Ascardia 2 – Kapitel 9

~Ascardia~
»Was war das denn?«, fragte ich an Ayden gerichtet. Ich hatte ihn noch nie so abweisend gesehen. Nicht einmal, als ich neu hier war.
Mochte er Shaeli vielleicht nicht?
Auf meine Frage zuckte er lediglich mit den Schultern, weshalb ich mich entschied, sie anders zu stellen. »Was wollte Shaeli denn hier?«, fragte ich, um hoffentlich dieses Mal eine Antwort zu bekommen.
»Keine Ahnung. War so unwichtig, dass ich es schon wieder vergessen habe«, erwiderte Ayden, der mir ein Grinsen schenkte.
Ich hob eine Augenbraue. Warum konnte ich das nicht ganz glauben? Als würde Ayden etwas vergessen. Das war so unwahrscheinlich wie Cayden, der keine Antwort auf meine Frage hatte. Aber scheinbar wollte er nicht darüber sprechen.
»Also, was ist jetzt mit deiner Zeit?«, fragte er plötzlich und erhob sich, um sich zu strecken. »Hast du Beweise?«
Ich blies beleidigt meine Wangen auf. »Cayden war dabei«, protestierte ich darüber, dass er mir nicht glaubte.
Ayden grinste jedoch weiter und legte mir eine Hand um die Hüfte, bevor er mich nach draußen schob. »Dann schauen wir doch mal. Ohne, dass ich Augenzeuge bin, werde ich dich auf alle Fälle nicht einfach bei einem Rennen mitmachen lassen.« Seine Augenbrauen zuckten leicht, was mich leise lachen ließ.
»Dann werde ich mein Bestes geben«, sagte ich, denn ich wusste, dass Ayden sich nur Sorgen machte.
Als wir hinaustraten und die Sonne mich einen Moment blendete, blieb Ayden stehen. »Ich habe eine bessere Idee. Wie wäre es mit einem kleinen Wettrennen. Nur wir beide?«, schlug er vor.
Ich blickte mit strahlenden Augen zu ihm. »Oh ja«, rief ich, denn die Vorstellung, ein wirkliches Rennen zu fliegen und nicht nur allein, war überaus verlockend.
»Und mit welchem Greif willst du fliegen?«, fragte Cayden plötzlich, der neben der Tür lehnte und die Augen geschlossen hatte. Es wirkte irgendwie, als würde er die Sonne genießen, was mir ein inneres Gefühl von Ruhe gab.
»Ach das«, erwiderte Ayden mit einem Grinsen, was Cayden dazu brachte, seine Augen zu öffnen. »Ich dachte mir, wenn du Ascardia einen schenkst, dann sollte ich auch vorbereitet sein«, erklärte er zwinkernd.
»Ayden«, warnte Cayden, der seinen Bruder anstarrte, allerdings seine Aura nicht benutzte.




Ayden machte ein unschuldiges Gesicht, das mich leise lachen ließ. Was war denn mit den beiden los?
»Keine Sorge, ich werde keine Zucht starten«, versprach er mit einem Grinsen.
Cayden schloss die Augen und atmete tief durch. »Zwei Greife auf der Insel. Mehr nicht«, warnte er, was ich nicht ganz verstand.
»Ein zweiter Greif?«, fragte ich, weil das das einzige war, bei dem ich folgen konnte.
Ich blickte Cayden mit großen, unschuldigen Augen an, der Ayden mit der Hand zuwinkte. »Hol ihn schon«, brummte er nachgiebig.
Ayden grinste und stieß plötzlich einen Pfiff aus. Er war nicht besonders laut, doch ich spürte ein gewisses Kribbeln in der Luft.
Weil Ayden in die Luft blickte, machte ich das auch. Dort schwebte Silber durch die Luft, als wäre sie noch nicht genug geflogen, obwohl wir seit heute Morgen übten.
Plötzlich versperrte ein anderer Greif das Licht der Sonne und senkte sich langsam zu Boden.
Er war schwarz und größer als Silber.
Außerdem erinnerte ich mich an etwas. »Ist das nicht der Greif, der das Rennen gewonnen hat, das wir gesehen haben?«, fragte ich atemlos. Das war Aydens Greif?
Ein Lachen erklang, als Ayden ihm eine Hand an den Schnabel legte. »Früher habe ich Greife gezüchtet. Nox ist einer der Letzten davon und der beste, den es gibt.«
Ich konnte nicht anders, als ihn mit offenem Mund anzustarren. Wie sollte ich denn gegen den aktuellen Gewinner siegen?
»Das ist unfair«, rief ich beleidigt aus. Hätte ich gewusst, dass er einen so schnellen Greif hatte, hätte ich nicht eingewilligt. »Ich kann doch gar nicht gewinnen!«
Ayden legte mir eine Hand auf den Kopf und zerstrubbelte meine Frisur, was mich leise knurren ließ. »Das kannst du nicht wissen, ohne es versucht zu haben«, zwinkerte er.
Ich blies die Luft aus und pfiff dann nach Silber.
Diese kam wenig später zu uns, landete neben den schwarzen Greifen und schnappte mit ihrem Schnabel kurz nach ihm, als hätte sie verstanden, dass ich ihn nicht mochte.
Ein leises Lachen verließ meine Lippen. »Schon gut, Silber«, sagte ich und kraulte ihren Hals.
»Was war das eigentlich mit dieser Alpha?«, fragte Cayden. Leise, sodass ich es eigentlich auf die Distanz gar nicht hören sollte.
Ayden seufzte leise. »Sie hat genervt und dumme Fragen gestellt«, brummte er, als würde er auch mit seinem Bruder nicht darüber sprechen wollen.




Ich entschied mich dazu, dass es warten konnte. Shaeli sollte mir nicht meinen Tag versauen. Das hatte sie schon zu oft. Also schwang ich mich auf Silber und setzte mich auf dem Sattel zurecht.
Mittlerweile war ich zwar oft genug geflogen, um ein Gefühl dafür zu haben, doch es dauerte trotzdem immer etwas, den perfekten Sitz zu finden.
»Ich bin so weit«, rief ich Ayden zu, der sich ebenfalls auf Nox schwang. Sofort fiel mir auf, dass er gar keinen Sattel hatte, sondern einfach so auf dem Rücken saß.
Das war möglich?
»Wie kannst du so reiten?«, fragte ich neugierig und ließ Silber um Nox herumlaufen. Dieser saß einfach nur mit erhobenem Haupt da und wartete, während Silber mit ihrem Schnabel immer wieder seinen Flügel zu nah kam, sodass ich sie zurückhielt. Warum machte sie das?
Ich war mit ihr noch nie einem anderen Greifen begegnet, deshalb wusste ich nicht, ob diese Reaktion normal war.
»Lass sie ruhig«, lachte Ayden, doch ich blickte fragend zu Cayden, weil ich mich bisher immer an ihn gewandt hatte, wenn es um Silber ging.
Dieser nickte einmal, weshalb ich die Zügel locker ließ.
Sofort lief Silber vor und vergrub ihren Schnabel an Nox’ Federn. Ich spürte ihren Körper unter mir vibrieren und mir wurde klar, dass sie ihn beschnupperte.
Es war faszinierend, dabei zuzusehen und ich machte mir mental einen Vermerk, dass Tiere das wohl machten, wenn sie freundlich waren.
Schließlich schnaubte Silber, schüttelte leicht den Kopf und zog sich dann von Nox zurück.
»Wenn du sicher genug im Sattel bist, kann ich dir zeigen, wie du ohne reiten kannst«, bemerkte Ayden schließlich mit einem Grinsen, doch Cayden räusperte sich.
»Ayden.« Sein warnender Ton zeigte mir sofort, dass er gar nicht begeistert davon war.
Ayden machte eine wegwerfende Handbewegung. »Oder er zeigt es dir«, sagte er und ließ Nox im nächsten Moment abheben.
»Unfair«, rief ich und ließ auch Silber vom Boden abheben, um Ayden zu folgen.
Als ich nach unten blickte, sah ich gerade noch, wie Cayden verschwand. Ich wusste, dass er uns beobachten würde, auch wenn ich noch nicht herausgefunden hatte, wie genau er das immer tat.

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