Kapitel 7
Kael verbrachte das gesamte Essen damit, sie nicht zu berühren.
Und das fiel ihm verdammt schwer.
Aus der Disziplin heraus schaffte er es allerdings sich zurückzuhalten.
Auch wenn er viel lieber jede Möglichkeit genutzt hätte um sie zu berühren.
Als sie ihn mit ihren Rehbraunen Augen angesehen hatte, als sich Ihre Erregung im Raum verteilte …
Verdammt!
Das ganze Essen war eine Qual gewesen. Am liebsten hätte er alle anwesenden aus dem Restaurant befördert und seinen Anspruch auf seine Gefährtin geltend gemacht.
Aber das ging nicht. Noch nicht. Sie hatte immer noch eine Gewisse Scheu vor ihm und wusste nichts über Ihn und seine Welt.
Jetzt saß ihm Livia gegenüber, nur durch den Tisch getrennt, nah genug, dass ihr Duft ihn jedes Mal erreichte, wenn sie sich bewegte. Am liebsten würde er noch näher an sie heranrücken. Sie war so warm. Menschlich. Mit diesem kaum wahrnehmbaren Unterton, der den Wolf wach hielt, als wäre er unter Strom. Ihr eigener Geruch legte sich um Ihn, verführte ihn. Versetzte ihn in nie gekannte Erregung. Sein Rudel merkte es. Wie konnten sie auch nicht. Sie waren Lykae und diese waren für ihren ausgeprägten Geruchssinn bekannt.
Er zwang sich, den Blick nicht zu lange auf ihr ruhen zu lassen – was ihn gründlich misslang. Zu oft. Zu genau sah er sie an. Er sah, wie sie den Kopf leicht neigte, wenn Mira sprach. Wie sie Daniel direkt ansah, wenn es um Zahlen ging. Wie sie Noahs knappe Antworten nicht überging, sondern ernst nahm.
Sie war so Aufmerksam und Souverän.
… und ganz sein.
Auch wenn sie es noch nicht wusste.
Der Wolf in ihm wollte Nähe.
Der Mann aber hielt ihn noch zurück.
Sie aß ruhig, ohne Eile. Ihre Hände waren sicher, ihre Bewegungen kontrolliert. Kein nervöses Spielen mit dem Besteck, kein zielloses Schieben auf dem Teller.
Zu kontrolliert, stellte Kael nach einiger Überlegung fest.
Er bemerkte es nicht an ihren Worten.
Er bemerkte es an dem, was sie vermied.
Wie ihre Schultern sich minimal spannten, wenn jemand hinter ihr vorbeiging.
Wie sie den Raum stets im Blick behielt.
Wie ihre Tasche so stand, dass sie sie jederzeit greifen konnte.
Der Wolf erkannte es sofort und Kael musste ein lautes Knurren unterdrücken was sie definitiv mehr Erschrecken würde als alles andere.
Jemand hat sie gezwungen, wachsam zu sein, knurrte sein Biest innerlich.
Nicht mehr, antwortete Kael Ihm.
Jetzt war er für sie da. Er war Ihr Gefährte. Es war sein Recht sie von nun an von allen Gefahren zu Beschützen.
Erst nach einiger Zeit, nachdem er sich davon überzeugt hatte das sie bei ihm sicher war und bald Ihm gehörte beobachtete er sie weiterhin mit Interaktionen seines, unseren, Rudels.
Und sie war bereits Teil davon. Auch wenn sie davon noch nichts wusste. Aber seine Führungsebene hatte sie bereits akzeptiert. Liv war seine Luna.
Sie sprach über die Übernahme. Klar und Präzise. Mit einem Blick für Abläufe und Menschen. Sie dachte in Systemen, ohne das Zwischenmenschliche zu verlieren.
Gefährtin, sagte der Wolf nochmal leise. Mehr als beeindruckt von Ihrer Kompetenz.
Als die Gespräche langsamer wurden, als Teller leer und Stimmen leiser wurden, spürte Kael den nächsten Wechsel. Sein Rudel auch. Er hob den Blick nicht sofort. Er musste es nicht.
Mira sah auf die Uhr. Daniel griff nach seinem Handy. Noah stand auf, als wäre es abgesprochen.
Kael sagte nichts, bis sie bereit waren.
„Fahrt vorsichtig“, sagte er ruhig.
Mehr brauchte es nicht.
Sie gingen.
Und mit ihnen verschwand die letzte Barriere.
Der Tisch war derselbe.
Der Raum auch.
Aber jetzt war da nur noch sie.
Kael merkte sofort das sich bei Liv ein Fluchtinstinkt aufbauen wollte.
Livia richtete sich minimal auf, als hätte sie einen inneren Alarm gehört. Ihre Hände glitten vom Tischrand zurück in den Schoß, ihre Schultern spannten wieder an. Ihr Blick wanderte kurz zur Tür, dann wieder zu ihm.
Panisch.
Seine Frau würde noch verstehen müssen das sie bei ihm sicher war.
Der Wolf in Ihm reagierte sofort. Er wurde Wachsam und beobachtete. Versuchte abzuwägen wie er auf Mögliche Situationen reagieren muss.
„Ich sollte gehen“, sagte sie da auch schon, als hätte sie den Satz vorbereitet.
Zu glatt.
Zu geübt.
Kael rührte sich nicht.
„Noch nicht“, Seine Stimme ein glattes flüstern.
Es war kein Befehl.
Aber auch keine Bitte.
Ihre Augen trafen seine. Ein flüchtiges Aufflackern von Unsicherheit darin, doch sie hatte sich schnell wieder unter Kontrolle. „Es war ein langer Tag“, fügte sie rasch hinzu. Fast wie eine Rechtfertigung.
„Das war er“, stimmte Kael zu. Er lehnte sich minimal vor, gerade genug, um präsent zu sein, damit sie ihn besser wahrnehmen konnte.„Deshalb.“
Sie zog die Stirn leicht zusammen. „Deshalb… was?“
Er ließ einen Moment vergehen um seine Antwort abzuwägen.
„Deshalb sollten Sie nicht hastig gehen“, sagte er schließlich. „Nicht jetzt.“
Ihr Atem ging flacher.
Kael sah es. Er sah auch, wie sie ihre Tasche ein Stück näher zog. Eine Bewegung, die ihm alles sagte.
Du willst Abstand, nicht mich, stellte der Wolf fest.
Dann bekommst du ihn – mit mir dabei, entschied Kael.
„Ich begleite Sie“, sagte er ruhig.
Sie blinzelte. „Das ist nicht nötig.“
„Doch ist es.“
Er stand auf. Langsam. Ohne Druck. Als wäre es das Natürlichste der Welt.
„Abends ist es hier gefährlichund ich lasse keine Frau alleine nachts nach Hause gehen.“
Sie zögerte.
Kael wartete.
Schließlich nickte sie knapp. „In Ordnung.“






































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