Ascardia-Kapitel 46
~Ascardia~
Kühle umfing mich, die jedoch nicht von Cayden ausging. Sie kitzelte an meinen Füßen und zog mich langsam aus der Schwere meines Traums.
Vorsichtig schlug ich die Augen auf. Caydens Duft in der Nase blieb ich liegen und zog meine Füße wieder unter die Decke.
Verschlafen drehte ich mich, weil ich hoffte, mich an Cayden kuscheln zu können, doch die Seite des Bettes war leer.
Überrascht schlug ich meine Augen auf und setzte mich hin. Ich war in Caydens Zimmer. Ich erkannte es sofort wieder, auch wenn die Vorhänge noch zugezogen waren.
Wo war Cayden? Gestern hatte er noch im Bett gelegen und Ayden hatte mich zu ihm gelegt.
Ich rieb mir die Augen, während ich mich fragte, was es mit diesem Traum auf sich gehabt hatte. Cayden hatte mich auf eine Art und Weise berührt, die allein bei der Erinnerung Schmetterlinge in meinem Bauch auslösten. Gleichzeitig war ich irritiert.
Das war doch ein Traum gewesen, oder?
Ich blickte auf die leere Bettseite und fuhr mit meiner Hand darüber. Sie wirkte, als hätte Cayden dort gelegen, aber wo war er jetzt?
War in der Nacht irgendwas passiert?
Für einen Moment machte sich Angst in mir breit und ich schlug die Decke zurück. Was, wenn er aus dem Bett gefallen war, als er sich bewegt hatte?
Mein Herz klopfte, als ich aufstand und um das Bett herumging.
Erleichterung packte mich, denn dort war er auch nicht. Dann überkam mich Angst. Wo war er dann hin?
Im nächsten Moment realisierte ich, dass ich ganz normal stand und lief. Ich hatte es getan, ohne darüber nachzudenken, dass mein Körper das eigentlich nicht schaffte und jetzt stand ich hier.
Völlig überfordert mit der Situation, ließ ich mich zurück auf das Bett fallen.
Das seidige Nachthemd fuhr über meine Brüste und ließ mich erschaudern.
Ich erinnerte mich daran, wie Cayden mit diesen gespielt, sie geküsst und an ihnen gesaugt hatte.
Ein Gefühl, das Hitze durch meinen Körper gejagt hatte und ich vermisste diese Berührungen schon jetzt.
War das wirklich echt gewesen?
»Cayden«, flüsterte ich, doch da ich die letzten Tage darauf nur Stille bekommen hatte, rechnete ich nicht mit einer Reaktion.
Als mich eine kühle Brise streifte, spannte ich mein Körper erwartungsvoll an und nur wenig später erschien Cayden im Raum. So wie es früher schon der Fall gewesen war.
Ich schnappte nach Luft und sprang sofort auf, bevor ich ihn in die Arme fiel.
Er verspannte sich einen Moment, bevor er seinen Arm vorsichtig um mich legte. »Du bist wieder wach«, flüsterte ich erleichtert.
Cayden gab mir einen leichten Kuss auf meine Stirn. »Und du kannst wieder stehen.«
Ich schmunzelte leicht und atmete seinen Duft ein. Er beruhigte mich sehr. »Wie geht es dir?«, fragte ich in dem Moment, indem auch er die gleiche Frage stellte.
Ich sah auf und betrachtete sein wunderschönes Gesicht. Mein Blick wanderte automatisch zu seinen Lippen. Leichte Röte schoss mir ins Gesicht und ich senkte den Blick wieder. Allein der Gedanke, wie er damit meinen ganzen Körper geküsst hatte, ließ mein Herz höher schlagen und die Schmetterlinge in meinem Bauch fliegen.
Cayden schob mich etwas von sich, bevor er meine Handgelenke betrachtete und meine Arme. Er schien nicht zu finden, was er suchte.
In mir stieg eine leise Angst auf. Cayden verhielt sich anders. War das meine Schuld? Hatte ich die Nacht eine Grenze überschritten?
Vielleicht war es keine gute Idee gewesen, mich ihm auf diese Art zu nähern. Aber ich hatte mich bei ihm bedanken wollen und in dem Buch, das ich gelesen hatte, waren Küsse dafür eine angebrachte Bezahlung. Aber …
Niemals hätte ich erwartet, dass seine Küsse meinen Körper so zum Glühen bringen würden.
»Ascardia«, sagte Cayden plötzlich ernst, sodass ich aufsah. In diese wunderschönen, eisblauen Kristallaugen.
Für einen Moment schwieg er, als würde er genauso in meinen Augen versinken wie ich in seinen. Dann erhob er die Stimme. »Diese Nacht … Ich möchte nicht, dass du denkst, dass ich von dir erwarte, dass du …«
Seine Worte trafen mich. Es fühlte sich an, als würde jemand mit einem Dolch in mein Herz stechen. »Es hat dir nicht gefallen?«, fragte ich, denn das war die Angst, die tief in mir schlummerte. Dass er meine Berührungen nur erwidert hatte, weil er sich gezwungen fühlte.
Cayden schloss einen Moment die Augen, als müsste er sich fangen. »Das ist es nicht. Aber so etwas … macht man nicht einfach mit jedem«, sagte er, als würde er mich belehren wollen.
Ich blickte verständnislos zu ihm hoch. »Ich weiß. Man küsst nur die Person, die einem viel bedeutet«, sagte ich unsicher, worauf er hinaus wollte.
Cayden legte mir seine Hand an die Wange und strich mit seinem Daumen über meine Lippen. »Dann ist es in Ordnung, wenn ich dich küsse?«, fragte er.
Ein Zittern ging durch meinen Körper und er reagierte aufgeregt darauf, gleich seine kühlen Lippen auf meinen zu spüren.
Ich nickte vorsichtig und öffnete ganz leicht, einladend meine Lippen.
Cayden lächelte und beugte sich hinab.
Seine Lippen trafen auf meine.
Sie waren zu kalt, um tröstend zu sein. Zu zärtlich, um Angst zu machen, doch so einnehmend, dass mein Körper förmlich schmolz.
Sanft bewegte ich meine Lippen in seinem Takt und drohte mich, darin zu verlieren.
Als er sich schließlich von mir löste, schnappte ich nach Luft, während mein Herz heftig in meiner Brust klopfte. »Noch einmal«, bat ich und sprach die Worte aus, ohne darüber nachzudenken.
Cayden tat mir den Gefallen und kurz darauf fand ich mich wieder in dieser kühlen, sanften Umarmung wieder, während unsere Lippen sich gegenseitig erkundeten. Ich glaubte sogar, seine Zunge einen kurzen Moment zu spüren.
Gerade, als ich die Geste erwidern wollte, riss Ayden die Tür auf.
Ich zog mich instinktiv zurück, doch Cayden hielt mich an sich gedrückt, sodass ich nicht über meine eigenen Füße fallen konnte.
Mit heftig schlagenden Herzen blickte ich zu Ayden, der panisch aussah. »Fürst Dorne«, brachte er hervor, bevor er Cayden erblickte und abbrach.
»Er ist also hier«, murmelte Cayden, der mich noch immer an sich drückte.
Ayden fuhr sich durch die Haare und stieß erleichtert die Luft aus. »Seit wann bist du wieder wach?«, fragte er und ich sah, wie die Anspannung von ihm abfiel.
»Seit einer Stunde«, erwiderte Cayden, auch wenn das nicht sein konnte. Wenn wir die Nacht wirklich so verbracht hatten, wie ich mich erinnerte, dann waren es mehr als eine Stunde.
Warum log er Ayden an?
Dieser hob eine Augenbraue, als würde er seinen Bruder durchschauen. Dann sah er zu mir und grinste leicht. »Ich seh schon. Leider muss ich euch stören. Er bringt eine Armee mit.«
Hatte ich mich gerade verhört und warum sagte Ayden das so unaufgeregt?
Fürst Dorne kam mit einer Armee? Was hatte das zu bedeuten?





































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