Kapitel 27

Fiona

Eine Bewegung in meinem Haar holt mich langsam aus meinem Schlaf. Mir wird eine Strähne aus dem Gesicht gestrichen. Ehe ich selber ganz wach bin, greife ich nach der fremden Hand und verdrehe sie.

„Aua, verflucht Fiona, ich bins.“ höre ich Paul schmerzvoll sagen. Ich schaue den Arm entlang und kann dann wirklich Paul sehen. Umschauend lasse ich seine Hand langsam los. Stimmt ja, ich blieb gestern bei Paul. Dann muss ich wohl irgendwann eingeschlafen sein.

Wieder zu Paul schauend frage ich „Wie geht es dir?“ „Bis eben eigentlich ganz gut. Ich habe keine Schmerzen mehr. Nur kann ich Dust gerade überhaupt nicht mehr spüren. Aber ich weiß, dass er da ist und trotzdem alles mitbekommt.“ erklärt sich Paul.

„Es tut mir Leid Paul. Ich..“ doch weiter komme ich nicht, da mich Paul unterbricht. „Nein, es ist schon gut. Ich verstehe dich. Was ich dir antat ist nicht einfach zu entschuldigen.“

Stumm blicke ich auf seine Bettdecke und auch Paul spricht nicht. Er wartet, auf mich, so wie er früher auch immer auf mich Acht gegeben hat. Ich vermisse diesen Paul, wird mir mit einem mal nochmal mehr klar.

„Weiß du, ich wollte dich nicht ablehnen.“ fange ich langsam an Paul zu sagen. „Ich wollte unserer Freundschaft eine letzte Chance geben.“ Mein Blick bleibt weiterhin auf die Decke gerichtet, so als würde ich mit ihr reden.

Ganz sacht, als könnte ich bei jeder Berührung sofort zerfallen, wendet Paul mein Gesicht, sodass ich zu ihm schaue. „Wirklich?“ fragt er vorsichtig hoffnungsvoll. „Mhm,“ stimme ich zu. Doch dann platzt es regelrecht aus mir hinaus „Ich vermisse dich so. Meinen Paul, der mich bei allem unterstützt hat und mich jedesmal aus meinem Schneckenhaus gehohlt hat. Der Paul, dem meine Gefühle wichtig waren. Der Paul, der einfach da war.“

Bedrückt schaut Paul zu Boden „Ich..“ beginnt er, doch ich unterbreche ihn. „Ich weiß nicht wie es ist, wenn man einen inneren Wolf hat. Und schon gar nicht, wie es ist, wenn er das eigene Handeln so beeinflusst. Aber ich habe dich gesehen Paul. Du hast gekämpft und dabei solche Schmerzen ertragen, für mich. Ich hoffe wirklich, dass wir unsere Freundschaft wieder aufleben lassen können.“

„Natürlich, nichts würde mich glücklicher machen. Ich würde vorschlagen, wir beginnen damit, dass wir uns wieder kennenlernen? Wir könnten zusammen essen gehen. Es gibt noch dieses Fisch-Restaurant, was du früher so geliebt hast.“ spricht Paul enthusiastisch, auch wenn er bei dem Fisch-Restaurant das Gesicht verzieht. Paul hat Fisch schon immer gehasst.



Schmunzelnd beruhige ich ihn „Wir haben Zeit. Doch jetzt muss du dich erst mal noch ausruhen. Marlene hatte gesagt, dass du mindestens eine Nacht noch hierbleiben sollst, sobald du aufwachst.“ Beleidigt verschränkt Paul seine Arme „Mir geht es gut.“

Prüfend schaue ich ihn an, ehe ich schnell in seinen Oberschenkel mit einem Finger piekse. Paul jault auf. „Siehst du? Du brauchst noch Ruhe. Deine Muskeln haben sich bei deinem inneren Kampf so verkrampft, dass sie Ruhe brauchen.“ Über seinen Oberschenkel reibend fragt Paul „Bleibst du bei mir?“

Sanft lächel ich „Ja, ich bleibe.“ Auf meine Worte hin, scheint sich Paul entspannen zu können. Wir beginnen dann damit über die vergangenen Jahre zu sprechen. Was ich erlebt habe, wie Paul das Training erlebte und all so was.

Gerade als ich von Taylor erzählen wollte, kommt eben dieser rein. „Tut mir Leid euch zu stören, aber wir haben eine Mission.“ Ungläubig schaue ich zu ihm „Schon wieder? Aber ich dachte wir hätten Urlaub?“ Taylor schmunzelt belustigt „Das war schon immer so. Nur ist es dir vorher nie aufgefallen, weil du dich auf jeden Einsatz gefreut hast.“

Einen Moment schaue ich ihn nur an, ehe ich Taylor zustimmen muss „Stimmt. Okay, dann mal los.“ Ich stehe auf und will Taylor folgen, doch hält mich eine Hand auf. Überrascht schaue ich zu Paul.

Zerrissen schaut er mich an „Fifi, ich weiß nicht ob ich das kann?“ Bei dem Spitznamen werde ich weich, so hatte mich Paul lange genannt, weil er Fiona nicht sagen konnte. Ich gehe zu ihm hin und nehme sein Gesicht zwischen meinen Händen. „Du schaffst das. Ich werde wieder kommen und dann gehen wir zusammen in das Restaurant!“ „Fifi“ wiederholt Paul. „Paul, das ist mein Job und ich mache ihn mit Leidenschaft. Wenn du das nicht akzeptieren kannst, weiß ich nicht, ob das mit uns überhaupt eine Chance hat. Ich werde auf mich aufpassen, versprochen!“ rede ich eindringlich auf Paul ein und meine doch jedes Wort Ernst. Dann kommt mir ein Gedanke, der aber auch ein bisschen gemein ist.

Ich beuge mich vor und küsse Paul auf die Wange. Paul schaut mich daraufhin mit großen Augen an. Die Chance nutze ich und streiche seine Hand von meinem Handgelenk. Schnell gehe ich zur Tür. „Ich komme wieder, versprochen.“



 

Wie gut gefällt dir dieses Buch?

Klicke auf einen Stern zum bewerten.

Durchschnitt 5 / 5. Anzahl: 2

Bisher keine Bewertungen

Kommentare

  1. Nein!! Wieso ausgerechnet jetzt, wenn die beiden endlich ihre zweite Chance hätten 😐
    Irgendwie hab ich kein so gutes Gefühl bei dem Einsatz, zumindest glaube ich, dass es brenzliger wird als beim letzten Mal… naja, ich will mal positiv bleiben <3