Kapitel 3

Kapitel 3


Maja hüpft gut gelaunt am Nachmittag nach dem Schulende nach Hause.

Sie ist glücklich und sie freut sich darauf, dem kleinen Fuchs gleich alles zu erzählen.

„Halliiiiiihallooooooo, mein kleiner Fuchs! Ich bin wieder zuuuu  Hauuuuuuuseeeeee!“, trällert sie munter und lässt sanft die Haustür ins Schloss gleiten.

Fröhlich hüpft sie die alte Holztreppe zum Dachboden hinauf.

„Ach, liebe Maja, wie schön, dass du schon wieder da bist! Und du strahlst ja richtig! Das ist wunderbar!“, freut sich der kleine Fuchs.

„Heute war ein toller Tag in der Schule! Du wirst nicht glauben, was ich gemacht habe! Hast du Zeit? Darf ich es dir erzählen?“, antwortet Maja.

„Na aber „hallo“! Ich bitte darum! Und natürlich habe ich Zeit für dich und du MUSST es mir erzählen! Und zwar sofort!“, lacht der Fuchs.

Majas Augen strahlen und sie beginnt zu erzählen:

„Pass auf, in der ersten Pause kamen die Mädchen wieder zu mir und nannten mich ein Warzenschwein. Und ich … ich musste nicht weinen … und ich war ganz und gar nicht wütend oder traurig … ich fühlte mich richtig gut dabei … und dann habe ich mich lächelnd zu ihnen umgedreht und sie einfach das gefragt, was du mich gestern gefragt hast!“

„Oh, du hast sie gefragt, was sie denn über Warzenschweine eigentlich wissen?“, fragt der kleine Fuchs mit wohlwollender Stimme.

„Genau! Und dann haben sie mir die gleiche Antwort gegeben wie ich dir! … und dann habe ich gegrinst und ihnen erklärt, wie besonders und wie einmalig Warzenschweine sind! … ja und dann habe ich ihnen noch einen schönen Tag gewünscht, habe sie angelacht und bin einfach gegangen!“, strahlt Maja.

„Meine Maja, das war großartig! Du hast das sehr, sehr gut gemacht! Ich bin wirklich stolz auf dich und du kannst auch richtig stolz sein!“, lobt der kleine Fuchs Maja.

Maja wird es ganz warm und ihre Wangen werden vor Freude richtig rot.

„Danke! Aber ich habe es nur mit deiner Hilfe geschafft!“, sagt sie verlegen.

„Nein, liebe Maja, du hast es ganz alleine geschafft … ich habe dich nur an etwas erinnert.“, entgegnet der Fuchs und zwinkert sie frech mit seinem schiefen Auge an.

Zart küsst Maja den Fuchs auf sein struppiges Fell, setzt sich in den Sessel und nimmt den kleinen Fuchs auf ihren Schoß.



„Magst du mir jetzt erzählen, wie es sein kann, dass du meine Oma Anni und meine Mama kennst?“, sagt sie und blickt ihn mit großen Augen an.

„Anni … die kleine Anni … ich erzähle dir zuerst von Anni … der kleinen Anni“, murmelt der Fuchs leise.

„Ja, Anni malte und zeichnete für ihr Leben gern. Und das schon, seit sie ein kleines Kind war. Sieh dich hier um, Maja! Alle Bilder hier hat deine Oma gemalt!“, spricht der Fuchs weiter.

„Ja, das weiß ich doch! Oma Anni ist ja auch eine Künstlerin! Und sie bekommt sogar richtig viel Geld für ihre Gemälde!“, antwortet Maja selbstsicher.

„Nun ja, Anni war aber nicht schon immer eine Künstlerin … und als ich sie vor vielen Jahren kennenlernte, war sie so traurig und enttäuscht und wollte nie mehr wieder in ihrem Leben malen …“, fährt der kleine Fuchs fort.

Maja legt vor Verwunderung ihre Stirn in Falten und wispert fragend: „…sie wollte nie wieder in ihrem Leben malen?“

„Weißt du“, spricht der Fuchs weiter, „Anni war damals vielleicht so alt wie du. Und sie malte und malte und malte … jeden Tag … viele Bilder. Diese Bilder schenkte sie meistens ihrer Mama … also deiner Urgroßmutter. Annis Mama liebte Anni sehr und fand die Bilder auch immer wunderschön …“

„ … aber …“, führt Maja den Satz fort.

„ … es wurden täglich immer mehr Bilder. Kisten und Schubladen füllten sich und irgendwann wusste Annis Mama nicht mehr, wohin mit den ganzen Bildern.“ beendet der Fuchs den Satz.

„Und dann warf meine Urgroßmutter einige Bilder weg, oder?“, fragt Maja.

„Genau! Und Anni bemerkte es. Das machte sie so traurig und wütend, dass sie nie mehr wieder malen wollte.“, erklärt der kleine Fuchs.

„Oh je, das verstehe ich! Die arme Oma Anni! … aber … aber vielleicht …“ , Maja überlegt weiter, „ … aber vielleicht hat es ja meine Urgroßmutter gar nicht böse gemeint? Und wollte einfach nur Ordnung machen und aufräumen?“

„Ja, das stimmt, Maja! Annis Mama meinte es überhaupt nicht böse und sie wollte Anni auch damit gar nicht weh tun … sie wusste einfach nur nicht mehr wohin mit den ganzen Bildern.“, bestätigt der kleine Fuchs Maja.

„Nun ja, und dann kam Anni zu mir und war damals genauso erstaunt wie du gestern, dass ich sprechen kann, sie mich tatsächlich versteht und ich auch noch ihr Freund bin.“, kichert der Fuchs.



Maja legt ihren Kopf schief, hebt einen Zeigefinger und prustet los: „ Ich hab‘s! Kleiner Fuchs, ich hab‘s! … und dann hat Oma Anni dir ihren Kummer erzählt und du … du … du hast ihr geholfen!“

„ … nun ja, ob ich ihr geholfen habe, weiß ich nicht … aber ich habe sie, so wie dich, an etwas erinnert …“, erzählt der Fuchs.

„Und was hast du zu Oma Anni gesagt?“, will Maja neugierig wissen.

Der Fuchs zwinkert mit seinem schiefen Auge und schmunzelt: „Ich habe sie nach ihrem Traum gefragt. Und Anni überlegte ein wenig, wischte sich damals auch eine Träne von ihrer Wange und sagte dann, dass sie einfach nur malen und eine große Künstlerin werden möchte.“

„Oh, und das ist doch Oma Anni auch geworden!“, strahlt Maja.

„Genau! Denn wenn man an seinen Traum glaubt und etwas tief in seinem Herzen spürt, dann findet der Traum irgendwann seinen Weg!“

Maja blickt sich um. Auf dem ganzen Dachboden hängen Bilder und Kunstwerke von Oma Anni.

„… und nur weil nicht jedes Bild in einem Rahmen landet, heißt es ja noch lange nicht, dass man keine große Malerin werden kann! Oma Anni, zum Glück hast du nicht aufgehört zu malen!“, jubelt Maja.

„Ja, Maja! Glaube an dich … Träume sind oft leise … und nicht jeder Mensch hört sie. Aber wenn du an ihnen festhältst, auf dein Herz hörst und mutig deinen Weg gehst … dann finden deine Träume irgendwann zu dir!“, flüstert der kleine Fuchs leise.


 

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