Kapitel 4

Kael antwortete nicht sofort.

Sein Blick ruhte auf Livia. Auf der Art, wie sie den Kopf leicht neigte, während ihr Begleiter sprach. Wie sie höflich lächelte, ohne sich wirklich zu öffnen. Der Wolf registrierte jedes Detail. Zu genau. Zu wach. Wie könnte er sie aber auch nicht anstarren. Er hatte schon fast seinen Beta vergessen als dieser sich leicht räusperte und ihm seine Frage wieder einfiel.

„Ja“, sagte Kael schließlich mit vor zorn bebender Stimme. „Eins.“

Ob Asher, sein Beta, schon etwas vermutete?

Bei seinem Verhalten? Ganz sicher. Das war jetzt aber zweitrangig.

Er stand auf.

Nicht abrupt.

Nicht explosiv.

Kontrolliert. Er musste sich beherrschen.

Die Bewegung allein reichte. Seine Beta lehnte sich zurück, ließ ihn gehen. Die anderen Rudelmitglieder blieben aufmerksam, ihre Blicke folgten ihm, während Kael sich durch das Restaurant bewegte – ruhig, selbstsicher, als hätte er jedes Recht der Welt, genau das zu tun.

Sein Angestellter bemerkte ihn zuerst.

„Herr Ardent“, sagte er überrascht, als Kael am Tisch stehen blieb. „Das ist ja ein Zufall.“

„Ja, nicht wahr“, erwiderte Kael ruhig. Zu ruhig.

Livia sah auf.

Ihre Augen trafen seine – und da war sie wieder, diese kleine Irritation in ihrem Blick. Kein Erschrecken. Aber doch etwas definierbares. Wachsamkeit vielleicht?

Er konnte es nicht genau fassen.

„Guten Abend, Frau Hart“, sagte Kael förmlich.

„Herr Ardent“, antwortete sie ebenso.

Kael wandte sich an den Mann neben ihr. Sein Ton blieb ruhig, beinahe beiläufig.

„Ich brauche Sie noch heute im Büro.“

Jonas blinzelte. „Heute? Es ist schon-“

„-spät“, vollendete Kael. „Deshalb.“

Ein kurzer Blick. Fest. Unmissverständlich.

Ein männliches Tier was sein Revier markierte und seinen Nebenbuhler gerade unmissverständlich klar machte das er seine Frau nicht ausführen dürfe, nicht anfassen oder gar Begehren sollte.

„Die Präsentation für den Vorstand ist noch nicht fertig“, fuhr Kael fort. „Ich erwarte sie morgen um acht. Vollständig.“

Der Mann zögerte. Sah zu Livia, dann wieder zu Kael.

„Natürlich“, sagte er schließlich. Stand auf. „Dann… einen schönen Abend noch.“ stotterte er.

Kael nickte knapp.



Erst als der Mann außer Hörweite war, richtete Kael den Blick wieder auf Livia.

„Ich hoffe, ich störe nicht“, sagte er ruhig.

Sie musterte ihn einen Moment zu lang. „Sie haben uns bereits gestört.“

Ein Muskel in seinem Kiefer spannte sich. Der Wolf mochte ihren Ton. Aufmüpfig, sexy.

Nicht nur der Wolf mochte ihre Widerspenstigkeit.

„Dann lassen Sie mich den Schaden begrenzen“, erwiderte Kael. „Kommen Sie. Setzen Sie sich zu uns.“

Sie blinzelte. „Zu… Ihnen?“

Kael trat einen Schritt zur Seite und deutete auf seinen Tisch.

„Immerhin wurden sie von Ihrem Date verlassen. Ich würde nur ungern sehen wollen wie sie hier alleine sitzen und Ihr Mal beenden.“

Dies war eine Forderung verpackt in eine nett formulierte Geste die Gewicht hatte.

Sie hob nur eine sanft geschwungene Augenbraue und wie gerne wäre er mit seinen Fingerspitzen diese gefolgt einfach um sie berühren zu können.

„Nur, wenn Sie möchten“, fügte er noch hinzu.

Er merkte das er es mit seiner Dreistigkeit vielleicht etwas zu weit trieb. Er wollte sie immerhin zu sich locken, in seiner Reichweite haben, immer greifbar. Also durfte er sie nicht verschrecken.

Sie zögerte dennoch.

Kael sah es. Das kurze Abwägen. Die alte Vorsicht. Etwas Zurückgehaltenes in ihr, das nicht zu diesem Abend gehörte – sondern zu früher.

Er spürte instinktiv das sie etwas belastete. Etwas was sie so vorsichtig werden ließ.

Schließlich stand sie auf.

„Für einen Moment“, sagte sie.

Der Wolf entspannte sich minimal.

Erst bis dahin merkte er wie angespannt er gewesen war.

Kael führte sie sanft vor sich her. Einen Hand sanft auf ihren Rücken gelegt, damit sie sich seiner bewusst werden konnte. Als sie den Tisch erreichten, erhoben sich seine Rudelmitglieder leicht. Nicht auffällig. Aber respektvoll.

„Das ist Mira“, sagte Kael ruhig und deutete auf die Frau gegenüber. „Und Daniel und Asher.“

„Mira ist meine Schwester.“ Begann er weiter zu erzählen.

Das schien überrascht zu sein und doch irgendwie … erleichtert?. Als er sie an den Tisch führte und Mira bemerkte wurde sie noch angespannter. Das lies erst nach als er sie als seine Schwester vorstellte. Ob sie dachte das sie seine Freundin, Geliebte oder gar Frau sei? Dieser Gedanke machte ihn ganz glücklich, denn das hieß das auch er sie nicht ganz kalt ließ und die gegenseitige Gefährtenbindung auch sie zu spüren vermochte.



„Freut mich“, sagte Livia höflich.

Mira lächelte offen. Warm. Auch sie merkte was in Ihm vor sich ging. „Ganz meinerseits.“

Und sie hatte Liv anscheinend bereits akzeptiert.

Livia setzte sich. Kael nahm ihr gegenüber Platz. Die Distanz war gering. Er wäre gerne näher an sie herangerückt. Wäre dabei wohl aber in Ihren privaten Raum eingedrungen. Und soweit war sie leider noch nicht. Er achtete bewusst aif ein wenig Abstand. Jedoch nicht zu sehr damit das jeder andere unverparte Wolf am Tisch merkte das die Frau neben ihm die Seine war. Der Wolf in ihm knurrte leise und zustimmend.

Die Bedienung kam. Kael bestellte für den Tisch, ohne nachzufragen – herrisch. Er wusste, was er wollte, was sie wollte, was sie aß

Sie bemerkte es. Ihre Augen trafen kurz seine.

„Zufall?“, fragte sie leise.

„Nein“, antwortete er ruhig.

„Instinkt.“ Fuhr er weiter fort.

Sie hielt seinem Blick stand. Ein kurzer, stiller Moment, in dem etwas unausgesprochen blieb – und doch klar war.

Für Kael jedenfalls.

Ob sie nun mit ihm arbeiten würde.

Ob sie bleiben oder gehen würde.

Ob sie sich wehrte oder nicht.

Das alles war zweitrangig.

Der Wolf hatte entschieden.

Und Kael akzeptierte es ohne Zögern.

Sie war seine Gefährtin.

Nicht irgendwann.

Nicht vielleicht.

Jetzt.

 

 

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