Kapitel 35
Die Lungen füllen sich schlagartig mit frischem Sauerstoff, als sich der Körper kerzengerade aufsetzt. Die Kleidung und Haare sind vollgesogen von Feuchtigkeit und liegen schwer am Körper. Der nasse Stoff kühlt Skyla verdächtig ab und lässt sie erzittern. Sie keucht und hustet schlammiges Wasser aus. Während sie sich zur Seite dreht, plumpst sie mit einem leisen Aufschrei von einer Liege. Eine harte Landung muss Skyla in Kauf nehmen, denn sie landet auf schwarze Fliesen. Hochwertiges Material, wo sich aufgrund einer Politur ihr Ebenbild spiegelt. Ungläubig starrt auf ihre bleiche Spiegelung. Die Erschöpfung zeichnet sich in Form von großen Augenringen in ihrem Gesicht ab. An ihr klebt unfassbar viel Schlamm und doch springt ihr die Schnittwunde an der Schulter ins Auge. Ein Andenken von den Wächtern dieses Reiches. Kreaturen, die ihr sicherlich noch auflauern. Noch mag der Kopf fürchterlich dröhnen und auf Licht schmerzlich reagieren. Daher lässt sich noch nicht genau sagen, wo sie landete. Die Räumlichkeit wirkt zu hell beleuchtet, aber auffällig modern. Eine edle Einrichtung wie in Geschäftsräumen von großen Firmen. Sie hofft, dass sich der angeschlagene Zustand von allein legt und sie ihre Umgebung besser einschätzen kann. Daher konzentriert sie sich auf eine geregelte Atmung, um sich zu fassen und die Suche nach Kai fortzusetzen.
Übelkeit wallt auf. Im nächsten Moment lässt sich das Unvermeidliche nicht aufschieben. Der Mageninhalt kündigt sich an und sie übergibt sich schwallartig. Darunter eine große Menge Sumpfwasser. Geekelt dreht sich Skyla zur Seite. Der Rachen brennt und der Körper zittert, als sie sich mühsam erhebt. Der Stand ist unsicher. Sie schwankt wie auf einem Schiff bei starkem Wellengang. Die Augen blinzeln gegen das grelle Licht an. Ihre Hände ertasten kühle Oberflächen, die ihr Halt geben. Ein paar Schritte weiter und sie lehnt gegen einen riesigen Schrank voll von Fächern. Mit der Hand vor den Augen schützt sie sich von der grellen Leuchte über ihr und lauscht der unheimlichen Stille.
Der Kopf beginnt fürchterlich zu schmerzen, als die letzten Erinnerungen heimkehren und sich wie ein Film im Schnelldurchlauf abspielen. Mit zusammengebissenen Zähnen sinkt Skyla in die Hocke und umfasst ihren Schädel, als könne sie ihren Geist somit vor weiteren Einflüssen beschützen. Zwischen den dunklen Sumpfgestalten bekommt sie noch einmal Milans erschrockenen Gesichtsausdruck zu sehen. Beunruhigt erhebt sich Skyla und dreht sich im Kreis. In der Hoffnung, ihn irgendwo zu finden. Nach und nach sickern die Details des Raumes in ihr Bewusstsein. Wie sich herausstellt hielt sie fälschlicherweise einen Seziertisch als eine Liege oder ein Krankenbett. Der Schrank hinter ihr beherbergt unzählige Kühlkammern, die für die Leichenaufbewahrung gedacht sind. Mit Entsetzen weicht Skyla zurück und findet ihren Namen auf Anhieb. Es ist das Fach, wogegen sie lehnte und das Einzige, das eine Beschilderung aufweist. Ungläubig schüttelt sie den Kopf und verharrt einige Minuten auf der Stelle. Ihr Kopf wirkt plötzlich leer und ihr Herz taub. Die Sekunden verstreichen, bis Skyla aus ihrer Starre erwacht. Sie schluckt schwer und hegt Hoffnung, im falschen Film zu stecken. Mit klopfendem Herzen tritt sie näher an ihr Namensschild. Sie fürchtet, im Sumpf umgekommen zu sein. Ertrunken und vielleicht geborgen. Oder die Verbindung wurde unterbrochen und Naomi kann sie nicht mehr zurückholen, womit Skyla verloren ging und sie vielleicht niemals mehr erwachen könne. Körper und Geist sind möglicherweise voneinander getrennt und müssen sich an dieser Stelle verabschieden.
Ehrfürchtig fahren die Finger über das Namensschild. Skyla beginnt sämtliche Dinge zu bereuen. Eines davon wäre die Tatsache, dass sie sich still und heimlich aus Lukas‘ Zimmer geschlichen hat. Ohne Abschied und Erklärung. Er war den ganzen vorherigen Abend für sie da und spendete ihr Trost und so dankt sie ihm. Hinzukommt, dass Emilie noch nicht auftauchte und der Fall ungelöst bleibt. Sie in Freiheit zu wissen und munter zu sehen ist alles, was sich Skyla für ihre Freundin wünscht. Was bekommen wohl Skyla Eltern zu hören, wie ihre Tochter verstarb? Die beiden haben genauso die Wahrheit über das Ganze verdient, so wie Lukas die Chance dazu erhielt.
Ein dumpfes Donnern unterbricht ihre Gedanken. Es klingt nah. Skyla Augen weiten sich, als sie das Geräusch wiederholt. Das Metallgestell vibriert unter dem Kraftaufwand. Es kommt definitiv aus den Kühlfächern. Es hört sich an, als bewege sich etwas hinter den Türen. Erschrocken weicht sie zurück, als ein Klopfen aus dem Fach dringt, wo ihr Name bangt. Wie zur Salzsäule erstarrt klebt ihr Blick auf die geschlossene Tür. Sie horcht in die Stille und hofft, dass sie sich den Terror nur eingebildet hat. Die Sekunden vergehen, und die Pumpe in ihrer Brust beruhigt sich. Dennoch verspürt sie seitdem Moment eine schreckliche Gänsehaut von Kopf bis Fuß. Als sich Skyla von den Fächern abwenden mag, hämmert es lauter. Der Abstand vergrößert sie augenblicklich, bis sie gegen den Seziertisch stößt. Diesen umfasst sie feste und lauscht dem aggressiven Klopfen. Solange, bis ihre Beine sie zum Ausgang tragen. Als müsste sie das Unheil doppelt einsperren, schließt sie die Tür und hält den Griff fest umklammert. Ihr Oberkörper sinkt erschöpft hinab. Das Sumpfwasser perlt von ihr zu Boden. Die Pfütze unter ihr wird immer größer, bis die gebeugte Haltung Rückenschmerzen verursacht und sich Skyla ganz langsam aufrichtet. Die Kälte lässt kaum mehr zu ertragen. Schnell muss Skyla aus den nassen Klamotten. Ihre zittrigen Finger öffnen die Jacke, die sie achtlos zu Boden pfeffert. Danach folgt der Pullover. Nur das Shirt lässt sie an.
Mit Ohren wie ein Luchs legt sie ihren Kopf an die mattschwarze Tür und überprüft, ob Geräusche aus dem Inneren dringen. Doch selbst das Klopfen hörte auf. Stattdessen findet sie sich in einem langen Flur voller Türen wieder. Eine gepflegte Einrichtung mit glänzenden Steinwänden, die den schwarzen Bodenplatten ähnlich sind. Vergoldete Leisten, Türrahmen und Schilder lassen die Örtlichkeit edel aussehen. Fast wie ein Hotel und keine Leichenhalle. Vielleicht lässt sich ein Kittel finden. Irgendetwas Trocknes. Zum Tausch gegen ihre nasse Kleidung.
„Wo bin ich hier bloß?“, spricht Skyla ihren Gedanken laut aus.
Ein Plan muss her. Ein großer Teil in ihr ist lebensmüde genug und möchte zum Kühlfach zurückkehren, um die Geräuschquelle auszumachen. Vielleicht lässt sich eine Verbindung zu ihrem Körper wiederherstellen, falls sie tot sein sollte. Eine Chance, um weiter im Reich der Lebenden zu wandeln. Oder vielleicht befindet sich jemand dort eingeschlossen und hat mehr Panik als sie selbst. Es könnte Milan sein. Oder eine Falle. Sicherlich trifft der letzte Punkt eher ein.
Ein tiefer Atemzug und Skyla packt ihren Mut zusammen. Kaum springt die Tür aus den Angeln, quietscht sie auch noch so laut, als entspringe diese aus einem Horrorfilm. Ecke für Ecke wird sorgfältig abgescannt, um eine mögliche Bedrohung ausfindig zu machen. Eine Gefahr, die nicht existiert. Alte Gefühle kommen hoch. Eine Hilflosigkeit wie in der Tiefgarage, wo sie dem Alptraum begegnete. Die Hände fahren durch das nasse Haar und bleiben am Ende auf dem Kopf liegen. Der Brustkorb hebt und senkt sich auffällig, sodass Skyla gegen ihre ansteigende Panik gegensteuert und sich auf eine ruhigere Atmung konzentriert. Anders als damals kann sie sich wehren. Ihre Macht mag gefährlich sein und doch wird das Medium darauf zurückgreifen, wenn die Not es verlangt.
„Milan! Bitte sag, dass du es bist, der dort eingeschlossen ist.“ Schritt für Schritt schlürft Skyla über den Boden zu der Kammer mit ihrem Namen. „Bitte sei dort! Lebendig! Ich brauche dich jetzt!“
Zuerst ein Klopfen. Ganz sanft. Eine beruhigende Melodie, die sie aufatmen lässt. Ihr Schritt beschleunigt sich, bis die Erschütterungen das gesamte Kühlsystem in Beschlag nehmen. Die Aggressionen dahinter geben ihr das Gefühl, dass etwas hinaus brechen möchte. Mit klopfendem Herzen ertastet Skyla den Griff und verharrt. Die Bewegungen aus dem Inneren enden abrupt und doch zögert sie.
„Verdammt! Hol mich endlich raus, Skyla!“
Es klingt nach Milan. Ihr fällt ein Stein vom Herzen.
Beruhigt atmet Skyla durch und öffnet mit einem kräftigen Ruck das Fach. Der in Dunkelheit dort gehüllte Körper beginnt sich zu drehen und ihr stockt der Atem, als sie in die roten Augen blickt. Die schlaksige Gestalt dort hat keinerlei Ähnlichkeit mit dem Geisterjäger, sondern den Sumpfmonstern. Der Kopf hängt unnatürlich zur Seite, denn der Hals biegt sich wie bei einer Giraffe. Im nächsten Augenblick schlägt Skyla die Kammertür zu und verriegelt die Büchse der Pandora. Es wäre zu schön gewesen, auf ein vertrautes Gesicht zu blicken. Skyla kann nicht behaupten, was schlimmer gewesen wäre: das Sumpfmonster oder womöglich ihre Leiche. Fest steht, dass sie diese Tür nie wieder freiwillig öffnen wird. Da kann das Wesen Milan noch so gut imitieren. Dieser Griff wird sich nicht durch ihre Hand öffnen!
Es entstehen von der Innenseite Beulen in der Metallwand. Skyla nimmt beunruhigt Abstand und dreht sich zum Ausgang. Ihr Körper erstarrt bei der halben Drehung, als sie auf einem schwarzen Apothekerschrank nahe des Seziertisches noch ein Sumpfmonster entdeckt, dass in gebückter Haltung auf sie hinab starrt. Es verhält sich kühl und ruhig. Fast wie eine Puppe. Eine gefühlte Ewigkeit sehen sich die beiden in die Augen. Skyla traut sich kaum, zu atmen, geschweige einen weiteren Schritt zu machen. Ihr Körper bleibt bis aufs Äußerte angespannt.
Milan erwähnte im Sumpf, sie reagieren auf Licht. Dabei ist der Raum hellerleuchtet und doch versteckt sich die Kreatur in keiner dunklen Ecke. Durch die Deckenleuchte bekommt sie die ledrige Haut zu sehen. Das Monster hat keinerlei Körperbehaarung und wirkt geschlechtsneutral. Die Wangen sind eingefallen und der Kopf etwas spitz. Das Wesen ist schlaksig gebaut und die langen Beine beunruhigen das Medium am meisten, denn im Wettlauf wird sie verlieren. Lautes Geschrei dringt aus dem Kühlhaus. Unnatürlich schrill und voller Aggression. Daraufhin läuft Skyla ganz langsam rückwärts. Dabei konzentriert Blickkontakt mit dem Wesen auf dem Schrank zu halten. Tatsächlich nimmt die Kreatur sie wahr, denn es bewegt den Kopf in ihre Richtung. Nur wenige Schritte und der Ausgang ist erreicht, da springt ihr Beobachter vom Schrank und läuft langsam auf allen vieren um den Seziertisch. Die Haltung und Bewegungen erinnern an einen Gorilla. Das Körpergewicht wird dabei auf den Fingerknöcheln verlagert. Ohne den Blick von ihr zu nehmen. Ein schlechtes Bauchgefühl plagt Skyla. Diese Begegnung wird nicht gut enden, wenn sie ihr Gegenüber näher an sich herankommen lässt.
Für die nächsten Sekunden schaltet Skyla den Kopf aus und funktioniert einfach. Eine schnelle Drehung zur Tür. Der Griff ist umfasst und mit einem lauten Knall schlägt sie diese zu. Ein Glasfenster zeigt, wie schnell die Kreatur sein muss, um den Abstand zu überwinden. Es schlägt mit Karacho gegen die dicke Stahltür und blickt ihr durch die gläserne Front direkt ins Gesicht. Die Augen verengen sich und es bleckt die Zähne, sodass sie die Fäulnis zwischen den spitzen Zähnen zu Gesicht bekommt. Skyla hält den Griff fest umklammert und hindert ihren Gegenüber daran, die Räumlichkeit zu verlassen.
Verängstigt schüttelt Skyla den Kopf, als das zweite Sumpfmonster gegen die Tür donnert und sie ebenfalls durch das Blickloch erfasst. Die Tür zwischen ihnen wird ordentlich durchgerüttelt und droht unter den Schlägen zu zerbersten. Ein Blick zur Seite und Skyla visiert unter all den Türen einen Aufzug an, der sich sogar auf der Etage befindet. Ein Notausgang. Dabei wäre ihr ein Treppenhaus lieber. Aber davon fehlt jede Spur. Zu ihrem Pech sind die Sumpfmonster schnell. Zu mindestens eins von den beiden. Noch ehe sie den Aufzug erreicht, wird der Jäger seine Beute erwischen.
Skylas Atmung beschleunigt sich, denn sie kennt die Lösung und doch ruft ihr Kopf die Bilder der Zerstörung auf. Ihre Macht ist nicht bloß Notwehr – sondern ein apokalyptischer Reiter. Und doch ihre einzige Rettung aus dieser misslichen Lage. Auf eine ruhige Atmung konzentriert, obwohl das Übel hinter der Tür lauert, nimmt sich Skyla Zeit, um ihren Geist zu beruhigen, und nach einer Lösung zu suchen.
Regel Nummer 1: Ruhe bewahren!
„Geraten wir in Panik sind wir unfähig…“
„Rational zu handeln“, beendet Skyla laut Justins eigene Worte, die er bei jedem Training an sie richtet.
Ein Nicken, denn der Griesgram hat Recht. Er hat immer Recht!
„Sieh dich um und mach dir dein Umfeld zu Nutze.“
Als sei Justin direkt bei ihr. Eine List ihres Kopfes, die sie zu schätzen weiß, denn auch nur der Klang seiner Stimme mildert ihr Stresslevel.
Ein Blick umher macht es nicht besser, denn es gibt nichts, was sie als Waffe nutzen kann oder ihre Fluchtchancen erhöht. Es ist die Tür vor ihrer Nase, die sie betrachtet. Diese aus der Angel zu schlagen wäre ein Leichtes mit Hilfe ihrer Macht. Ein Schritt, der ihr Zeit verschaffen kann. Hinzu kommt die Tatsache, dass sie sich in der Pathologie befindet. Für die Leichenöffnung wird eine Reihe von Werkzeugen benötigt, die hinter dieser Tür nur darauf warten, eingesetzt zu werden. Eine kurze Schockwelle wird ihr die Pforte zu einer Waffenkammer öffnen. Nur kurz ruft ihr Kopf die Erinnerungen auf. Auf einen Metalltisch auf Rollen machte Skyla ein Sezierbesteck aus. Feinsäuberlich in einem Etui sortiert. Wenn die beiden Sumpfmonster umgehauen werden und dennoch aufstehen, werden sie ihr blaues Wunder erleben.
Der Entschluss wird schnell getroffen. Es gibt keinen anderen Ausweg, der ihr momentan einfällt. Die Finger beginnen zu kribbeln und ihre Macht sammelt sich an den Handflächen. Skyla hat sich bislang nie die Zeit genommen, ihre Gabe genauestens zu betrachten. Dabei steigen blauleuchtende Partikel aus ihren Poren. Kein dunkles Blau wie der Nachthimmel, sondern ein heller Farbton. Fast wie der gespiegelte Himmel auf den Gewässern. Sämtliche Haare stellen sich auf, während sich die Luft um sie herum auflädt. Das Surren um sie herum bemerkt Skyla erst jetzt. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass sie ihre Macht über eine längere Zeitspanne aufrecht hält. Ein verzweifeltes Grinsen schmückt ihre Lippen, als sie die unbekannte Spezies auf der anderen Seite anblickt. Wesen, die mit einer beeindruckenden Ausdauer gegen die Tür hämmern. Nichts ahnend mit wem sie sich eigentlich anlegen und wozu sie das Medium erneut zwingen. Ein in die Enge gedrängtes Tier kann auch beißen.
Der Luftdruck ist gigantisch, als die Schockwelle losgelassen wird. Betroffen ist nicht nur die Tür, sondern ein großflächiges Mauerstück um den Eingang herum. Die Wand bricht nicht nach vorne, wie eigentlich angenommen, sondern verliert den Bodenkontakt für einige Meter und befindet sich in einem kurzen Schwebezustand. Die Sumpfmonster dahinter werden einfach weggepustet und selbst der Seziertisch kann ihren Flug nicht bremsen. Wie bei einer Abrissbirne hat das Möbelstück keinerlei Chance. Skyla tritt mit geweiteten Augen ein und steuert den Metalltisch ungläubig an. Ihre Kraft erstaunt sie immer aufs Neue. Das Mauerstück kracht mit Wucht gegen die Kühlfächer. Skyla rollt das Etui zu einer Rolle und entdeckt eine Knochensäge. Ein Blick auf die Werkzeugtasche und schon startet das Medium ein kleines Experiment. Ein Wurf hinauf und ihre Macht überrascht sie positiv, denn der gewünschte Gegenstand beginnt zu schweben. Auf ihren Wunsch steuert sie das Objekt durch die Luft, sodass Skyla beide Hände frei hat.
Ehrfürchtig ergreift Skyla die Knochensäge und zweifelt an ihrer Taktik. Sie fühlt sich nicht bereit, solch einen Gegenstand zu benutzen und weiß zu wenig über das Anwendungsgebiet. Mit den Zähnen der Säge bleibt sie bei ihrem Pech im Fleisch der Monster stecken. Nie wird sie die Kraft aufwenden können, um die Säge zurück an sich zu reißen. Der Gedanke daran verschwindet, als ein lautes Gewirr aus Fauchen und klägliche Jammerlaute aus der Kühlkammer dringt. Von überall springen die Fächer auf und unzählige Sumpfmonster klettern hinaus in ihre Freiheit. Die Zahl der Feinde ist überwältigend. Skyla bevorzugt die Flucht statt dem Kampf und sprintet los. Zu ihrem Pech zeigt sich, dass die eine Kreatur keine Ausnahme war, wenn es um die Schnelligkeit geht. Der Weg hinaus wird ihr von vier dunklen Wesen versperrt, sodass Skyla abbremst und aus Reflex eine weitere Schockwelle lossendet. Aus dem Augenwinkel rollt sich das Etui aus und Skyla staunt, als Dalikas Leuchtgestalt sich neben ihr materialisiert, um verschiedene Skalpelle loszuwerfen. Die Treffsicherheit des Nang Tani ist beeindruckend. Jeder Wurf trifft ein Herz eines Sumpfmonsters. Da sich Skyla nicht in Bewegung setzt, hilft Dalika dem Medium mit einem kleinen Stups durch einen Windstoß.
„Danke.“
Skylas Worte kommen von Herzen. Sie stürmt los und vertraut ihrem Schutzgeist. Ziel ist der Aufzug. Mit dem Rücken zu dem schrecklichen Orchester aus Kampfgebrüll, dumpfes Donnern und Kratzen sprintet sie los. Dabei bekommt sie bei den rutschigen Fliesen kaum die Kurve und wäre fast mit einer Wand zusammengedonnert. Mit der Hand stößt sich sie von dieser ab und gewinnt an Tempo. Gerade aus und zielsicher. Ein Windzug begleitet das Medium. Unter all dem Adrenalin ist die Kälte durch Nässe kurz vergessen. Die Blüten des Tempelbaums wehen an ihr vorbei und Dalikas Leuchtgestalt erscheint vor dem Aufzug. Der Nang Tani bedient das Menüfeld und die Pforten zu einem vergoldeten Kasten aus Spiegeln öffnen sich. Kaum dreht sich der Geist um, endet das zauberhafte Lächeln und stattdessen verfinstert sich Dalikas Blick. Ein Fingerschnipsen und der Boden erschüttert. Skyla wird durch eine Explosion durchgerüttelt und kämpft mit dem Gleichgewicht. Qualvolles Geschrei dringt aus dem Hintergrund und lose Bruchstücke von der Einrichtung rollen an Skyla vorbei. Dalika winkt ungeduldig.
„Gleich geschafft, kleine Blume“, ruft sie ihr zu.
Aus Reflex schnappt sich Skyla die Hand ihres Verbündeten, um die Person mit in Sicherheit zu reißen, aber Dalika wehrt sich und löst sich aus dem Griff. Die Entschlossenheit winkt ihr zu.
„Ich verschaffe dir Zeit, kleine Blume. Geh und vertraue mir.“
„Du willst kämpfen? Schön! Ich lasse dich nicht allein zurück. Ich bleibe bei dir und helfe!“
Um ihre Entscheidung zu bekräftigen, sendet Skyla eine Schockwelle los, die für Abstand zu den Sumpfmonstern sorgt. Gerade rechtzeitig, denn drei Stück waren verdächtig nah und einer befand sich in der Luft. Nicht mal einen Meter über ihnen. Dalika lächelt entzückt. Ein Täuschungsmanöver, auf das Skyla auch noch reinfällt, denn ihr Schutzgeist stößt sie in den Aufzug und winkt, als sich die Türen schließen. Die Knochensäge verliert Skyla während des Falls. Nur kurz betrachtet das Medium das Werkzeug, denn es ging in all dem Trubel unter.
„Sei unbesorgt, ich bin bald wieder bei dir, kleine Blume. Hab Vertrauen.“
Zornig erhebt sich Skyla. Zu langsam, denn die Türen schließen sich vor ihrer Nase, dass sie aus Frust gegen diese schlägt und den Namen des Nang Tani brüllt. Ungeachtet ihrer Gefühle setzt sich der Aufzug in Bewegung und fährt hinauf in ein weiteres unbekanntes Areal.






























































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