Kapitel 35
Frisch geduscht und angemessen für eine Beerdigung gekleidet sitzt Skyla am Steg mit dem ersten Versuch ihres Krathong. Dank Dalika lässt sich das kleine Schiff aus Bananenblätter und Blüten sehen. Skyla entschied sich bewusst für Dalikas Duft. Die Tempelblume hat nur einen leichten Gelbstich in der Mitte, ansonsten wirkt sie elegant mit ihrem strahlenden Weiß. Um ihre Oma zufrieden zustellen wählte Skyla noch eine weiße Calla. Tante Marys Liebligspflanze, auch wenn ihre Schwäche bei den sonnengelben Exemplaren lag. Noch lässt sich Skylas Verabredung Zeit, dennoch genießt sie die Gesellschaft zu den Sirenen. Es war Skyla wichtig, die Seebewohner über ihr Vorhaben zu informieren. Allein um Missverständnisse zu vermeiden. Nicht, dass die Sirenen die brennenden Kerzen für einen Angriff halten.
Das Oberhaupt der Sirenen stellt sich unter den Namen Inara vor und zeigt großes Interesse an Skylas Krathong. Die weißhaarige Dame hat sich zu Skyla auf den Steg hinaufgezogen und hält das Schiff in den Händen, um es aus nächster Nähe von allen Seiten zu betrachten.
„Wenn wir dürfen, würden wir eure Zeremonie mit unseren Gesang begleiten. Keine Angst, wir wählen kein Lied, das euch in unsere Gewässer lockt.“
Zu gern würde Skyla dem zustimmen, doch sie fürchtet, Milan erneut zu verärgern.
„Vielleicht das nächste Mal. Mein Freund könnte überschnappen, schließlich besteht die Möglichkeit, dass er dann auf euch schießt. Wir wollen eine friedvolle Feier. Eigentlich sehr schade, denn ich würde eurem Gesang nur zu gern zuhören.“
Inara sucht ihren Blick und beugt sich mit einer Frage zu ihr rüber: „Vertraust du uns?“
Skyla belächelt ihre eigene Naivität und doch antwortet sie ohne zu zögern: „Ich vertraue euch.“
Mit einem zufriedenen Schmunzeln überreicht Inara ihr das Schiff und beginnt leise zu summen. Mit rhythmischen Bewegungen und geschlossenen Augen. Kurz darauf stimmen die anderen Sirenen in den Gesang ein. In eine gefühlvolle Melodie. Mystisch, ruhig, aber stark genug, um das Herz zu berühren.
Inaras gelbe Augen öffnen sich und ein Schulterblick verrät den Besuch. Skyla folgt ihrem Blick und ihr Herz erfreut sich, dass Lukas ihrer Einladung Folge leistet. Das Schiff legt sie zur Seite und so erhebt sie sich eilig. Wie zu erwarten trägt ihr Freund einen seiner schönsten Anzüge. Es wundert Skyla, dass er noch nicht für Modezeitschriften modelt. Sie hingegen musste sich von ihrer Cousine Tessa ein schwarzes Kleid leihen. Etwas Schlichtes. Dabei wollte sie keine Kleider mehr tragen.
In Lukas‘ Händen liegt ebenfalls seine Bastelaktion. Viel ordentlicher. Fast schon perfekt, wie die Kathongs, die in Thailand zum Verkauf stehen. In seinem Strauß aus weißen Lilien arbeitete er ein wenig Flieder ein. Skyla bestaunt sein Werk kurz. Der Gesang der Sirenen verliert an Lautstärke und endet wenig später. Sicherlich, weil die Damen wissen, dass sie Lukas allein sprechen wollte. Rücksichtsvoll tauchen die Sirenen zurück ins Gewässer ein.
„Unfassbar, Lukas. Das ist dir so gut gelungen“, beginnt Skyla das Gespräch.
Seine steife Haltung entgeht ihr seit seiner Ankunft nicht und sein Blick wirkt unfassbar traurig.
Statt auf das Lob einzugehen, kurbelt er das Gespräch lieber voran: „Du wolltest mich sprechen?“
Beunruhigt hebt sie den Kopf. Kaum halten die beiden Augenkontakt, wird sie das Gefühl nicht los, dass sie der Grund für seinen Stimmungswechsel sei.
„Was ist los, Lukas? Du bist plötzlich verschwunden und nun schaust du so bedrückt. Etwa wegen Milan?“
Flehend schüttelt er den Kopf. Seine Stimme klingt angeschlagen, als er sie bittet: „Ich würde es begrüßen, wenn wir die Thematik nicht vertiefen.“
Und doch meint Skyla, den Grund zu erkennen. Etwas, was sie anspricht: „Du bist enttäuscht von mir oder? Wegen Milan?“
Er seufzt laut und will sich von ihr fortdrehen, doch Skyla hält ihn am Arm zurück.
„Wird das zu einem Problem, Lukas?“
Ein Kopfschütteln soll vielleicht Entwarnung geben, doch Skyla sieht das auffällige Glänzen in den Augen.
Da sie ihm beim Namen nennt, dreht er sich flehend zu ihr: „Genug, Skyla. Ich bitte dich, gebe mir Zeit. Wie versprochen will ich dich unterstützen, nur fällt es mir unfassbar schwer. Er war dir gegenüber so bissig und doch klammerst du dich an ihn. Dir zuliebe halte ich mich zurück, außer er schadet dir mental oder physisch. Doch bitte nimm auch du Rücksicht auf meine Gefühle.“
Als wäre alles gesagt, will er verschwinden. Panisch nennt sie beim Namen, woraufhin er innehält.
„Das fühlt sich an, als verliere ich dich“, teilt sie ihm ihre Gedanken mit.
Ruckartig dreht er sich um und fängt ihr Gesicht ein. Entschlossen schüttelt er den Kopf.
„Niemals! Was auch geschieht, ich stehe hinter dir. Ich bin da für dich. Immer! Nur brauche ich Ablenkung, denn ich will dir nichts kaputt machen. Weil ich dich vom Herzen liebe, strebe ich dein Glück an und wenn das nicht bei mir ist, dann akzeptiere ich das. Daher gebe mir bitte die Zeit, solltest du die Distanz aber kaum aushalten, dann komm auf mich zu und wir reden. Lass uns ehrlich mit unseren Gefühlen sein und Rücksicht aufeinander nehmen.“
Die Tränen kann er nicht länger zurückhalten und stecken sie ebenfalls an. Sie nickt zwar und doch fürchtet ihr Herz noch immer, dass sie ihren besten Freund verliert. Als erkenne er ihre Furcht, schließt er sie feste in die Arme. Dankbar dafür schmiegt sie sich an ihm, bis sie im Hintergrund Tessas giftigen Blick ausmacht. Ihre Cousine bestraft sie mit Schweigen und bewarf sie mit dem Kleid, weil Oma Ulrike um ein Stück aus der Garderobe bat. Ein boshaftes Verhalten. Ein Rückschlag, schließlich waren die beiden dabei, sich langsam zu akzeptieren und ein harmonisches Miteinander anzustreben.
Nun steckt Skyla viel Hoffnung in ihre nächste Frage: „Lukas? Darf ich dich noch um einen Gefallen bitten?“
„Du darfst mich um alles bitten.“
Ein mieser Trick, denn passt ihm ihre Bitte nicht, kontert er gern und beharrt auf seinen Standpunkt. Eigentlich eine gute Eigenschaft. Doch auch oft zu ihrem Ärgernis.
„Könntest du dann bitte meine Haare bändigen? Ich bekam zwar von Tessa ein Kleid, aber meine wilde Mähne macht alles zu Nichte.“
Kaum sinken seine Arme hinab, kehrt sie zum Ende des Stegs zurück und schnappt sich die am Boden liegende Haarbürste, die sie mitbrachte. Seine Mundwinkel zucken und obwohl er zum Nicken ansetzt, tönt aus dem Hintergrund Sinas schrille Stimme: „Warte, Skyla! Ich kann dir die Haare stylen.“
Die Journalisten tritt eilig heran, woraufhin Lukas zur Seite treten will. Nichts, was Skyla zulässt. Sie klammert sich an seinem Arm und bläst die Wangen frustriert auf.
„Danke, aber ich habe Lukas gefragt.“
Sina gibt sich jedoch nicht geschlagen. „Ach komm schon, Skyla. Ich mache das gerne. Ich habe ein Händchen dafür.“
Als Sina die beiden Freunde jedoch fast erreicht, spritzt ihr ein Schwall Wasser ins Gesicht. Das Gekicher stammt sicherlich von einer Sirene. Mit offenem Mund starrt Sina schockiert auf sich hinab. Schnell ist ein Spiegel rausgekramt und Sinas Augen weiten sich.
„Oh nein! Entschuldigt mich! Ich muss das schnell richten!“
Was auch immer Sina nicht passt, Skyla kommt es gelegen. Frech dreht sie sich zur Seite und hebt Richtung Gewässer dankbar den Daumen. Daraufhin winkt ihr eine Hand aus dem See entgegen. Nichts, was Lukas entgeht. Misstrauisch betrachtet er das Bild, schweigt aber.
„Hast du ein Haargummi bei dir?“, hinterfragt er stattdessen.
Stolz hebt sie ihre Hand, wo der gewünschte Gegenstand anliegt. Und Skyla hat sogar mitgedacht, denn ein paar Haarklammern sind an dem Band angehängt.
„Ich bin vorbereitet.“
Erneut behält er seine Gedanken für sich und geht stumm ihrem Wunsch nach. Und schon treffen immer mehr Leute am Ufer ein. Die Vorbereitung für den Abschied laufen. Kerzen werden entzündet und auch wenn Skyla sich gern zu Milan gesellen würde, tritt sie an die Seite ihres Vaters, der bereits unter Tränen seinen Arm nach ihr ausstreckt. Kaum gedrückt, nähert sich auch Oma Ulrike, um ihren Sohn aufbauend auf die Schulter zu klopfen. Ein Blick auf die alte Dame zeigt ihre Niedergeschlagenheit und die Trauer um ihre verlorenen Kinder, dem Enkelkind und den ungeborenen Urenkel. Skylas Cousine Ramona war schließlich schwanger. Ihr wurde das Mutterglück nicht gegönnt. Sie starb früh, dabei hatte sie einen guten Ansatz, wie sie die Mutterzeit gestaltet und was aus ihr in den nächsten Jahren werden sollte. Pläne, die Skyla beeindruckten.
Tessa mag schweigen und doch spiegelt sich in ihrem Blick so viel Hass und Verachtung gegenüber Skyla. Sie macht Skyla schließlich für den Verlust ihrer Eltern verantwortlich und Skyla kann es ihr nicht verdenken. Denn sie lockte das Unheil in den Kreis der Familie, weil sie den Ritterorden auf sich aufmerksam machte. Tessas Blicke richten mehr Schaden an als ausgesprochene Vorwürfe. Die Rüstung droht zu brechen. Selbst, wenn sich Skyla abwendet, spürt sie den vernichtenden Blick ihrer Cousine auf sich ruhen. Aber auch Justin hat Skyla im Auge. Sicherlich, weil Milan ihn von dem Mordauftrag erzählte. Noch kam er diesbezüglich nicht auf sie zurück. Reue kriecht in ihren Kopf, nistet sich langsam ein. Bemerkbar durch ein dumpfes Gefühl. Noch nicht bedrohlich genug, um die Gefahr ernst zu nehmen. Und doch fühlt sich Skyla nicht willkommen an der Abschiedsfeier. Ihr Vater verlor seine Schwestern und seine Nichte, aber auch seine Frau wandte sich ihretwegen von ihm ab. Obwohl Kacie und Finn immer ein Herz und eine Seele waren. Nie käme es Skyla in den Sinn, das sich die beiden jemals trennen würden. Aber auch Oma Ulrike riet zur Flucht. Mehrfach. Ratschläge, die Skyla ignorierte. Weil sie hofft, sie könne ihre Familie beschützen, und nun musste die Hälfte ihr Leben für ihre Sturheit zurücklassen. Eine bittere Niederlage. Und obwohl Skyla schon mal einen Zeitsprung wagte, würde sie nicht viel an ihren Entscheidungen verändern.
Giftige Gedanken von denen sich Skyla bewusst abwendet. Daher fällt ihr Blick auf die beiden Geisterjäger. Ihre Lebensretter tragen schlichte, aber eindrucksvolle Anzüge als würden sie für eine wichtige Behörde arbeiten. Sicherlich ein Teil ihrer Tarnung bei ihren Ermittlungen, denn ihr Job wird unterschätzt und zeigte sich vielseitiger, als sie annahm. Für Informationen müssen die beiden in viele Rollen schlüpfen und ihre Schauspielkunst beweisen, wie sie schon mal zu hören bekam. Selbst Mason und Naomi nehmen an der Trauerfeier teil. Beide fallen positiv auf. Nicht nur aufgrund ihrem Sexappeal, sondern auch ihre selbstbewusste Aura. Als würde das Grundstück allein ihnen gehören und die Welt liege ihnen zu Füßen. Ihre Kleidung wirkt teuer und hochwertig, dennoch angemessen. Obwohl Mason mental stark wirkt, scheint sein Geist verdächtig abwesend zu sein. Skyla vermutet, er erinnert sich durch die Abschiedsfeier an seine gefallene Einheit. Schließlich war er als Soldat tätig und einer Abteilung für das Paranormale zugewiesen. Als Einziger überlebte er den Angriff durch den Ritterorden. Aber auch nur durch seine zufällige Abwesenheit. Nichts, worauf er stolz sein kann und daher Rache für seine Kameraden fordert. Angestarrt zu werden entgeht dem Riesen nicht. Seine Augenbraue hebt sich fragend, woraufhin Skyla eingeschüchtert den Blick abwendet. Mason mag im Anzug weniger gefährlich aussehen, doch die gemeinsame Zeit prägte sie. Ihn will sie niemals als Feind. Dieser Mann zeigt wenig Empathie und folgt rein seinen Prinzipien. Ohne Gewissen und Gnade.
Die Trauerrede übernimmt Sina. Direkt am Steg, wo von jedem Verstorben eins der schönsten Bilder aufgestellt wurde. Umgeben von all dem vielen Blumenschmuck. Sina macht ihren Job verdammt gut. Gefasst und verständnisvoll findet sie die richtigen Worte, die in die Herzen einsickern und sogar Trost spenden. Vielleicht spielen ihre Fähigkeiten eine große Rolle, denn Sina versteht die Gefühle anderer gut und hilft, wo sie kann. Ihre Macht könnte so viel Schaden anrichten, doch durch Sinas Hände wird stattdessen Heilung und Versöhnung angestrebt. Sina wählt keine allzu lange Rede und am Ende gibt sie das Wort an Oma Ulrike weiter. Diese nutzt die Chance, um etwas über die Verstorbenen aus ihrem Kreise zu erzählen. Tante Corinna war eine Kämpferin. Trotz Schicksalsschläge ließ sie sich nicht unterkriegen und Skyla wusste nicht, dass sich ihre Tante ihre Passion im Kickboxen fand. Ihre Tochter Ramona entwickelte ihre Stärken im Bereich Chemie und beim Tennis. Tante Mary war eine begabte Pianistin und Sängerin, ihr Mann Henry erforschte als Astronom die Sterne. Beide waren herzensgute Menschen. Aber als Oma Ulrike verkündet, dass Tessa und ihr Bruder Naru nun in Obhut von Finn gehen, ergreift Tessa unter Tränen die Flucht. Ab diesem Moment folgt ein Wechsel. Justin widmet nun ein paar Worte von zwei Hexen, die währen der Mission ihr Leben ließen. Zeit, die Oma Ulrike nutzt, um nach Tessa zu sehen.
Während Justins Rede erfassen Skylas Augen ihre Freundin Emilie. Sie sollte Teil der Trauerfeier sein und Skyla wäre auch bereit, Emilie vorzustellen. Doch ihre Freundin mag lieber eine Trauerfeier in dem Kreis ihrer Familie. Sie hält es für wichtiger, dass die anderen Toten im Vordergrund stehen. Einen Wunsch, den Skyla akzeptieren will, doch es fühlt sich einfach falsch an, dass eine solch schöne Abschiedsfeier stattfindet und kein Wort über Emilie fällt. Skylas Vater mag schniefen und innerlich zerbrechen, doch seine Tochter löst sich kurz von ihm und versichert, gleich wieder da zu sein. Denn sie steuert bewusst Emilie an und führt ihre Geisterfreundin in den Hintergrund. Wie jeder anwesende Schutzgeist bastelte Emilie ebenfalls ein Krathong. Mit großen Augen starrt der Lockenkopf ihr entgegen. Die Trauerrede rührte auch sie zu Tränen und so sind die Augen geschwollen.
„Hey, bist du sicher Emilie? Ich würde dich gerne vorstellen und ein paar schöne Worte zu dir sagen. Ich würde gerne meine Kerze auch für dich anzünden.“
Gerührt legt Emilie ihre Hand auf die Stelle ihres Herzens, um schließlich die Hand zu heben und ihr sanft durchs Gesicht zu streicheln.
„Das ist so lieb von dir, aber ich bin doch hier. Du brauchst mich nicht zu verabschieden, schließlich werde ich dich weiterhin begleiten. Meine Familie hingegen hat ein Recht auf die Trauerfeier.“
Ein Nicken, zu mehr fühlt sich Skyla nicht in der Lage. Denn die Thematik belastet sie ungemein. Etwas, was Emilie zu erkennen scheint, denn sie schmiegt sich an ihre Freundin und legt ihren Kopf auf Skylas Schulter ab.
Da Vater Finn nun Gesellschaft von seinem besten Freund und Lukas erhält, verharrt Skyla bei Emilie. Nicht bereit, länger die Distanz zu wahren, handelt Milan und legt von hinten seine Arme um Skyla. Kaum fängt er sie ein, legt er seinen Kopf auf ihre freie Schulter ab.
„Bist du okay?“
Sein Ton klingt mitfühlend und voller Sorge. Zwar nickt Skyla und doch führt sie den Kampf gegen die Tränen. Sein Griff wird enger, als wolle er sie drücken.
„Wir haben noch Bastelmaterial über. Ich hab es beiseite geräumt. Lass uns auch für Emilie Kathongs basteln. Für ihre Beerdigung. Du wolltest doch schließlich mal welche mit mir gemeinsam bauen und heute haben wir uns irgendwie verpasst. Doch morgen weiche ich nicht von deiner Seite. Justin weiß auch schon Bescheid.“
Nun tritt auch Skyla als Verlierer im Kampf gegen die Tränen heraus. Ihr Körper bebt. Auch Emilie wird angesteckt, ihr Gesicht fühlt sich ganz nass an. Während Justin seine Rede unterbricht und sie böse anfunkelt. Milan hebt ertappt die Hand und glaubt sicherlich, sein charmantes Lächeln löst alle seine Probleme.
„Sorry, war ich zu laut, Justin?“
Doch sein Partner zeigt sich nicht bereit, ihm zu antworten und führt seine Rede fort. Wenige Minuten, die Skyla auch braucht, um sich zu beruhigen. Bewusst stellt sie sich ans Ende der langen Schlange, um ihr gebasteltes Boot ins Wasser zu legen. So bekommt sie mit, wie Oma Ulrike Tessa noch rechtzeitig zurückbringt. Die Hände zittern so stark, dass Milan Skyla helfen muss, die Kerze anzuzünden. Wie in Thailand treiben die Krathongs auf dem Wasser fort und erleuchten den See. Sie spiegeln sich auf der Oberfläche und verschmelzen in der Ferne zu einem traumhaften Lichtermeer.
Skyla verharrt lange am Gewässer, während die Mehrheit bereits im Inneren sitzt und einzelne Personen es sich auf der Terrasse bequem gemacht haben. Zu ihrer Verwunderung weicht Milan nicht von ihrer Seite. Etwas, was sie positiv überrascht, schließlich wurde ein kleines Buffet im Gemeinschaftsraum errichtet. Die Chance auf vernünftige Mahlzeiten statt dem Junkfood lässt er sich für gewöhnlich nicht entgehen. Dabei würde ihnen beide eine kleine Stärkung gut tun, denn die ungesunde Blässe hält ihnen die heutige Mission vor Augen. Der Schwindel und die fehlende Kraft in den Beinen sind ebenfalls Gründe, warum Skyla nicht mehr hoch kommt. Sie mag Dämonenblut gekostet haben, aber auch die Bluttransfusion von Milan, sowie der ständige Stress durch den Überlebenskampf haben den Körper geschwächt. Bleierne Müdigkeit sorgt für Stille statt einer Aussprache. Auch Milan wirkt ungewöhnlich abwesend. Seine Anwesenheit hält die Sirenen auf Abstand, dabei macht Skyla die Seebewohner immer wieder im Gewässer aus. Sie verraten sich mit all den lauten Geräuschen, als wollen sie Milan provozieren. Tatsächlich wirkt der Geisterjäger angespannt und behält den See mit schmalen Augen im Blick, doch sein Arm liegt eisern um Skyla, als brauche er die Nähe ebenfalls zu ihr.
Bis spät in die Nacht verharren sie am Pier und bewusst vermeidet Milan Themen, die für Meinungsverschiedenheiten sorgen können. Stattdessen bietet er seine Hilfe an, ihr beim Auspacken ihrer Sachen zu helfen. Aber auch bei der Gestaltung des Zimmers. Eine Aufgabe, die für sie in die Ferne rückte. Denn es gibt so viele Dinge, die Vorrang haben. Da wäre ihr Cousin Naru, die Überwachung und Genesung der Geborgenen aus dem Krankenhaus und die Sache mit Emilie. Auch die Jagd auf Tanja Rose wird kommen. Doch das sind alles Dinge, die Milans Laune verschlechtern könnten und Skyla wünscht sich mehr Harmonie. Besonders nach dem heutigen Anlass. Daher genießt sie den Moment der Versöhnung und schiebt alle anderen Gedanken von sich fort.




























































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