Kapitel 38
Die Wolken hängen schwer und doch bleibt Skyla vom Regen verschont, auch wenn sie es nicht stören würde, wenn es aus Eimern schüttet. Nur auf ein Gewitter mag sie verzichten, denn sie sitzt einige Meter hoch in einem Baum. Auf einem Ast mit dem Blick auf den Esstisch gerichtet. Welch ein Glück, dass der große Baum im Hintergarten steht und freie Sicht auf die kleine Wohnung von Emilies Familie gewährt. Fast eine Stunde verstreicht und so langsam müssten laut Emilie die ersten Leute heimkehren. Den halben Tag bleibt die Wohnung leer, was sich Milan und sie zu Nutze machten. Emilies Sarg präsentieren sie stolz auf dem Esstisch. Dank Agnars Unsichtbarkeit können sie sich ungehindert bewegen. Und dank Agnars Untertanen machten sie über zehn Wanzen und Kameras in der Wohnung aus. Eine Serviette voll mit Technik entsorgt Milan im nächstbesten Gully.
Milan zeigt sich vorbereitet, als er Skyla ebenfalls mit einem Proteinriegel ausstattet. Als kleiner Zwischensnack – wie er so schön betont.
„Kleine Blume, das solltest du nicht essen. Hier ein saftiger Pfirsich“, meldet sich Dalika zu ihrer Linken.
Skyla wundert es, wie stark sich der Ast zeigt. Selbst Agnar leistet ihnen Gesellschaft. Dabei sitzt er neben Dalika. Wie eine Vogelfamilie ruhen sie auf dem Baum, während Emilie als einzige Person noch in der Wohnung verweilt. Ganz nervös, wie ihre Runden durch die Wohnung zeigen. Mit einem Ausdruck voller Selbstzweifel. Wie gern wäre Skyla bei ihr, doch Milan vermutet bei all den Wanzen, dass schon bald ein Ritter nach dem Rechte sieht. Skyla hofft, es handelt sich um Tanja Rose, denn das wäre die Gelegenheit, um sie zu beseitigen.
Tief Luft holend stoppt Emilie am Fenster und winkt ihnen zu. Ihr Lächeln wirkt weniger hell und die Falten auf ihrer Stirn lassen sie älter wirken.
„Ich will zu ihr“, wiederholt sich Skyla und öffnet in Gedanken den Riegel.
Doch Dalika entwendet ihr diesen und legt ihr einen weißen Pfirsich in die Hände.
„Hey!“, beschwert sich Milan, „Was hast du gegen meine Verpflegung?“
Dalikas Augen werden schmal. „Euer Körper ist ein Tempel, daher überlegt euch gut, wie ihr damit umgeht! Ich empfehle Sonnen-Nahrung und nicht solch ein Ergänzungsmittel!“
Skyla seufzt laut. Aufgrund von Bedenken um ihre Tarnung. „Schon gut, Dalika. Deine Sorge ist wahrlich lieb und du solltest wissen, eigentlich greife ich selten auf so etwas zurück…“
„Eine Lüge, kleine Blume. Ich kenne deine Schwäche für Schokolade“, tadelt ihr Nang Tani sie sanft.
„Deine Schutzgeister sind ätzend, Skyla“, brummt Milan.
„Genug, ihr beiden! Dank Agnar mögen wir unsichtbar sein und doch kann unser Umfeld uns hören!“, hält sie ihnen stattdessen vor Augen.
„Wohl wahr, doch ich arbeite daran, dass sich dies in Zukunft ändert“, verkündet Agnar konzentriert.
Stolz lugt Skyla zu ihm rüber. „Das wäre super.“
Auch Dalika lächelt breit und pflückt den nächsten Pfirsich über ihnen, um diesen an Agnar zu reichen. Nur kurz bekommt Skyla seinen angewiderten Blick mit, denn als Spinnendämon bevorzugt er Fleisch und Blut. Doch Skyla streckt den Kopf hinauf. Sie wusste nicht, dass sie auf einen Pfirsichbaum sitzen und nirgendwo sonst sieht sie Früchte wachsen.
Womöglich Trug und Schein?
Zögerlich betrachtet Skyla die Frucht in ihre Hand und findet keine Antwort.
„Wie, Dalika? Wie machst du das? Woher hast den Pfirsich?“
Doch ihr Schutzgeist lächelt verschwörerisch und da Agnar kein Interesse zeigt, beißt sie stattdessen ins Fruchtfleisch.
„Es geht los“, verkündet Milan, der den halben Proteinriegel bereits verdrückte.
Skylas Blick schnellt zum Fenster, wo tatsächlich Emilie ehrfürchtig in den Hintergrund tritt. Die Hände zusammengefaltet und vor die Brust gedrückt, während ihre Augen jemanden fixieren. Emilie und Tamir haben so viel von ihrer Mutter. Die schwarzen Locken und das sonnige Gemüt. Skyla war schon öfter zu Besuch und wurde selbst als Fremde herzlichst empfangen.
Als Emilie die Tränen nicht länger zurückhalten kann, fühlt Skyla mit ihrer Freundin. Die Verbindung zu einer Mutter ist etwas Besonderes und auch wenn Skylas Mutter oft sehr streng und albern sein konnte, war das Verhältnis harmonisch. Auch Skyla vermisst jene herzliche Umarmung und schmeckte Galle, denn sie wurde verstoßen. Ein Schniefen verrät ihre Gefühlswelt, sodass Milan den Kopf zu ihr dreht. Skyla wischt sich eilig die verräterischen Tränen aus dem Gesicht und doch handelt er und legt seinen Arm tröstend um sie. Während Emilie den mentalen Zusammenbruch ihrer Mutter aus nächster Nähe miterlebt. Die lauten Klagelaute dringen selbst durch das geschlossene Zimmer. Die Dame krallt sich an der Tischkante fest, wo sie weinend am Boden kniet. Emilie tritt heran, sicherlich spricht sie zu ihr, doch keines ihrer Worte scheint ihre Mutter zu erreichen. Ähnlich wie mit den nächsten Familienmitgliedern. Die Wohnung füllt sich mit Leben. Emilies Brüder kehren heim, erstarren beim Fund und trösten die Mutter. Ein Anruf, und der Vater wird nach Hause beordert. Noch fehlt von Tamir jede Spur. Am Ende ist der Einzige, der fehlt.
„Sie werden die Polizei kontaktieren“, versichert Milan.
Skyla nickt wissend. „Aber sie können Emilie nun verabschieden.“
Mia gähnt laut und landet erschöpft auf Milans Schulter, als habe sie genug von der Observierung. Dabei wartet Emilie nur sehnsüchtig auf Tamir, um ihn zur Rede zu stellen, sobald er den Verlust seiner Schwester begreifen konnte.
„Das Zielobjekt ist eingetroffen und du wirst dich freuen, Skyla, denn er ist in Begleitung von Janik Rose“, verkündet Agnar.
Milan hebt misstrauisch die Augenbraue. „Woher willst du das wissen?“
„Seine kleinen Spione“, berichtet Skyla stolz.
Nichts, was den Geisterjäger beeindruckt, sondern dem darauffolgenden Tonfall missfallen scheint, als er sich dazu äußert: „Ich vergaß.“
Sicherlich, weil er keinen Dämon traut, anders als Skyla.
„Okay, Planänderung! Janik Rose manipuliert Emilie. Diesmal sehe ich nicht weg und stehe meiner Freundin zur Seite!“, beschließt sie.
„Du hast Emilie jedoch versprochen, dich nicht einzumischen“, erinnert Milan sie streng.
„Richtig! Aber das betrifft das Gespräch zu Tamir, daher halte ich ihr Janik fern!“ Voller Tatendrang blickt Skyla hinab in die schwindelerregende Höhe. „Agnar, kannst du mich sicher zu Boden bringen?“
„Nichts leichter als das.“
„Wartet!“ Milans Hand schließt sich bestimmend um Skylas Arm. „Überstürze nicht! Was planst du Dummes, Skyla?“
„Ich trenne Janik von Tamir“, antwortet Skyla ihm freudig.
„In dem du dich ihm zeigst und dafür sorgst, dass er Verstärkung holen kann?“, konfrontiert Milan sie vorwurfsvoll.
In der Tat besteht das Risiko, doch für so schlau hält sie Janik auch wieder nicht.
Noch ehe Skyla zum Widerspruch ansetzen kann, schlägt Milan vor: „Wir können ihn mit Mias Portal entführen.“
„Irrtum“, kontert Dalika, „Emilie wäre somit zum Ortswechsel gezwungen. Das widerspräche unseren Plänen.“
Ein Argument, das Milan nicht überzeugt, denn er schlägt vor: „Also gut, dann schnappe ich ihn mir und ziehe ihn aus dem Verkehr. Mia kann euch dann immer noch holen, sobald Emilie ihre Angelegenheit geklärt hat.“
Nun lächelt Skyla frech. „Auf die Gefahr hin, es kreuzen noch mehr Ritter auf, wenn Janik verschwindet?“
Das Grinsen wird breiter, als Milan sich den Schwachpunkt seines Plans ausmalt. Sein Köpfchen strengt sich so sehr an, dass sich seine Augenbrauen fast berühren. Unnötige Zeit, die verstreicht und Agnar dazu bringt, das Ruder zu übernehmen.
„Ich kümmere mich um Janik Rose. Ich ziehe ihn in die Geisterwelt. Auf meine Ebene.“
„Wie gemein!“, nörgelt Dalika sanft. „Ich hätte ihn ebenfalls gern als meinen Gefangenen betrachtet. Er passt so gut in mein Beuteschema.“
Ein Blick zum Fenster und Skyla bringt es nicht länger übers Herz, den Zuschauer zu spielen.
„Warte, ich begleite dich, Agnar.“
Milan seufzt laut und grummelt: „Wir alle kümmern uns um Janik. Einer muss dich ja schließlich vor Dummheiten bewahren, Süße.“
Es klingt lächerlich, daher ärgert sie ihn: „Du willst freiwillig in die Geisterwelt?“
„Von freiwillig ist ja wohl kaum die Sprache!“
Ein Sprung und Agnar verschwindet nicht einfach, seine Fäden schnappen nach Skyla und ziehen sie mit zum Dach. Eine willkürliche Aktion ohne Absprache, die dafür sorgt, dass Skyla keinen Halt am Dach findet und sich schwertut, ihr Gewicht auszubalancieren. Daher greift Agnar zu und gibt ihr die nötige Stabilität.
„Los weiter, bevor wir Janik verpassen“, drängt der Spinnendämon.
Skyla würde gerne mit ihm schimpfen, doch rückblickend findet sie Gefallen an der Aktion und durch den Vertrag garantiert der Dämon ihr Schutz und Sicherheit. Daher läuft sie mit Agnar voran und springt sogar von der Dachkante, als wolle sie in ein Schwimmbecken abtauchen. Agnars Fäden seilen sie bei der waghalsigen Aktion sicher hinab und zu ihrem Glück raucht Janik Rose in Ruhe seine Zigarette auf. Dabei befindet er sich im Gespräch mit Tamir und dank Agnars Unsichtbarkeit scheint er sie nicht zu bemerken. Dabei stürzt Skyla auf Janik und als sie ihn zu Boden reißt, tauchen die beiden Feinde hinab durch den Bordstein in Agnars dunkle Welt.
Ein kurzer Fall in eine dunkle Höhle voller dicker Spinnenweben und einem Labyrinth an Gängen. Die Luft riecht nach feuchter Erde. Janik wird zu ihrem Auffangtuch, was dafür sorgt, dass ihm die Luft schmerzhaft aus den Lungen entweicht. Weit hinter ihnen entzündet sich eine Laterne, sodass Janik sie erkennen müsste. Seine schockgeweiteten Augen ruhen auf ihr und entlocken ihr einen amüsierten Laut. Skyla bleibt dreist auf ihn sitzen und macht sich bewusst schwerer. Sie führt neuerdings ein Messer mit sich. Ein Geschenk von Mason als er von ihren Plänen erfuhr. Ein schlichtes Werkzeug, das früher als gedacht zum Einsatz kommt und nun an Janiks Kehle hängt. Zu ihrem Pech fasst er sich zu schnell und zeigt sich verdächtig gefasst. Der Blick fällt von ihr und erkundet die Umgebung. Trotz seiner Lage lächelt er sogar provokant, als habe er noch immer die Kontrolle. Daher führt Skyla eine Leibesvisite durch, sein Handy darf dabei als Erstes fliegen gehen.
„Das gefällt dir oder? Mich zu betatschen“, flötet er.
Ihre Augen werden schmal, als sie ihm die Wahrheit ins Gesicht pfeffert: „Sorry, mein Typ bist du nicht.“
„Als ob! Was ist denn dein Typ? Ach ja, Milan oder?“
„Ganz recht!“
Nicht aufgepasst und Skyla verbrennt sich die Finger an der mysteriösen Katana, die sich in der Tasche finden lässt. Ein Moment der Schwäche, den Janik nutzt, um ihr das Messer zu entwenden und für einen Stellungswechsel zu sorgen. Im Nu liegt Skyla auf den Rücken und ehe sie begreift, was passiert, holt Janik mit dem Messer zum Angriff aus. Nur vergisst Janik ihre Schutzgeister. Agnars Fäden schnappen zu und wickeln sich um seine Handgelenke, um ihn hoch an die Decke zu ziehen und in der Luft baumeln zu lassen.
Aus der Dunkelheit tritt Agnar und formt die nächsten Weben zwischen seinen Fingern. Kaum mit dem Auge erfasst rattert Janik Sätze auf Latein hinab und seine Worte haben genug Macht, um Agnar fauchend auf die Knie zu zwingen. Auch die Fäden verlieren an Kraft, sodass Janik mit einem kräftigen Ruck sicher auf dem Boden landet und seine Arme von der klebrigen Maße befreit. Mit einem siegessicheren Lächeln tritt er Agnar um und eilt heran, um Skyla einen Tritt ins Gesicht zu verpassen, ehe sie sich erhebt. Kein Leichter, sondern mit ordentlich Schmackes, dass Skyla fürchtet, er habe ihr die Nase gebrochen.
„Hexe!“, schimpft er sie lachend.
„Scheißkerl!“, flucht sie unter dem Schmerz.
Zu seiner Erheiterung. Doch sein Gelächter bricht ab und mit einer Drehung wehrt er den nächsten Angriff ab. Es bleibt Skyla ein Rätsel, wie Milan in Agnars Welt einen Weg fand und doch reicht seine Einmischung aus, um von allein auf die Beine zu kommen.
Janiks Kopf schaltet. Der Reißverschluss seiner Jacke wird hinabgezogen und ein Objekt losgeworfen. Gerade rechtzeitig, denn so wie Agnar unbrauchbar gemacht wird, verliert Mia ihre Flugkraft unter dem grellen Surren. Die Fee kam sicherlich, um ihren Partner im Kampf zu unterstützen, um nicht mal den Hauch einer Chance zu haben. Milans Blick fällt hinab, seine Atmung klingt schwer, als unterdrücke er Zorn. Janik nimmt grinsend Abstand und verteilt ihm einen Ratschlag.
„Lass deinen Drachen stecken, Milan.“ Seine Augen glühen freudig. „Ich hatte gehofft, dass dir etwas an dem Hexenbiest liegt, denn du bist schwer zu finden. Obwohl du mit den Haaren herausstichst. So wie Skyla.“
Agnars Kopf hängt hinab, als sei er bewusstlos. Ein Ärgernis für Skyla, doch keine Hürde. Entschlossen tritt sie an Milans Seite, was Janik zu einem Kopfschütteln bewegt.
„Keine Chance, Skyla. Ergib dich besser hier und jetzt, bevor du dich blamierst.“
Sein gutgemeinter Ratschlag wird von ihr belächelt und kaum hebt sie die Arme hinauf, macht sich ein Stechen in der rechten Schulter bemerkbar. Ein Griff zur Seite und Skyla staunt über eine Spritze in ihrem Arm. Da Milans Blick eisern auf Janik ruht, hält sie ihn nicht für den Verantwortlichen. Fast schon verzweifelt ruft sie ihn leise, tatsächlich dreht sich Milan zu ihr und seine Augen weiten sich.
„Fällt dir spät auf“, tadelt Janik sie erheitert, „Auch wenn ich mich fragte, wann die Wirkung endlich mal einsetzt.“
Milan zieht die Spritze heraus und spricht beruhigend auf sie ein: „Ist okay, Süße. Ich übernehme schon, ruhe dich aus.“
Eine schnelle Bewegung lässt sie aufblicken, Janik entkommt Dalikas Fängen. Nur ganz knapp verfehlen die Klauen.
„Wow, was bist du denn?“, staunt er laut über den nächsten Schutzgeist.
Was auch immer Skyla lahmlegen soll, zeigt Wirkung. Sie bricht rückwärts weg. Milan gibt ihr zum Glück Halt und legt sie vorsichtig am Boden ab.
„Keine Sorge, ich kümmere mich darum.“
Emilie klingt nah und da Milan an Skyla vorbeiblickt, vermutet Skyla, dass ihre Freundin sich von ihrer Familie trennte.
„Emilie? Aber was ist mit Tamir?“, hinterfragt sie besorgt. Beschämenderweise lallend.
Aber schließlich geht es um eine Herzensangelegenheit und Skyla wollte Janik doch absichtlich fortschleifen, damit ihre Freundin sich ihren Bruder annehmen kann.
„Du bist jetzt wichtiger“, behauptet der Lockenkopf und umschlingt Skyla.
Ihr Atem fühlt sich nah an, direkt am Hals. Ein weiteres Stechen lässt Skyla zusammenzucken, Emilie beißt zu. Sanft, aber kontrolliert.
Etwas, das Milan anscheinend nicht gutheißen mag, denn er konfrontiert sie bissig: „Was soll das werden, Emilie?“
„Sie saugt das Gift aus Skyla“, überbringt Dalika die Antwort.
Von Dalika schwenkt Skylas Blick rüber zu Janik, der wie erstarrt zu ihr rüber schaut und eine ungesunde Blässe bekommt. Sicherlich wegen Emilies Erscheinung, denn auch wenn er mit ihr spielte, schien er wahrhaftig etwas für Emilie zu empfinden, nur stand ihm seine Feigheit im Wege. So Skylas Vermutung.
Tatsächlich schüttelt sich Janik aus der Starre und richtet seine Worte an Skylas neuen Schutzgeist: „Emilie? Du lebst?“
So viel aufrichtige Sorge und Reue stecken in seinem zu sanften Ton. Er schluckt hörbar und schreitet langsam in ihre Richtung. Der unangenehme Zug an Skylas Hals endet. Mit einem Schmatzlaut zieht Emilie ihre Fänge aus dem Fleisch.
„Hey, Janik“, begrüßt sie ihn so freundlich, als wäre nie etwas gewesen.
Der Unglaube weicht von dem jungen Ritter und wird gegen einen dunklen Ausdruck getauscht. Sein Blick an Skyla wirkt wie eine einzige Anklage.
„Sieh hin, Skyla! Du vergiftest dein Umfeld! Was hast du Emilie nur angetan?“
Mit schmerzverzogenem Gesicht reibt sich Skyla jedoch über die Bisswunde, während Emilie das Reden übernimmt.
„Ich verbiete dir, weiterhin schlecht über meine Freundin zu reden, Janik! Skyla hat mich nicht aufgegeben und kam, um mich zu retten. Du warst es doch, der mich aufopferte. Hätte ich doch nur auf Skyla gehört und wäre dir fern geblieben. Aber das hätte ich dir verzeihen können, doch nun ziehst du meinen Bruder in die Sache hinein und manipulierst ihn. Bleib Tamir fern!“
Zum ersten Mal fehlen dem Großkotz die Worte. Skyla genießt den Anblick von dem stummen Janik, der betreten zu Boden starrt und keinen Ton über die Lippen bekommt. Bis ein Händeklatschen ihre Unterhaltung unterbricht. Dalikas Klauen sind zurückgefahren und hinter ihr versteckte sich im Schatten ein weiterer Besucher. Jemand, der nicht an jenem Ort verweilen sollte.
Emilie schnappt hörbar nach Luft und ihre Stimme klingt wehleidig, als sie Tamir beim Namen nennt. Ihr Bruder schenkt ihr ein mattes Lächeln, bis er den Kopf voller Verbitterung zu Janik dreht. Seine Finger lässt er laut knacken. Aus nächster Nähe zeigt sich, dass er seinen Körper trainierte. Tamir wirkt definierter.
„Klingt, als habe ich mich bei dir zu entschuldigen, Skyla. Dennoch bin ich sauer, wie du meine Schwester behandelt hast! Leugne es nicht, ihr Tagebuch offenbart Emilies Gefühlswelt! Daher folgt meine egoistische Bitte an dich. Überlasse Janik mir und mische dich nicht ein! Auch nicht dein Freund! Einfach niemand! Janik gehört allein mir!“
Tamir blickt, als dulde er keine Widerworte, selbst dann nicht, als seine Schwester sich erhebt und ihn flehend ruft.
„Tu das nicht, Bruder!“
Doch Tamir schüttelt entschuldigend den Kopf. „Der kommt mir nicht lebend davon.“
Skylas Blick fällt auf die Tätowierung. Ihre Zielperson bleibt nur Tanja, daher will sie verhandeln.
„Du kannst ihn haben, sofern du mir Tanja überlässt.“
Nun grinst Tamir teuflisch und nickt entschlossen. „Deal!“


































































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