingang, gerade hereinstolziert und sich aufbauend wie eine Racheengel stand Kael.



Die Luft verdichtete sich und Liv musste kein Genie sein um zu merken das er mich beobachtete und mächtig sauer auf sie war.

Vielleicht aber auch auf ihren Tanzpartner der die Gefahr in der sie sich befanden nicht mitbekamen, weil seine Hände wieder auf Wanderschaft gehen wollten.

Kael blickte diese fremden Hände starr an und kam stampfte dann auf sie zu.

Liv schluckte nervös.

 

 

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