Ascardia-Kapitel 25
~Ascardia~
Cayden war geduldig, während er mir erklärte und zeigte, wie ich auf dem Greifen zu sitzen und wie ich ihn zu lenken hatte.
Der kühle Wind wehte mir die Haare ins Gesicht, doch Caydens Brust in meinem Rücken gab mir nicht nur Wärme sondern auch Mut.
»Und jetzt nach rechts«, befahl Cayden, wobei er nah an meinem Ohr sprach. Nur so kam er gegen den Wind an, ohne zu schreien.
Ich drückte meine Beine so gegen das Tier, wie er es mir gezeigt hatte, bevor ich leicht nach rechts zog.
Der Greif drehte wirklich, was sofort ein Gefühl von Zufriedenheit in mir auslöste.
Es fühlte sich befreiend an, selbst die Kontrolle zu haben. Natürlich war ich auf den Greifen angewiesen, doch ich hatte dennoch eine gewisse Kontrolle und konnte ihn lenken, wohin ich wollte.
Die Vorstellung, diese Insel erkunden zu können, wie ich wollte, ohne auf jemanden angewiesen zu sein, löste in mir wilde Freude aus. Als wäre der Käfig, der mich umgeben hatte, plötzlich weg.
Ayden hatte mir die Welt gezeigt, doch Cayden hatte mir einen Teil meiner Freiheit zurückgeben. Eine Freiheit, die größer war als eine einzige Insel.
»Lass ihn weiter aufsteigen.«
Caydens Stimme streifte mein Ohr und löste Schmetterlinge in meinem Magen aus. Solange er an meiner Seite war, war die Höhe nichts weiter als eine unentdeckte Weite.
Also stiegen wir weiter auf, bis wir die Wolken unter uns ließen.
Der dunkle Sternenhimmel empfing uns und ich streckte meine Hand aus. Ich hatte fast das Gefühl, die Sterne berühren zu können.
Meine Wangen begannen zu schmerzen, weil ich die ganze Zeit breit lächelte. Es fühlte sich an wie ein Traum. Einen Moment der Sehnsucht, den mir Cayden geschenkt hatte.
Mein Herz fühlte sich an, als würde es gleich unter den ganzen Gefühlen platzen.
Mit Cayden flog ich durch die Nacht, die sich langsam in einen neuen Tag wandelte.
Als die Sonne am Horizont aufging, sah ich sie aus einer Position, aus der ich es nie erwartet hatte.
Ich konnte sehen, wie die Strahlen langsam über das Land zogen. Wie sich das Grün aus dem Schatten der Nacht erhob, wie Flüsse schimmerten und Blumen ihre Knospen öffneten, als würden sie die Sonne willkommen heißen.
»Es wird Zeit, zurückzukehren.«
War das ein Befehl oder eine Hinweis?
Vielleicht auch eine Bitte oder interpretierte ich zu viel hinein?
»Du hast recht«, sagte ich schließlich, auch wenn ich eigentlich noch nicht wieder zurück wollte. Aber ich spürte auch, dass mich die Kraft verließ. Einen Greifen reiten war war aufregend und anstrengender, als ich erwartet hatte.
Darum lenkte ich den Greifen langsam wieder Richtung Caydens Anwesen.
»Du kannst jederzeit wieder mit ihm fliegen. Solange du dich allein sicher genug fühlst.«
»Was?«, fragte ich überrascht, hatte ich damit doch nicht gerechnet.
»Er ist jetzt deine. Du solltest ihm einen Namen geben.«
Einen Namen?
Ich lehnte mich etwas nach vorn und klopfte auf seinen Hals, wie Cayden es mir gezeigt hatte. »Ich denke … Silber«, sagte ich, denn das war das erste, das mir in den Sinn kam. Weil seine Federn so schön waren.
Cayden kommentierte meine Namenswahl nicht. Ich wusste ja selbst, dass ich nicht gut darin war, aber das hier war mein erstes Haustier. Woher sollte ich wissen, wie man sowas machte?
Als wir landeten, half Cayden mir dabei, abzusteigen. »Silber wird hier im Garten bleiben und man wird sich um sie kümmern. Solltest du fliegen wollen und dich alleine nicht trauen, frag mich.«
Das war glaube ich das längste, das er je zu mir gesagt hatte.
Ich blickte ihn mit großen Augen an, bis mir klar wurde, was genau er sagte.
Freude machte sich in mir breit, bevor ich, ohne darüber nachdachte, meine Arme um ihn schlang. »Danke. Danke. Danke«, rief ich und drückte mich an ihn, bevor ich merkte, was ich da eigentlich tat.
In dem Moment, in dem ich mir dessen bewusst wurde, wollte ich mich zurückziehen, doch da legte Cayden mir bereits einen Arm um und drückte mich fester an seine Brust.
»Bitte pass beim Fliegen gut auf dich auf.« Mit diesen Worten löste er sich wieder von mir, sodass ich zurücktreten konnte.
Ich spürte Hitze in meinen Wangen und traute mich nicht ihm in die Augen zu sehen. War ich zu weit gegangen? Hätte ich ihn nicht umarmen sollen?
Aber das, was er mir geschenkt hatte, war nicht in Worte zu fassen.
»Mach ich«, murmelte ich leise.
Heute war Cayden so ganz anders. Fast so, als würde ich wirklich träumen. Davor hatte ich Angst. Es fühlte sich richtig an. Ich wollte nicht, dass es nur ein Traum war.
»Jetzt husch ins Bett«, befahl er in der Art, die ich von ihm kannte.
»Ja«, lachte ich, denn ich war wirklich müde. Außerdem war es mittlerweile wohl zu spät zum Frühstücken. Doch dafür hatte Cayden mir etwas Wundervolles geschenkt.



































Kommentare