Kapitel 6
Das Essen wurde serviert. Livia betrachtete ihren Teller kurz.
Das sah lecker aus.
Sie hob ihre Gabel und nahm einen Bissen. Er schmeckte gut. Wirklich gut. Ein Teil ihrer Anspannung löste sich wider Willen.
Sie stöhnte nachdem der Geschmack ihres Essens sich in ihrem Mund entfaltete.
Aus den Augenwinkeln sah sie wie Kaels Hand sich um sein Besteck verkrampfte. Wie in Zeitlupe drehte sich Kael zu Ihr. Liv wendete ihren Blick ihm zu und starrte ihn jetzt ebenfalls an. Kam es ihr nur so vor oder wandelte sich seine Augenfarbe von einem dunklen Ozeanblau zu schwarz?
Dieser Blick löste etwas in Ihr aus. Sie konnte es nicht benennen, doch ihre Wirbelsäule lief ein Schauder entlang.
Ein wohliges, warmes Gefühl das alle ihre Nervenenden zum kribbeln bringt.
Kael sah aber auch gut. Ihm mangelnde es bestimmt nie an weiblicher Gesellschaft. Aus irgendeinem Grund machte sie das traurig.
Sein markantes Gesicht mit seinen aristokratischen Nase und dann dieser durchdringende Blick, den jedes Höschen feucht machen würde. Genauso wie ihren im Moment.
Livia kam es so vor als atmete er tief ein und sein Blick schien sich noch weiter zu verdunkeln.
Gott, dieser Blick.
Livia, reiß dich zusammen. Deswegen bist du nicht hier.
Mit Müh und Not riss sie Ihren Blick von ihm los. Versuchte sich auf etwas anderes zu kontrollieren. Es war schwer aber schließlich schaute sie weg und Liv ergriff das Wort in die Runde.
„Wenn wir schon hier sitzen“, sagte sie nach einem Moment, wieder professionell, „dann nutze ich die Gelegenheit. Die Integration der IT-Systeme wird kritisch. Besonders in den ersten drei Monaten.“
Asher hob den Blick. Jetzt voll da. „Das sehe ich auch so.“
„NovaTech arbeitet mit einem anderen Sicherheitsprotokoll“, fuhr Livia fort. „Wenn wir das nicht sauber zusammenführen, riskieren wir massive Reibungsverluste.“
„Oder Lecks“, ergänzte Asher.
Sie nickte. „Genau das.“
Daniel lehnte sich leicht vor. „Finanziell wird die Übergangsphase ohnehin sensibel. Doppelstrukturen kosten.“
„Deshalb plädiere ich für klare Verantwortlichkeiten“, sagte Livia. „Nicht parallel, sondern verzahnt.“
Mira beobachtete sie einen Moment. „Sie denken nicht in Abteilungen.“
„Ich denke in Abläufen“, antwortete Livia. „Alles andere bremst.“
Ein kurzer, stiller Moment ging durch die Runde.
Anerkennung merkte Livia.
Livia spürte es – dieses subtile Kippen der Wahrnehmung. Sie war nicht nur die Frau von der Gegenseite. Sie war jemand, den man ernst nahm.
Kael sagte wenig. Aber sie merkte, wie sein Blick immer wieder kurz bei ihr blieb … Wachsamkeit könnte sie sagen. Als würde er registrieren, wie sie sich bewegte, sprach, reagierte.
Das machte sie nervöser, als sie wollte.
Und doch… fühlte es sich nicht bedrohlich an.
Nicht so wie damals.
Eher wie eine Konstante.
Als das Gespräch wieder lockerer wurde, lehnte Livia sich minimal zurück. Sie war immer noch vorsichtig – das war sie immer -, aber sie hatte nicht das Bedürfnis zu gehen. Nicht sofort.
Das überraschte sie.
Sie sah Kael an, nur kurz. Er erwiderte den Blick ohne Zögern.
Kein Lächeln.
Kein Druck.
Aber immer noch intensiv.
Nur diese ruhige Gewissheit, die sie nicht erklären konnte.
Und für einen flüchtigen Moment fragte sie sich, warum ausgerechnet diese Runde von Menschen sich sicherer anfühlte als viele, die sie in den letzten Jahren gekannt hatte.
Der Gedanke gefiel ihr nicht.
Also schob sie ihn beiseite.
Außerdem gefiel ihr nicht dieses Verlangen nach einen Mann den sie kaum kannte. Hatte sie denn nicht aus der Vergangenheit gelernt?
Sie musste ihre Schutzmaßnahmen wieder aufbauen.
Zu Ihrer Sicherheit.































Kommentare