Behütet und geführt

09.03.2026
… manchmal zeigt sich Schutz ganz still.
… manchmal auch in einem einzigen Moment.
„Schatz, bist du richtig angeschnallt?“
„Ja, Mama! Guck!“, antwortete mein Sohn und zog den Sicherheitsgurt seines Kindersitzes neben mir nochmals fest.
Die dreispurige Autobahn war dicht gefüllt.
Wir fuhren auf der mittleren Spur.
Plötzlich überholte uns rechts ein weißer Sprinter, scherte vor uns ein und zog ohne zu schauen auf die linke Spur.
Ein BMW kam von hinten.
Ein Aufprall.
Der Sprinter krachte in die Betonbegrenzung, wurde quer über die Fahrbahn geschleudert, prallte erneut gegen die Leitplanke
– und kam wenige Meter vor uns zum Stillstand.
Ich bremste.
Alle um uns herum bremsten.
Stillstand.
Ich atmete ein.
Und wieder aus.
Es war still.
Ich blickte zu meinem Sohn.
„Alles ist gut, mein Schatz. Bleib hier sitzen, ich muss helfen.“
Ich legte ihm die Hand aufs Knie und stieg aus dem Auto.
Auch andere Menschen eilten herbei.
Gemeinsam zogen wir den schwer verletzten Mann aus dem Wrack.
Wir hatten Glück.
Unbeschreibliches und kaum fassbares Glück.
_____
Ein Jahr später.
Wieder ein Ausflug.
Wieder dieser Tag.
Die Erinnerung stieg in uns auf, suchte sich ihren Raum und wir entschieden uns gegen die Autobahn.
Wenige Kilometer später nahm uns in einer kleinen Stadt eine große Limousine die Vorfahrt.
Ich schimpfte, ordnete mich hinter ihr ein.
Wir fuhren eine Weile hintereinander her.
Dann kam der Wald.
Groß. Dunkel. Lang.
Fast unbewusst vergrößerte ich den Abstand.
Plötzlich schoss von rechts aus einer schmalen Waldstraße ein Auto heraus –
ungebremst –
direkt in die Limousine vor uns.
„Nein! Nicht schon wieder!“, rief mein Sohn.
Ich bremste.
Stille.
Wieder standen wir direkt hinter einem Unfallfahrzeug.
Ich atmete ein.
Und wieder aus.
Ich blickte zu meinem Sohn.
Er nickte.
Erneut stieg ich aus und half.
Die ältere Fahrerin war schwer verletzt.
Die Beifahrerseite der Limousine stark beschädigt.
Ich blickte auf den Sitz.
Dort, wo mein Sohn gesessen hätte.
Ich bekam Gänsehaut.
_____
Der 14. April.
Gründonnerstag.
Der Tag im Jahr 1938, an dem meine Großeltern geheiratet haben.
Verbundenheit.
Jahrzehntelang.
Ich stand einen Moment still.
Ich fühlte es.
Ich spürte meinen Atem, meinen Körper.
Und wusste.
Ich musste nichts mehr verstehen.
Gib mir deine Hand,
sprach der Fuchs
… und ich vertraute.




























































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