Kapitel 16

Janik mag sich seine Tasche schnappen, aber Skyla erhebt sich. Sie greift über den Tisch und zieht ihn konsequent hinunter. Ihr eisiger Blick konkurriert mit seinem. Diesmal gewinnt sie die Oberhand, denn er schlägt die Augen kurz nieder.
„Verfluchte Hexe!“
„Nenn sie nicht so!“, folgt die Warnung seitens Lukas.
„Pah! Du bist hoffnungsvoll verblendet! Vergiftet von ihrer Macht!“
„Irrtum!“
„Deine Zeit ist an ihr verschwendet, denn ihr Herz ist so kalt wie Eis. Siehst du nicht, wie einseitig deine Liebe zu ihr ist? Gefühle, die nicht echt sind, da sie dich manipuliert!“
Aber Lukas schüttet eisern den Kopf. „Du hast keine Ahnung, wie unerfüllt mein Leben ohne Skyla ist! Die Gefühle sind echt! Aber ich erwarte von dir kein Verständnis!“
„Diese Bitch muss dir wahrlich den Kopf verdreht haben!“
Schlagartig muss Skyla handeln. Kräftig packt sie zu und zieht ihren Kindheitsfreund hinab auf den Stuhl, denn er war dabei, seine Beherrschung zu verlieren.
„Nicht hier und nicht jetzt, Lukas.“
Unfassbar, dass sie zur Abwechslung einen kühlen Kopf behält.

Dankend für ihren Einsatz nickt Lukas ihr zu. Janik hingegen genießt seinen Triumph und lehnt sich lässig zurück. Aber Lukas konfrontiert ihn: „Genug der Spielchen! Tamir suchte sie bereits auf. Hör auf die Leute gegen Skyla zu hetzen! Sie ist keine Hexe!“
Janik trommelt mit den Fingern auf der Tischplatte und blickt zwischen ihnen hin und her, bevor er sich vorbeugt und einen dummen Fehler macht. „Oh doch das ist sie und sie wird dein Untergang sein. Sag nicht, ich hätte dich nicht gewarnt. Ich weiß, wie man sich Hexen annimmt und keine Gnade walten lässt. Skylas Art vergiftet die Menschheit und gehört verbrannt.“
Worte, die in einen Moment der Schwäche einen gewaltigen Schaden anrichten. Skylas erschütterte Seele kann somit nicht länger die Starke zu spielen. Für gewöhnlich würde sie jetzt ihr Maul aufreißen, aber stattdessen beißt sie vor Frust in den Donut, der nicht mal mehr halb so süß wie vor wenigen Augenblicken schmeckt.
Lukas hingegen lacht böse, bevor er sich dazu äußert: „Wünsche dir, mir nie wieder unter die Augen zu kommen! Du weißt zu wenig über Skyla. Über ihren wahren Wert. Muss leicht sein über eine Fremde zu urteilen. Aber deine giftigen Worte hat sie nicht verdient! Sei dankbar, dass hier zu viele Zeugen sind und dass sie mich bremsen würde!“




Janik prustet los. „Du? Du drohst mir! Was habe ich von so einem Weichei wie dir denn schon zu befürchten?“
Erneut wird Lukas unterschätzt. Wie auch von Milan. Doch Lukas ermittelt Schwächen und spielt mit dunkler Psychologie. Auch er kann das Umfeld manipulieren und schnell ein Image zerstören. Etwas, das Skyla bereits mehrere Male live erlebte.
„Solltest du Skyla auch nur anrühren, dann zahle ich es dir dreifach heim!“, folgt ein Versprechen seitens Lukas.
Aber er wird nicht ernst genommen, denn Janik amüsiert sich köstlich.

Es kostet Skyla einige Überredungsversuche, bis Lukas sich hinsetzt. Statt sich auf die Beschuldigungen zu konzentrieren, ändert Skyla ihre Strategie.
„Ist es wahr und dir liegt wirklich etwas an Emilie, Janik?“
Sie wählte bewusst einen ruhigen Ton. Mit ihrer Frage verstummt das Gelächter und ihr Gegenüber wirkt plötzlich ernst und angespannt. Sein Kiefer verspannt sich und die Hände werden zu Fäusten.
„Du nimmst richtig an.“
„Aber warum hast du sie dann aufgegeben?“
Skyla gibt sich Mühe, ihn zu verstehen. Janik schweigt verdächtig lang. Sein Blick schweift umher, als befürchte er, sie werden beobachtet.
„Emilie hinterher zu trauern bringt mich nicht weiter. Die Chancen auf ihre Rückkehr sind gering und mir sind die Hände gebunden. Wir müssen unsere Hoffnung in die Arbeit der Polizei legen. Es täte uns allen gut, jeglichen Gedanken, die Sache selbst in die Hand zu nehmen, besser gleich zu vergessen. Denn wer weiß, wie es endet und welche Gefahr im Schatten wirklich lauert.“
Überrascht sehen sich die beiden Freunde an. Lukas ist zu klug, um die versteckten Botschaften herauszuhören, daran zweifelt Skyla nicht. Janik Rose weiß mehr, als er zugeben mag. Aber er scheint sich zu fürchten. Dieser Junge wird manipuliert, das ist offensichtlich.

Janik erkennt den Schaden, den er angerichtet hat. Eilig kramt er in seine Tasche und legt das Geld auf seinen Platz, bevor er schnell verduftet.
Noch ehe Skyla die Verfolgung aufnehmen kann, gesellt sich das Albinomädchen zu ihnen. Sie setzt sich einen weißen Haarreif mit Katzenohren auf und blickt zuckersüß in die Runde.
„Na ihr beiden. Ich habe gesehen, ihr mögt Katzen. Sind die Donuts nicht traumhaft?“




Es kribbelt Skyla in den Fingern, nach den plüschigen Ohren zu greifen. Die Fremde sieht mit dem Schmuck noch niedlicher aus.
„Darf ich?“
Skyla deutet auf die Katzenohren und mit dem Nicken ihres Gegenübers ertastet sie den flauschigen Haarschmuck.
„So weich!“
Die Frau nickt zustimmend. „Nicht wahr?“
Es ist Lukas, der das Ganze skeptisch betrachtet und sich entscheidet, mit einer Information rauszurücken: „Dieser Kerl, der gerade bei uns saß, hat dich beschattet.“
„Ich weiß und ich bin froh, dass er fort ist. Es freut mich, euch zu treffen. Ich dachte schon, ich müsste die halbe Stadt nach Skyla absuchen. Mein Name ist übrigens Sina.“

Verwirrt legt Skyla den Kopf schief, denn der Name sagt ihr nichts. Aber ihr Gegenüber blickt, als sei ihr Zusammentreffen kein Zufall.
„Woher kennen wir uns?“, hinterfragt sie vorsichtig.
Sina belächelt ihre Reaktion und spricht mit sanfter Stimme zu ihr: „Oh, du kleiner Dummkopf. Du bist bereits bekannt, Skyla. Es gibt das eine oder andere Video von dir und von den bösen Botschaften an den Wänden in der Wohnung deiner Eltern.“
„Es gefällt mir gar nicht, wie sich dieses Gespräch hier entwickelt“, gesteht Lukas.
Sina hebt daraufhin beschwichtigend die Hände. „Keine Sorge. Ich bin nicht hier, um ihr zu schaden oder sie verspotten. Ich bin hier, weil ich weiß, mit wem sie sich anlegt.“
„Hast du …“, will Skyla sie nach Emilie fragen.
Doch Sina legt ihren Finger auf ihre Lippen und schüttelt ihren Kopf.
„Hier ist es nicht sicher, lasst uns das Gespräch später an einen anderen Ort fortführen.“
Überrascht nickt Skyla ihr zu und dann überreicht die Servicekraft Lukas seine Bestellung.
„Warte bitte!“ Sina schnappt so abrupt nach Lukas, dass er zusammenschreckt und sie zu kichern beginnt. „Kein Grund zur Sorge. Lass mich bitte nur ein Foto von deinem Teller machen. Ich bin Foodbloggerin und ich möchte diesen Moment festhalten.“
Die Kamera ist schnell gezuckt und ehe Lukas darauf reagieren kann, blendet der Fotoblitz.
Misstrauisch hebt Lukas eine Augenbraue. „Foodbloggerin?“
„Ganz Recht, machen wir doch auch gleich ein Bild von uns vor dem Laden. Ich möchte euch in meinem Artikel festhalten“, schlägt Sina aufgeregt vor, „Ich hörte, du arbeitest als Köchin, Skyla. Dann sei gewarnt, denn schon bald sitze ich unangekündigt bei euch im Restaurant. Mal sehen, wie gut ihr seid.“




Skyla belächelt dies. „Challenge accept.“

Sina betrachtet sie interessiert und gibt nun Preis: „Gut, eins müsst ihr noch über mich wissen. Ich bin nicht nur aus privaten Gründen hier, sondern auch beruflich. Ich bin Redakteurin und beschäftige mich mit dem Verschwinden von Vermissten. Das betreffe eine Klassenkameradin von dir, wie ich bereits weiß, Skyla. Außerdem interessiere ich mich für den Einbruch bei dir.“
Skyla seufzt traurig. „Emilie.“
Kaum fällt der Name beugt sich Sina mit angehaltenem Atem vor. „Bitte erzähle mir von dem Vorfall. Ich habe die Möglichkeit, die Wahrheit ans Licht zu bringen.“
Skeptisch blickt das Medium zu ihrem Kindheitsfreund, der sich zögernd dazu äußert: „Das wäre eine Chance, die wir besser ergreifen sollten. Vielleicht kann sie uns helfen.“
Lukas mag Recht haben und die Situation besser einschätzen, daher will sie sich auf die Sache einlassen. „Also gut.“

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