Kapitel 29

Als er das Büro verlassen hatte, suchte er nocheinmal Belle auf. Er fand sie im Wohnraum. Er fing zu ihr und nahm sie bei der Hand. Wollte das sie ihm folgte.
Cade führte Belle den Flur entlang, weg von Wohnzimmer, Kamin und neugierigen Blicken. Das Haus war ruhiger geworden, nachdem Nora und Livia sich Richtung Küche verabschiedet hatten. Nur vereinzelte Stimmen drangen noch gedämpft durch die Wände — Gelächter, Teller, der Geruch von Kräutertee. All das war fremd für Belle, aber vertraut für ihn.
„Das Gästezimmer ist hier,“ sagte er schließlich und öffnete eine Tür am Ende des Korridors.
Der Raum war warm, nicht groß, aber liebevoll eingerichtet: weiche Lampen, ein breites Bett, Fenster mit Blick über verschneiten Wald, sogar eine gefaltete Decke lag bereit. Kael war nicht sentimental, aber sein Rudel wusste, wie man es Gästen leichter machte, sich nicht wie Fremde zu fühlen.
Belle trat vor ihm ein und blieb stehen. Sie strich mit den Fingerspitzen über die Bettkante, als wollte sie sicherstellen, dass alles wirklich real war. Die letzten Tage hatten viel von ihr gefordert; er konnte es an ihrer Atmung hören, an ihrer Nackenmuskulatur sehen.
„Sie haben sich Mühe gegeben,“ sagte sie leise.
„Kael erwartet Loyalität von allen,“ erwiderte Cade, „aber für dich erwarten sie… ein Willkommen.“
Belle drehte sich zu ihm um, ihre Augen fragend, durchdringend, wach. Die Stille zwischen ihnen war nicht unangenehm, sie war geladen. Cade schloss die Tür hinter sich, langsam, ohne nachzudenken. Er wusste, dass er sie nicht nocheinmal hätte aufsuchen sollen, bevor er ging, bevor er es erklären könnte — und gleichzeitig wusste er, dass er trotzdem gehen würde.
„Wie lange bleibe ich?“ fragte Belle schließlich.
„Lang genug, dass du mit Livia sprechen kannst. Nicht länger als nötig.“ Seine Stimme war ruhig, obwohl seine Brust sich enger anfühlte, als er erwartet hatte.
„Und du?“ Ihre Frage war einfach, aber schwer.
Er trat näher, blieb jedoch einen Armlängen entfernt stehen. Für einen Wolf war das nicht annähernd genug, für einen Menschen wirkte die Distanz noch größer. „Ich werde in den Wald zurückkehren. Es gibt Dinge, die ich prüfen muss, solange es noch möglich ist, sie zu prüfen.“




„Alleine?“
„Mit Elias. Und mit Skye und Asher.“ Eine seiner Hände bewegte sich unbewusst, als wolle er sie berühren, blieb aber in der Luft hängen. „Und ich komme zurück.“
Belle lachte leise, nicht spöttisch, eher müde. „Das sagst du so, als würdest du jeden Tag denselben Satz wiederholen.“
„Tue ich,“ sagte er ehrlich. „Vor allem zu Menschen, die mir wichtig sind.“
Das brachte sie zum Schweigen. Das war selten. Belle war eine Frau, die Worte führte wie ein Schwert — präzise, kontrolliert, sicher. Doch seine Worte trafen irgendwo tiefer, dort, wo sie gerade erst wieder lernte zu fühlen.
Als er endlich die restliche Entfernung zwischen ihnen überbrückte, geschah es ohne Hast. Seine Hand fand ihren Rücken, warm und ruhig, kein Ziehen, kein Drängen. Es war mehr ein Ausatmen, als hätte sein Körper erst jetzt verstanden, dass er sie loslassen müsste — aber noch nicht jetzt.
Belle lehnte die Stirn gegen seine Brust. Kein Flehen, kein Festhalten, nur ein ruhiger Moment, den beide brauchten, um wieder atmen zu können. Cade schloss die Augen, einen Sekundenbruchteil, und spürte ihren Herzschlag gegen seinen. Ruhig. Echt. Lebendig.
„Das ist der Teil,“ murmelte Belle, „an dem du mir sagst, ich soll nicht entkommen, nicht fliehen, nicht verhandeln.“
Er legte eine Hand an ihren Nacken und antwortete leise: „Ich brauche keine Befehle. Du bleibst, weil du bleiben willst und weil du hier sicher bist.“ Dann hob er ihr Gesicht leicht an, sodass sie ihn ansehen musste. „Und weil ich zurückkomme. Nicht irgendwann. Bald. So schnell wie möglich.“
Belle suchte seinen Blick, als müsse sie sicherstellen, dass darin kein Schatten lag. Dass keine Unwahrheit darin vibrierte. Sie fand keinen.
„Versprich es,“ sagte sie.
„Ja.“ Kein Zögern. Keine Pause. „Das tue ich.“
Sie küsste ihn zuerst — langsam, warm, erschöpft, aber frei von dem Druck, den ihre letzten Tage getragen hatten. Es war kein Streit, kein Besitz, kein Kampf. Es war Bestätigung. Zugehörigkeit. Und der Beginn von etwas, das weder er noch sie benennen konnten, ohne es zu verkomplizieren.
Er zog sie enger an sich, tief, drängend. Seine Lippen fanden ihre Schläfe, ihre Stirn, ihren Hals, verweilte auf ihrer Markierung — saugte, leckte, schmeckte. Nahm ihre Essenz auf. Nähe. Dann küsste er sie, tief, fordern, besitzergreifend.




Die nächste Stunde gehört sie ihm ganz — laut, wild. Er entledigte sie beider ihrer Sachen. Erkundeten ihren Körper. Verweilte auf ihren Bauch, dort wo sein Kind heranwuchs. Nur eine kleine Essenz. Und ein weiterer Grund zurückzukommen. Cade wanderte weiter, zu ihrer Scham, verwöhnte sie bis sie ihre Lust herausschrie und in endlosen Wellen kam. Er leckte sie durch den Orgasmus bis dieser Abebbte. Dann erst erhob er sich. Zog sie zu sich. Seine Männlichkeit war bereits steil aufgerichtet. Er strich seinen Schwanz über ihre Scham, bevor er langsam in sie eindrang. Mit jedem Stoß verlor er sich weiter in ihr. Ihr inneres nahm ihn auf wie eine enge kleine Faust. Belle stöhnte immer wieder seinen Namen, bis er es nicht mehr aushielt. Mit einem letzten kräftigen Stoß schenkte er ihr seinen Samen. Erschöpft brach er über sie zusammen. Ließ sich aber neben sie gleiten um sie nicht mit seinem Gewicht zu erdrücken. Er kuschelte mit ihr, an sie gedrückt. Verlängerte den Abschied. Obwohl es ihn mit jeder Minute schwieriger erschien. Worte waren nicht nötig. Belle verstand ihn auch so.
Später, als sie eingeschlafen war, lag Cade immer noch wach neben ihr. Er streckte den Arm aus und strich ihr eine Haarsträhne aus der Stirn. Dann setzte er sich auf, lehnte kurz den Kopf gegen das kühle Kopfteil des Bettes, um den Wolf in sich zu beruhigen.
Er wollte sie bei sich behalten. In seinen Revier. Unter seiner Haut. Doch das war nicht Schutz — es wäre Schwäche. Und Schwäche konnte er sich gerade nicht leisten.
Bevor er ging, bückte er sich, küsste ihren Haaransatz und flüsterte gegen ihre Schläfe: „Ich komme zurück.“
Dann verließ er das Zimmer und ließ die Tür lautlos ins Schloss fallen.
Und während der Wolf in ihm sich instinktiv dagegen sträubte, wusste der Mann genau:
Er hatte etwas, das sich zu schützen lohnte. Und das bedeutete, dass er gehen musste — gerade weil er zurückkommen wollte.

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