Ascardia-Kapitel 23
~Ascardia~
Die ganzen Eindrücke, die mich umgaben, erschlugen mich förmlich.
Geräusche, die in meinen Ohren dröhnten und Gerüche, die sich vermischten. Ich wusste überhaupt nicht, wo ich hinsehen sollte und fühlte mich nach wenigen Minuten schon völlig erschöpft.
»Beug dich nicht so raus«, sagte Ayden plötzlich, doch ich konnte nicht anders.
Wir hatten die Häuser hinter uns gelassen und fuhren nun über Gras. Trotzdem wackelte es nicht mehr als zuvor. Außerdem sah ich den Himmel. Als würden wir uns einer riesigen Klippe nähern.
Ich spürte plötzlich, wie mich etwas zurück in den Sitz zog.
Murrend ließ ich es zu, da Ayden mich bereits gewarnt hatte. Trotzdem versuchte ich, so viel wie möglich zu sehen.
Ein Kribbeln in der Luft kündete Magie an. Ich suchte den Grund dafür und hielt im nächsten Moment die Luft an.
Die Pferde … Woher hatten sie auf einmal die Flügel?
Ich wollte gerade fragen, da spürte ich einen Ruck. In meinem Magen tobten plötzlich Bienen und mir wurde einen Moment schwummig. Dennoch spürte ich ganz deutlich, wie wir vom Boden abhoben.
Ich schnappte nach Luft und wünschte, ich könnte mich an Ayden krallen, doch dieser hielt mich noch immer auf meinem Sitz fest.
Mein Blick huschte trotzdem umher. Die Seiten wurden plötzlich zu weitem Himmel und vor uns tauchte hinter einer großen Wolke plötzlich Erde auf.
Ich hielt die Luft an, während ich das Gebilde musterte. Es gab sogar einen Wasserfall, der von diesem Felsen fiel und in der Luft plötzlich einfach verschwand.
»Ist das eine fliegende Insel?«, fragte ich atemlos. Sie war kleiner als ich angenommen hatte.
Ayden lachte. »Ganz Aurelshade ist eine fliegende Insel. Das hier ist nur ein Ausläufer«, erklärte er und drehte sich nicht einmal um.
Ich aber konnte meinen Blick nicht abwenden.
Die Sonne erschien dahinter und tauchte die Oberfläche in ein seltsam orangefarbenes Licht.
Ich erkannte kein Gras oder Pflanzen. Dafür aber seltsame Gebilde, die aussahen wie das, was Cayden mir als Sofa beschrieben hatte. Dazu einige Sessel.
Warum sollte man so etwas auf eine fliegende Insel stellen? War das vielleicht eine Art … Lager?
»Das hier ist meine Domäne«, erklärte Ayden plötzlich und ich spürte, wie die Kräfte, die mich hielten, langsam nachließen.
Jetzt, wo ich wusste, dass wir in der Luft waren, wurde mir plötzlich schlecht und ich erzitterte. Meine Finger krallten sich wieder in die Seite, weil ich plötzlich Angst bekam.
Wie konnte es sein, dass ich mich sicherer fühlte, wenn Aydens Kraft mich hielt?
»Deine Domäne?«, fragte ich, um mich abzulenken. Mein Magen rumorte so sehr, das sich mir wünschte, dass es endlich aufhörte. Nicht einmal das Gefühl des seichten Nebels auf meiner Haut, als wir durch eine Wolke flogen, machte es besser.
»Revelspire. Eine Ansammlung an kleinen Inseln. Ich halte hier regelmäßig Turniere ab.«
Obwohl mir Ayden die Sache erklärte, kam ich doch nicht ganz mit. Was waren denn Turniere?
Ich fragte mich das, als plötzlich an uns ein Tier vorbeischoss. Es war so riesig wie unsere Kutsche und hatte wunderschönes, hellbraunes Fell. Dazu weite, dunkelbraune Flügel.
Mit meinem Blick versuchte ich es einzufangen, doch es bewegte sich so schnell, dass ich es kaum mustern konnte, bevor es wieder hinter den Wolken verschwunden war.
Mein Herz klopfte aufgeregt und für einen Moment vergaß ich meine Angst.
»Das war ein Greif. Wir schauen uns heute ein Greifenrennen an.«
Das war ein Greif?
Neugier packte mich, denn ich wollte ihn unbedingt von Nahem sehen.
Ich drehte mich um und beugte mich ein kleines Stück über den Rand, um die Umgebung besser betrachten zu können, war dabei aber vorsichtig. Hinausfallen war das letzte, was ich wollte.
Plötzlich ruckelte die Kutsche, was mit einen überraschten Laut entlockte.
Da mich Ayden dieses Mal nicht hielt, sprang ich zu ihm und krallte mich an ihm fest, während die Kutsche am Boden aufkam und schließlich stehenblieb.
Mein Herz hämmerte gegen meinen Brustkorb, während ich versuchte zu begreifen, was geschehen war.
Ayden lachte und tätschelte mir den Kopf. »Du wirst dich daran gewöhnen«, versicherte er mir, bevor er mich einfach hochhob und aus der Kutsche trug.
Ich wusste nicht genau, ob ich das wollte, aber wenn wir wirklich auf fliegenden Inseln waren, musste ich das wohl.
Mein Magen beruhigte sich gerade wieder, als Ayden mich auf eines der Sofas setzte.
Er selbst ließ sich neben mich fallen und legte die Beine übereinander.
Ich fragte mich, was das sollte, doch da wackelte es schon wieder.
Erneut verließ ein panischer Laut meine Lippen und ich krallte mich wieder an Ayden fest.
Er tätschelte mir den Kopf, während das Sofa sich langsam in die Luft erhob. »Keine Sorge, du kannst nicht runterfallen«, beschwichtigte er mich. Oder versuchte es zumindest.
Gar keinen Boden unter mir zu haben, war noch erschreckender als in der Kutsche.
Bald schon fanden wir uns in der Luft wieder. Um uns herum weitere solche Sofas, die alle schwebten.
Ich versuchte mich zu finden und sah mich vorsichtig um.
Wir besaßen ein Sofa, das eine Art Decke hatte, sodass die Sonne uns nicht störte. Andere hatten nur einzelne Sessel oder sogar eine kleine Ansammlung an Sofas.
Meist waren es Männer, die es sich darauf bequem gemacht hatten. Die Aura, die sie umhüllte, versuchte ich auszublenden, solange ich nicht wusste, was das war.
»Was passiert jetzt?«, fragte ich, um dieses Mal vorbereite zu sein. Bei Ayden musste ich wirklich aufpassen. Ich hatte mittlerweile das Gefühl, dass er mich absichtlich nicht vorwarnte und meine Panik sogar genoss. Allerdings wollte ich ihm auch nichts vorwerfen. Immerhin war er so nett, mich mit nach draußen zu nehmen und ich war neugierig darauf, was jetzt genau passierte.
»Wir schauen uns das Rennen an«, sagte er und lehnte sich gemütlich zurück. Mit einer Hand deutete er jedoch in den Himmel.
Dort sammelten sich die riesigen Tiere. Sie sahen aus wie eine Mischung aus Falken und Tigern. Ihre langen Schnäbel finden das Licht ein und schimmerten wie Panzer von Käfern, die ich einmal betrachtet hatte. Sie waren wunderschöne Tiere.
Ich fragte mich noch, was mit Rennen gemeint war, da setzte sich die Tiere in Bewegung. Sie flogen so schnell sie konnten, überholten sich gegenseitig, flogen durch Reifen und versuchte Ringe zu schnappen, die durch die Luft folgen.
Ich verstand die Regeln nicht, doch das Schauspiel der Tiere, die durch den Himmel schossen, ließ mich sprachlos und fasziniert zurück.
Für einen Moment vergaß ich, dass wir alle flogen und unter uns nichts war, das uns auffangen würde. Nur weiter Himmel und Freiheit.







































Kommentare