Ascardia 3 – Kapitel 8
~Cayden~
Ich hatte es wirklich getan. Sie zur Auswahl in die Graustein-Ketten einzuladen war die beste Variante. Es war nötig, doch wieso schmerzte die Vorstellung daran so sehr?
Ascardia strahlte, doch ich spürte ein Stechen in der Brust. Wenn sie wüsste, was der Grund dazu war, würde sie wieder weinen.
Ich erinnerte mich an gestern Nacht. Ihre Tränen hatten mich mehr berührt, als ich jemals zugeben wollte. Ich wollte sie nie wieder so sehen und doch legte ich alles darauf an.
Ich war wirklich ein Monster.
Aber nur so konnte ich sie schützen.
Langsam richtete ich meinen Blick auf Ascardia, die zufrieden ihr Essen aß. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass da noch immer Anspannung war. Wie bei unserem ersten Treffen, wenn auch nicht ganz so schlimm.
Hatte sie etwas bemerkt? Nein, das konnte nicht sein. Sie würde nicht verstehen, was ich vorhatte.
»Bist du heute wieder unterwegs?«, fragte sie und blickte zu mir auf.
Es war so schwer ihren Blick zu erwidern, doch ich versuchte es. Allerdings erwischte ich mich immer wieder dabei, wie mein Blick an ihr vorbei ging. Jedes Wort konnte ihr erneut die Tränen in die Augen treiben und das wollte ich nicht. Ich musste also weise wählen, was ich sagte.
»Für deine Magiestunden bin ich da«, erwiderte ich. Die Versammlungen waren fast beendet und ich hatte wieder mehr Zeit, doch es gab auch einiges vorzubereiten. Wenn ich im Anwesen blieb, ließ ich mich zu sehr ablenken. Sie in meiner Nähe zu wissen, ließ mich permanent an sie denken.
Ein Lächeln wanderte auf ihre Lippen, das bei mir Frust auslöste. Ich wusste, dass ich ihr Vertrauen nicht derart missbrauchen sollte, aber … was sollte ich sonst tun?
Konnte ich das Kommende vielleicht etwas erleichtern?
Ayden hatte vorgeschlagen mich langsam zu distanzieren. Vielleicht keine schlechte Idee, doch würde ich das durchhalten?
»Fürst Verdant hat zum Erntedankfest geladen«, sagte ich, ohne mir großartig Gedanken darüber zu machen, warum.
Es war erst in ein paar Wochen und ich wusste nicht, was bis dahin alles passieren würde. Eigentlich hatte ich nicht vorgehabt, aufzutauchen, doch ich wusste, wie sehr Ascardia die Frauen von Fürst Verdant mochte. Sie schrieben sich ständig Briefe. Außerdem vermisste ich das Gefühl, mit Ascardia zu tanzen.
»Ich habe davon gehört«, verkündete sie strahlend.
Ich verstand noch nicht, wie sie meine Gefühle derart in Unruhe bringen konnte.
Warum spürte ich das Drängen diese Lippen zu küssen, um mich für all das zu entschuldigen, was ich bereits getan hatte? Dabei wusste sie davon nicht einmal etwas.
»Wir sind eingeladen«, verkündete ich ihr, was ihr Gesicht noch ein wenig mehr aufhellte. Als wäre sie die Sonne selbst, die gerade am Zenit stand.
»Gehen wir?«, fragte sie und erhob sich sogar.
Überraschung machte sich in mir breit, als sie meine Hände griff und mich mit diesen wunderschönen goldenen Augen ansah. Der rote Ring darin leuchtete auffordernd. »Ich weiß, du hast viel zu tun, aber du solltest dich nicht überarbeiten. Ein bisschen Ablenkung wird dir gut tun.«
Ihre Worte ließen die kalte Hand um mein Herz noch fester zugreifen. Sorgte sie sich wirklich um mich oder wollte sie einfach mit mir zu dem Fest?
Wäre sie sehr enttäuscht, wenn ich ablehnte?
Nachdenklich musterte ich ihren Ausdruck. Allein die Vorstellung, dass sie mich anlächelte und dann in der Nacht darüber weinte, ließ mich weich werden.
Ich versuchte sogar, ihr ein Lächeln zu schenken, auch wenn es nur leicht an meinen Mundwinkeln zuckte. »Wenn du das möchtest«, gab ich mich geschlagen.
Warum hatte ich das Fest überhaupt angebracht? Es wäre besser gewesen, den Mund zu halten, doch ich wollte mit ihr hin. Auch, wenn es das alles nur noch schwerer machen würde.
Ihr Lächeln ließ mich impulsiv handeln. Ich zog sie an mich und kurz darauf saß sie auf meinem Schoß. Wir hatten schon so oft so gesessen. Ihr Duft umspielte meine Nase, doch die Ruhe kam nicht. Stattdessen verstärkte es mein schlechtes Gewissen. Das hätte ich nicht tun sollen. Ich hätte mich beherrschen müssen. Aber in ihrer Gegenwart war das so schwer.
Ascardia schmiegte sich an mich, doch ich erstarrte. Was tat ich hier?
Warum zog ich sie näher, wenn ich sie doch auf Abstand halten sollte?


























































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