Kapitel 41 – Willig
Kapitel 41 – Willig
Cyrus
Es war spät geworden. Eng aneinandergeschmiegt lagen wir im Zelt. Nayaras Kopf ruhte auf meiner Schulter. Ihr Bauch war unglaublich groß geworden. Meine Hand hatte ich auf ihn gelegt, lächelnd, glücklich. Und doch war viel passiert, über das wir reden mussten.
„Nay …“ Ich holte tief Luft. Es fiel mir schwer, über Aurillia zu reden, aber sie musste es erfahren. Auch wenn ich wusste, dass sie sich selbst die Schuld dafür geben würde. „Wir müssen leider über ein paar ernste Dinge reden.“
Sie blieb still. Sowieso war sie seit ihrer Rückkehr, seit wir uns wiedergefunden hatten, ungewöhnlich schweigsam. Ich spürte eine schwache Bewegung an meiner Schulter – wohl ein Nicken.
„Aurillia …“ Ich schluckte schwer. „Sie wurde … Sie ist jetzt eine Grigoroi.“
Nay stockte der Atem. „Was?“ Sichtlich bestürzt stemmte sie sich mit den Händen in eine sitzende Position. „A…aber sie ist … doch gerade erst fünfzehn … Jahre alt! Wieso …? Nein, sie hat sich bisher doch immer gegen den Gedanken daran gesperrt! Hast du …?!“
„Nein, sie war schon eine Grigoroi als ich sie gefunden habe. Der Schüler des Hohepriesters war es. Aber die Verbindung besteht nicht mehr.“ Beruhigend streichelte ich über ihren Arm. „Timm und Irina kümmern sich um sie.“
„Schüler des Hohepriesters …“, hauchte sie mit Tränen in den Augen. Ein leises Schluchzen brachte das Innere des Zeltes zum Erbeben. Ich wusste was sie in diesem Moment dachte. Ihre Augen sprachen von einem tiefen Stich der Schuld. „Nein“, sagte ich bestimmt, doch sie schüttelte den Kopf.
„Doch. Sie war meinetwegen da.“ Schluchzend zog sie die Nase hoch. „Sie wird meinetwegen niemals erwachsen werden. Oder Kinder bekommen. Ich habe ihr das Leben genommen!“ Weinend brach sie zusammen und versteckte ihr Gesicht an meiner Schulter. „Das hat sie nicht verdient!“
Nay wurde von ihren Emotionen überwältigt. Gedämpft drangen ihre Schreie durchs Zelt, ihre Schluchzer hallten in der Luft wider. Ich hielt sie fest und streichelte ihr unaufhörlich über den Rücken. Die Schuldgefühle würde ich ihr nicht nehmen können, das wusste ich. „Unser Kind wird auch ihr Kind sein, wenn du das willst. Ist sie dir nicht wie eine Schwester? Sie könnte unseres Kindes Tante sein. Sie wird erleben, wenn es erwachsen wird und in die Reife kommt. Sie wird immer an deiner Seite sein. Und den Wunsch, Mutter zu werden, mit der Zeit verlieren. Sie wird sich damit abfinden.“
Sie sah auf. Bitterkeit hatte sich auf ihren feinen Zügen ausgebreitet und unterstrich die roten Augen. „Lüg mich nicht an, Cyrus. Ich habe die letzten Monate genügend grausame Wahrheiten gehört!“ Sie kniff die Augen zusammen und schüttelte den Kopf. Leise sagte sie: „Du musst nicht lügen. Oder versuchen, mich aufzumuntern. Ich habe einen Fehler begangen. Er hat Aurillia das Leben gekostet, das sie führen wollte, er hat unserem Kind beinahe seine Zukunft geraubt.“ Sie brach ab. Ein Und lag ihr auf der Zunge, doch sie sprach es nicht aus. Ihr Fehler. Ihre Entscheidung, dem Hohepriester zu vertrauen, hatte Konsequenzen nach sich gezogen. Aber nicht nur für Aurillia oder unser Kind. Ich hatte sehr wohl gespürt, wie sie unter meinen Berührungen zusammengezuckt war. Wie sie sich bei meinem leisen Stöhnen verkrampft hatte. Wie sie, als sie meine Erregung unter sich gespürt hatte, in Panik geraten war.
„Du hast viel zu viel Leid erfahren müssen, Nay, und das tut mir aufrichtig leid. Ich wünschte, ich könnte dir dieses Leid nehmen. Dich die Dinge vergessen lassen.“ Obwohl ich sie fest an mich drücken wollte, schaffte ich es nicht. Zu groß war die Angst, sie würde sich deswegen von mir entfernen. Wenn ich zu viel wollte, könnte sie es mir vorenthalten und ich könnte ihr nicht einmal dafür zürnen. Sie brauchte Zeit. Wenn die Zeit diese Art von Wunden denn jemals heilen konnte. Ganz leicht drückte ich sie. Ganz kurz nur. Meine Hände hörten auf, sie zu streicheln. „Ich werde ihn umbringen. Ich werde den Hohepriester eigenhändig töten. Und jeden, mit dem er zusammengearbeitet hat.“ Möglichst langsam und qualvoll.
„Zu spät. Er hat ein paar Minuten lang lebende Fackel gespielt“, verkündete sie trocken.
„Ein paar Minuten …“ Ich hätte ihn tagelang leiden lassen. Aber es war gut zu wissen, dass er tot war. „Und sein Schüler? Ich bin zwiegespalten. Ein Teil von mir will, dass er stirbt. Der größte Teil, um ehrlich zu sein. Aber wer führt dann die ganzen Zeremonien?“
Nayara presste ihre Lippen aufeinander. „Wie waren die Umstände?“
„Ich wollte Aurillia nicht belasten, indem ich sie mit Fragen löchere. Ich weiß nur, dass sie es nicht wollte. Und der … nun, der neue Hohepriester hielt sie in seinem Haus gefangen.“ Das er sie zudem noch halb hatte verdunsten lassen, verschwieg ich bewusst. „Wenn wir wieder im Schloss sind …“
„Wird er leiden.“
„Nay … Der Fürst hat uns in den Süden eingeladen, weil seine Frau gestorben ist. Wären wir nicht König und Königin, würde ich die Trauerzeremonie ignorieren und mit der Kutsche wieder heimfahren. Aber wir müssen die Verstorbene ehren.“
Ich hörte Nay schlucken. „Sie wurde meinetwegen ermordet. Andyr hatte vor, unser Kind, sollte es ein Mädchen werden, mit seinem Sohn zu vermählen. Der Hohepriester hatte vor, es, im Falle, es würde ein Mädchen, selbst zu schwängern und einen Jungen zu zeugen, und wäre es ein Junge geworden, wollte er ihn aufziehen, ganz nach seinen kranken Vorstellungen. Um ihn dann auf den Thron zu setzen. Oh, und ihn mit seiner Tochter zu vermählen.“ Hätte ich es nicht besser gewusst, hätte ich behauptet, die Haut meiner Verbundenen hatte einen Grünstich bekommen. „Ich habe den Hohepriester gerichtet und bin geflohen. Adeline hat mir geholfen. Und als ich auf dem Pferd saß, da wurde ihr hinterrücks die Kehle durchgeschnitten.“ Verächtlich stieß sie die Luft aus. „Aber ich weiß nicht von wem! Einer Frau, so viel ist sicher, aber mehr konnte ich nicht erkennen!“
„Vermutlich die Tochter des Hohepriesters. Fühle dich nicht für ihren Tod verantwortlich, Liebes, und gib dir nicht die Schuld. Denn dann wäre ihr Tod sinnlos. Sie hat diese Entscheidung getroffen und wollte, dass du lebst. Du und das Kind.“
Sie schnaubte. „Ich fühle mich nicht schuldig, Cyrus. Ich bin wütend! Alle meinen sie, ein Anrecht auf mein Kind zu haben!“
„Ja, das Kind der Königin. Auch das Volk wird meinen, ein Anrecht auf das Kind zu haben. Aber uns ist es gleich, was es wird oder wen es später ehelicht. Ich möchte nicht, dass unser Kind jemanden heiraten muss, nur weil es für das Land vorteilhaft ist. Nicht aus Gründen der Politik und der Diplomatie.“ Um meine Worte zu unterstreichen, legte ich eine Hand auf ihren Bauch.
Ein Glucksen ertönte. Ich hob eine Augenbraue. „Hast du gerade gelacht?“
Und wider konnte sie es nicht zurückhalten. „Du bist so ein Scheinheiliger, weißt du das?“
„Inwiefern?“ Ich neigte meinen Kopf und sah in ihre hübschen, bernsteinfarbenen Augen.
„Weil du“, ihre Lippen streiften meine Nasenspitze, „mir“, sie glitt weiter nach unten, „keineswegs eine Wahl gelassen hast.“ Sanft legte sie ihre Lippen auf meinen Mund. „Denn immerhin war ich politisch gesehen, die einzig mögliche Wahl.“
„Nun, ich hätte noch Kretos heiraten können“, scherzte ich.
„Sicher.“ Sie schmunzelte. „Er hätte ganz sicher nie eine Honigsucht entwickelt. Aber wer von euch wäre denn da der Dominantere? Wer würde penetrieren, hm?“ Sie stahl sich einen Kuss nach dem anderen. Ihre Hände gingen vorsichtig auf Wanderschaft und sandten mir wohlige Schauder den Rücken hinab. Meine Lendengegend zog sich zusammen. Sie küsste sich einen Weg hinab zu meinem Kinn, entlang der Kieferlinie hoch, dann runter zu meinem Hals. Dort reizte sie meine Haut mit ihren Fängen.
„Oh, ich bin definitiv der dominante Part. Immer.“ Ich strich ihr über den Rücken, über ihre Arme und berührte ganz zart nur ihre Brust. Instinktiv drückte sie sich meiner Berührung entgegen. Ein leises Stöhnen verriet, dass sie im Kopf längst nicht mehr bei unserem Gespräch war. Meine Hand wanderte tiefer. Vorsichtig drehte ich sie langsam auf den Rücken. Ganz sanft reizte ich abwechselnd ihre Brüste und war erstaunt, welchen Umfang sie angenommen hatten. Sie waren größer, schwerer. Meine Lippen fanden ihre und ich küsste sie. Ihr Körper reagierte instinktiv und meine Mitte pochte vor Erwartung an ihre feuchte, warme Mitte.
Ihre Hand glitt in meine Hose, umfasste meine Härte und begann, sie leise stöhnend zu streicheln. Bestimmt spürte sie meine Lust, wie ich ihre spürte. Wir waren wieder zusammen, verständigten uns ohne Worte. Mit einer Hand zog ich eilig meine Hose weiter herunter, damit sie mehr Platz hatte. Danach strich ich über ihre Hüfte und zog den Rock von ihrem Kleid weiter hoch.
Plötzlich begann ihr Atem zu stocken. „N…nein…“ Sie wimmerte. Panisch drückte sie mich weg.
Nur mit Mühe unterdrückte ich ein Knurren. Meine Fänge waren ausgefahren und mein kleiner Freund stand stramm wie eine Eins. Es hätte nicht viel gefehlt und ich wäre allein durch ihre Berührung gekommen. Ich rutschte von ihr weg und zog dabei die Hose wieder hoch. „Nein“, wiederholte ich unnötigerweise und hoffte, dieses eine Wort würde genügen, um mich zusammenzureißen. Aber es gelang mir nur mäßig. „Ich brauche etwas Luft.“ Kalte Luft. Am besten kaltes Wasser.
Sie riss die Augen auf. „Cyrus?“ Schwer schluckte sie und vergrub schluchzend das Gesicht in ihren Händen.
Nun fluchte ich doch. Ich konnte nicht gehen und sie so alleinlassen. Aber ich konnte auch nicht länger hierbleiben. Ein Blick in ihre Augen ließ mich meine eigene Lust jedoch vergessen. Für den Moment. Ich atmete aus und setzte mich zu Nayara. „Entschuldige. Ich dachte einen Moment lang nur an Flucht …“
„Ich habe …“ Sie stockte. „Ich wollte nicht … ich weiß nicht, was mich da …“ Sie schnappte nach ihrer zitternden Unterlippe und biss darauf, bis Blut daraus floss. Ihren Blick senkte sie beschämt. „Mich plagte fürchterlich der Hunger. Und Durst. Und … d…d…der einzige …, ich habe …“
„Sie haben dich hungern lassen. Und dir vermutlich auch Blut vorenthalten.“
Sie nickte. „Sie wollten, dass ich mich von einem Diener im Schloss nähre. Aber … ich konnte nicht … ich habe es ihm einst versprochen. Sie haben ihm die Kehle durchgeschnitten. Und als ich seinem Leiden nur möglichst schnell ein Ende bereiten wollte … ist er eine Woche später plötzlich wieder zu sich gekommen.“ In sich zusammengekauert, schüttelte sie den Kopf. „Sie haben …“ Scharf stieß sie die Luft aus. Als sie weitersprach, klang ihre Stimme fest. „Nein. Ich habe ihnen einen Handel angeboten. Nahrung. Gegen“, sie schluckte, „mich.“ Die Hände, die sie sich auf den Bauch gelegt hatte, verkrampften. „Willig.“































































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