Kapitel 30 – Time to say Goodbye

Kapitel 30 – Time to say Goodbye

 

Als die ersten Sonnenstrahlen das Zimmer fluteten, sabberte Evelynn tiefenentspannt auf Brians Brust, gefangen in einem Traum, der die letzte Nacht wieder und wieder in ihrem Kopf abspielte. Ihre Beine rieben aneinander und dazwischen war es regelrecht nass. Gleichzeitig fühlte sie sich wund, so schön wund, jetzt fühlte es sich irgendwie gut an. Aber sie wollte nicht gleich noch mal. Nein, Gott, das war … Gott …

Ihre Gedanken, noch schwer und verhangen vom Schlaf, schweiften wie Wolken über ihre Erinnerungen hinweg und romantisierten sie in jeder nur erdenklichen Weise. So schön … schön warm, schön kuschelig, schön geborgen. Ja, genau. Evelynn regte sich ein klein wenig und kuschelte sich wieder an Brians Brust. So schön geborgen. Zu Hause. So fühlte es sich an. Sein Geruch, seine Haut, sein Griff, um sie herum. Sein Geschmack, der ihr noch auf der Zunge lag.

Brian betrachtete die schwarzen Haare, die halb auf seinem Oberkörper und der Bettdecke lagen. Unter der Bettdecke spürte er Evelynns Körper an seinem. Die weichen Rundungen, die sich perfekt an seinen Körper schmiegten; die weiche Haut, die die seine sanft streichelte. Wie lange war es her, dass er zuletzt neben einer Frau aufgewacht war? Sieben Jahre … Wäre er nach dem Sex nicht so erschöpft gewesen, hätte er Evelynn einfach aus dem Bett geworfen, wie er es sonst immer tat.

Erschöpft … Ein Teil von ihm wusste, dass er sie trotzdem noch hätte rauswerfen können. Aber er hatte es die Nacht viel zu sehr genossen, sie bei sich zu haben. Ihre Aktion hatte ihn überrascht. Mehr noch, sie hatte ihn gefreut. Dabei konnte er nicht genau sagen, ob er da als Zuhälter oder als Mann dachte. Brian nahm eine Strähne von Evelynns Haar und wickelte diese um seinen Finger. Ihm war längst klar, dass er bei Evelynn nicht immer in der Rolle des Zuhälters bleiben konnte. Selbst Nish wusste es. Also blieb ihm nur noch eine Option. Er musste das, was sich hier anbahnte, unterbinden. Eve und ihr Sohn mussten weg. Am besten heute noch.

„Hm …“ Evelynn lächelte seufzend, als sie seine Hand in ihrem Haar spürte. Perfekt. Es war alles perfekt, solange sie nur nicht rational zu denken begann. Doch so weit sollte es gar nicht kommen. Die Gelegenheit dazu wurde ihr genommen, als die Tür erst leise und nur einen Spalt breit aufgestoßen, dann im nächsten Moment aber regelrecht aufgeknallt wurde.



„Mami!“ Yannis eilte an die Seite seiner Mutter, kletterte aufs Bett und setzte sich auf Evelynns Hüfte. Eigentlich hätte er sich ja gern zu ihr unter die Decke gekuschelt, aber da lag schon jemand. „Wieso warst du nicht bei mir? Hast du nicht gut geschlafen? Bist du deshalb zu Brian ins Bett? Hat er dich beschützt? Waren da Monster hinter dir her? Soll ich sie kaputtschlagen? Du hättest mich nur wecken müssen!“ Yannis, dessen Fäuste voller Tatendrang erhoben waren, blickte das erste Mal überhaupt zu Brian rüber. „Oh …“ Vorsichtig kletterte er von seiner Mutter runter, in den schmalen Spalt, der zwischen den beiden lag, und fuhr sachte über Brians Hals. „Hast du dich verletzt, als du Mami beschützt hast, Brian?“

Brian griff sich an den Hals und setzte sich dabei auf. Da der Knirps zwischen ihm und Evelynn auf der Bettdecke saß, würde sie dadurch wenigstens nicht gleich entblößt werden. Was er allerdings auf die Fragen des kleinen Neunmalklugs antworten sollte, wusste er nicht. Monster? Seinen Schwanz konnte er wohl kaum als solches bezeichnen. „Keine Monster, Yannis. Die gibt es nicht. Deine Mutter und ich haben gestern nur noch lange … geredet und sind dann einfach eingeschlafen“, log er. „Geh doch schon mal in die Küche und hol ein paar Eier aus dem Kühlschrank, dann mache ich gleich Speck mit Rührei.“

Yannis’ Augen wurden groß vor Freude und er sprang auf. „Rühr-ei! Rühr-ei! Rühr-ei!“ In Sekundenschnelle war er wieder bei der Tür angekommen. „Mami, du darfst nicht in die Küche! Brian macht nämlich Frühstück!“ Die Tür knallte zu.

Evelynn seufzte tief. Sie hatte die ganze Zeit über die Luft angehalten. Erst im Verlauf der Zeit, in der Yannis zwischen ihren nackten Körpern – nur geschützt durch die Decke – gesessen hatte, war ihr vollends bewusst geworden, was gestern eigentlich passiert war. Was zum Teufel hatte sie da nur getrieben?! Sie hatte gesagt, kein Sex zwischen Brian und ihr!

Evelynn richtete sich auf; die Decke hielt sie schützend vor ihre Brust. „Wo sind meine Kleider …?“ Ihre Kehle war trocken. Und noch ehe sie sich selbst die Hand an die Stirn knallen konnte, lachte Brian bereits auf.

„Ich gebe dir ein Shirt von mir und lenke Yannis gleich ab, damit du dich in Ruhe umziehen kannst.“ Mit einem zufriedenen Grinsen auf den Lippen stieg er aus dem Bett und zog sich eine neue Boxershorts und eine graue Jogginghose an. Danach warf er ein sauberes T-Shirt auf das Bett. „Willst du wegen dem, was da passiert ist, noch reden?“ War es für sie bloß Sex oder erhoffte sie sich mehr?



Evelynn schüttelte den Kopf und langte, vorsichtig darauf bedacht, sich weiter zu bedecken, nach dem Shirt. „Das ist nie passiert.“

Ohne ein weiteres Wort verließ Brian sein Schlafzimmer. Seine Zähne knirschten. Nie passiert … Von wegen! Wenn es ihr so passte, würde sie nie darüber reden! Aber in unpassenden Momenten würde Eve es sicher als Vorwand nutzen! Wofür auch immer …

In der Küche hatte Yannis bereits eine Pfanne herausgeholt und die Packung mit den Eiern auf der Arbeitsplatte abgestellt. Unglaublich, wie intelligent der Kleine war. Und viel zu aufmerksam.

Brian schlug die Eier auf, ließ sie in eine Schüssel plumpsen und drückte diese zusammen mit einem Schwingbesen in Yannis‘ Hände. Während der Kleine alles brav verrührte, fischte Brian sein Smartphone aus der Hosentasche und schrieb seiner Schwester eine kurze Nachricht.

‚Bist du heute zu Hause? Was gegen einen Besuch?‘

Danach kümmerte er sich mit Yannis um Rührei und Speck, und wenig später stand alles auf der Kochinsel, zusammen mit Tellern, Besteck und einer Tasse Kaffee, die sogleich in Brians Hand in Sicherheit gebracht wurde. „Holst du deine Mutter?“

Yannis nickte eifrig und rannte zur Treppe. „Nicht dort, Kleiner! Im Büro.“

„Oh.“ Yannis drehte um und legte den Kopf schräg. „Sag mal …, Brian … Mami und du … Habt ihr jetzt endlich rumgeknutscht?“

Und wie sie geknutscht hatten! Aber das würde Brian dem Kleinen nicht erzählen. Stattdessen schüttelte er den Kopf. „Weißt du, deine Mutter wird jemand anderen finden, der dein Papa wird und dann wirst du sicher auch noch eine kleine Schwester oder einen kleinen Bruder kriegen. Das ihr hier wohnt, ist nicht von Dauer, Kleiner. Das weißt du doch, oder?“

Yannis runzelte die Stirn. „Aber wieso? Du bist doch da? Wieso muss sie noch jemand anderen finden? Mit dir bin ich einverstanden als Papi. Aber wenn andere Männer meine Mami angucken, dann haben sie immer so die Augen zusammengekniffen und gucken ihr auf den Po, oder die Brüste, und Mami hat gesagt, dass man Mädchen da nicht hinguckt, als ich das mal nachgemacht habe, und deshalb … will ich keinen anderen Mann als Papi. Mami hat gesagt, das sind Drecksferkel!“

Brian stöhnte innerlich auf. „Das Essen wird kalt, Yannis. Also los, hol deine Mutter her.“ Welches Kind redete in dem Alter ohne Punkt und Komma? Meistens waren sie in dem Alter doch in der Warum-Phase? Obwohl … er eigentlich genau das machte. Warum, wieso, weshalb – ohne Punkt und Komma.



„Oookeeeyyy …“ Beleidigt tapste der Fünfjährige zum Büro und öffnete die Tür. „Mami! Essen ist fertig! Du musst kooomen! Sonst wird es kalt, hat Brian gesagt!“ Der Junge ging ins Büro hinein und verschwand damit aus Brians Sichtfeld. „Mami?“ Die schreiende Stimme des Jungen war zu einer vorsichtigen geworden. „Wieso weinst du, Mami?“

Brian massierte sich, scharf die Luft ausstoßend, die Schläfen, dann lud er sich eine Portion Rührei und Speck auf die Teller und fing an zu essen. Er musste Yannis und seine Mutter, das wandelnde Drama auf vier Beinen, so schnell wie möglich loswerden. Obwohl seine Schwester noch nicht geantwortet hatte, schrieb er noch eine Nachricht hinterher. ‚Bin in einer Stunde da. Bis später.‘ Danach sah er zum Büro, dessen Tür noch halb offenstand. „Macht euch fertig! Wir fahren in einer halben Stunde los.“

Mit mulmigem Gefühl im Bauch folgte Evelynn Brian in den Lift und fuhr mit ihm und Yannis, den sie an der Hand hielt, gemeinsam in die Tiefgarage. Sie sah zu Yannis hinunter, der in seinen Gedanken versunken zu sein schien, dann spähte sie möglichst unauffällig zu Brian. Was sie letzte Nacht getan hatten, würde sie wohl bis an ihr Lebensende verfolgen. So guten Sex … Sie hatte nicht einmal gewusst, dass Sex so gut sein konnte. Und doch musste sie es vergessen. Das durfte sich nicht wiederholen, unter keinen Umständen! Wozu sollte das führen? Einer Beziehung mit einem Zuhälter, Drogendealer, Mörder …?

„Wohin gehen wir eigentlich?“ Sie sah ihn nicht an, denn das wagte sie nicht. Aber sie konnte auch nicht einfach schweigend danebenstehen, während er dabei war, sie wer weiß wohin zu bringen.

„Zu meiner Schwester“, erwiderte er knapp. In der Tiefgarage führte er sie zu seinem Wagen. Die Fahrt dauerte keine halbe Stunde. Sie fuhren nach South End. Brian parkte das Auto in der Einfahrt eines großen Hauses. Im Vorgarten spielte Parker im Sandkasten. Brians Neffe und Taufkind, der sofort auf ihn zurannte. „Onkel Brian!“

Brian ging runter auf ein Knie, streckte beide Arme aus und fing Parker ab. „Du bist ja schon wieder gewachsen! Was gibt deine Mutter dir nur zu essen?“ Er wuschelte dem Jungen durch das dichte, braune Haar. „Ist sie drin?“



„Ja. In der Küche.“ Parker spähte neugierig an Brian vorbei, hin zum Auto, wo eine Frau gerade einem ungeschickten, schlaksigen Jungen in seinem Alter aus dem Auto half.

Brian stand auf. „Parker, das ist Yannis. Zeigst du ihm, womit du gerade spielst?“

Sein Neffe nickte knapp, und rannte nicht wenig begeistert auf seinen neuen Spielgefährten zu. „Hallo! Magst du meinen neuen Bagger sehen?“

Yannis sah unsicher auf und zupfte an Evelynns Jacke. „Mami?“

Evelynn lächelte gezwungen. „Natürlich. Geh spielen.“ Sie selbst schloss sich zögerlich Brian an, der bereits in Richtung Hauseingang lief. Was sollten sie hier? Wollte er sie jetzt seiner Familie vorstellen oder was? Sie hatte ihm doch gesagt, dieses eine Mal hatte nichts zu bedeuten gehabt. Es war nun mal passiert. Evelynn war nicht bei klarem Verstand gewesen, getrübt von der Lust, die sich in ihr angesammelt hatte. Getrübt von dem Verlangen nach einem Mann, den sie nicht haben wollen durfte.

Die Tür auf der Veranda war offen, dennoch klopfte Brian kurz dagegen, ehe er eintrat. „Amber?“, rief er und bog nach rechts ab, in die Küche. Dort stand eine Frau am Herd und rührte etwas in einer Schüssel um. Als sie Schritte hörte, drehte sich diese um. Ihre dicken, dunkelbraunen Haare hatte sie zu einem Zopf gebunden. Wie Brian hatte sie hellbraune Augen. Selbst die Augenbrauen waren ähnlich. Sie lächelte breit, als sie Brian sah, und strich sich über den deutlich sichtbar gewölbten Bauch. „Brian! Wie schön!“ Dann glitt ihr Blick zu Evelynn. „Wen hast du da mitgebracht?“

‚Brian, wie schön‘, äffte Evelynn in ihren Gedanken nach. War das seine Geliebte? Nein, zuvor hatte er noch etwas von einer Schwester gesagt. Aus, für sie unerfindlichen Gründen, atmete Evelynn erleichtert aus. Dann ging sie lächelnd auf die Hochschwangere zu und streckte ihr die Hand hin. „Evelynn, hi.“ Eine Schlampe deines Bruders, wollte sie nicht zwingend anfügen.

„Amber. Freut mich.“ Amber sah zu Brian und hob überrascht die Augenbrauen. „Deine Freundin? Endlich mal?“

Brian schüttelte sofort den Kopf und verschränkte die Arme vor der Brust. „Nein. Ich hatte gehofft, Eve und ihr Sohn könnten ein paar Tage hierbleiben. Vielleicht ein paar Wochen? Eve kann dir sicher zur Hand gehen.“



„Sohn?“ Ambers Blick glitt aus dem Küchenfenster hinaus in den Vorgarten, wo Parker mit einem blonden Jungen spielte. „Brian … Das … das geht nicht. Du weißt, dass ich dich wirklich gern hab. Aber ich will deine Probleme nicht hier in meinem Haus haben. Und Fred erst recht nicht!“

„Nur zwei Wochen, Amber, bitte! Maximal vier Wochen, aber dann habe ich eine andere Bleibe für sie und das Kind gefunden!“

Ehe Evelynn aktiv darüber hätte nachdenken können, hatte sie ihren Ellbogen bereits in Brians Bauch gerammt, sodass dieser sich keuchend vornüberbeugte. „Arschloch! Wenn du uns loswerden willst, wieso hast du mich gezwungen, meine Wohnung zu verlassen?!“ Auf dem Absatz machte sie kehrt. Sie würde Yannis packen und mit ihm verschwinden. Sie hatten … Scheiße, das Geld war noch in Brians Wohnung! Aber sie würden es auch so schaffen. An der Tür hielt sie nochmals inne und drehte sich um. „War schön, Amber. Hat mich gefreut. Aber ich will deine Gastfreundschaft auch nicht länger als nötig in Anspruch nehmen.“

Brian schnaufte. „Ja, lauf nur weg, Eve. Nish findet dich dort ohne Probleme und dann bist du tot. Wer kümmert sich um Yannis, wenn du ins Gras beißt?“

Die Zähne zusammengepresst, drehte sie sich um und fauchte: „Ich kann auch irgendwo anders hin als in meine alte Wohnung! Und im Gegensatz zu dir ist Nish kein Arsch, der Frauen in die Prostitution zwingt!“

„Nish will deinen Kopf! Ihm sind deine Titten egal, Eve! Du kannst den Staat verlassen und dein Glück versuchen. Der Stadt den Rücken zu kehren, wird nicht reichen. Dafür ist sein Einfluss zu groß.“

„Brian!“, rief Amber. „Ich habe dir schon einmal gesagt, dass ich nichts von deinen Geschäften in meinem Haus hören will! Raus hier!“

„Amber…“ Brian hob beschwichtigend die Hände.

„Geh raus zu deinem Patenkind! Parker sieht dich ohnehin zu selten.“

Brian verdrehte die Augen und verschwand zähneknirschend durch die Terrassentür.

Amber richtete den Blick auf Evelynn. „Ihr könnt noch zum Essen bleiben. Parker ist momentan verrückt nach Nudelsalat. Ich hab viel zu viel gemacht.“

„Das muss nicht sein, Amber. Ich nehme Yannis und gehe, wir finden schon was.“

„Ganz wie du willst. Ich werde dich nicht aufhalten. Allerdings denke ich, dass Brian es tun wird. Bisher hat er nie darum gebeten, dass ich eine seiner Nutten bei mir aufnehme.“



Evelynn nickte knapp. Jede Freundlichkeit war aus ihrem Gesicht gewischt. Ohne ein weiteres Wort drehte sie sich um und folgte Brian nach draußen, um Yannis zu holen. Nutte. Eine seiner Nutten. Sie hatte nicht vor, als solche ihr Leben zu verbringen.

„Yannis?“ Es tat ihr leid, das Spiel der beiden Buben zu unterbrechen. Insbesondere, da sie sich gut zu verstehen schienen. Aber sie wollte keine Sekunde länger hierbleiben. „Wir gehen.“ Evelynn streckte die Hand aus. „Komm.“

Brian ging zu Evelynn und stellte sich ihr in den Weg. „Wirklich? Und wohin, Eve? Was verstehst du an deiner Situation nicht? Willst du den Kleinen wirklich zum Waisen machen und kopflos in deinen Tod rennen?“ Wütend kniff er die Augen zusammen und senkte seine Stimme. „Ich habe dir das Leben gerettet, aber Nish weiß, dass du noch lebst! Bist du wirklich so dumm, das zu ignorieren? Ist dir die Zukunft von Yannis so scheiß egal, Eve? Willst du sogar riskieren, dass er sieht, wie du auf offener Straße abgeknallt wirst?“

„Werde ich schon nicht!“, zischte sie zurück, darauf bedacht, dass die Jungen nichts hörten. „Sowieso, was kümmert es dich, Brian?! Ich bin doch nur dein Flittchen, das dir Geld bringen soll! Und außerdem: Tu nicht so, als wärst du besser! Hättest du meinen Namen nicht gesehen, nicht gewusst, dass ich Yannis habe, hättest du mich doch genauso getötet!“

„Denkst du, ja? Glaub es oder nicht, ich hab bestimmt schon ein paar Menschen auf dem Gewissen, die Kinder hatten!“ Brian verschränkte die Arme vor der Brust. „Und nun komm zurück ins Haus!“

Evelynn starrte düster zu ihm auf. „Wieso sollte ich? Um meinen Sohn noch weiter damit in Gefahr zu bringen, dadurch, dass du in seiner Nähe bist? Ein Zuhälter? Mörder? Vergewaltiger, ganz sicher?!“

Mit einem Seufzen und anschließenden, angespannten Kopfschütteln, trat Brian einen Schritt zurück. „Na dann: Verpiss dich einfach.“ Er wandte sich ab und ging zurück ins Haus. Brian sah nicht zurück. Sie würde nicht gehen. Sie konnte nirgends hin.

Evelynn blieb wie angewurzelt stehen. Konnte es so einfach sein? Nur halb mit den Gedanken bei der Sache, streckte sie ihre Hand nach Yannis aus. „Na komm, Schatz … Wir gehen.“

„Mami? Darf ich nicht noch mit dem Bagger…?“



„Nein. Wir müssen gehen.“

„A…aber ich und…“

„Komm jetzt, Yannis!“

Eine ungewohnte Schärfe durchzog die Stimme seiner Mutter, und ließ Yannis sputen. Traurig blickte er zurück. „Tschüss, Parker.“

Parker sah seinem neuen Kameraden verständnislos hinterher, hob aber, nachdem Evelynn mit Yannis bereits mehrere Schritte gegangen war, ebenfalls langsam die Hand. „Tschüss, Yannis …“

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