Kapitel 31

Hanna

Ich spiele mit den Kindern des Rudels fangen. „Wartet, wartet mal einen Moment bitte.“ bitte ich sie außer Puste. „Wie schaffen es nur eure Eltern auf euch aufzupassen, wenn ich schon nach den paar Stunden so außer Atem bin?“ frage eher ich mich selbst. Doch die Kinder wären keine Kinder aus unserem Rudel, wenn sie nicht antworten würden.

„Hanna, du bist einfach alt.“ spricht ein fünfjähriger. „Quatscht. Hanna ist nicht alt. Sie hat nur nicht mehr so viel Energie wie ein Welpe. Dafür ist sie viel stärker als wir.“ erwidert ein Mädchen. „Genau, ich mag Hanna so wie sie ist.“ stimmt ein weiteres Mädchen zu.

Lachend sage ich, bevor es hier in einen großen Streit endet „Okay okay. Gehen wir wieder zurück zum Gruppenraum. Eure Eltern holen euch auch jeden Moment ab.“ „Och nöö, ich will noch länger bei dir bleiben Hanna.“ beschwert sich der Junge. Ich hebe eine Augenbraue „Ach, bin ich nun doch nicht mehr alt?“ Der Junge grinst verlegend und sagt „Doch, aber du bist cool.“

Den Kopf schüttelnd begleite ich die Kinder zum Raum zurück. Einige Eltern warten schon. Wir kommen gerade an, als Fiona außer Atem angerannt kommt „Hanna, du musst sofort mitkommen.“

Verwirrt frage ich „Was, wieso?“ Fiona zieht mich schon mit sich mit „Wenn ich richtig liege, kannst du ihn retten.“ „Wen retten? Und wieso ich?“ hake ich nach „Keine Zeit, komm jetzt endlich“ beharrt Fiona. „Aber die Kinder!“ will ich nochmal protestieren, aber da winkt auch schon eine andere Mutter ab „Ich warte hier, bis alle abgeholt sind.“

Sobald ich mich nicht mehr gegen Fiona wehre, zieht sie mich noch schneller mit sich mit. „Kannst du mir erklären, was das soll?“ frage ich sie währenddessen. „Ich weiß nicht, wie viel ich dir sagen kann. Nicht dass du dir zu viel Hoffnung machst und dann enttäuscht bist.“

Mit dieser kryptischen Aussage lasse ich mich also weiter zur Krankenstation ziehen. Vor dem Behandlungszimmer sehe ich Paul und Marlene stehen. „Ein Versuch ist es wert.“ spricht Fiona leicht außer Atem. „Was ist ein Versuch wert?“ frage ich wiederholt.

Mom meldet sich zu Wort „Hast du Taylor kennengelernt?“ Überrascht von der Frage, brauche ich einen Moment, ehe ich antworte. „Meinst du den Freund von Fiona?“ Fiona nickt aufgeregt und ich senke meinen Kopf verlegend „Ich bin ihm aus dem Weg gegangen? Er versprüht schon von weitem eine Macht. Zwar nicht so stark, wie Alpha Mathias oder Joshua, aber er ist eben auch nicht aus unserem Rudel.“




Mom nickt verstehend „Gut, aber jetzt wirst du ihn kennenlernen.“ „Was?“ Ehe ich mich also versehe, wird mir ein steriler Kittel übergezogen und schon werde ich in den Behandlungsraum geschoben. „Luna nochmal, was soll das?“ fahre ich beide an.

Doch dann nehme ich einen Atmezug und dann noch einen und noch einen. Meine Augen weiten sich geschockt und ich blicke zu der Person, die bewusstlos auf der Liege liegt.

Plötzlich regt sich meine Wölfin und flüstert andächtig Mate. Überrascht gehe ich auf Taylor zu, bis ich neben seinem Kopf zum stehen komme. Er ist schön, aber seine ganzen Muskeln und Narben sprechen von schwerer Arbeit.

„Was ist mit ihm?“ frage ich ohne den Blick zu lösen. Mom antwortet mir „Er wurde angeschossen. Die Kugel ist gewandert, nun liegt sie gefährlich nahe am Herzen.“ Bei ihren Worten schaue ich sie dann doch geschockt an.

„Doch keine Sorge. Ich bin mir recht zuversichtlich, dass er es überleben wird, doch..“ beginnt Mom. „Doch?“ frage ich nach. Nun blickt meine Mutter mir doch nicht mehr in die Augen. Verlegen räuspert sie sich „Du müsstest ihn markieren, damit sein Wolf stark genug ist, Taylor rechtzeitig zu heilen.“

Sprachlos schaue ich sie an, dann Taylor. Ich, ich soll ihn markieren? Wir kennen uns doch gar nicht. Aber er ist unser Mate, diskutiert meine Wölfin mit.

Sie hat Recht. Er ist unser Mate. Das Band spüre ich schon recht stark, obwohl es nur wenige Augenblicke besteht. „Kann, kannst du mich einen Moment alleine lassen?“ frage ich schüchtern. „Natürlich. Nimm dir ein paar Minuten, aber nicht länger.“ spricht Mom und verlässt dann den Raum.

Dann wende ich mich Taylor zu. Über seinem Oberkörper ist ein medizinisches Handtuch gelegt. Seine dunklen Haare fallen ihm in die Stirn. Sanft streiche ich sie zur Seite. Dabei berühre ich ihn leicht, was ein unbeschreiblich schönes Kribbeln entstehen lässt.

„Weiß du, ich habe mir die Markierung immer ganz anders vorgestellt, romantischer. Und vor allem mit mehr Kennlernzeit. Ich, ich fühle mich nicht gut dabei, dich bewusstlos zu markieren. Vielleicht, vielleicht magst du mich ja auch gar nicht und ich zwinge dir es auf.“

Während ich also auf ihn einrede, nähere ich mich langsam seinem Nacken. „Aber hoffentlich beachtest du auch, dass ich dir hiermit das Leben hoffentlich retten kann.“ spreche ich mir schließlich selber Mut zu, ehe ich Taylor an der richtigen Stille beiße und ihn somit markiere.




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