Kapitel 17

Die Nachtluft traf sie wie ein Schlag. Der Alkohol in ihrem Blut ließ sie nicht klar denken. Ihr war schon ganz schwummrig. Wenn Kael sie sich nicht über seine Schulter geworfen hätte, würde sie den ganzen Weg zu seinem Auto bestimmt torkeln.

Was sie zu ihren nächsten Problem brachte. Wie kam es das sie über seiner Schultern hing und er sie tragen konnte, als wäre sie so leicht wie eine Feder. Liv hatte es inzwischen aufgegeben sich umzusehen, stattdessen hielt sie ihren Blick stur nach unten. Und sie musste sagen es gefiel ihr was sie sah. Mit jedem Schritt spannte sich Kaels Hose um seinen Hintern. Beinahe wäre ihr der Sabber im Mund zusammen gelaufen. Aber halt. Soweit durfte sie nicht denken. Sie war sauer auf ihn. Und wenn sie ehrlich zu sich war, ein wenig hatte sie ihn schon vermisst mit seiner herrischen Art.

Mit wenigen Schritten war er beim Auto und stellte sie wieder auf die Beine. Dabei schwankte sie, Kael stützte sie glücklicherweise.

Er hob eine Augenbraue und sagte:

„Steigst du freiwillig ein?“

Hin und hergerissen wusste sie nicht was sie machen sollte. Zurück wollte sie nicht, sie hätte eine ganze Menge erklären müssen und sich den Fragen der anderen stellen müssen.

Nach kurzen zögern stieg sie ein. Gerade als sie sich anschnallen wollte, griff Kael über sie hinweg und übernahm das anschnallen von selbst.

Dabei stieg ihr sein einzigartiger Geruch in die Nase. Gott, was war nur los mit ihr. So kannte sie sich gar nicht. Seit sie hier war um die Fusion über die Bühne zu bringen und Kael kennengelernt hatte, verhielt sie sich merkwürdig. Als ob die Erfahrung sie nicht schlau gemacht hätte.

Allerdings hatte sie das Gefühl das sie Kael vertrauen konnte. Obwohl sie nicht wusste woher dieses Gefühl kam. Aber es war da. Ein ständiges ziehen, ein ständiger Begleiter.

Kael setzte sich ans Steuer, der Motor sprang an und er bog vom Parplatz und saust mit einer Geschwindigkeit davon, die sie Erschrecken ließ. Die Stadt zog an Ihnen vorbei, die Lichter verschwammen bei der Geschwindigkeit.

„Du trinkst zu viel“, sagte Kael da.

War das ein Vorwurf?

Sorge?

Oder eher etwas Dunkleres?

„Ich hatte einen freien Abend“, erwiderte sie scharf. „Das ist erlaubt.“



Er erwiderte nicht sofort.

„Du hast getanzt“, sagte er schließlich darauf.

Livia lachte kurz. „Ja. Das tut man in Bars.“

„Kanntest du diesen Typen?“

Jetzt sah sie ihn an. Sein Blick war auf die Straße gerichtet, der Kiefer angespannt.

„Das geht dich nichts an.“

Ein Muskel in seinem Gesicht zuckte. „Doch.“

„Nein“, widersprach sie. „Du warst weg. Bist nach unserer Begegnung erstmal verschwunden.“

„Ich habe dir gesagt, dass es Gründe gibt.“

„Und ich habe dir gesagt, dass ich nicht hören will bei wem du warst oder wo.“

Die Stille die daraufhin folgte umwaberte das innere des ganzen Wagens.

„Er hat dich angefasst“, sagte Kael schließlich.

Das traf sie unvorbereitet. „Was?“

„Der Mann neben dir“, fuhr er fort, seine Stimme ruhig, aber gefährlich. „Er war zu nah.“

Livia spürte, wie sich etwas in ihr aufbäumte. Trotz. Wut. Vielleicht auch Unsicherheit. Und auch Genugtuung.

„Du hast kein Recht, eifersüchtig zu sein“, sagte sie hart. „Nicht, wenn du bei einer anderen warst.“ Wo kam nur diese Eifersucht her …

„Es gibt niemanden sonst!“ Brüllte er und machte eine starke Bremsung an einer roten Ampel, sodass sie gegen Ihren Gurt geschleudert wurde.

„Es hätte nie eine andere geben können“, sagte er ruhig. „Seit dem Moment, in dem ich dich zum ersten Mal gesehen habe, bist du der Fixpunkt meiner Gedanken.“

Die Worte trafen sie unerwartet. Für einen Augenblick wusste sie nicht, wie sie reagieren sollte.

Er sprach weiter, seine Stimme nun leiser, bedachter. „Und ich weiß, dass es jemanden in deiner Vergangenheit gibt. Jemanden, der dir nicht gutgetan hat. Jemanden, der dich vorsichtig gemacht hat.“

Sie spürte, wie sich etwas in ihr zusammenzog.

„Ich versuche nicht, dich zu drängen“, fuhr er fort. „Ich respektiere deine Zurückhaltung. Aber Livia – es ist schwer. Schwer, diese Nähe zu spüren und gleichzeitig Abstand zu halten.“

Sie wandte den Blick ab.

Nicht aus Ablehnung, sondern weil die Worte zu genau trafen.

Weil er gesehen hatte, was sie so sorgfältig verborgen hielt.

Und weil sie wusste, dass er recht hatte.

Das Auto hielt schließlich vor einem hohen Gebäude, Glas und Stahl, Licht in den oberen Etagen. Sein Penthouse.



Kael parkte, stieg aus, kam um den Wagen herum und öffnete ihre Tür. Sie nahm seine Hand widerwillig und doch wusste sie das sie sich endich jemanden anvertrauen musste. Ihre Finger schlossen sich um seine, als hätten sie darauf gewartet. Ein Stromstoß durchfuhr sie.

Im Aufzug war es still. Nur Ihrer beider Atem war zu hören. Ihre Spiegelbilder standen nebeneinander, beide angespannt, beide aufgeladen. Und doch merkte sie wie Kael ihr immer wieder verstolene Blicke zuwarf.

„Du hast mich wütend gemacht“, sagte er schließlich.

„Und du bringst mich durcheinander. Ich denke wir sind jetzt quitt.“, entgegnete sie.

Die Türen öffneten sich mit einem leisen Pling.

Das Penthouse lag vor ihnen – weit und dunkel, mit Blick über die Stadt. Kael ließ die Tür hinter ihnen ins Schloss fallen. Der Klang hallte in ihrem inneren nach. Schließlich klatschte er einmal in die Hände und die dunklen Räume wurden mit sanften Licht durchflutet.

Livia blieb stehen, schaute sich um.

Der Wohnbereich öffnete sich großzügig zur Stadt hin. Eine breite Fensterfront zog sich fast über die gesamte Wand. Dahinter lag die Stadt wie ein Meer aus Licht. Nachts wirkte sie unberührt.

Ihr Herz schlug zu schnell. Der Alkohol, die Emotionen, die Nähe – alles vermischte sich.

„Wenn wir das jetzt tun“, sagte er leise, „gibt es kein Zurück mehr.“

Kael trat näher. Sein Blick war dunkel, aber klar. Besotzergreifend.

„Das weißt du hoffentlich.“, sagte er weiter.

Und in diesem Moment wusste Livia, dass sie längst zu weit gegangen waren, um so zu tun, als gäbe es noch sichere Wege.

Aber vorher musste er wissen auf was er sich einließ. Ihre Vergangenheit … warum sie so vorsichtig. Wollte er sie dann überhaupt noch? Vielleicht erkannte er das sie das Problem in ihrer letzten Beziehung war.

Kael führte sie weiter. Abgeschirmt vom offenen Wohnbereich, verborgen hinter einer breiten Schiebetür aus dunklem Holz, die sich lautlos öffnen ließ befand sich sein Schlafbereich.

Das Bett stand zentral gelegen und dominierte das große Zimmer. Die Bettwäsche war schlicht, in tiefen Grau- und Anthrazittönen gehalten, glatt und ordentlich, als würde er hier nichts dem Zufall überlassen.



An beiden Seiten befanden sich niedrige Nachttische. Darauf nur das Nötigste: eine schlichte Lampe mit warmem Licht, ein Buch, eine Uhr. Außerdem ein gerahmtes Foto auf welchen er mit Mira zu sehen war.

Sie lief direkt auf das Bett zu, setzte sich, wabbnete sich.

Sie schaute auf und fing an zu erzählen bevor sie der Mut verließ.

 

 

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