Kapitel 24

Als sich die Tür hinter ihm schloss, wusste Livia es, noch bevor sie sich umdrehte.

Er war wieder da.

Kael. Sie hatte ihn vermisst. Livia hatte eine Nachricht von ihm bekommen das er auf den Weg sei. Zurück zu Ihr.

Sie stand im Wohnzimmer, barfuß, mit einem Becher Tee in der Hand, den sie schon vor Minuten hätte abstellen sollen. Aber die Wärme die der Tee spendete war einfach zu verlockend. Als sie aufsah, blieb sie einen Moment lang einfach nur stehen. Überraschung mischte sich mit Erleichterung, dann mit etwas, das sie nicht ganz benennen konnte. Freude, vielleicht. Oder dieses leise Aufatmen, das kam, wenn jemand zurückkehrte, den man mehr vermisst hatte, als man sich eingestehen wollte.

Sie stand da, wieder eingewickelt in eines seiner Hemden. Liv merkte wie sein Blick über Ihren ging. Sie hätte schwören können das sie eine dunklere Farbe annehmen. Vielleicht war es aber auch nur ein Lichtreflex. Sein Blick huschte über Ihre Gestalt und blieb letztlich an ihren nackten Beinen hängen. Sie hätte sich unwohl fühlen sollen, tat es aber nicht.

„Du bist früh. Ichbhabe dich nicht vor morgen erwartet. Zumindest stand das in einer deiner Nachrichten.“, sagte sie schließlich.

Ihre Stimme klang ruhig, aber dennoch erfreut das er schon wieder da war.

„Ich konnte nicht länger wegbleiben“, antwortete er.

Ihr Herz ging auf bei diesen Worten. Es schlug schnell in ihrer Brust.

Sie lächelte, bevor sie darüber nachdenken konnte, und trat näher. Es fühlte sich einfach selbstverständlich an, diesen Abstand zu überbrücken. Ihr Körper tat es einfach ohne auf die Rückmeldung ihres Gehirns zu warten. Einfach Instintiv.

Später würde sie darüber nachdenken. Warum sie immer so reagierte in seiner Gegenwart.

„Wie war dein Tag?“, fragte er, während sie sich in seine Seine kuschelte. Seine lagen fest um ihren Laib geschlungen und hielten sie einen Moment fest. Dann ließ er sie los und sie setzten sich nebeneinander auf das Sofa, vertrauensvoll, Liv legte ihren Kopf auf seine Schulter und dieser streichelte gedankenverloren ihren Schopf. Diese Art von Nähe war neu für sie. Aber sie mochte es schon jetzt.

„Ruhig“, sagte sie. „Ich war einkaufen.“

Sie spürte seinen Blick auf sich, hob leicht den Kopf.



„Erfolgreich?“, fragte er.

Sie nickte und musste bei dem Gedanken wieder lächeln. „Ich habe ein Kleid gefunden. Für die Feier.“

Für einen kurzen Moment sagte er nichts. Aber sie spürte es trotzdem. Etwas in ihm reagierte. Als hätte sie einen Nerv getroffen, von dem sie nicht einmal wusste, dass er existierte. Sie schaute in seine Augen und sah etwas über sein Gesicht huschen. Stolz Vielleicht oder Anerkennung.

„Ich bin mir sicher, dass es dir steht“, sagte er ruhig.

Sie sah ihn an, zog eine Augenbraue hoch. „Du hast es noch nicht gesehen.“

„Das muss ich nicht. Du siehst immer umwerfend aus.“

Sie schüttelte den Kopf, leise amüsiert. Dann musterte sie ihn genauer. Erst jetzt fiel ihr auf, wie angespannt er wirkte. Wie jemand, der etwas mit sich trug, das nicht länger ignoriert werden konnte. Die Finger seiner eigenen Tag verkrampften sich und lockerten sich im Wechsel. Seine Zähne waren fest aufeinander gepresst. Seine Muskeln gespannt wie eine Bogensehne.

„Und dein Tag?“, fragte sie schließlich. „Du wirkst angespannt.“

Da war er. Dieser Moment.

Sie kannte ihn gut genug, um ihn zu erkennen. Den Punkt, an dem ein Gespräch eine Richtung nahm, aus der man nicht mehr elegant ausweichen konnte.

Kael lehnte sich zurück, verschränkte die Hände locker ineinander. Zumindest versuchte er sich noch entkrampfen und sich zu lockern. Sein Blick glitt einen Moment ins Leere, als würde er nach Worten suchen, als würde er sie finden, für nicht gut befinden, verwerfen und neue Suchen. Als er sie wieder ansah, war da etwas Ernstes in seinem Ausdruck, das sie unwillkürlich aufmerksamer werden ließ.

„Mein Tag war schwierig“, sagte er langsam. „Und es gibt einen Grund dafür, den ich dir nicht länger verschweigen möchte.“

Ihre Haltung veränderte sich kaum, aber innerlich spannte sich etwas an. Etwas in ihr schrie: Achtung.

„Kael“, sagte sie ruhig. „Du musst mir nichts sagen, wenn-“

„Doch“, unterbrach er sie sanft. Aber bestimmt. „Jetzt schon. Ich möchte dir alles sagen.“

Er atmete tief durch, und sie sah, dass es ihn Überwindung kostete.

„Es gibt Dinge in meinem Leben, die nicht gewöhnlich sind.“

Sie hielt seinen Blick, spürte, wie Skepsis in ihr aufstieg, gepaart mit Neugier.



„Ich bin Teil eines Rudels“, fuhr er fort. „Nicht im übertragenen Sinn.“

Das Wort ließ sie innehalten. Rudel?

Mafia? Kirche? Terrororganisation? Sie versuchte, es einzuordnen, während er weitersprach.

„Ich bin ein Werwolf.“

Für einen langen Moment sagte sie nichts.

Nicht, weil sie nicht wusste, was sie antworten sollte. Sondern weil ihr Verstand schlicht keine passende Kategorie fand, um diese Information einzuordnen. Es klang absurd. Märchenhaft. Unmöglich.

Dann fing sie an zu lachen. Ihr fielen Tränen aus den Augenwinkeln. Ihr Bauch verkrampfte sich schon und sie hielt die Hände davor.

Dann ebbte Ihr Lachen ab.

„Das ist lustig. Ich hab mir schon sorgen gemacht, dass du ein Spion bist oder so.“, sagte sie schließlich.

„Ich mache keine Witze.“

Sie schüttelte langsam den Kopf. Langsam wurde es ihr zu bunt. „Kael…“

„Ich weiß“, sagte er ruhig. „Deshalb werde ich es dir zeigen.“

Er stand auf.

Fließend erhob sich sein Körper vom Sofa und sofort vermisste sie seine Wärme. Liv wollte sich ebenfalls erheben.

„Du musst nichts tun“, sagte er. „Nur dort sitzen bleiben und sehen.“

Unsicher blieb sie sitzen. Hoffentlich würde er jetzt nicht auf allen vieren durch die Wohnung laufen und bellen. Vielleicht sollte sie, wenn das passierte einen Arzt aufsuchen.

Neugierig sah sie Kael an, wie er sich langsam auszog. Jedes Kleidungsstück entledigte er sich mit einer Sorgfalt die gar nicht zu der jetzigen Situation passte. Als wollte er Zeit schinden. Als er vollständig entgleidet war konnte sie nur wieder seinen Körper bestaunen. Samtene Haut war über ein Berg von Muskeln gespannt. Liv merkte wie sie langsam feucht wurde, nur durch seinen Anblick. Ihr Blick blieb an einer bestimmten Stelle hängen. Sein Schaft dehnte sich aus aber dann knurrte Kael. Knurrte So richtig, dass sie erschrwckt aufsah.

„Nicht jetzt meine liebste. Halte deine Begierde für einen Moment im Zaum.“ Woher wusste er das? War es ihr so offensichtlich anzusehen?

Kael trat zurück und gab ihr Raum. Sie bemerkte das.

Doch dann veränderte sich alles.

Sie wusste später nicht mehr genau, wie sie die Verwandlung beschreiben sollte. Worte schienen dafür nicht gemacht. Es war nicht nur ein körperlicher Vorgang, den sie beobachtete. Es war, als würde sich die Luft um ihn herum verändern. Als würde der Raum enger werden, während Kael sich ausdehnte.



Sie sah, wie sich sein Körper spannte, wie sich Bewegungen verschoben, wie etwas in ihm die menschliche Hülle durchbrach. Fell, Hitze, eine Präsenz, die ihr den Atem nahm. Ihre Sinne waren überfordert, ihr Herz schlug schneller, aber sie blieb still sitzen.

Und die ganze Zeit hielt er den Blick auf sie gerichtet.

Das sie nicht entsetzt war wäre gelogen. Aber da war auch Staunen. Erkenntnis. Und etwas, das sie selbst überraschte: kein Fluchtimpuls. Einfach nur … Erkenntnis?

Als er schließlich vor ihr stand, eindeutig nicht mehr menschlich, senkte er den Kopf leicht.

Eine Geste der Unterwerfung und des

Vertrauen?

Er war in dieser Gestalt fast so groß wie ein Pferd und durch seine Schwarze Farbe hätte man ihn im schummrigen Licht kaum erkannt, wären da nicht diese gelbstechenden Augen.

Ihre Knie zitterten leicht als er näher kam. Zurückweichen konnte sie nicht. Er legte seinen massigen Kopf auf ihre Knie ab als wollte er sie auffordern das sie ihn berührte.

„Das…“, flüsterte sie. „Das ist unmöglich.“ Unbewusst streckte sie ihre Finger tatsächlich auf und Liv streichelte ihn am Kopf. Ein brummen vibrierte in seiner Brust. Zufriedenheit vermutete Liv.

Momente später war er wieder Kael. Menschlich. Verletzlich und nackt. Er griff nach einer Decke, als wäre ihm bewusst, das sie mit seiner Nacktheit im Moment nicht umgehen konnte..

„Und doch real“, sagte er leise.

Ihr Kopf war voll, ihre Brust eng, ihre Gedanken chaotisch. Nur ein Gedanke war lautet als alles andere.

Sie war dabei sich in einen Wolf zu verlieben.

Wenn sie es nicht schon längst war.

„Deshalb warst du weg“, sagte sie langsam.

„Ja.“

„Bei deinem Rudel?“

„Richtig. Sie sind meine Verantwortung. Ich bin ihr Alpha. Und etwas geht in unserem Gebiet vor, was sich noch nicht erklären lässt.“, erklärte er. „Mein Beta Asher hilft mir. Du hast ihn am ersten Abend kennengelernt. Meine Schwester Mira gehört ebenfalls dazu – auch wenn sich ihr Wolf noch nicht gezeigt hat.“

Sie hörte zu. Blieb erstmal still. Atmete Wie gewohnt. Dachte an die Situation. .

„Ich brauche Zeit“, sagte sie schließlich ehrlich.

„Ich mach dir keinen Druck.“

Sie sah ihn an, sah die Geduld, die er ihr ließ.



„Aber ich gehe nicht“, fügte sie hinzu.

Das war alles.

Später, als die Nacht still geworden war, lagen sie im Bett. Aneinandergeschmiegt, als wäre es das Natürlichste der Welt. Kein Reden mehr. Keine Fragen, die beantwortet werden mussten. Das hatte Zeit bis morgen, bis sie beide ausgeruht waren. Im Moment zählte nur Nähe.

Livia schlief mit dem Kopf an seiner Schulter ein, ihre Hand auf seiner Brust. Sein Herzschlag war ruhig.

Dann schlief sie ein. Mit einer Menge Fragen im Kopf deren Beantwortung bis morgen noch Zeit hatte.

 

 

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