Kapitel 16 – Prostitution
Kapitel 16 – Prostitution
Cyrus
Völlig entkräftet saß ich an den Baum gelehnt. Nackt, mit heruntergelassener Hose. Und genau so fühlte ich mich gerade auch. Die Intimität war unglaublich gewesen. Der Höhepunkt so intensiv wie schon lange nicht mehr und ich war völlig berauscht und glücklich gewesen. Bis sie der Blutrausch gepackt hatte.
Mein Blick fiel auf das Raubtier, das selig in meinen Armen schlief. Nachdem es sich meinen Samen und mein Blut geholt hatte. Diese Frau könnte mich mit Leichtigkeit töten. Meine Augen wurden schwer, aber ich ergab mich dieser Müdigkeit nicht. Obwohl Ruhe aktuell alles war, was ich brauchte. Aber auch Nayara hatte sie nötig. Sie wurde schwer, daher schob ich meine Verbundene etwas zurecht. Dabei entfuhr ihrer Kehle ein Rülpser, der sicher noch bis zu unserer neuen, geheimen Behausung zu hören war.
Mein kleines, gesättigtes Raubtier … Hätte sie noch mehr getrunken, wäre ich vermutlich gestorben. Ihr Gift floss durch meinen Körper. Immer noch. Bei dieser Dosis würde es einige Tage dauern, bis meine Männlichkeit nicht mehr steinhart wäre. Die Aussicht, nun mehrere Tage mit diesem Monstrum in meiner Hose herumzulaufen, entlockte mir ein schweres Seufzen.
Eine frische Brise erfasste uns und brachte den erfrischenden Geruch von Wald, den eher stechenden Geruch von Tier und ein klein wenig Verwesung mit sich, wie es in einem Wald nicht anders zu erwarten war. Nays Mundwinkel zuckten missbilligend, woraufhin ihre Nasenflügel sich aufblähten, die Nasenspitze zuckte und sich ihr Kopf im Schlaf zielsicher zu mir drehte. Ihre Arme patzig tastend um meinen Oberkörper legend, zog sie sich wieder näher an mich heran, sodass sie ihr Gesicht in meinen Bauch drücken konnte – wobei sie sich mit der Schulter aber höchst ungelegen auf meinen Lenden niederließ.
„Du bist wie eine Katze. Raub- und Kuscheltier zugleich.“ Ich streichelte über ihren Körper, zeichnete mit den Fingern ihre Narben nach und umrundete die Wölbung ihres Bauches. „Und bald gibt es zwei von deiner Sorte.“ Das Kind, egal ob Junge oder Mädchen, würde stark nach ihr kommen. Dessen war ich mir gewiss.
Die Stunden vergingen und mein Schwanz ragte immer noch steil empor. Doch mit der Zeit fühlte ich mich besser, kräftiger. Irgendwann war der Zeitpunkt gekommen, an dem wir uns auf den Rückweg machen sollten. Sanft rüttelte ich an Nay, um sie zu wecken. „Nay. Es wird bald dunkel.“ Es dauerte eine Weile, bis sie sich regte, wobei sie auch dann noch nichts anderes tat, als ihr Gesicht in meinen Bauch zu drücken und meinen Geruch tief in sich aufzunehmen. Vorsichtig strich ich ihr über den nackten Rücken. „Willst du dich anziehen?“
Schwach schüttelte sie den Kopf. Mit stark gerunzelter Stirn blickte sie schließlich zu mir empor. „Mein Kopf dröhnt.“ Ihre Zunge glitt träge über ihre trockenen Lippen. „Was ist passiert? Wann bin ich eingeschlafen?“ Die Furchen ihrer Stirn vertieften sich.
Ich strich ihr seufzend über das Haar. Natürlich. Es war ihr erster Blutrausch gewesen. „Wir haben miteinander geschlafen und dann hast du etwas zu viel von mir getrunken“, erklärte ich möglichst neutral. „Die Müdigkeit geht bald vorbei.“
„Etwas zu …“ Ihr Blick drehte seine Runden und kam schließlich, die Augen weit aufgerissen, an meinem stehenden Problem zum Stehen. Ich konnte praktisch beobachten, wie die Rädchen in ihrem Kopf ratterten. Zum Schluss entkam ihr ein hysterisches Quietschen. „Etwas?!“ Sie raffte sich auf, brachte Abstand zwischen uns, dann erst schaffte sie es, ihren Blick von meinem Glied zu reißen und mir in die Augen zu sehen. „Cyrus, wie lange habe ich geschlafen?“
„Vielleicht sechs Stunden.“ Wahrscheinlich sogar etwas mehr. Ich wusste nicht, ob ich auch die ganze Zeit wach gewesen war. Mühsam stand ich auf, klopfte den Dreck von meinem Körper und zog die Hose hoch. „Du musst dringend lernen, weniger Gift abzusondern.“ Obwohl es unangenehm war, ging ich die paar Schritte zu meinem Hemd und hob es auf. „Das hätte vermutlich gereicht, um gleich fünf Grigoroi zu erschaffen. Und schon einen zu verwandeln, ist enorm anstrengend.“
Erneut ein hysterisches Lachen, gleichzeitig schlug sie sich aber ungläubig die Hände vor den Mund. Sie konnte sich nicht erinnern, das dauerte beim ersten Mal ein paar Minuten. Im Blutrausch wurden wir rein von Instinkten geleitet. Was sie getan hatte – dass sie noch während des Trinkens aktiv dazu beigetragen hatte, dass ich sie mit Gewalt zum Stoppen zwang –, das war äußerst ungewöhnlich und gleichzeitig ein Zeugnis ihrer emotionalen Stärke.
Es geschah. Sie war erstarrt, sah die Bilder vor sich und bekam Tränen in den Augen, ehe sich ihr Blick auf mich wieder schärfte. Die Hände vor ihrem Mund verkrampften sich. „Oh, Götter …“, hauchte sie, eine Träne fiel. Hastig schüttelte sie den Kopf, wobei sie einen Schritt nach hinten stolperte und noch mehr Abstand zwischen uns brachte. Ich hörte sie schlucken, hörte sie wimmern.
„Es ist alles in Ordnung, Nayara“, versicherte ich ihr und ging auf sie zu. Wieder wollte sie zurückweichen, aber ich war schneller und überbrückte den Abstand innerhalb eines Augenblicks. Sofort schlang ich meine Arme um sie und zog sie an mich. „Es ist nichts passiert, Nay. Hättest du nicht meine Hände an deinen Hals gelegt, hätte ich dich auf andere Weise gestoppt. Ich hatte das noch unter Kontrolle.“ Eine glatte Lüge. Tatsächlich war ich ebenso im Rausch gewesen wie sie. Reinste Glückseligkeit hatte mich erfasst und ich wäre mit einem Lächeln auf meinem Gesicht gestorben. Und einer monströsen Latte.
Bekräftigend nickte sie gegen meine Brust. So wie ich sie kannte, wusste sie genau um meine Lüge, wollte es im Moment aber nicht wahrhaben. Nach einer Weile, in der ich sie einfach nur hielt und die Schluchzer langsam weniger wurden, krächzte sie: „Aber wieso? Wieso hatte ich plötzlich so einen Durst?“ Mit geschwollenen Augen blickte sie zu mir auf. „Ich hätte dich umgebracht!“ Ihre Miene wurde verzweifelt. „Ich hätte keinen Tropfen übrig gelassen!“ Ihre Hände flogen zu den Seiten ihres sich schüttelnden Kopfes.
„Shh“, machte ich, legte meine Hände auf ihre und zwang sie dazu, sich zu beruhigen. „Es überkommt uns alle mal. Vielleicht war es die Erleichterung durch deinen Höhepunkt. Vielleicht die Tatsache, dass wir nach Tagen endlich wieder Zeit für uns hatten. Vielleicht war es einfach der Durst, den du nicht mehr kontrollieren konntest. Vielleicht wurde der Rausch aber auch bedingt durch die Schwangerschaft ausgelöst.“ Ich zwang sie dazu, mir in die Augen zu schauen. „Aber egal was es war, da war immer noch ein Funke deines Verstandes, der aufhören wollte. Und dieser Funke war stark genug, mir zu zeigen, dass du aufhören wolltest, auch wenn du es in dem Moment nicht konntest. Deine Liebe zu mir ist stärker als jeder noch so primitive Instinkt.“ Ich drückte ihr einen Kuss auf ihre Stirn.
Sie schniefte und schluckte hörbar. „Schöne Worte für einen Beinahe-Toten“, brummte sie sarkastisch, den Blick in meine Augen furchtlos erwidernd. Der Sarkasmus war ihre Art, den Schmerz, mit dem sie gerade noch nicht umgehen konnte, auf Abstand zu halten. Dann senkte sie den Blick auf meine Brust und murmelte ein ernstgemeintes, leises ‚Danke’. Ihr Blick sank weiter, ehe sie ihn mit rot angelaufenem Kopf wieder hob, den Kontakt zu meinen Augen jedoch verschmähte. „Äh …“ Sie blinzelte einige Male. „Willst du … nochmal? Oder …, also … ich meine …“
„Ich bin die nächsten Tage wohl allzeit bereit, Liebes. Ich glaube, ich könnte es stundenlang mit dir treiben und er steht danach immer noch.“ Bei der Farbe ihres Gesichts fiel es mir schwer, mein ernstes Gesicht beizubehalten.
Das Rot darin nahm zu. Seit wann war sie denn so leicht in Verlegenheit zu bringen? „Also … das …“ Sie stotterte und war dabei einfach nur unglaublich süß. „Das … kannst du auch sonst immer!“ Ich musste mein Lachen zurückhalten. So hatte sie den Satz ursprünglich ganz sicher nicht beenden wollen. „Also … gehen wir jetzt zurück? Äh …“ Sie blickte auf, ihre Augen wurden groß. „Hast du von mir getrunken? Während ich bewusstlos war?“
„Nein, wenn du schon wieder feucht bist, liegt das ganz allein an dir und deinen Gedanken.“ Ich gab ihr wieder einen Kuss auf die Stirn und machte dann einen Schritt zurück. „Komm, gehen wir zu den anderen. Ich habe frisches Brot und ein paar andere Dinge vom Bauernhof mitgebracht.“ Ich deutete auf das Pferd, das ich in der Nähe an einem Ast festgebunden hatte.
„Das … habe ich nicht gemeint!“ Jetzt wirkte sie wütend. „Ich hätte dich fast leer getrunken und du nimmst dir nichts?!“
„Liebste, wenn ich jetzt von dir trinke, fallen wir wieder übereinander her.“ Ich deutete auf ihr Oberteil, das auf dem Waldboden lag. „Komm, zieh dich an. Dann kehren wir zurück.“
Sie blieb noch einen Moment stirnrunzelnd stehen. „Gut“, lenkte sie schließlich ein, griff nach dem Oberteil und zog es sich über die wild verwuschelten Haare. „Aber wenn wir zurück sind, nimmst du dir, was du brauchst. Und wenn wir dann übereinander herfallen, ist es eben so. Wenn wir zu laut sind, verlieren die Männer vielleicht ihre Hemmungen und gönnen sich auch wieder einmal fünf Minuten der körperlichen Freude. Etwas Entspannung würde uns allen guttun.“
Später am Abend saßen wir allesamt gesättigt vor dem Kamin, während ich von dem kurzen Gespräch mit Boris berichtete. Doch ich war skeptisch betreffend der Geschichten, die mir der Junge aufgetischt hatte.
„Dilos, ist es wahr, dass es unweit der Wache einen Ort gibt, an dem gewisse Leistungen in Anspruch genommen werden?“
Der noch relativ junge Soldat warf einen kurzen Blick auf Nayara, die neben mir saß, dann überzog eine leichte Röte seine Wangen. „Nun … ja, schon.“
„Es gibt Gerüchte“, begann ich meine Ausführungen und streute dabei eigene Vermutungen ein, „demnach soll es dort mitunter ziemlich turbulent zugehen. Es soll … sogar Männer geben, die bereit sind, ein paar Münzen springen zu lassen, um ein paar Extrawünsche erfüllt zu bekommen.“
„Es ist …“ Dem Soldaten war es sichtlich unangenehm, darüber zu sprechen. Allem voran vor Nayara, was wohl daran lag, dass es in der Wache keine Frauen gab. „Es ist eine Art … Vergnügungsort. Vampire bieten ihre Körper an, ja, aber nicht immer gegen Entgelt. Und es ist stets auf freiwilliger und vertraulicher Basis, was in diesen vier Wänden dort geschieht. Also ist es strenggenommen nicht gegen die Gesetze, auch wenn das eine oder andere Mal ein paar Münzen den Besitzer wechseln.“
„Also ein Vampirbordell, ohne den Namen eines solchen, damit der Spaß nicht gesetzwidrig wird“, stellte Nay trocken fest.
Dilos räusperte sich peinlich berührt, und starrte auf den Boden. Sein Gesicht war richtig fleckig geworden und selbst seine Ohren glühten rot.
Ein Schmunzeln unterdrückend, wandte ich mich an die drei Männer der Stadtwache: Joe, Almond und Esteran. „In dem Lusthaus sind viele Männer der Stadtwache. Aber auch andere Vampire verkehren dort. Es könnte ein perfekter Ort sein, um rasch an Informationen zu kommen.“
Graf Targes schnaubte leise. „Die Männer der Palastwache würden niemals solch ein Etablissement betreten. Bei der Stadtwache geht es schon mal etwas rauer zu. Ich weiß, was Euch vorschwebt, aber beide Wachen würden nie mit Außenstehenden über Interna reden.“
Ich nickte dem Minister zu. „Uns reichen schon Gerüchte. Vor allem die über uns, das Königspaar.“
Die Augenbrauen ins Gesicht gezogen, drehte sich Nayara zu mir herum. „Schlägst du gerade vor, unsere Männer sollen sich prostituieren?“ Das Entsetzen stand ihr ins Gesicht geschrieben.
„Prostitution ist es, wenn man Geld dafür bekommt“, meinte ich und hob die Schultern. Dann sah ich wieder zu den Männern der Palastwache. „Das funktioniert natürlich nur, wenn einer von euch dazu bereit ist. Und nichts gegen gleichgeschlechtliches Vergnügen hat.“






























































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