Ascardia-Kapitel 49
~Ascardia~
»Töte ihn«, hallte Fürst Dornes Worte in der Halle wider und ließen mich heftig zusammenzucken.
»Ayden«, rief ich, doch bevor ich losrennen konnte, blockierte Issabella mir den Weg.
Sie hielt mich fest, doch nicht so wie zuvor. »Sie werden dich umbringen«, sagte sie panisch, als schon die ersten Magieblitze durch die Luft sausten.
Von Ayden ging Feuer aus, dass auf ein Schild aus Eis traf, das Cayden schützte.
Die Magie knisterte im Raum und sorgte dafür, dass meine Haare sich aufstellten.
Ich hielt die Luft an, als erneut Magie gegeneinanderkrachte. War das Aydens volle Kraft?
Es wurde heiß, dann wieder kalt, was meinem Körper gar nicht guttat. Erst zitterte ich vor Kälte, bevor die Hitze mich schwitzen ließ, während Ayden Cayden unablässig mit Feuerbällen atakierte.
Es war jedoch unschwer zu erkennen, dass Cayden diese ohne große Probleme abwehrte.
Während Ayden bereits schwer atmete, sah man Cayden nicht an, ob er erschöpft war. War der Kräfteunterschied wirklich so groß?
Mein Herz schmerzte, während ich mich versuchte, aus Issabellas Griff zu winden. Mir war klar, dass ich ihnen nicht gewachsen war, doch ich musste Ayden aufhalten. Wenn er so weiter machte, konnte Cayden nur reagieren. Um ihn aufzuhalten, musste er ihn verletzen.
Vielleicht zeigte Cayden nicht oft Gefühle, doch ich wusste, dass er seinen Bruder liebte. Es würde ihn schwer treffen, wenn er gezwungen war, anzugreifen.
Mein Blick wanderte umher, während ich eine Möglichkeit suchte, einzugreifen.
Was konnte ich tun, um zu helfen?
Ich sah Fürst Dorne lächeln, aber er stand einfach nur da. Sein Blick auf Ayden und Cayden fokussiert, als wäre alles andere um ihn herum, unwichtig.
Mir kam eine Idee und ich hörte auf, mich gegen Issabella zu wehren.
Stattdessen versuchte ich, ihre Aufmerksamkeit auf Fürst Dorne zu richten.
»Das geht nicht«, flüsterte sie mir zu, während sie sich sichtlich wandte. »Ich kann mich ihm nicht wiedersetzen.«
Ich blickte überrascht zu ihr, da ich nicht ganz verstand. »Aber das hast du doch schon einmal«, bemerkte ich, denn wie sonst sollte ich mir erklären, dass sie wieder zu Sinnen gekommen war?
Issabella starrte mich einen langen Moment nur schweigend an, bevor sie die Lider senkte. »Das war nicht ich. Das warst du. Du hast … seinen Einfluss von mir gewaschen.«
Hatte ich?
Aber wie?
Mir war nicht bewusst, etwas anderes getan zu haben, als auf sie einzureden, um sie zur Vernunft zu bringen. Nachdem ich so viel Zeit mit ihr verbracht hatte, glaubte ich einfach nicht, dass sie eine derart böse Person war. Dass Fürst Dorne aber direkten Einfluss auf sie gehabt hatte, war mir erst mit Ayden klar geworden.
Plötzlich bebte der Boden, als einer von Aydens Feuerbällen Caydens Eiswand zertrümmerte.
Mein Herz setzte für einen Moment aus, weil ich befrüchete, die Hitze würde Cayden treffen, doch er wich geschickt aus. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass er erschöpfter war, als er aussah.
Erst vor wenigen Stunden hatte er sich von meiner Heilung erholt. Das Schattenlicht hatte ihn geschwächt.
Schuld stieg in mir auf. Wäre ich nicht gewesen, hätte er nie so viel Kraft aufbringen müssen und hätte vermutlich schon längst gesiegt.
Ein leises Klackern ließ mich zu Boden schauen. Dort schimmerte die silberne Klinge des Messers, das Issabella gehalten hatte.
Ich blickte von diesem zu Fürst Dorne.
Wenn Issabella nicht konnte, dann vielleicht ich.
In einer schnellen Bewegung, von der ich hoffte, Issabella würde sie nicht bemerken, schnappte ich mir das Messer, bevor ich los rannte.
Der Boden bebte noch immer, weshalb es nicht leicht war, auf den Beinen zu bleiben. Zum Glück ging es Fürst Dorne genauso, weshalb er sich nicht auf mich konzentrierte.
So schnell ich konnte, rannte ich auf ihn zu.
Heiße Luft schlug mir entgegen, bevor sich Kälte ausbreitete. Der Boden knackte, als sich Raureif über die Fliesen zog und diese leise knackend splittern ließ.
Der Geruch von verbranntem Holz stieg mir in die Nase, während die Magie immer stärker Knisterte. Es war fast so, als würde sie sich auf meine Haut legen. Wie feiner Regen.
Ich ignorierte es, griff das Messer fester und sprang mit erhobener Hand auf Fürst Dorne zu. Irgendwie musste ich dafür sorgen, dass er seine Konzentration von Ayden nahm.
Sein Blick schnellte zu mir, bevor sich seine Lippen bewegten. Ich verstand nicht, was er sagte. Vor meinen Augen flackerte Feuer und dann stand da plötzlich Ayden.
Ich riss meine Augen auf, schaffte es aber nicht, zu stoppen. Mein Messer bohrte sich in sein Bein, traf auf etwas Festes und rutschte ab, sodass ich mit voller Kraft zu Boden krachte, während heißes Blut in meine Richtung spritzte.
Mein Herz klopfte so laut in meinen Ohren und der Aufprall raubte mir die Luft, sodass ich nicht sofort verstand, was hier vor sich ging.
Schmerzen machten sich in meinen Fingern und in meinen Knien breit. Ich musste mich verletzt haben, doch ich war nicht dumm genug, liegen zu bleiben.
In einer schnellen Bewegung rollte ich mich zur Seite. Unbeweglich zu sein, war gleichzusetzen mit dem Tod. Das war im Gluthain so und würde hier in einem Kampf nicht anders sein.
Dort, wo ich gerade noch gelegen hatte, schlug Aydens Schwert in den Boden. Es bohrte sich in die kaputten Fließen, als wären diese Butter.
Wenn mich dieses Schwert traf …
Panik stieg mir in die Knochen und ließ mich zittern, als ich versuchte, auf die Beine zu kommen.
Kälte zischte an mir vorbei. Etwas schlug gegen Ayden, der zurückgeschleudert wurde, bevor er das Schwer herausziehen konnte.
Hatte Cayden …
Ich konnte nicht darüber nachdenken, denn da bebte der Boden schon wieder. Als ich aufblickte, sah ich in kalte, kristallene Augen. Wut war darin zu sehen und die Kälte, welche den Raum einnahm, wurde schlimmer.
Scheiße. Ich hatte vermutlich gerade schlafende Hunde geweckt.
Schnell blickte ich zurück und bemerkte, dass Aydens Bewegungen schwerfälliger wurden. Sein Bein war verletzt. Vielleicht gab uns das die Möglichkeit, Fürst Dorne zu besiegen. Aber wenn er Ayden als Schutzschild nutzte …
Sofort blickte ich wieder zu Cayden, der in seiner Hand blau-weiß schimmernde Magie sammelte.
Im Raum lag eine seltsame Mischung aus eisblauen Blitzen und rotglühenden Flimmern. Waren das Ayden und Caydens Auren? Sie hüllten den gesamten Raum ein und ließen meine Sinne verwirrt zurück. Dennoch spürte ich Caydens mentale Stimme mich erreichte. //Kannst du Ayden beschäftigen?//, fragte er mit angespannter, aber kalter Stimme, was mich überraschte.
Sein Vertrauen ließ mein Herz einen Satz machen und ich wandte mich sofort wieder zu Ayden um. »Ayden«, sagte ich laut genug, um seine Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen. Vielleicht gelang es mir, auch ihn aus Fürst Dornes Manipulation zu ziehen, so wie ich es auch bei Issabella geschafft hatte.
Nur wusste ich nicht wie. Musste ich diese Fähigkeit irgendwie aktivieren? Brauchte ich dafür Körperkontakt?
Es hatte sich nicht anders angefühlt als sonst. Hätte Issabella nichts dazu gesagt, hätte ich nicht einmal bemerkt, dass ich etwas getan hatte. Hoffentlich hatte sie recht und ich war es auch gewesen.
Als sich Ayden zu mir drehte, schluckte ich unsicher.
Er machte einen Schritt auf mich zu und ich einen Zurück. »Ayden«, sagte ich noch einmal.
Zumindest hatte ich seine Aufmerksamkeit. Hoffentlich würde Cayden sie nutzen.
»Töte Cayden«, rief Fürst Dorne plötzlich und ließ mich zucken.
»Nein!«, schrie ich und streckte die Hand aus, um ihn aufzuhalten. Doch er blieb stehen, bevor ich ihn berührte.
Sein Blick auf mich gerichtet erkannte ich seine tiefschwarzen Augen.
Mein Herz schmerzte.
Das war nicht der Ayden, den ich kannte. Ihm war anzusehen, wie sehr er sich dagegen wehrte und wie viel Kraft es ihn kostete. Er wollte nicht, was er tat, doch er hatte keine andere Wahl.
»Dann töte sie halt zuerst«, rief Fürst Dorne, der ungeduldig klang.
Mein Blick huschte kurz zu ihm. Schweiß stand auf seiner Stirn und ich fragte mich, ob es schwer für ihn war, Ayden zu kontrollieren.
»Ayden, nein«, hauchte ich. »Das willst du nicht. Kämpf dagegen an.«
Meine Stimme zitterte und als Ayden seine Hand ausstreckte, zuckte ich heftig.
Das Schwert, das noch im Boden steckte, zitterte und löste sich, bevor es schließlich in seiner Hand landete.
Verdammt!
Aydens Arm zitterte, als er das Schwert hob.
Ich hielt seinen anderen Arm, schloss meine Augen und hoffte, dass er sich endlich befreite. »Bitte. Ich will nicht, dass du dich danach schuldig fühlst«, flüsterte ich und Tränen traten mir in die Augen.
Wenn dieser Kampf vorbei war und er überlebte, würde er danach leiden. Das wollte ich nicht. Ich wünschte, ich könnte dafür etwas tun.
Ein Klirren ertönte und ließ mich hektisch den Kopf heben. Ich sah nur noch, wie Aydens Schwert aus seiner Hand geschleudert wurde und erneut zu Boden ging.
Danach bewegte sich Ayden und stellte sich wieder zwischen Cayden und den Fürsten, um einen Angriff aufzuhalten.
Die Eiszapfen bohrten sich in seine Arme und Beine, doch Ayden verzog nicht einmal den Mund.
Ich schnappte nach Luft und starrte auf das Blut, das aus den Wunden rann.
Mir wurde schlecht, als mir die Schwere seiner Verletzungen klar wurde.
Der Plan war schiefgegangen. Caydens Angriff hatte ich Ayden erwischt, doch auch Fürst Dorne fluchte.
Als ich zu ihm schielte, bemerkte ich, wie er seinen Arm hielt. Blut floss zwischen seinen Fingern hervor und tropfte zu Boden, während Raureif über seine Finger zuckte.
Ein kleiner Funke Erleichterung machte sich in mir breit, doch würde das reichen?









































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