Kapitel 2

Kapitel 2
„Huch, ich verstehe dich ja ohne Worte?“, entgegnet Maja überrascht und trägt den kleinen Fuchs behutsam zum Sessel.
„Wie schön es hier ist! Ich habe noch nie aus diesem Fenster gesehen!“, raunt Maja.
„Ja, der Sessel am Fenster war auch der Lieblingsplatz von Anni und Katharina. Und ich dachte mir schon, dass es dir hier genauso gut gefällt wie den beiden“, antwortet der Fuchs leise.
„Oh, guck mal! Von hier oben kann ich sogar das Dach meiner Schule sehen!“, freut sich Maja und wird danach auf einmal ganz ruhig.
Ihre Augen füllen sich mit Tränen und Maja versteckt ihre Hände in ihrem Pullover.
Sanft blickt der kleine Fuchs sie an und fragt: „Magst du mir jetzt erzählen, was dich so wütend gemacht hat?“
Eine kleine Träne läuft Maja über ihre Wange.
Sie schluckt und schnieft ein wenig.
Langsam beginnt sie zu sprechen: „Warzen … Warzenschwein … sie sagen Warzenschwein zu mir … wegen den Warzen auf meinen Händen …“
Maja blickt zu Boden und versteckt ihre Hände noch tiefer in ihrem Pullover.
„Aaaah, jetzt verstehe ich dich!“, antwortet der kleine Fuchs verständnisvoll.
„Guck mich doch mal an!“, bittet er das Mädchen, „Fällt dir etwas auf?“
Maja hebt traurig ihren Kopf und beginnt den Fuchs genau zu betrachten.
„Hmmmm … ich weiß nicht so recht … vielleicht … vielleicht dein struppiges Fell? … oder deine spitzen Ohren? … hmmmm … oder vielleicht dein schiefes Auge?“, rätselt Maja.
„Genau! Mein schiefes Auge! Ich bin nicht so wie die anderen Füchse. Bei mir sitzt ein Auge schief. Ich bin nicht perfekt. Aber ich bin etwas Besonderes!“, schmunzelt der kleine Fuchs und zwinkert Maja mit seinem schiefen Auge munter an.
„Naja, ein schiefes Auge ist doch lange nicht so schlimm, wie ein Warzenschwein zu sein!“, protestiert Maja.
„Weißt du denn überhaupt etwas über Warzenschweine?“, fordert der kleine Fuchs Maja weiter auf.
„Was gibt es denn über diese Schweine schon zu wissen? Sie sind unglaublich hässlich, suhlen sich im Dreck und stinken!“, meckert Maja.
„Und sie sind etwas ganz Besonderes!“, antwortet der Fuchs.
„Ja, ja, sie sind ganz besonders hässlich!“, spottet Maja zurück und vergräbt ihre Hände noch tiefer im Pullover.
Ein kleiner leuchtender Blitz huscht dem Fuchs über sein schiefes Auge.
Er dreht seinen Kopf langsam von einer Seite zur anderen und beginnt zu reden:
„Sie sind mutig. Sie sind klug und vorsichtig. Sie sind bescheiden. Sie sind ganz sanft und liebevoll und lieben ihre Familien. Und sie sind einfach genau so, wie sie sind … sie sind authentisch!“
Maja schluckt erneut und versucht eine weitere Träne zu unterdrücken.
„Meinst du etwa … meinst du etwa ich … ich bin mutig, klug, sanft und liebevoll? … und auch noch au … au … authän oder so?“, stammelt Maja leise.
„Au-then-tisch! … nicht authän! Und ja, genau das meine ich! Und authentisch bedeutet, dass du immer die echte Maja bist! Du bist einmalig und etwas ganz Besonderes! Du bist Maja! Meine Maja!“, erklärt der kleine Fuchs.
Maja wird es auf einmal ganz warm. Sie atmet tief aus, blickt aus dem Fenster und schiebt vorsichtig ihre Hände aus ihrem Pullover.
„Maaaaajaaaaaa! Ich bin wieder zu Hauuuseeeeee!“, tönt es aus dem Hausflur.
Maja erschrickt kurz, gibt dem kleinen Fuchs einen Kuss auf seine pelzige Stirn und setzt ihn vorsichtig auf die Fensterbank.
„Meine Mama ist gerade nach Hause gekommen … ich muss gehen … bis morgen … ich komme wieder … versprochen!“, sagt sie munter, wischt sich die Träne von der Wange und geht in Richtung Dachbodentür.
Dann dreht sie sich nochmals um, sieht den kleinen Fuchs an und flüstert: „Danke! Ich hab dich lieb!“































































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