DBdD-Kapitel 72
Die nächsten Tage und Wochen vergingen damit, dass Yelir und Zunae alles in ihrer Macht stehende taten, um sich um die Überlebenden zu kümmern und Vereven wieder aufzubauen.
Es war nicht leicht und vor allem teuer, doch irgendwie gelang es ihnen, Pläne aufzustellen, die dafür sorgten, dass es einen Hoffnungsschimmer gab.
Allerdings standen noch ein paar andere Dinge an. Unter anderem eine Feier, die in den Nordlanden besonders wichtig war. Das Leuchten der Sommersterne. Eine Zeit, die eigentlich gefeiert wurde, weil es die Zeit war, in welcher der Seelenkatzengott verehrt wurde.
Für Yelir war diese Feier wichtiger geworden, da es das erste Mal war, dass er sie mit Zunae verbringen würde. Nun war es fast ein ganzes Jahr, dass sie bei ihnen lebte und er wollte dies ebenfalls feiern. Außerdem glaubte er, dass so eine kleine Feier, in der man sich gegenseitig beschenkte, gut aß und zusammen Spaß hatte, den Überlebenden helfen könnte.
»Was hat es denn mit dem Leuchten der Sommersterne genau auf sich?«, fragte Zunae, die mit einem Tee neben Yelir saß und diesem dabei zusah, wie er einen Plan für die Feier im Schloss erstellte. »An diesem Tag leuchten die Sterne besonders hell und fallen in einem Meer aus Schnuppen zu Boden. Ein Zeichen unserer Götter. Es heißt, ein Kind, das an diesem Tag geboren wird, ist von den Göttern gesegnet«, erklärte er und schielte zu Chiaki. Dieser lag auf Zunaes Schoß und ließ sich kraulen.
Er war überraschend leise, als hätte er nichts dazu zu sagen.
»Oh«, stieß Zunae aus, die ihren Blick zu Chiaki richtete und leicht schmunzelte. »Ich verstehe. Für euch ist es also ähnlich wie die mondlose Nacht, die wir den Götterdrachen gewidmet haben.«
»Bei uns ist es Tradition, Menschen, die uns wichtig sind, etwas zu schenken«, erklärte er. Sein Stift landete am dem Schreibtisch, als er seine Aufmerksamkeit ganz Zunae widmete.
Diese saß das erste Mal seit einiger Zeit wirklich entspannt aus. Was vermutlich daran lag, dass sie auf dem bequemen Polsterstuhl saß und Chiaki kraulte, während sie einfach nur auf ihn wartete.
»Dann sollte ich wohl ein paar Geschenke vorbereiten«, bemerkte sie, wobei ihr Blick auf Chiaki lag, damit Yelir nicht bemerkte, dass sie eigentlich nicht richtig zuhörte.
Das Leuchten der Sommersterne.
Ein Sternenregen. Genau wie in ihrem Traum.
War das ein Hinweis darauf, dass schon bald der Angriff stattfinden würde?
Zunae starrte das schwarze Fell des Katers an, während sie versuchte herauszufinden, ob es weitere Hinweise auf den Zeitpunkt kam.
Yelir musterte sie einmal von oben bis unten. Es fiel ihm nicht schwer, die Zeichen zu sehen und zu verstehen.
Er rang mit sich. Sollte er sich um die Dokumente kümmern oder sie fragen?
Solange sie nicht verloren durch die Gegend lief und einfach nur dasaß, sollte alles in Ordnung sein.
Yelir entschied sich dazu, sich wieder den Vorbereitungen für die Feier zu widmen. Es würde sicherlich nicht lange dauern, bis sie sich einmischte. Zumindest hoffte Yelir das. Es war ihm lieber, wenn sie aus erster Hand wusste, was geplant war. Vielleicht hatte sie noch ein paar Ideen. Immerhin hatte sie ihm bisher immer geholfen.
Dieses Mal war es jedoch anders. Selbst nach einer Stunde hatte sie nicht einmal gelesen, was er alles geplant hatte. Sie wusste nicht, welche Bereiche für die Feierlichkeiten vorbereitet werden mussten, noch wusste sie, was von ihr erwartet wurde.
Besorgt wandte sich Yelir um und bemerkte überrascht, dass sie eingeschlafen war.
Unweigerlich musste Yelir lächeln. Sie hatte die letzten Wochen viel gearbeitet und es sich verdient.
Langsam erhob er sich, um eine Decke zu holen, die er ihr über die Schultern legte. Sie sollte schlafen und später, wenn alles geplant war, würde er es ihr zeigen und ihre Zustimmung erfragen. Vielleicht hatte er zu sehr darauf gehofft, dass sie es war, die ihm ein paar Hilfestellungen gab. Er wusste zwar, wie eine solche Feier abgehalten wurde, doch auf der Burg war es ein ganz anderes Kaliber als in der Familie. Nicht mehr klein und familiär, sondern repräsentativ.
Davon hatte er jedoch keine Ahnung.
Es fiel ihm schwer, einzuschätzen, was zu viel war und was zu wenig. Daher hätte er auch gern Zunaes Rat gehabt. Aber sie zu wecken kam nicht in Frage.
Schnell hinterließ er ihr einen Zettel, bevor er sich auf den Weg zu Dainte machte. Degoni wäre sicher keine große Hilfe, wieso er nicht einmal fragte. Und seinen Vater wollte er nicht fragen, weil dieser bloß Charlet zu Rate ziehen würde. Diese war über die vielen, fremden Menschen gar nicht begeistert und auch Lacrew hatte sein Missfallen geäußert. Etwas, was Yelir bis heute nicht verstand.
Als Yelir bei Daintes Räumen ankam, klopfte er, bevor er einfach eintrat.
Als er eine Frau auf einer Untersuchungsliege entdecke, hielt er inne und wandte den Blick zu Boden. Sie war oberkörperfrei und wurde gerade von Dainte abgetastet. Dieser ließ sich von Yelir nicht stören, doch die Frau lief rot an und wandte ebenfalls den Blick ab.
»Dem Kind geht es gut«, sagte Dainte schließlich und deutete ihr, sich wieder anzuziehen.
Dainte war der einzige, den Ywlie bezüglich Zunaes Fehlgeburt in Kenntnis gesetzt hatte. Auch, wenn er die Gründe dafür ausgelassen hatte. Nur so war es ihm gelungen, dass in der Burg nicht darüber gesprochen wurde. Eigentlich hätte er eine Ankündigung machen müssen, doch das konnte er Zunae nicht antun. Jedes Mal, wenn sich nur ein ähnliches Thema angesprochen wurde, konnte er ihr die Qualen ansehen.
»Danke«, murmelte die Frau und erhob sich.
Dann knickste sie leicht vor Yelir, bevor sie förmlich aus dem Zimmer rannte.
Dainte wischte sich die Hände an einem Tuch ab, während er zu Yelir blickte.
Dieser sah auf und lächelte schief. »Tut mir leid, ich wusste nicht, dass du Patienten hast«, sagte Yelir, der sich das hätte denken können.
Dainte zuckte die Schultern, während er Yelir betrachtete und schließlich den Lappen zur Seite warf. »Was kann ich für dich tun? Geht es Zunae gut?«, fragte er, während sich seine Augen verengten.
»Sie schläft. Ich wollte deine Meinung zu dem kommenden Fest wissen«, erklärte Yelir, dessen Finger an dem Notizblock herumspielten. Es war das erste Mal, dass er andere, besonders Dainte, nach ihrer Meinung fragte. Er wusste gar nicht, wie er das anstellen sollte.
»Du meinst das Leuchten der Sommersterne?«, fragte Dainte, der sich am Kinn kratzte. Er hatte davon gehört, dass Yelir es auf der Burg mit all den Menschen aus Vereven feiern wollte. Er hielt es für eine gute Idee, denn Ablenkung konnte gut für die Kinder sein.
»Genau. Ich wollte Zunae nicht wecken, aber ich bin mir bei einigen Dingen unsicher. Gerade, weil es keine Familienfeier wird«, erklärte Yelir, der sich im Nacken kratzte.
»Lass mal sehen«, bat Dainte, der auf die kleine Ecke mit der Sitzbank deutete.
Beide ließen sich nieder, bevor Yelir seinem Cousin die ganzen Ideen erklärte.
Er hatte ein Feuer im Sinn, das in einem der Innenhöfe gemacht werden sollte. Für die Kinder gab es ein paar Spiele, die allerdings bereut werden mussten. Dazu war es wichtig, einige Erwachsene zu finden.
Außerdem hatte er einige Speisen notiert, die zu dieser Zeit leicht zu bekommen waren. Yelir wollte die Ausgaben in Grenzen halten.
Die Burg hatte zwar mittlerweile einige Einnahmen, doch diese reichten kaum, um die täglichen Ausgaben zu bewältigen. Daher war er noch immer sehr von Zunaes Geld abhängig. Etwas, das ihm nicht gefiel.
»Die Ideen gefallen mir, aber das Feuer … könnte Probleme machen«, erklärte Dainte besorgt.
»Oh«, stieß Yelir aus, der seine Augen leicht weitete. Daran hatte er wirklich nicht gedacht. Ob Zunae ebenfalls Probleme mit Feuer hatte? »Dann lieber kein Feuer«, murmelte er. Er würde etwas anderes finden müssen, das als Zentrum der Feier passend war. Etwas, das keine Ängste weckte.
»Ich habe sie alle von einem Kristall sprechen hören. Sie scheinen diesen wirklich zu verehren«, bemerkte Dainte, der nicht so genau wusste, was sie meinte. Er war erst nach dem Regenfall in Vereven angekommen und hatte daher nur davon gehört.
Yelir rieb sich das Kinn. Zunaes Kristalle. Vielleicht konnten sie diese auf eine Art nutzen, um die Umgebung angenehmer zu gestalten. Damit sich alle wohlfühlten.
Allerdings würde er dafür Zunae brauchen. Nur sie konnte diese Magie nutzen.
Er selbst beherrschte zwar die Schattenfortbewegung, doch das brachte ihn im Moment auch nichts.
»Ich kann mit Zunae sprechen«, bemerkte er, wusste aber nicht, ob sie verstand, was an diesem Tag wichtig war. Ob er mit Chiaki sprechen sollte? Immerhin war dieser Tag da, um ihn als Gott zu ehren. Vielleicht hatte er besondere Wünsche.
Er konnte sich eine große Katze aus Kristallen gut vorstellen.
Dainte machte noch ein paar weitere Vorschläge, doch so richtig konnte sich Yelir das alles noch nicht vorstellen.
Er war einfach nicht gut darin, solche Dinge zu organisieren.
Kurz kam Yelir sogar auf die Idee, vielleicht Ariel zu fragen, doch dann würde es nur wieder Probleme geben. Er wollte Zunae nicht das Gefühl geben, ihr fremd zu gehen.
»Vielleicht fragst du die Mütter mit ihren Kindern. Wir hatten glaube ich nie irgendwelche Kindersachen in den Festen«, bemerkte Dainte, da er sich schon die ganze Zeit fragte, was er für die Kleinsten tun konnte.
»Klingt nach einer guten Idee«, murmelte Yelir, der sich nicht wirklich wohl dabei fühlte, mit den Frauen zu sprechen. Allein die Vorstellung daran, ließ ihn innerlich unruhig werden. Was, wenn er etwas Falsches sagte? Er wollte sie nicht verschrecken.
Yelir stieß den Atem aus und wandte sich zur Tür um, um sich darum zu kümmern. Als er jedoch in den Flur trat, fand er Zunae vor, die draußen an der Wand lehnte. Ihr Blick war auf die Tür gerichtet und als er diese schloss, lächelte sie. »Bist du weiter gekommen?«, fragte sie, ohne eine Spur von Müdigkeit. Das Nickerchen hatte wirklich geholfen.
Yelir lächelte schief, trat auf sie zu und nahm sie langsam in den Arm. Ihr Duft hüllte ihn ein und sorgte dafür, dass sich seine Schultern langsam entspannten.
Zunae hob die Hand und streichelte sanft Yelirs Rücken. »Du machst das gut«, versicherte sie, während er sein Gesicht an ihrem Hals vergrub. »Lass mich dir beim Rest helfen.«
Yelir stieß den Atem aus, bevor er sanft ihren Hals küsste und sich dann von ihr löste. »Danke«, murmelte er. Ihre ganze Gegenwart ließ ihn sich besser fühlen. Plötzlich hatte er keine Sorgen mehr, sich an die Frauen und Kinder zu wenden. Nicht, wenn Zunae an seiner Seite war.





























































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