Kapitel 28 – Naturdokumentationen und Kuschelorgien

Kapitel 28 – Naturdokumentationen und Kuschelorgien

 

Brian hatte genug gesehen. Nein, eigentlich hatte er zu viel gesehen. Aber er hatte wissen müssen, was passiert war. Er hatte wissen müssen, was seinen Mädels angetan worden war. Vor allem Zoe, seiner afroamerikanischen Schönheit, war übel mitgespielt worden. Besser, er nahm sie erstmal raus für ein paar Wochen.

Er schaltete ab und fuhr den Computer runter. Danach ging er ins Wohnzimmer. Von Eve und Yannis fehlte jede Spur. Wahrscheinlich waren sie auf dem Spielplatz. So hatte er wenigstens seine Ruhe. Obwohl er mittlerweile unglaublich müde war, wusste er, er könnte nicht schlafen. Brian schaltete den Fernseher ein, suchte sich eine harmlose Doku raus und machte es sich auf der Couch bequem. Die Naturbilder und die Erzählstimme würden hoffentlich diese beschissenen Bilder aus seinem Kopf vertreiben …

 

Als Evelynn mit Yannis wenig später schon wieder nach Hause kam, fanden sie ein eher ungewöhnliches Bild vor.

„Mami?“ Yannis zog vorsichtig an ihrem Ärmel. „Ich glaube“, flüsterte er, „Brian schläft. Das heißt, du musst leise sein, Mami.“

Evelynn nickte und blickte von der Tasche in ihren Händen auf den laufenden Fernseher. Kinderzoo? Das war bestimmt nicht das, was Brian eingeschaltet hatte. Aber umso besser. „Ich gehe mich schnell umziehen. Zieh du derweil deine Schuhe und die Jacke aus, Yannis. Und setz dich auf die Couch, dann gucken wir noch ein bisschen mit.“

Yannis nickte eifrig, als hätte sie ihm einen Geheimauftrag gegeben. Evelynn selbst schlüpfte aus ihren halb zerfallenen Schuhen und schlich sich ins Büro, wo sie eine ganze Weile nur planlos umhersah. Wo versteckte man so viel Geld? Als ihr Blick den Bildschirm streifte, zuckte sie unversehens zusammen. Sie musste sich konzentrieren. Nicht daran denken! Ihr Blick glitt zum Sofa … und darunter …

Als sie wieder aus dem Büro kam und nach Yannis suchte, hatte sie Mühe, ihr leises Lachen zu unterdrücken. Hatte Brian sich nicht vehement gegen das Vatersein ausgesprochen? Dafür hielt er ihren Sohn im Schlaf gerade aber sehr fest im Arm. Und Yannis kuschelte sich vertrauensvoll an ihn, doch auch ihm fielen die Augen schon zu. Evelynn nahm die Decke vom Ende der Couch und legte sie vorsichtig über Sohn und Zuhälter. So ein Arschloch … packte er sich ihren Sohn und kuschelte. Leise gesellte sie sich zu den beiden aufs Sofa und unterdrückte die heimlich aufkommende Eifersucht auf ihren Sohn, der an der Brust dessen lag, nach dem es sie in ihrem Innersten verlangte.



Blinzelnd öffnete Brian die Augen, merkte, wie müde er noch war, und schloss sie sogleich wieder. Da war noch eine weitere Wärmequelle. Sie lag in seinem Arm. Er zog sie näher. Schon befand er sich wieder im Land der Träume.

Als Brian erneut die Augen öffnete, lief im Fernsehen eine Doku über Regenwälder. Oder so. Und sein Arm war eingeschlafen. Der Grund dafür sabberte ihm gerade auf den Ärmel. Vorsichtig zog er den Arm weg, den Yannis als Kopfkissen benutzt hatte. Wann hatte er sich dazugelegt? Und woher kam die Decke? Vorsichtig stand Brian auf, darauf achtend, den Kleinen nicht zu wecken. Ans andere Ende der Couch konnte er sich nicht niederlassen, wie er mit leicht erhobenen Augenbrauen, jedoch mehr verschlafen als genervt, realisierte. „Eve“, murmelte er leise. Sie hatte sich zusammengekauert und ihre Füße unter die Decke geschoben. Müde rieb er sich die Augen und warf dann einen Blick auf die Uhr. Kurz nach vier. Der ganze Tagesrhythmus war im Arsch, weil er in der Früh nicht hatte schlafen können.

Brian beschloss, die beiden noch ein wenig schlafen zu lassen. Er nahm eine ausgiebige Dusche, wickelte anschließend ein Handtuch um seine Hüfte und ging zur Kaffeemaschine. Während sein Kaffee durchlief, weckte er Evelynn auf. „Hey, wach auf. Und weck‘ den Kleinen, sonst kann er heute Abend nicht schlafen.“

Verschlafen öffnete Evelynn die Augen. „Hm? Ja … ja, da hast du recht.“ Vor ihren müden Augen spiegelte sich der Kuss von letzter Nacht. Doch gleich darauf kam auch die Erinnerung an die herablassenden Worte zurück und stach ihr eins ums andere ins Herz. Sie weckte Yannis, vorsichtig und sanft. Anschließend klaubte sie Brian, der seine Kaffeetasse kurz auf den Tisch gestellt hatte, den Kaffee und trank ihn aus.

Brian, der sich indessen umgezogen hatte, und nun wieder in die Küche geschlendert kam, griff gedankenverloren nach seiner Tasse und stutzte. „Eeeeve…!“, knurrte er langgezogen. „Mach dir deinen eigenen Kaffee!“ Er nahm die Tasse, stellte sie unter die Kaffeemaschine und warf eine neue Kapsel ein. „Wir müssen noch einkaufen gehen. Können wir in einer halben Stunde los?“

Eve sah auf, die Augen voller Unschuld und Tugendhaftigkeit. „Natürlich. Geht klar. Yannis zieht sich schon an.“



Brian griff nach der Tasse, kippte etwas Zucker rein und lehnte sich mit dem Hintern an die Arbeitsplatte. Seine Augen hatte er auf die schwarzhaarige Schönheit gerichtet. „Und du willst dich nicht umziehen? Du trägst immer noch meinen Sweater.“

Evelynn sah an sich herab und wurde rot. „Stimmt. Wollte dich bei deinen Hobbys immerhin nicht unterbrechen …“ Hastig schüttelte sie den Kopf, um den Gedanken daran wieder loszuwerden. „Ich leiste Yannis dann mal kurz Gesellschaft.“

„Hobbys?“ Brian zog die Augenbrauen hoch und nippte an seinem Kaffee.

Evelynn hatte sich schon umgedreht, wandte sich jetzt aber wieder zu Brian zu. „Die Filmchen … die du so fasziniert geguckt hast …“

Er kniff die Augenbrauen zusammen. „Ich sagte, dass ich im Büro nicht gestört werden will. Und ich sagte auch, dass Nish ein paar Leute in den Club geschickt hat. Denkst du, ich hab die Aufnahmen geguckt, um mir einen runterzuholen? Hältst du mich für so krank?“ Seine Stimme wurde dunkler, leiser und zugleich wütender.

Evelynn schluckte. Stimmt, da war etwas mit Nish gewesen … gleich bevor … oder nachdem … er sie geküsst hatte. Evelynn schüttelte den Kopf. „Woher soll ich wissen, wie krank du bist? Woher soll ich wissen, was das für Filme sind? Außerdem hast du mir nicht wirklich etwas gesagt, sondern mir vielmehr deine Zunge in den Mund gesteckt. Was soll es bedeuten, dass Nish den Club unter die Lupe genommen hat?“

„Der Kuss war ohne Zunge“, kommentierte er stoisch. Bevor er weitersprach, warf er einen kurzen Kontrollblick in Richtung Büro. „Nish hat mich gestern zu sich bestellt und zeitgleich Leute geschickt, um dich im Underdog zu suchen. Seine Männer haben sich an meinen Mädchen vergriffen und den Club verwüstet. Und die Kunden verprügelt, die zu dem Zeitpunkt vor Ort waren. Ich musste wissen, was passiert ist. Und wer alles auf meiner Abschussliste landet.“

Evelynn fielen fast die Augen aus dem Kopf. „Man hat sie…“ Keuchend schlug sie sich die Hände vor den Mund. Das war doch nicht möglich! Wie … wieso … „Gott …“

„Der Club bleibt heute zu. Wir gehen einkaufen, holen ein paar Sachen zum Grillen und ich werde mit den Mädels reden. Yannis kann mit. Wir grillen draußen, dann kann er dort spielen. Vielleicht holen wir noch einen Fußball oder so. Das wird die Mädchen ablenken.“ Brian nipte noch einmal an seinem Kaffee, kippte im Anschluss jedoch die beinahe noch volle Tasse in der Spüle aus. Ihm war die Lust auf Kaffee vergangen. „Zieh also die neuen Schuhe an, bevor es dich wieder hinlegt beim Rennen.“



„Haha …“ Unangenehm wurde sie an ihre Verfolgungsjagd erinnert. Evelynn kaute sich auf der Lippe herum. „Und … du hast dir wirklich keinen dabei runtergeholt?“

Brians Mimik wurde eisig. „Während ich dabei zusehen muss, wie die Frauen, die ich teilweise schon seit Jahren kenne, so behandelt werden?“ Wütend biss er die Zähne zusammen. Besser, er dachte an etwas Angenehmes. „Nein, ich hole mir einen runter, wenn ich daran denke, wie du stöhnend unter mir liegst.“

Evelynn wurde rot. Mit dieser Antwort hatte sie nicht gerechnet. Gleichzeitig machte sich in ihr ein mulmiges, ungutes Gefühl breit. „Und wenn ich unter anderen Männern liege, erregt dich das auch? Oder wieso sonst hast du, als Trevor mich instruiert hat, mit einer Monsterlatte die ganze Zeit daneben gestanden? Und wenn ich es mit anderen Männern tue? Guckst du dann auf deine Monitore und rubbelst dir dabei einen ab?“ Evelynn hatte ihre Hände zu Fäusten geballt und war wütend einen Schritt auf Brian zugetreten.

„Nein. Die Videos sehe ich mir nur an, wenn sich eins der Mädchen oder ein Kunde beschwert. Zudem werden sie alle 24 Stunden überschrieben.“ Brian kam ihr entgegen und setzte ein schiefes Grinsen auf. „Oder gefällt dir der Gedanke, dass ich dir zusehe? Du kannst gerne ein Wichsbild von mir haben. Oder mir dabei zusehen, wenn ich mir einen runterhole.“

„Kein Interesse!“, fauchte Evelynn scharf und legte den Kopf in den Nacken, um zu ihm aufsehen zu können. „Mich erregt der Gedanke, unter dir zu liegen, nämlich keineswegs!“

Sie stierten sich an. Brian blinzelte nicht und Evelynn genauso wenig.

„Wirklich?“ Er kam ihr noch näher, trat einen weiteren Schritt auf sie zu, und neigte dabei seinen Kopf, sodass er auf sie hinunterblicken konnte. Zentimeter lagen zwischen ihren Lippen und davon nicht zu viele. „Nicht mal ein wenig?“

Evelynn drückte möglichst unauffällig die Oberschenkel zusammen. Sie spürte, schmeckte seinen Atem auf ihren Lippen. Entgegen ihrer Aussagen erregte sie das Bild, von ihm durchgenommen zu werden, sehr wohl, und das nicht zu wenig. „Nein“, entkam es hauchend ihren Lippen, die viel zu nah an Brians waren. Sie konnte den Blick nicht mehr von seinen Lippen abwenden, war wie hypnotisiert.



Ganz leicht strich Brian mit seinen Lippen über Evelynns und musste sogleich grinsen, als sie ihren Mund leicht öffnete. Er würde ihr die nächsten Tage ordentlich einheizen. Dann würde sie ihr Nein ändern, ganz bestimmt. „Zieh dich an“, flüsterte er betont sexy.

Evelynn schluckte. Nein? Ja? Verdammt … Sie fiel wieder auf ihre Fersen hinunter, welche, ohne, dass sie es bemerkt hatte, den Boden unter sich verloren hatten, drehte sich um und ging apathisch zu Yannis, um sich umzuziehen. Ihr Blick huschte unter das Sofa. Sie hatte Geld. Dieser Mann tat ihr nicht gut. Sie sollte Yannis packen und fliehen, solange sie es noch konnte.

 

Nach beinahe einer Stunde kamen sie endlich am Puff an. Der Parkplatz davor war wie leergefegt. Brian stieg aus und ging zum Kofferraum, wo er als Erstes den Fußball für Yannis rausholte. Solange der Kleine abgelenkt war, würde auch Evelynn etwas Zeit haben, um sich gehen zu lassen. Und er wiederum hätte Zeit, um mit den Frauen zu reden. Er übergab dem Kleinen den Ball und drückte Evelynn ungefragt eine der Einkaufstüten in die Hand. Er selbst nahm die anderen zwei und ging zum Hintereingang, wo der schlichte Gasgrill stand. Die Tür war bereits offen. Patricia und Kelly saßen auf einer Holzbank und sprachen miteinander. Während Kelly sitzenblieb, kam Patricia ihnen entgegen. „Soll ich tragen helfen?“

„Nein, nicht nötig“, erwiderte Brian und ging auf die Tür zu. „Wobei, doch. Nimm Eve die Tüte ab, damit sie draußen bleibt und der Kurze nicht mit reinkommt.“

Evelynn stellte die Tasche auf den Boden und zog die auf sie zulaufende Patricia in ihre Arme. „Tut mir leid“, murmelte sie leise. „Ich war nicht da. Nicht, dass das etwas gebracht hätte, aber …“

Patricia nickte schwach, nahm Evelynn die Tasche ab und verschwand hinter Brian im Club.

 

Nur eine halbe Stunde später roch es nach Steaks und Grillkäse. Jennifer hatte zwei Salate gemacht und auf den beiden aufgestellten Klapptischen abgestellt. Brians Domina hatte ein geschwollenes, blaues Auge. Die Verletzungen der anderen Frauen waren äußerlich nicht oder nur schwach sichtbar. Aber sie waren da.

Yannis fühlte sich wohl bei den Frauen, die allesamt mit ihm spielen wollten und ihn hinter dem Ball herlaufen ließen. Er hatte sichtlich Spaß daran und die Frauen kamen nach dem Schrecken der Nacht auf andere Gedanken.



Als es spät wurde, brachte einer von Brians Männern Eve und ihren Sohn nach Hause. Brian selbst kümmerte sich nun um den Club und allem voran um seine Mädels. Er nahm sich die Zeit für lange Gespräche und filterte dabei vorsichtig heraus, wie sie sich ihre Zukunft vorstellten. Zoe würde die nächsten Wochen lediglich den Puff sauber halten. Ob sie jemals wieder im Business arbeiten könnte, war unklar, aber Brian machte sich da keine Hoffnungen. Es wäre ein Leichtes, sie rauszuwerfen und Eve Zoes Wohnung zu geben. Aber er wollte es nicht. Die Frage war nur: Warum? Weil er das Zoe nicht antun konnte? Oder weil er Eve und Yannis weiterhin um sich haben wollte? Dabei wäre er mit ihnen auch seine Probleme los …

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