Ascardia 3 – Kapitel 7
~Ascardia~
Helles Licht riss mich aus meinem Schlaf. Caydens Geruch und seine angenehme Kühle hallten noch immer nach, weshalb es mich ärgerte, zu erwachen.
Ich schlug die Augen auf und entdeckte Issabella, wie sie die Vorhänge aufzog. »Was ist los?«, fragte ich gähnend. Es war schon länger her, dass sie mich so zeitig aus dem Bett scheuchte.
»Fürst Veylenreach möchte mit Euch frühstücken«, verkündete sie.
Mein Herz machte einen Sprung. So schnell wie ich konnte sprang ich aus dem Bett, um auch gleich mein Nachtkleid von mir zu schmeißen.
Issabella beobachtete mich mit einem vorsichtigen Schmunzeln. »Ich habe Euch bereits ein Kleid herausgesucht«, sagte sie und deutete auf einen Stuhl.
Es war ein einfaches Kleid mit kurzen Ärmeln und kurzem Rock.
Obwohl ich meine Beine nicht so gern zeigte, streifte ich es sofort über. Für die Temperaturen war es gut geeignet und ich wusste, dass es Cayden gefiel.
Eigentlich wollte ich sofort losrennen, um so viel Zeit wie möglich mit Cayden zu verbringen, doch ich ließ mich auf den Stuhl nieder, sodass Issabella wenigstens meine Haare machen konnte. So zerzaust wie sie waren, würde ich keinen angenehmen Anblick bieten und das wollte ich vermeiden.
Mit schnellen Handgriffen bändigte Issabella meine braune Mähne und band sie schnell zu zwei Zöpfen.
Es war, als wüsste sie, dass ich möglichst keine Zeit verschwenden wollte.
Ich hatte ihn so lange nicht mehr richtig gesehen und wusste nicht einmal, ob die letzte Nacht nur ein Traum gewesen war.
Dieser Gedanke ging mir durch den Kopf, während ich so schnell es ging durch die Gänge rannte.
Runa wich mir sogar mit einem überraschten Geräusch aus. Ich rief ihr eine schnelle Entschuldigung zu und hielt dann vor dem Speiseraum an.
Einmal tief durchatmend hob ich die Hand zur Tür, die jedoch wie von selbst aufschwang, bevor ich sie überhaupt berühren konnte.
Sofort machte mein Herz einen weiteren Satz und ein Lächeln legte sich auf meine Lippen, als ich eintrat.
Kristalline, eisblaue Augen richteten sich auf mich.
Cayden saß ruhig wie immer am Kopfende des Tisches. Erhaben wie eine Statue. Keine Regung war zu sehen, als ich leicht knickste. »Guten Morgen.«
Ein Stuhl direkt neben ihm bewegte sich. Eine Einladung, der ich sofort nachkam.
Es fühlte sich so vertraut an, dass meine Lippen wie von selbst das Lächeln hielten.
»Hast du gut geschlafen?«
Cayden hob seine Hand, als ich mich gesetzt hatte und zu ihm sah, um zu antworten.
Seine Finger fuhren über meine Wangen, als würde er etwas suchen. Dann fuhr er mir sogar leicht über die Lider.
»Habe ich«, bemerkte ich leise. Die letzten Tage waren von unruhigem Schlaf geprägt, doch diese Nacht hatte ich tief durchgeschlafen. »Dank dir.«
Ich glaubte, dass kurz ein überraschter Ausdruck über sein Gesicht huschte, doch fast sofort war er wieder kontrolliert. Sein Gesichtsausdruck selbst für mich schwer zu lesen. Als würde er sich wirklich Mühe dabei geben, mir nichts zu zeigen.
»Wie ist die Versammlung gelaufen?«, fragte ich. Bis jetzt hatte er immer alles mit mir geteilt, darum dachte ich mir nicht viel bei dieser Frage. Ich wollte einfach nur wissen, ob er alle Arbeit erledigt hatte.
»Die Opferungen der Frauen wurden auf den Winter vorgezogen«, erwiderte er. Keine Spur von Emotionen in der Stimme, was mir einen Schauer über den Rücken laufen ließ.
Ich erinnerte mich daran, wie es bei mir gelaufen war und lächelte leicht. Auch, wenn es so klang, war es nicht unbedingt etwas Schlechtes. »So oft?«, fragte ich, denn ich hatte erwartet, dass es mindestens einhundert Jahre dauerte. Das waren immerhin die Legenden, die man sich bei uns erzählte.
Während ich aß, bemerkte ich seinen starrenden Blick. Einen, den ich gewohnt sein sollte, doch er war irgendwie anders. Abwesender. »Einmal im Jahr. Dieses Mal sind die Graustein-Ketten dran. Es wird eine öffentliche Auswahl.«
Ich konnte ihm nicht ganz folgen, weshalb ich schluckte und mich ihm zudrehte. »Öffentliche Auswahl?«
»Bei einer öffentlichen Auswahl, kündigen wir uns an und suchen die Frauen direkt vor Ort aus.«
Es war eine kurze Erklärung, doch sie passte sehr gut zu Cayden. Was mich jedoch verwirrte, war die Art, wie er an mir vorbei blickte. Fast so, als könnte er mir dabei nicht in die Augen sehen.
»Das heißt … du wirst in die Graustein-Ketten gehen?« Ich hatte noch nie einen Fae gesehen. Vermutlich passierte das so selten, dass sich niemand mehr daran erinnern konnte.
Cayden nickte ganz leicht, was mein Herz wild klopfen ließ. »Kann ich … irgendwie helfen?«, wollte ich wissen. Sicherlich brauchte es viel Vorbereitung.
Caydens Blick richtete sich nun doch direkt auf mich. Nicht mehr an mir vorbei, was mich einen Moment noch unruhiger machte. Ich hatte das Gefühl, dass er über irgendwas nachdachte.
»Das wird nicht möglich sein«, sagte er nach einem kurzen Moment Stille, als hätte er wirklich darüber nachgedacht.
Seine Antwort befriedigte mich jedoch nicht. Etwas stimmte nicht, doch ich verstand nicht, was.
»Weil ich nicht mit in die Graustein-Ketten kann?«, fragte ich zögerlich.
Cayden fixierte mich erneut. »Nein. Gerade, weil du mitkommen wirst.«
»Was?«, stieß ich überrascht hervor, hatte ich doch nichts Dergleichen erwartet.
War es schon einmal vorgekommen, dass eine geopferte Frau zurückgekehrt war? Ich war doch noch nicht einmal ein Jahr hier.
»Ist das wirklich in Ordnung?«, fragte ich zögerlich. Was dachte er sich dabei.
»Issabella wird hier alles vorbereiten. In der Zeit werde ich dir Mishelle zur Seite stellen«, erklärte er, ohne auf meine Frage einzugehen.
Ich spürte einen ganz kleinen Stich, denn normalerweise wich er nicht derart aus.
»Was muss ich beachten?«, wollte ich wissen. Musste ich mich vorbereiten oder etwas wissen? Was war meine Aufgabe, wenn ich dabei sein sollte?
»Erst einmal wirst du dich auf Schwertkampf und Magie konzentrieren«, erwiderte er, doch sein Blick ging erneut an mir vorbei.
Meine Nackenhärchen stellten sich auf. War das der Grund, warum er aktuell so stark darauf bestand, dass ich übte? Damit ich mich verteidigen konnte, wenn ich in die Graustein-Ketten mitging?
Das war eine Möglichkeit, doch so richtig zufrieden war ich mit dieser Antwort nicht. Allerdings glaubte ich nicht, dass Cayden mir auf diese Frage antworten würde. Als hätte er etwas zu verheimlichen.





























































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